… Dazu brauche ich kein Mitglied einer psychiatrischen Schule zu sein.
Richtig, nicht für die Erkenntnis, wer Medikamente verschreiben darf, aber für die Präsupposition, daß eine Medikation hier überhaupt anliegt! Und ferner für die Sachkenntnis:
Ohne Medikamente ist eine Behandlung aber meist sinnlos.
Denn abgesehen davon, daß du keinen eindeutigen Hinweis haben kannst - außer einer von H. selbst geäußerten psychischen Instabilität - daß es sich überhaupt um eine Depression handelt, gibt es eine Unmenge von Arten depressiver Symptome, und nur für einige davon ist psychiatrische Behandlung indiziert.
Könnte es sein, daß eine solche Quicky-Fern-Diagnose … etwas - will mal sagen - „unvorsichtig“ ist?
Nein. Quicky hat sich dabei was gedacht.
Das heißt noch nicht, daß es nicht unvorsichtig ist.
Quicky hat seit vierzig Jahren selbst Depressionen…
Um so trefflicher, zu meinen, daß eine richtige Medikation nach einigen Wochen Besserung verspricht?
Und schließt du allein daraus , daß du soetwas selbst… mit vielen Malästen… erlitten hast und durchgekämpft hast (sehr gut vorstellbar übrigens, was das für eine Leistung von dir war!), daß H. ebenfalls unter demselben leide???
Mit dem „Quicky“ wollte ich doch nicht dich persönlich treffen, sondern nur deine Methode der Schlußfolgerung!
Nicht zuletzt hat Quicky ein Buch
über Depressionen geschrieben, das vom Leiter des
Kriseninterventionszentrum Wien geprüft wurde und vom Leiter
des Wiener Alfred Adler-Instituts zusammen mit seinen eigenen
Schriften empfohlen wird.
Gratuliere - und um einen Literaturhinweis wäre ich dankbar, denn ich interessiere mich - aus beruflichen Gründen - gerade sehr für persönliche Darstellungen von jedweglichen Krisenerlebnissen und -bewältigungen.
allzulange hinauszögern: weil sie [!!!] Angst davor haben, in einer Ruckizucki-Diagnose auf irgendwas Dramatisches abgestempelt zu werden um dann mit Medikamenten vollgestopft zu werden.
Ich sehe nicht ein, warum du unterstellst, dass ein auf Depressionen spezialisierter Facharzt…
Ich habe, wie leicht zu lesen ist, nicht unterstellt, daß Fachärzte ruckizucki machen…!!! Sondern daß viele Leidende nicht frühzeitig sich beraten lassen, weil sie dieses beschriebene Vorurteil haben. Und dies unterstelle ich nicht nur, sondern dafür habe ich eine große Menge von Beispielen aus meiner Klientel. Und deshalb fühle ich mich genötigt, es abzuwehren, wenn jemand eine Ferndiagnose macht, auch wenn es nur eine Fernvermutung ist.
Wenn keine Depression vorliegt, wird ihm der Arzt eine entsprechende andere Diagnose stellen.
Ja und Fachärzte freuen sich immer besonders, wenn Patienten bereits mit einer Diagnose ankommen, die sie gerüchteweise aus dem Bekanntenkreis übernommen haben…
Und: Wenn jemand selbst schon den nagenden Verdacht hat, seine
komischen Symptome könnten auf Krebs hinweisen, würdest du dem
dann raten, er solle auf keinen Fall zum Arzt gehen…
Wo habe ich H. denn empfohlen, nicht zum Psychotherapeuten zu gehen? Ich denke, gerade das Gegenteil! Aber umgekehrt empfehle ich auch nicht jemandem, der sich mal versehentlich ans Bein gepinkelt hat, er solle mal davon ausgehen, daß er Prostatakrebs habe…
Ich denke, es hat sich noch nicht genug durchgesetzt, dass eine Depression keine „unanständige“ Krankheit ist
Himmel! Meine Frage war ja eben, wo denn Herbert selbst von „unanständig“ oder ähnlichem geschrieben habe! Und da er selbst weder von „Scham“, „Trottel“, noch von sonstwas derartigem geschrieben hat, warum legst du es ihm dann - wenn auch negierend - nahe, daß irgendwer soetwas denken könnte?
erstens eine ganz normale Krankheit und zweitens enorm verbreitet, daher lag es für mich auch nahe, dass Herbert mit seiner Vermutung Recht haben könnte.
Was ist eine „normale“ Krankheit?
Und wenn der Mann im obigen Beispiel mit der Vernutung ankäme, er habe Prostatakrebs, soll ich ihm dann auch sagen, daß er damit Recht haben könnte, weil der auch enorm weit verbreitet ist?
Um mal tacheles zu reden: Viel weiter verbreitet als (irgendeine Art von) Depression ist seit ca 20 Jahren Borderline. Und zum Borderline-Syndrom gehören fast immer auch depressive Phänomene.
Und was passiert nun, wenn irgendwer aus deiner Schlußfolgerung, weil du Depressionen durchgeackert hast, müsse er ebenfalls Depressionen haben, und dafür sei die Psychiatrie zuständig, den Schluß zieht, er müsse einen Psychiater aufsuchen?? Denn mit Borderline kann die Psychiatrie bekanntlich null und nix anfangen und ist dafür nicht zuständig… Wieviele Jahre wird dieser Mensch dann verlieren, weil niemand die richtige Diagnose findet…?
Sieht jetzt die Lage etwas klarer aus?
Weiß nicht… ich hoffe!
Gruß
Metapher