Okay…
Vielen Dank erstmal für alle Tips.
Einige haben mir nahegelegt, mein Problem kurz zu umschreiben, das ist ein bisschen schwierig.
Erst mal wollte ich sagen, daß ich aufgrund von Depressionen und Suizidgedanken schon in Therapie bin. Da liegt es natürlich nahe, daß ich mein Problem gleich mit meiner Therapeutin bespreche, doch ich denke es ist trotzdem hilfreich, andere Ansprechpartner zu haben, mit denen ich mich, besonders abends, wenn es mir schlecht geht, besprechen kann.
Mein Problem ist, daß ich heftige Selbstzweifel habe. Ich lernte vor ca. 2 ½ Jahren in Südamerika einen Menschen kennen, den ich so sehr liebte, daß ich glaubte, ich müsste daran sterben. Wir waren ein halbes Jahr zusammen und es war die schönste, aufregendste und aussergewöhnlichste Beziehung, die ich bisher hatte. Während der Beziehung lebte ich in einer anderen Welt und war sehr glücklich. Dann musste ich zurück nach Deutschland, was ich auf keinen Fall wollte, aber es gab für mich keine Möglichkeit, dort zu bleiben. Trotz gemeinsamer Zukunftspläne meldete er sich nach ein paar Wochen nie wieder bei mir.
Ich habe schrecklich gelitten und denke heute noch jeden Tag daran. Es gab zwischen uns nie ein Gespräch nach der „Tennung“, da ich keine Möglichkeit hatte, ihn irgendwie zu erreichen.
Seit dieser Zeit leide ich unter Depressionen, ich habe 25 kg zugenommen, fühle mich hässlich und nichtsnutzig. Ich vermisse die Zeit und das stolze Gefühl, dass sich jemand wie er in mich verliebt hat. Er sah furchtbar gut aus und war so romantisch und zuvorkommend.
Ich bin zur Zeit völlig unglücklich und manchmal denke ich an das zurück, was ich verloren habe (damit meine ich nicht in erster Linie nicht ihn , sondern mein Selbstwertgefühl, mein Glück und meine Freude, das Gefühl, geliebt zu werden und selber so verliebt zu sein.) und dann tut mir alles so weh und ich weiß nicht weiter. Ich vermisse diese Situation und immer wenn ich spanische Musik höre, oder wenn jemand spanisch spricht, wenn ich im Fernsehen etwas über die Plätze sehe, an denen wir zusammen waren, dann erinnere ich mich und ich habe Angst, daß ich das nie wieder loswerde.
Das alles ist schwer in ein paar Sätzen zusammen zu fassen, aber vielleicht können einige verstehen, wie ich mich fühle.
Lotta
Liebe Lotta!
Es tut mir sehr leid für Dich und ich kann Dich auch sehr gut verstehen.-
Dass Du eine Therapie machst und auch hier Deine Situation schilderst, sind meiner Meinung nach die ersten kleinen Schritte in die richtige Richtung. Wenn man etwas so wertvolles wie Du verloren hat - und damit meine ich neben Deinem Freund, der Liebe und dem Glück auch vor allem Dich selbst -, dann ist das erstmal so, als ob man das Gehen neu erlernen müsste. Aber die Therapie, das Reden mit Freunden und insbesondere auch mit Betroffenen bringt Dich immer weiter auf Deinem Weg nach vorne.
Die Idee von Vanessa, dass Du Dich noch nach einer Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe umsiehst, ist sicher sehr gut. Aber um nochmals auf Dein Anliegen „Online-Beratung“ einzugehen, möchte ich Dir sagen, dass auch ich mit dem Tip von Nicole
http://www.seelsorge.net
gute Erfahrungen gemacht habe. Vielleicht solltest Du da einfach mal hinschreiben. Meiner Meinung nach haben nämlich die Kontakte im Internet einen besonderen Vorteil: Du musst schreiben! Auch wenn es für jeden einzelnen anders ist, so denke ich doch, dass schreiben generell sehr hilfreich sein kann. Ausserdem könntest Du damit die quälenden Abendstunden ein bisschen besser überbrücken. Das wichtigste aber ist, dass man beim Schreiben oft über einige Dinge plötzlich Klarheit erhält. Und wo es ein bisschen klarer ist, da ist es doch schon nicht mehr so dunkel. Wenn Du es nicht bereits getan hast, dann könntest Du auch mal an Deinen Freund einen Brief schreiben (den Du zuerst einmal in Gedanken, ihn nicht abzusenden, schreiben solltest). Ich kenne da eine bestimmte Methode, die mir sehr geholfen hat. Wenn Dich das interessiert, melde Dich doch kurz per mail bei mir.
Manchmal sieht es so aus, als ob man einen Schritt nach vorne macht und zwei wieder zurück. Manchmal sieht es so aus, als ob man überhaupt nicht mehr vom Fleck kommt. Aber es gibt Wege, die wachsen unter den Füssen!
Alles Liebe!
Rayuela
Liebe Lotta,
nett, daß Du offen über die Geschichte schreibst - das ist sicherlich schon ein recht gutes Zeichen für Fortschritt und Überwindung.
Eine regelrechte psychologische Behandlung könnte ziemlich lange dauern schätze ich. Es wird vermutlich etliches aus der Vergangenheit besprechbar sein, das evtl. erklären kann, warum Dich persönlich diese zeitlich befristete (und kulturell / geografisch so „andere“) Beziehung derart fasziniert, gepackt und nach der (fast unvermeidlichen) Trennung so extrem stark mitgenommen hat. Die Frage ist, ob Dir momentan nach einer tiefen Erklärung überhaupt suchst oder suchen solltest, oder ob eher ein pragmatisches Bewältigen besser ist. Ist Dir eine weitere, längerfristige therapeutische Beziehung dienlich, ist sie Dir es wert?
Für Leute, die für sich selbst einmal in sich gehen wollen, die es aber mit Kirche oder auch sog. „Sekten“ nicht so haben, schlage ich einen völlig kostenfreien (!), unverbindlichen und anstrengenden, aber sehr interessanten zehn-tägigen „b u d d h i s t i s c h e n“ M e d i t a t i o n s k u r s vor.
Man sollte dafür aber einigermaßen fit und stabil sein, denn es ist eine echte Herausforderung. Allerdings gibt es einem ein gutes Mittel eine klasse konkrete, praktische und soweit ich selbst erfahre ungefährliche „Technik“, um kompakt und für die eigene Zukunft Selbstkontrolle, Selbstbewußtsein und Selbst-verständnis (wieder) zu erlangen, sowie gegen mögliche andere Krisen des Lebens gerüstet zu sein.
Nähere Informationen über diese (ganz und gar nicht kommerziellen) Kurse z.B. in Bad Herrenalb bei Karlsruhe:
http://www.dhamma.org
In jedem Falle viel Glück und gute Wünsche,
Thorwald
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