Hallo,
vielleicht habt Ihr einen Tipp für mich *hoff*…
Zur Situation: Ich bin Mitte 30, verheiratet, 3 (Wunsch-)Kinder im Alter von 0-6 (das Baby schläft auch noch nicht annähernd durch), berufstätig, ehrenamtlich tätig. Das ist natürlich recht viel, vor allem bei meinem momentanen Schlafmangel, aber freiwillig so gewählt, normalerweise halte ich Stress gut aus.
Das Verhältnis zu meiner Mutter war noch nie besonders gut. Allerdings habe ich erst vor wenigen Jahren „entdeckt“, daß es nicht nur an mir, der bösen Tochter, lag, sondern daß meine Mutter ein erhebliches Problem im Umgang mit Mitmenschen hat. Meine Eltern (Vater Workaholic, also nie anwesend) hatten nie Freunde, meine Mutter beleidigt so ziemlich jeden Menschen, der ihr unterkommt, und kreist schon immer nur um sich selbst. Kinder (habe einen um einiges jüngeren Bruder) waren nur Beiwerk, durften am besten nie in Erscheinung treten, vor allem keine Arbeit machen.
Ich bin gleich nach dem Abi ausgezogen und habe mich durchgeboxt, was mich aber auch stark gemacht hat.
Inzwischen ist meine Mutter Ende 50. Sie war nie krank (körperlich), hatte nie wirkliche Probleme (mit einer Ausnahme, die inzwischen erledigt ist), lebte schon immer in erheblichem Luxus. Trotzdem jammert sie schon ihr ganzes Leben lang, und wenn es nur um den Stress beim Shopping geht. Jetzt aber hat sie sich verändert. Sie leidet wohl unter Depressionen, bekommt zumindest vom Hausarzt Antidepressiva, verläßt auch kaum noch das Haus und, ganz schlimm, hat sich eine absolut nicht existierende Scheinwelt, in der sie die erfolgreiche und wichtige Geschäftsfrau ist, aufgebaut. Ständig leidet sie unter Sachen wie Grippe, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Müdigkeit, Rückenschmerzen, aber wenn sie abgelenkt ist, vergißt sie alles „Elend“ schnell. Ich denke, es ist einfach nichts körperliches. Sie sitzt überwiegend auf der Couch und läßt sich bedienen (hat eine Haushälterin). So rasant, wie sie momentan abbaut, sehe ich sie schon als Pflegefall.
Mein großes Problem dabei ist die Erpressung. Wie gesagt, es gibt keinen Menschen außer mir, meinem Bruder und meinem Vater, der sich um sie kümmert. Sie selbst findet andere Menschen viel zu „gewöhnlich“, als daß sie ihr das Wasser reichen könnten, ist also total allein. Mein Bruder und mein Vater arbeiten sehr viel, also bleibe nur ich übrig – und ich habe ja auch sehr viel an der Backe. Seit Monaten bin ich selbst am Limit, und ich darf definitiv nicht ausfallen, habe keinen, der die Kinder mal nehmen könnte. Jeden Tag aber ruft meine Mutter mich an (seit Jahren, ich entkomme ihr nicht) und jammert mir ihr Leid vor. Es ist ihr dabei völlig egal, ob das Baby schreit, ich gerade die Wohnung verlassen will, nein, SIE muß jetzt reden. Gehe ich nicht ans Telefon, spricht sie auf den AB, den ich leider nicht abschalten kann (andere Gründe). Rufe ich nicht zurück, probiert sie es immer und immer wieder, und im schlimmsten Fall ruft dann mein Vater an und macht mir Vorwürfe, daß ich mich ruhig um meine Mutter mehr kümmern könnte.
KANN ich aber nicht, WILL ich aber nicht ! Ich bin ja nicht verantwortlich dafür, daß sie ihr Leben so gelebt hat, daß sie jetzt erst merkt, wie einsam sie ist. Im Gegenteil, ich mußte unendlich unter ihr leiden.
Das alles zieht mich so dermaßen runter, kostet mich so viel Kraft, die ich nicht habe – was kann ich nur tun ? Soll ICH eine Therapie machen, wie ich mir meine Mutter vom Hals halten kann ? Sorry, das klingt sehr lieblos, ich mag sie natürlich trotz allem, was sie so an Mist gebaut hat, aber ich kann nicht mehr !
Danke für’s Lesen und, wie gesagt, her mit den Tipps !
Sylvia
