Überzeugungskraft

Wie teilt man jemanden seine Meinung, Haltung oder Argumente mit, die ihn betreffen, aber die er nicht hören will?
Dieses Problem habe ich mit meinem Mann. Und weil ich nicht genau weiß, auf welches Brett es eingeordnet gehört (hat ja weder mit Lust noch mit Liebe zu tun :wink: , bin ich hier gelandet.
Mein Mann ist Uhrmachermeister, und hat sich zusammen mit einer Goldschmiedin selbstständig gemacht. Und weil das Geld zu Anfang nicht in Strömen geflossen ist, habe ich eine vormittägliche Teilzeitstelle angenommen. Die mußte ich wieder aufgeben, weil ich mit dem schlechten Betriebsklima nicht klar gekommen bin. Nun jobbe ich früh morgens 2 Stunden, gehe dann in unseren Laden arbeiten, und nachmittags bin ich Mutter und Hausfrau. Das kostet nicht wenig Kraft (abends Buchhaltung, Wochenende Aufräumen und Deko).
Mein Mann will, dass ich mir wieder eine Arbeit als Bürokraft suche, und ansonsten nach Bedarf für Firma und Familie da bin.

  1. will ich nicht mehr ins Büro. Das liegt mir nicht. Ich habe angefangen das Goldschmieden zu erlernen, weil ich langfristig die überarbeitete Goldschmiedin entlasten will und weil mir das Spaß macht und weil ich handwerklich nicht so ungeschickt bin wie im Büro als Sekretärin.
  2. Auf die Dauer halte ich diese tägliche Hin- und Her-Rennerei nicht durch. Ich sehe mich in 5 Jahren als eine Goldschmiedin, die wertvolle Arbeit abliefert, die auch bezahlt wird.

Klar, wenn ich eine Anstellung habe, ist meine Rente weiterhin einbezahlt und ich bringe zusätzliches Geld nach Hause, das nur gut tut.
Aber bin ich ein Nutztier oder ein Mensch?
Mein Mann weigert sich irgendwelche Pläne meinerseits ernst zu nehmen. Er hat andere Pläne und Zukunftsängste.
Da es mich aber mitbetrifft, schlucke ich dieses Verhalten auf die Dauer nicht runter („nein, Du hörst mich an, und dann kein Wort mehr“). Die Sache, meine Goldschmiederei bei ihm durchzusetzen, hat mich sehr viel Überzeugungskraft gekostet. In manchen Angelegenheiten bleibt mir nur noch ihn vor vollendeten Tatsachen zu stellen.
Aber nun ist mein Ideentopf leer, und ich habe allmählich so viel Ärger in mir, dass ich die passende Portion Nüchternheit nicht mehr aufbringe.

Danke im voraus
Claudia

hallo claudia,

zuerst mal eine frage: würdest du den beruf auch erlernen wollen, wenn es deinen mann nicht gäbe? (meine eigene erfahrung: viele meiner interessen und hobbies - die ich für meine ureigensten gehalten hatte! - fielen mit einem schlag weg, als mein mann nicht mehr da war.)

zu deinem problem: daß du dieses hin und her auf dauer nicht durchhalten kannst, ist klar. wenn du dir jetzt konzept erarbeitet hast, von dem du überzeugt bist, und dein mann für die argumente noch nicht mal zugänglich ist, solltest du jetzt mit argumentieren aufhören und zur tat schreiten. setze ihn über dein konkretes vorhaben in kenntnis - und mache die ausbildung!

ich weiß, daß das es einfach ist, diese haltung konsequent durchzusetzen aber eine andere möglichkeit gibt es nicht (ich weiß sehr gut, wovon ich rede *seufz*).
leider habe ich jetzt keine zeit, ausführlicher auf dein problem einzugehen. aber wenn du willst, schick mir eine mail (wird heute abend beantwortet)

liebe grüße
ann
(die in ihrem 1. leben auch mal uhrmacherin war. aber das tut nix zur sache…)

Hallo Claudia,

ich kenne Dich nicht und so mag es sein, dass mein Vorschlag weder Dir, noch Deinen Moeglichkeiten entspricht:
Melde Dich an (da Du noch keine richtige Goldschmiedin bist eben als „Schmuckdesignerin“). Kaufe Dir einen Werktisch, einen Haengebohrmotor, ein paar Fraeser, … und baues das bei Dir zuhause auf. Gehe dann zu den Goldschmieden in Deiner Umgebung (aber nicht zu Deinem Mann) und biete Deine Dienste an. Erstmal eben nur das was Du kannst und auch das nur superbillig, denn es kommt in den ersten Monaten nur darauf an das Vertrauen Deiner Kunden zu gewinnen. Wenn Du die ersten Monate nur Guesse verschruppst ist das zwar noch nicht das, was Du Dir vielleicht erhoffst, aber es ist ein Schritt in diese Richtung. Spaeter kannst Du die Preise erhoehen und Lernen wirst Du zwar langsamer als mit einem Meister im Ruecken aber dafuer gewinnst Du vom ersten Tag an an Selbstvertrauen.

Gruss, Marcus

bin schon am werken
Hallo Marcus,

danke für Deine Antwort.
Ich bin bereits in Goldschmiede Ausbildung. Leider entspreche ich zur Zeit nicht dem Bild, das mein Mann von mir hat, und versucht mich immer ein wenig von meinem eingeschlagenen Weg zu schupsen, der zugegebener Maßen weder Ziel noch Bequemlichkeit aufweist.
Wahrscheinlich kann ich ihn nicht beruhigen, bis ich beweisbar Erfolge habe. Bis dahin muß ich durchhalten.

Tischler ist ein tolles Handwerk. Wir arbeiten mit einem Tischler zusammen, den wir liebevoll Holzwurm nennen.
Ich selbst stamme seit Generationen von Handwerkern ab. Nach langen beruflichen Irrungen bin ich endlich heimgekehrt. Doch auf berufliche Verwirklichung haben wohl eher Männer als Frauen Anspruch. So kommt es mir manchmal vor.

Viele Grüße
Claudia

Kämpfe
Hallo Claudia,

erst mal muß ich sagen, daß ich bewundere, wie zielsicher Du Deinen Weg gehst, trotz allem, was sich Dir in selbigen stellt. Da bist Du schon weiter als viele andere. :smile:

Ich bin bereits in Goldschmiede Ausbildung. Leider entspreche
ich zur Zeit nicht dem Bild, das mein Mann von mir hat, und
versucht mich immer ein wenig von meinem eingeschlagenen Weg
zu schupsen, der zugegebener Maßen weder Ziel noch
Bequemlichkeit aufweist.

Du bist beharrlich, ausdauernd und sicherlich auch begabt. Woher nimmt Dein Mann das Recht, Dir das verbieten zu wollen?
Wie gesagt, was Du tust, ist bewundernswert.
Aber ich habe das Gefühl, Du fügst Dich in die Haltung Deines Mannes:

Wahrscheinlich kann ich ihn nicht beruhigen, bis ich beweisbar
Erfolge habe. Bis dahin muß ich durchhalten.

Du hältst eben durch, beißt Dich durch, eträgst seinen Widerstand, ohne aufzugeben… aber auf Dauer zehrt das doch sicher an Deinen Kräften. Vielleicht ist das gar nicht nötig.

Du hast so viel zu tun und gibtst wertvolle Ressourcen ab, indem Du gegen ihn kämpfst. Glaubst Du nicht, daß es einen Weg geben kann, ihn zu Deinem Verbündeten zu machen (der er als Dein Mann auch sein sollte…)? Das würde Dir Dein Leben einfacher machen - und ihm sicherlich auch. Denn bestimmt hat auch er keine Freude daran, immer gegen Dich, statt mit Dir, leben zu müssen.

Ich selbst stamme seit Generationen von Handwerkern ab. Nach
langen beruflichen Irrungen bin ich endlich heimgekehrt. Doch
auf berufliche Verwirklichung haben wohl eher Männer als
Frauen Anspruch. So kommt es mir manchmal vor.

Hast Du ihm das schon mal so gesagt? Vielleicht solltest Du das versuchen. Ihm zu sagen, wie viel Dir das bedeutet, wie glücklich Du damit bist, daß es für Dich endlich ein Nach-Hause-Kommen bedeutet, daß Du darin endlich Deine Bestimmung findest… und daß es Dich erschöpft, auslaugt und verletzt, immer gegen ihn arbeiten zu müssen. Du hast ihn so lange unterstützt. Jetzt ist es an der zeit, daß er Dich unterstützt.

Natürlich kenne ich ihn nicht, vielleicht ist er solchen gesprächen gegenüber gar nicht offen. Aber ich würde es wirklich mal versuchen. Ohne Vorwürfe, aber so, daß er es versteht. Vielleicht ist ihm noch gar nicht klargeworden, wie wichtig Dir das wirklich ist.

Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin,
Nike