Verstrickungen (eine andere Sylvia)

Hallo,

vielleicht habt Ihr einen Tipp für mich *hoff*…

Zur Situation: Ich bin Mitte 30, verheiratet, 3 (Wunsch-)Kinder im Alter von 0-6 (das Baby schläft auch noch nicht annähernd durch), berufstätig, ehrenamtlich tätig. Das ist natürlich recht viel, vor allem bei meinem momentanen Schlafmangel, aber freiwillig so gewählt, normalerweise halte ich Stress gut aus.

Das Verhältnis zu meiner Mutter war noch nie besonders gut. Allerdings habe ich erst vor wenigen Jahren „entdeckt“, daß es nicht nur an mir, der bösen Tochter, lag, sondern daß meine Mutter ein erhebliches Problem im Umgang mit Mitmenschen hat. Meine Eltern (Vater Workaholic, also nie anwesend) hatten nie Freunde, meine Mutter beleidigt so ziemlich jeden Menschen, der ihr unterkommt, und kreist schon immer nur um sich selbst. Kinder (habe einen um einiges jüngeren Bruder) waren nur Beiwerk, durften am besten nie in Erscheinung treten, vor allem keine Arbeit machen.

Ich bin gleich nach dem Abi ausgezogen und habe mich durchgeboxt, was mich aber auch stark gemacht hat.

Inzwischen ist meine Mutter Ende 50. Sie war nie krank (körperlich), hatte nie wirkliche Probleme (mit einer Ausnahme, die inzwischen erledigt ist), lebte schon immer in erheblichem Luxus. Trotzdem jammert sie schon ihr ganzes Leben lang, und wenn es nur um den Stress beim Shopping geht. Jetzt aber hat sie sich verändert. Sie leidet wohl unter Depressionen, bekommt zumindest vom Hausarzt Antidepressiva, verläßt auch kaum noch das Haus und, ganz schlimm, hat sich eine absolut nicht existierende Scheinwelt, in der sie die erfolgreiche und wichtige Geschäftsfrau ist, aufgebaut. Ständig leidet sie unter Sachen wie Grippe, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Müdigkeit, Rückenschmerzen, aber wenn sie abgelenkt ist, vergißt sie alles „Elend“ schnell. Ich denke, es ist einfach nichts körperliches. Sie sitzt überwiegend auf der Couch und läßt sich bedienen (hat eine Haushälterin). So rasant, wie sie momentan abbaut, sehe ich sie schon als Pflegefall.

Mein großes Problem dabei ist die Erpressung. Wie gesagt, es gibt keinen Menschen außer mir, meinem Bruder und meinem Vater, der sich um sie kümmert. Sie selbst findet andere Menschen viel zu „gewöhnlich“, als daß sie ihr das Wasser reichen könnten, ist also total allein. Mein Bruder und mein Vater arbeiten sehr viel, also bleibe nur ich übrig – und ich habe ja auch sehr viel an der Backe. Seit Monaten bin ich selbst am Limit, und ich darf definitiv nicht ausfallen, habe keinen, der die Kinder mal nehmen könnte. Jeden Tag aber ruft meine Mutter mich an (seit Jahren, ich entkomme ihr nicht) und jammert mir ihr Leid vor. Es ist ihr dabei völlig egal, ob das Baby schreit, ich gerade die Wohnung verlassen will, nein, SIE muß jetzt reden. Gehe ich nicht ans Telefon, spricht sie auf den AB, den ich leider nicht abschalten kann (andere Gründe). Rufe ich nicht zurück, probiert sie es immer und immer wieder, und im schlimmsten Fall ruft dann mein Vater an und macht mir Vorwürfe, daß ich mich ruhig um meine Mutter mehr kümmern könnte.

KANN ich aber nicht, WILL ich aber nicht ! Ich bin ja nicht verantwortlich dafür, daß sie ihr Leben so gelebt hat, daß sie jetzt erst merkt, wie einsam sie ist. Im Gegenteil, ich mußte unendlich unter ihr leiden.

Das alles zieht mich so dermaßen runter, kostet mich so viel Kraft, die ich nicht habe – was kann ich nur tun ? Soll ICH eine Therapie machen, wie ich mir meine Mutter vom Hals halten kann ? Sorry, das klingt sehr lieblos, ich mag sie natürlich trotz allem, was sie so an Mist gebaut hat, aber ich kann nicht mehr !

Danke für’s Lesen und, wie gesagt, her mit den Tipps !

Sylvia

Hallo Sylvia,

kannst Du mit Deiner Mutter und/oder mit Deinem Vater reden? Habt Ihr menschlichen Zugang zueinander? Ich rede jetzt nicht von einem gespannten Moment, nachdem Du nicht ans Telefon wolltest oder konntest, ich meine ruhigere Momente. Die wird es hoffentlich geben. In so einem Moment hilft nur das Gespräch mit Deinen Eltern. Du hast Kinder, Dein Tag ist gefüllt. In dieser Situation kann niemand von Dir verlangen, auf Abruf bereit zu stehen. Du kannst nur versuchen, diesen Sachverhalt möglichst sachlich zu erklären und dabei hoffen, daß Deine Eltern das auch verstehen. Dabei muß deutlich werden, daß über Deine Verpflichtungen gegenüber Deiner eigenen Familie nicht diskutiert werden kann. Es ist eben so und Punkt.
Wenn sie das aber nicht verstehen oder versthen wollen, ist das im Moment ganz allein das Problem Deiner Eltern. Dann ist unbedingt eine deutlichere Sprache nötig.

Nach Deiner Schilderung ist es ja keineswegs so, daß es sich bei Deinen Eltern um alte, hinfällige Leute handelt. Ich entnehme, daß sie sich durchaus selbst helfen können.

Es ist lebhaft vorstellbar, daß bei so einem fälligen Gespräch verletzende Argumente und Vorwürfe ausgetauscht werden. Ich würde das nicht bis zur wahrscheinlich nie stattfindenden Überzeugung ausdiskutieren. Du hast Deinen Standpunkt, der in Sachzwängen oder worin auch immer begründet ist. Das können Deine Eltern akzeptieren oder sie lassen es.

Mit anderen Worten: Mache daraus für Dich im Moment kein Problem. Du mußt dann eben mit dem Kopf durch die Wand und wenn ich es richtig sehe, versuchen das Deine Eltern gerade bei Dir.
Daß es möglicherweise für längere Zeit ein gespanntes oder kein Verhältnis gibt, mußt Du notfalls in Kauf nehmen.

Mach’ Deinen Rücken gerade!

Gruß
Wolfgang

Hallo Sylvia,

ich kenne das, ich habe schon so oft solch eine Situation geschildert bekommen.

Die Eltern haben einen behinderten Sohn, die Tochter wird am besten Krankenschwewster damit alles für später arrangiert ist.
Oder eine ( auch ehrenamtliche ) Frau schilderte einmal ihr Problem. Sie ist Mitte Fünfzig und arbeitet bei der mobilen Krankenpflege.
Sie schilderte einmal im Gesprächskreis ihr Leid.
Wenn meine Schwiegermutter krank wird( Pflegefall) dann ist es selbstverständlich, dass wir über 200 Kilometer zu ihr ziehen, um sie zu pflegen. Sie war den Tränen nah, weil sie sich aus diesen Klauen nicht befreien konnte.
Wir waren alle sprachlos.

Mit Klauen meine ich auch die Gesellschaft.
Wir verurteilen die Menschen, die ihren Eltern nicht helfen.
Und gerade die auch noch einen pfegerischen Beruf erlernt haben müssen doch ( Nächstenliebe / Erfahrungen ) helfen.

Warum???

Also, ich finde es eine Perversion der Gesellschaft.

Ich an Deiner Stelle würde Deinen Eltern sagen, dass Du genug um die Ohren hast. Es ist Dir nicht möglich auch noch neben Beruf /Kindern/ Feizeit usw. Deine Mutter zu pflegen oder zu unterhalten.
Du wärst bereit einmal die Woche / oder zweimal im Monat Abends vorbei zu kommen um zu kommunizieren oder ähnliches.
Man muß ganz klar Grenzen ziehen!
Du machst sonst Dein und Deiner Kinders Leben kaputt.

Und wie Du Deine Eltern beschreibst, interessiert es den wenig, wie es Dir geht, wie es Deinen Kindern geht.
Was ist mit Deinem Bruder, warum kann der nicht helfen?
Was ist mit Deinem Vater, warum kann der nicht helfen?
Frag Deinen Bruder ob er auch noch Wäsche waschen muß, ob er auch noch…
Frag Deinen Vater ob er auch noch neben seinen Beruf ehrenamtlich…
Und das, genauso wie Wolfgang schilderte, am besten wenn ihr alle zusammen sitzt.

Wenn Deine Mutter Hilfe braucht, es gibt die mobile Krankenpflege und andere Institute die helfen können.

Mensch Sylvia, mach Dich nicht kaputt!

Mach einen Schlußstrich, Deinen Kindern zuliebe.

So würde ich handeln.

Eine angenehme Nachtruhe
wünscht Heiner

Hallo Sylvia,
Das hört sich nach einer, vielen bekannten, verzwickten Beziehungskiste an.

Ich habe vcerstanden,
Zuwendung wird i.d Familie in Form von Anerkennung und Bewunderung von aussen geholt (Wenig Nähe): Mutter-durch Bewunderung der Gesellschaft, Vater -durch Bewunderung ob seiner Arbeitsleistung.
Jetzt fehlt der Mutter diese Form der Zuwendung und fordert sie durch Krankheitssymptome von der Familie ein. Vater kann sich immer noch auf die Arbeit zurückziehen, sich seine Befriedigung dort holen und hat damit eine Entschuldigung, um sich zu entziehen.

Da Kinder ja meist von ihren Eltern lernen - ist die Frage, über welche Leistung holst du dir Anerkennung und Zuwendung?
Brauchst du die (nichtausgesprochene) Anerkennung und Zuwendung
deiner Mutter, die darin bestünde, daß du dann kein böses Mädchen bist, wirklich?(Was du immer wieder aufs Neue beweisen müsstest) Bleibt das ungute Gefühl, daß du nicht wirklich zum liebenswerten Menschen reichst, wenn du dich widersetzt?
Zuwendung, du

Hallo Heiner,

danke für die Antwort :smile:

Die Eltern haben einen behinderten Sohn, die Tochter wird am

besten Krankenschwewster damit alles für später arrangiert
ist.
Oder eine ( auch ehrenamtliche ) Frau schilderte einmal ihr
Problem. Sie ist Mitte Fünfzig und arbeitet bei der mobilen
Krankenpflege.
Sie schilderte einmal im Gesprächskreis ihr Leid.
Wenn meine Schwiegermutter krank wird( Pflegefall) dann ist es
selbstverständlich, dass wir über 200 Kilometer zu ihr ziehen,
um sie zu pflegen. Sie war den Tränen nah, weil sie sich aus
diesen Klauen nicht befreien konnte.
Wir waren alle sprachlos.

Mit Klauen meine ich auch die Gesellschaft.

Ja, ja, ja. Und es sind auch immer die Frauen, nicht wahr ? Ist ja völlig selbstverständlich, daß frau jederzeit für andere einspringt… man(n) ist ja in aller Regel beruflich so engagiert und abends erschöpft…

Ich an Deiner Stelle würde Deinen Eltern sagen, dass Du genug
um die Ohren hast. Es ist Dir nicht möglich auch noch neben
Beruf /Kindern/ Feizeit usw. Deine Mutter zu pflegen oder zu
unterhalten.

Tja, das habe ich schon so oft vergeblich versucht… Einmal sagte doch tatsächlich meine Mutter, wieso ich unbedingt immer dann das Baby stillen muß, wenn sie anruft (und sie ruft eben täglich an *grummel*). Es ist total bescheuert, das glaubt einem kein Außenstehender, wie penetrant sie ist - Psychoterror fast.

Und wie Du Deine Eltern beschreibst, interessiert es den
wenig, wie es Dir geht, wie es Deinen Kindern geht.

Stimmt. Sie kämen ja möglicherweise sogar in die Verlegenheit, mal MIR helfen zu sollen, rein moralisch…

Was ist mit Deinem Bruder, warum kann der nicht helfen?

Beruflich so stark engagiert.

Was ist mit Deinem Vater, warum kann der nicht helfen?

Beruflich so stark engagiert.

Frag Deinen Bruder ob er auch noch Wäsche waschen muß, ob er
auch noch…

Mein Bruder versteht mich sogar noch am ehesten, aber da er selbst so eingespannt ist, und eben der SOHN, geht dieser Druck an ihm vorbei. Männer muß man schonen, sie verdienen den Lebensunterhalt…

Frag Deinen Vater ob er auch noch neben seinen Beruf
ehrenamtlich…

*ggg*

Und das, genauso wie Wolfgang schilderte, am besten wenn ihr
alle zusammen sitzt.

Diese eher seltenen Gelegenheiten (denn meine Eltern fahren nicht zu uns, ICH packe nicht drei Kinder ein, um maximal eine Stunde geduldet zu werden, dann wird es nämlich zu anstrengend) nutzen beide Elternteile ausschließlich zum Jammern.

Wenn Deine Mutter Hilfe braucht, es gibt die mobile
Krankenpflege und andere Institute die helfen können.

Sie ist ja „nur“ depressiv, ohne es zuzugeben, hat eine Haushälterin. Sie braucht tatsächlich nur Animation.

Mensch Sylvia, mach Dich nicht kaputt!
Mach einen Schlußstrich, Deinen Kindern zuliebe.

Ich gebe mir Mühe :smile:

Danke und viele Grüße,

Sylvia - mit den besten Vorsätzen

Hallo Wolfgang,

auch Dir danke für die Antwort !

Du kannst nur versuchen, diesen

Sachverhalt möglichst sachlich zu erklären und dabei hoffen,
daß Deine Eltern das auch verstehen.

Mein Vater versteht es sogar noch einigermaßen, aber meine Mutter… aussichtslos. Sie ruft ja auch überwiegend in seiner Abwesenheit an, aus Einsamkeit, das weiß ich schon.

Nach Deiner Schilderung ist es ja keineswegs so, daß es sich
bei Deinen Eltern um alte, hinfällige Leute handelt. Ich
entnehme, daß sie sich durchaus selbst helfen können.

Absolut.

Es ist lebhaft vorstellbar, daß bei so einem fälligen Gespräch
verletzende Argumente und Vorwürfe ausgetauscht werden.

So ist es. Dafür habe ich erst recht keine Nerven übrig im Moment. In „guten“ Momenten ernte ich „Verständnis“, was zu EINEM anruflosen Tag führt, in „schlechten“ Momenten bin ich die Böse, die ja für alle zeit hat, nur nicht für die einsame Mutter. Da ist sogar etwas dran, gebe ich zu - wir verstehen uns eben wirklich nicht gut.

Ich

würde das nicht bis zur wahrscheinlich nie stattfindenden
Überzeugung ausdiskutieren. Du hast Deinen Standpunkt, der in
Sachzwängen oder worin auch immer begründet ist. Das können
Deine Eltern akzeptieren oder sie lassen es.

Das ist ein hilfreicher Gedanke ! So habe ich das noch nie gesehen, ich versuche immer, sie zu überzeugen, alles zu „bereinigen“.

Mach’ Deinen Rücken gerade!

Ich bemühe mich ! Danke !

Viele Grüße,

Sylvia

Mama ante Portas
Hallo Sylvia,

wahrscheinlich mußt Du Dich um eine Art Imunität gegen das Rufen Deiner Mutter bemühen. Klingt jetzt eigenartig. Ich meine damit, stell Dir vor, Deine Mutter wäre Dir total egal, und auch wenn Dein Vater Dich noch nachträglich zur Gegenreaktion ermahnt, reagierst Du kühl und gelassen. Nach dem Motto, was wollen die eigentlich von mir? Kannst Du Dir das vorstellen?
Kann man sich wohl nicht, und das macht so manche ungute Eltern/Kind-Beziehung so schwierig.
Nur glaube ich, dass Du auf Dauer zu Deiner Mutter unbedingt Distanz brauchst. Es ist unwichtig, wie gut sie mit ihrem Leben zurecht kommt oder nicht. Das ist nicht Dein Problem. Macht sie sich Gedanken, wie Du Dein Leben meisterst?
Aus eigenen Erfahrungen (mit meiner Mutter) kann ich Dir empfehlen, einen gewissen Egoismus zu entwickeln. Dein Familienleben, Deine Kinder und vorallem Deine Gesundheit sind von oberster Wichtigkeit. Auf die Dauer könntest Du davon krank werden.
Diese Prioritäten muß Deine Mutter akzeptieren, aber wenigstens Du. Vielleicht muß Deine Mutter lernen, dass ab jetzt Du zu bestimmen hast. Wenn sie anruft, und Du stillst gerade, dann sag ihr, dass Du sie in etwa 30 Minuten zurückrufst (mache ruhig 31 Minuten daraus), zur Not hänge auf. Was passiert denn, wenn Du die Leitung unterbrichst? Sie ruft wieder an? Soll sie, Du hast ja gesagt, weshalb das Gespräch jetzt nicht paßt, und Du rufst sie zurück. Dann gehe in den Keller zum Stillen, wenn Dich das Geklingel mürbe macht.
Es geht wahrscheinlich um Macht über Dich. Wenn Du es einmal geschafft hast, ihr gegenüber mit einigen Neins aufzuwarten, fallen Dir die nächsten leichter.
Vielleicht mußt Du ihr gleichzeitig in Aussicht stellen, dass Du auch für sie da sein wirst. Wenn sie merkt, dass Du Dich nicht vollkommen von ihr abwendest, dann fällt ihr Gegendruck auch nicht so stark aus - eine taktische Überlegung.
Vielleicht kannst Du sie an ihre Ehre packen: Geschäftsleute kennen das Wort Verpflichtungen zu genüge. Sicher hat sie gar keine Vorstellung davon, was Du zu erledigen hast. Will sie wahrscheinlich auch nicht, weil sie ja an erster Stelle stehen will, nicht wahr?
Jeder Mensch hat seine Ideale und seine Sprache dafür. Dann sprich mit ihrer Sprache und mit ihren Worten, die sie davon überzeugen, dass ihre Hilferufe nicht nur Dir, sondern auch ihr selbst schaden (du bist überlastet und hast immer weniger Zeit für sie, du hast kein Verständnis für sie, tägliche Anrufe schadet Eurer Beziehung…). Wenn sie so unsicher ist, dass sie Deinen Zuspruch braucht, dann braucht sie auch einen sicheren, erwachsenen Menschen. Du hast Anspruch darauf auch von Deiner Mutter wie eine Erwachsene behandelt zu werden, und nicht ambivalent - komm, mein Kind und stütze mich. Ich hoffe, Du weißt was ich meine. Auf der einen Seite sollst Du nach ihrer Pfeife tanzen, auf der anderen Seite kommt sie ohne Dich nicht aus. Das funktioniert auf die Dauer niemals.

Auf jeden Fall finde ich den Aufruf vom Wolfgang mit dem geraden Rücken klasse. Nun mußt Du Dir nur noch überlegen, wie Du Dich vom Spielball zum Jongleur entwickelst. Ein paar Tipps können Dir eventuell auch Beratungsstellen (der Kirche oder der Stadt) geben, die sich mit solchen Familienproblemen auskennen.

Du schaffst das!
viele liebe Grüße
Claudia

Konsequenz (von der ‚einen‘ Sylvia)
Hallo Sylvia,

ich möchte dem, was schon gesagt wurde, nur noch eins hinzufügen: Du brauchst viel Konsequenz und starken Willen. Ich erklär Dir das mal genauer…

Bitte entschuldige, wenn das jetzt etwas komisch klingt, aber:

In der Arbeit mit Hunden habe ich eine wichtige Lektion gelernt, die sich gut auf Deine Mutter übertragen läßt: wenn jemand ständig etwas fordert, was man selbst nicht zu geben bereit ist, hilft nur konsequente Ablehnung.

Beispiel: der Hund, der ständig am Tisch um Essen bettelt. Viele Leute möchten dem Tier ja schon gerne „ein bißchen“ was abgeben, aber dann soll sich der Hund bitteschön zurückziehen und Ruhe geben. Das Problem ist, daß das so nicht funktioniert, weil der Hund kein Gefühl für „jetzt, aber dann nicht mehr“ hat. Er lernt: wenn ich lange genug bettele, bekomme ich auch etwas. Demzufolge wird er um so mehr und um so ausdauernder betteln, je länger er warten muß - solange er nur ab und zu mal etwas bekommt.

Was Deine Mutter mit Dir tut, ist im Prinzip das gleiche: sie bettelt ständig um Aufmerksamkeit. Nun willst Du sie ja nicht ständig enttäuschen (man kann doch seine Mutter nicht links liegenlassen…), genauso wie der Hundebesitzer seinem Hund nicht ständig die Bissen vom Abendbrot verwehren will (ein bißchen kann ja nicht schaden, und er guckt so traurig…). Also gibst Du halt immer wieder nach und redest mit ihr, sei es auch nur, um Dich mit ihr zu streiten. Dir geht es aber nicht gut dabei, und Du weißt genau, daß Du damit aufhören solltest…

Da hilft nur eins: den Hund konsequent ignorieren, wenn er sich beim Essen in der Nähe des Tisches aufhält. Mit der Zeit lernt er, daß er nichts bekommt, egal wie lange er wartet und egal wie aufdringlich er ist und egal wie laut er bellt - und wenn er das einmal begriffen hat, wird er nicht mehr betteln. Das bezeichnet man als Lernen durch konsequenten Mißerfolg. Es funktioniert immer und hundertprozentig, wenn man nur konsequent ist (aber jedes Stückchen Wurst und jedes unfreiwillige Gespräch sind ein Rückfall!).

Dieses Prinzip kannst Du gut auf Deine Mutter anwenden: wenn Du nicht mit ihr sprechen willst, sag ihr das und leg auf. Wenn sie sofort wieder anruft, nimm nicht ab, laß es klingeln. Wenn sie zehn Minuten später wieder anruft und Du den Hörer abgenommen hast, leg auf, sobald Du erkennst, daß Deine Mutter am Telefon ist. Sprich nur dann mit ihr, wenn DU das Bedürfnis dazu verspürst. Wenn Du nie Lust hast, mit ihr zu telefonieren, dann laß es! Es kann Dich niemand zwingen, mit ihr zu reden, nur weil es Deine Mutter ist (auch Dein Vater nicht, und auch die gesellschaftlichen Gepflogenheiten nicht - „Das macht man doch nicht“ ist Quatsch).

Versuche, Deine Schuldgefühle in den Griff zu bekommen. Du hast Dein eigenes Leben, Du hast Kinder zu versorgen und genügend andere Sachen um die Ohren. Wenn Du nicht mehr schaffst, dann steh dazu. Und wenn Du keine Lust hast, Dich mit Deiner Mutter abzugeben, dann tu es nicht! Laß Dich nicht fertigmachen!

Ich verstehe Dein Posting so, daß Du aus der Beziehung mit Deiner Mutter überhaupt nichts gewinnst, daß Dir die Gespräche mit ihr nichts positives bringen. Solange das so ist, laß den Kontakt ruhen. Du bist nicht verpflichtet, Dich von anderen kaputtmachen zu lassen. Auch nicht von Deiner Mutter.

Solltest Du aber doch das Bedürfnis haben, ab und zu mit ihr zu reden, dann finde ich die Idee gut, die jemand vor mir schon gepostet hat: setze feste Grenzen. Sag ihr: jetzt nicht, ich ruf Dich in einer halben Stunde an. Und dann tu das. Setze ihr feste Zeiten. Wenn sie anruft und Du mit ihr sprechen willst, sag ihr: ich habe nur zehn Minuten, also faß Dich kurz. Und dann nochmal: sei konsequent! Wenn die zehn Minuten vorbei sind, brich das Gespräch ab. Und sag ihr, daß Du Dich von ihr nicht mehr herunterputzen läßt und daß Du in Zukunft sofort auflegen wirst, wenn sie anfängt, Dich zu beschimpfen oder zu erpressen. Und dann sei so stark und leg auf, sobald sie damit anfängt (und verweigere für den Rest des Tages jedes Gespräch mit ihr). Mit der Zeit wird sie lernen, daß ihr dieses negative Verhalten nichts bringt. Sie wird dann entweder vernünftig mit Dir reden oder gar nicht.

Viel Erfolg und starke Nerven wünscht
Sylvia

P.S. Kannst Du vielleicht das Telefonklingeln verändern oder leiser stellen, so daß es nicht so an den Nerven zerrt?

Hi Sylvia,

erstens: Unzählige Frauen haben dasselbe Problem wie du. eine meiner Freundinnen (geschieden, berufstätig, vier Kinder) muss auf Pfiff quer durch Wien zur Mutter rasen, obwohl der Bruder im Nebenhaus wohnt. Denn kann sie ja nicht strapazieren, der arbeitet doch …
Du hast ja selbst sehr gut erkannt, was da läuft. Das einzige Problem ist, dass du immer wieder von deiner Mutter überfahren wirst und nicht weißt, wie du dich wehren sollst. Deswegen würde ich dir eine Therapie oder auch eine Selbsthilfegruppe sehr empfehlen. Dort kannst du die Kraft finden dich dieser Ausbeutung zu widersetzen. Deine Mutter ist reich, hat eine Haushälterin (wird also nicht tagelang vernachlässigt in der Wohnung liegen), es sind andere Familienmitglieder da - also wirklich kein Grund sofort zu springen.
Es gibt auch Bücher zu diesem Thema, schau in der Selbsthilfeabteilung eines Buchladens nach. auf jeden Fall bist du eine von vielen. Ich musste acht Jahre lang jeden Verkehr mit meinen Eltern verweigern bis die bereit waren sich zivilisiert zu benehmen.
Kopf hoch,
bb

Hallo,

Ich an Deiner Stelle würde Deinen Eltern sagen, dass Du genug
um die Ohren hast. Es ist Dir nicht möglich auch noch neben
Beruf /Kindern/ Feizeit usw. Deine Mutter zu pflegen oder zu
unterhalten.

Tja, das habe ich schon so oft vergeblich versucht… Einmal
sagte doch tatsächlich meine Mutter, wieso ich unbedingt immer
dann das Baby stillen muß, wenn sie anruft (und sie ruft eben
täglich an *grummel*). Es ist total bescheuert, das glaubt
einem kein Außenstehender, wie penetrant sie ist -
Psychoterror fast.

Oh doch, das glauben wir dir gerne. So etwas hört man nämlich an allen Ecken. Frau arbeitet ja nicht wirklich, machts nichts wirklich Wichtiges, die kann man jederzeit beanspruchen …
Deine Mutter scheint ein schwerer Fall zu sein, da ist, glaube ich, wirklich nur die Hundeerziehung erfolgreich. Feste Grenzen setzen und sie meckern lassen. sie meckert nämlich auf jede Fall, also kannst du ihr gleich einen guten grund dafür geben :smile:))

Sie ist ja „nur“ depressiv, ohne es zuzugeben, hat eine
Haushälterin. Sie braucht tatsächlich nur Animation.

Fad ist ihr, weil sie nie gelernt hat sich zu beschäftigen, das ist alles.

Mensch Sylvia, mach Dich nicht kaputt!
Mach einen Schlußstrich, Deinen Kindern zuliebe.

Ich gebe mir Mühe :smile:

Ich halte dir ganz fest die Daumen. Es gibt leider Menschen, gegen die man sich nur mit aller Härte durchsetzen kann, und manchmal sind wir mit diesen Menschen verwandt. Ich habe jahrelang keine Briefe beantwortet und keine Telefongespräche akzeptiert, obwohl das eingedrillte schlechte Gewissen mich ordentlich gewürgt hat. erst dann konnte ich durchsetzen, dass Besuche vorher ausgemacht werden und nicht irgendwann erfolgen, und dass man sich wie ein Besuch benimmt und nicht die Laden kontrolliert, ob ich Rauschgitft, Präservative und Bomben darin aufbewahre.
Lass dich nicht unterkriegen!
gruß,
bb

äh … danke für den Hundetipp [off topic]
Hallo Sylvia,

Beispiel: der Hund, der ständig am Tisch um Essen bettelt.
Viele Leute möchten dem Tier ja schon gerne „ein bißchen“ was
abgeben, aber dann soll sich der Hund bitteschön zurückziehen
und Ruhe geben. Das Problem ist, daß das so nicht
funktioniert, weil der Hund kein Gefühl für „jetzt, aber dann
nicht mehr“ hat. Er lernt: wenn ich lange genug bettele,
bekomme ich auch etwas.

Danke für den Hundetipp, den ich aus deinem Posting mitgenommen habe. Ich habe nämlich seit vier Wochen einen Chow-chow-Mischling, dessen Leben aus Fressen besteht. Kaum gehe ich in die Küche, steht er japsend und trenzend hinter mir und reißt bei jeder Bewegung das Maul auf. Kaum heb ich die Hand, steht er auf den Hinterbeinen und machte bittebitte. Beim Essen hockt er vor mir und hypnotisiert mich. Ich bin schon mit den Nerven fertig, das Viecherl ist, bei aller Liebe, echt lästig.
Ich dachte eben auch wenn ich ihm ein bisschen gebe lässt er mich in Ruhe, aber er wird noch nerviger. Jetzt versuchs ichs mal mit Konsequenz. Futter ist im Napf und sonst nirgends. Richtig so?
Danke, :smile:)))

Nichts zu danken ;o) [off topic]
Hallo Barbara,

so ganz heimlich hatte ich ja gehofft, daß sich auch der eine oder andere genervte Hundebesitzer was aus meinem Posting entnehmen kann… freut mich sehr, daß Du Dich gemeldet hast.

Futter ist im Napf und sonst nirgends.
Richtig so?

Jawohl, so soll es sein. Und wenn Du jetzt stark bleibst, wird das auch Dein Hund einsehen ;o)) Und falls Du irgendwann mal das Bedürfnis hast, ihm was von Deinen Sachen abzugeben, dann tu ihm das zur normalen Fütterungszeit mit in den Napf und kürze dafür die übliche Ration Hundefutter, damit er nicht so sehr aus den Nähten geht… Aber Du kannst Dich darauf verlassen, daß Deinem Hund nichts fehlt, wenn er kein „Menschenfutter“ bekommt (ist eher schädlich für ihn).

Viel Spaß noch mit Deinem Hund, und falls es sonst Probleme geben sollte, so bin ich gern bereit zu helfen…

Viele Grüße
Sylvia