Also mein Traum: ich fahre mit einem Auto durch den Uhrwald,
es ist ziemlich duster, ueberall Tiere, Schlangen, Voegel und
anderes Getier. Man hoert die typischen Uhrwaldgerausche und
ich glaube links und rechts ist Wasser. Ich fahre das Auto
selbst , es sitzen zwei Maenner im Auto einer davon ist Arnold
Schwarzenegger an den Anderen kann ich mich nicht mehr
erinnern, ich konnte sein Gesicht auch nicht sehen. Es sitzt
auch mein einjaehriger Sohn im Auto. Ploetzlich mussen wir
anhalten weil es nicht mehr weitergeht vor uns ein Fluss. Wir
steigen aus nur mein Sohn bleibt drin. Das Auto setzt sich in
Bewegung und versinkt im Wasser. Es passiert alles ganz
langsam und ich kann doch nichts tun. Ich schaue nur zu wie
mein Sohn ertrinkt. Dann wache ich auf. Wenn ich jetzt den
Traum beschreibe wird mir immer noch ganz schlecht dabei.
Also ueber eure Anregungen wuerde ich mich sehr freuen.
Hallo Simona,
dein Traum ist sehr beeindruckend mit seiner Bildersprache, die
sich in starken Kontrasten abwickelt: mir faellt zunaechst auf,
dass du, die einzige Frau in dem Traum, der Chauffeur fuer drei
„Maenner“ bist, von denen doch zumindest einer (A.S.) ein
„gewaltiges Mannsbild“ und „Held“ ist. Warum sitzt er nicht am
Steuer, sondern laesst sich von einer Frau durch den Urwald
bringen, in einem Auto, das (immer noch) eher „Maennersache“ als
„Frauensache“ ist und auch nicht in einen Urwald gehoert sondern
auf eine Strasse?
Die drei „Maenner“ sind ebenfalls hoch kontrastiv: ein
maennliches Baby, das neben den beiden anderen zwar ein
„Noch-Nicht-Mann“, aber als dein Sohn doch der einzige fuer dich
„reale Mann“ in dem Traum ist, dann derjenige, der keine
Persoenlichkeit besitzt, da sein Bild dir nicht erinnerlich
bleibt, dann der A.S., der zwar „Mannsbild“, aber auch wiederum
keine Persoenlichkeit ist.
Ich sehe es so, dass dich im Traum die Zukunft deines Sohnes
beschaeftigst, naemlich die Tatsache, dass er ein „Mann“ wird
und schon auf dem Weg dahin ist. Das Schwarzenegger-Bild
„verkoerpert“ extrem den virilen Archetypus und die
„Persoenlichkeit“ dazwischen bleibt im Dunkeln. Was aber auf dem
Weg deines Sohnes zum Mann liegt, sagt der Traum verschluesselt:
es ist der Fluss, an den du als Mutter das Baby bringst und in
dem es dann „als dein Kind stirbt“, sterben muss, um zum Mann zu
werden. Das ist eigentlich ein wunderschoenes Bild, denn der
Fluss ist ein Wandlungssymbol und steht fuer den Uebergang in
eine andere Seinsdimension („Alles fliesst“ heisst nach
Heraklit, dass sich das Leben immer im Wandel befindet, der
Fluss Styx fuehrt ins griechische Totenreich, im Fluss Jordan
werden die ersten Menschen zu Christen getauft, der Fluss wird
aus der Quelle „geboren“ und sucht sich selbst seinen Weg ins
Meer. Fluss ist interessanterweise ein maennliches Symbol,
obwohl Wasser meistens ein weibliches ist). Deshalb musst du
auch (zusammen mit deinen „Bildern von Mann“) am Ufer
zurueckbleiben und ihn seinem Schicksal ueberlassen.
Es heisst, dass der Abloeseprozess des Kindes immer am
schwierigsten fuer die Mutter ist. Sie kann es nicht fuer immer
durch den „Urwald“ (das unkultivierte Land der Kindheit bzw. des
unentwickelten „Es“) fahren, sondern muss es ins Leben
entlassen, seinem Schicksal ueberlassen… „Es passiert alles
ganz langsam“, aber vor deinen Augen, und du kannst nichts daran
aendern. Das macht natuerlich jeder Mutter angst, umso mehr,
wenn das Kind ein „Mann“ ist, also etwas im Grunde Fremdes, dem
man als „Frau“ so gar nichts „von sich“ mitgeben kann. Er muss
sich in sein eigenes „Auto“ setzen und es selbst fahren, schon
baelder als dir lieb ist, auch wenn alles ja „ganz langsam“
passiert.
Vielleicht gibt es „Maennerbilder“, die du deinem Sohn mit auf
den Weg geben kannst, (weil sie seine sind, und nicht deine). An
dieser Stelle muesste jetzt die Eroerterung des „Vaterbildes“
folgen, die sich aber weder im Traum noch in deinen
Ausfuehrungen andeutet. Ich habe einem Augenblick mit dem
Gedanken gespielt, dass der Mann im Auto, an den du dich nicht
erinnerst, diese Stelle besetzen koennte. Wie dem auch sei, das
kannst jetzt nur du zu Ende denken.
Alles Gute
E.A.