Hallo Leute
Ich hab ein ernsthaftes Problem. Mein Sohn ist 8, eher zurückhaltend von Charakter her, hat aber guten Anschluß an andere Jungs und ist somit eigentlich ganz „normal“ im Verhalten. Also kein Außenseiter.
Nun kam er heute mit einem Jungen nach Hause, der auch in seiner Klasse (2.) ist.
Der andere wirkte aufgeregt, meinte, er müsse mit meinem Sohn was besprechen.
Ich hab den Rest nicht mitbekommen, danach waren sie draußen spielen…
nun, jedenfalls erzählte mir mein Sohn vorhin (nach mehrmaligem Nachfragen), daß der andere von ihm Geld hatte haben wollen (20,-) sonst würde er ihn töten.
Was von der Drohung zu halten ist, ist klar. Aber wie verhalte ich mich jetzt?
Von dem Jungen ist bekannt, daß er mit seinem Bruder schon mal im Laden geklaut hat. Anscheinend stimmt da was in der Famlilie nicht. Weiß ich aber nicht genau.
Was mache ich nun? Zu den Eltern? Im Hort Bescheid sagen (wollte ich morgen sowieso) . Wie krieg ich das Geld zurück und mein Sohn die Sache ins Lot? ( Geld muß ja zurück sonst wirkt das ja wie ein Erfolg) Wäre froh über einen Rat, denn morge muß sich
was tun und ich würde ungern das falsche machen…
dankbare Grüße
Kerstin
PS Sorry für das Doppelposting, aber ich bin ganz konfus… 
Was mache ich nun? Zu den Eltern? Im Hort Bescheid sagen
(wollte ich morgen sowieso) . Wie krieg ich das Geld zurück
und mein Sohn die Sache ins Lot? ( Geld muß ja zurück sonst
wirkt das ja wie ein Erfolg) Wäre froh über einen Rat, denn
morge muß sich
was tun und ich würde ungern das falsche machen…
hallo kerstin,
ich würde mich an deiner stelle an die kripo wenden. nicht um anzeige zu erstatten (der junge ist ja sowieso noch nicht strafmündig), sondern um beratung zu erhalten. die nehmen erpressungen unter kindern und jugendlichen mittlerweile sehr ernst. auch wenn ich annehme, daß der junge, der deinen sohn erpreßt, sich nicht über die ganze bedeutung seiner drohung im klaren ist, muß ihm unmißverständlich und von berufener seite klargemacht werden, daß erpressung und todesdrohungen ein verbrechen sind. wenn du nur mit den eltern sprichst, ist das nicht unbedingt gewährleistet (laut deiner einschätzung der familie).
anschließend würde ich den klassenlehrer/in von der sache in kenntnis setzen, und auch sagen, daß du deswegen schon bei der kripo warst.
das geld wirst du wohl von den eltern des jungen zurückverlangen müssen. (wenn du vorher bei kripo und klassenlehrer warst, hat deine forderung auch das nötige gewicht.)
ich empfehle dir bewußt diese reihenfolge, weil meiner erfahrung nach (aber die ist schon einige jahre alt!) zwar in der schule wegen weit geringer anlässe klassenkonferenzen einberufen, aber seltsamerweise solche sachen gern totgeschwiegen wurden.
liebe grüße
ann
Dein Sohn ist wichtiger jetzt
Hi Kerstin
schwer so auf Anhieb das richtige zu finden - was anjabusch Dir schrieb, erscheint mir auch richtig und sinnvoll (es hängt allerdings davon ab, ob bei euch die Kripo auf dem neuesten Stand ist) - jedenfalls ist es der Weg, das Ganze so publik wie möglich zu machen, was wichtig ist. Weisteres hängt davon ab, wie das allgemeine soziale Umfeld bei euch aussieht, und wie die Lehrpersonen bei euch mit soetwas umzugehen verstehen.
Aber das Wichtigste scheint mir aber noch etwas anderes zu sein: Nämlich dein Sohn: Er hat immerhin die Drohung als ernst erlebt, sonst hätte er ihm das Geld ja nicht gegeben! (Die Frage, wieso er mit 8 Jahren 20.- zur Verfügung hat, ohne dich zu fragen, ist ja hier erstmal zweitrangig). Er muß das mit Sicherheit traumatisch erlebt haben, sonst hätte er sich gewehrt, oder ihn gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank habe oder so… Daß du ihm das Ereignis erst mühsam entlocken mußtest, zeigt auch, daß er es irgendwie als eine Demütigung erlebt hat, daher das Schamgefühl. Jedenfalls war es eine Bedrohung, die er wörtlich genommen hat. Es wäre dringend notwendig, diesen möglichen Selbstwertschaden so schnell wie möglich zu verhindern.
Die Frage ist, wie!
Weiß ich so schnell auch nicht (ist auch schon ein bißchen tief in der Nacht). Man kann es herausfinden, wenn man sich die optimale Reaktion deines Sohnes während der Erpressungsszene ausmalt: Er hätte unverzüglich zu dir kommen können, mit dem (ganz offensichtlich schwer verhaltensgestörten) Klassenkameraden im Schlepp, und er hätte dir dann erzählt: „Er fordert Geld von mir, andernfalls, sagt er, wolle er mich umbringen“ (also ebenfalls das Ganze so schnell wie möglich öffentlich machen). Ok - und so muß also irgendwas geschehen, damit dein Sohn seine Autonomie wiederherstellen kann…
… …
Also jetzt fällt mir schon was ein: Du könntest ein Treffen herstellen, zwischen den beiden Knirpsen, dir selbst (aber nur in der Rolle der Begleitung) und eventuell noch mit einer Lehrperson, die du inzwischen eingeweiht hast, als Zeuge. Dann spricht dein Sohn selbst ( nicht jemand anderes!!!) den Täter an - etwa so: „Du hast von mir Geld erpreßt mit einer Morddrohung - du gibst es jetzt sofort zurück“
Das ist, was mir auf die Schnelle ein- und auffällt… vielleicht morgen mehr.
Gruß
Metapher
Hallo Kerstin,
erst mal die Ruhe bewahren und die logische Reihenfolge checken:
1) Verursacher: der "Freund" Deines Jungen
2) dessen Umfeld
a) Familie: ggf Brüder
b) Schule: Kameraden
3) dessen weitere Einflußsphäre
a) Umgang mit anderen Kameraden ggf von Geschwistern
b) TV-Filme, Videos, Spiele etc
Also mußt Du erst mal den Kameraden zu Euch bitten (Dein Sohn sollte ihn herbeizitieren, daß er z.B. sich die 20,- nur von einem ganz großen, starken Burschen geliehen hätte und sie wiederhaben müßte, sonst würde der wiederum…na nicht unbedingt gleich wieder umbringen!). Sollte er sich bei dem folgenden Interview als nicht kooperativ erweisen (also vestockt schweigen), dann auch drohen: Eltern anrufen? oder die Schule? oder die Kripo? Oder Alle zusammen? Was hättest Du lieber?
Imho ist es wichtig, den Ursachen für die Bedrohung nachzugehen. Hatte der Stepke damit schon woanders Erfolg? Wer hat ihm das beigebracht? Wer hat ihn beeinflußt?
Die Bedrohung von Schulkindern durch Altersgenossen ist ja nicht neu. Meist geht es um Markenklamotten, die z.B. auf dem Schulweg abgepresst werden, wobei andernfalls Prügel droht. Daß aber schon 8-Jährigen für Bargeld mit dem Leben drohen, ist eine neue Dimension.
So einfach zur Tagesordnung übergehen darf hier die Gesellschaft nicht. Denkbar ist freilich auch - Du sagtest, der „Andere“ wirkte aufgeregt - daß dieser wiederum von anderen, älteren Jungen zu dieser Tat ebenso genötigt wurde, also eine Täterkette besteht. Dann wäre der Freund Deines Buben auch wiederum nur Opfer.
Die Sache ins Lot kriegt man nur, wenn man den Ursachen nachgeht.
Gruß Richard
nochwas
ungachtet des alters, ein großes faß aufmachen.
auch wenn der knirps nicht strafmündig ist, polizei um rat fragen.
evtl. setzen diese sich mit den eltern in verbindung, auch jugendamt versuchen.
schule:großes trara mit direktorin und so.
grund, sowas muß ans tageslicht, vielleicht hat diese kleine mistbiene schon andre erpresst.
cu
strubbel
Gulp und hallo,
ich bin kein Psyschologe und als Schüler kann ich nihct mit allzuviel Lebenserfahrung aufwarten. Ich möchte mich meinen Vorschreibern anschließen, dass es sicherlich wichtig ist, sich an den Klassenlehrer und die Polizei zu wenden. Ist meiner Meinung nach der richtige Weg.
Wollte aber eigentlich nur auf folgendes hinweisen:
Ich bin Schüler an einem Berliner Gymnasium, habe aber auch viel mit Leuten zu tun, die an Schulen mit niedrigeren Anforderungen gehen, sprich Hauptschule, Sonderschule, Realschule…
Häufig wird Berlin als die Großstadt Deutschlands angesehen, somit auch als die HOchburg des Verbrechens.
Worauf ich hinaus will ist, dass ich von Verbrechen, wie Du sie schilderst in Berlin noch nie gehört habe. Sicherlich gibt es gegensätzlich Meinungen oder Statistiken, aber ich bin mir sicher, dass sowas nicht Alltag ist. Weder in Berlin, noch in anderen Städten. Über ein derartiges Verhalten bei Kindern, bei Schülern, bin ich entsetzt.
Das hilft Dir sicherlich nicht weiter, in Bezug auf deine Vorgehensweise, aber vielleicht zeigt es, dass sowas auch aus Sicht der Schüler nicht zum Alltag gehört und somit auf jeden Fall große Aufmerksamkeit verdient.
Ich selbst habe einmal als etwa 8 jähriger gestohlen. Nach einem „Anraunzer“ meiner damaligen Klasselehrerin war ich aber auf ewig „geheilt.“ Will damit nur sagen, dass so ein Gespräch, mit dem Klassenlehrer, den Eltern, der Polizei und anderen Respektpersonen sehr prägend sein kann.
Ich weiß, dass ich nicht sehr hilfreich war, aber ich konnte den Artikel nicht komentarlos stehen lassen, da er mich zutiefst schockiert hat.
Gruß,
Zwergenbrot
Buchtipp zum Thema
Hallo,
leider englisch: „The Gift of Fear“, von Gavin de Becker. Survival Signals that Protect Us from Violence. Das Beste, was ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe. Mit vielen Checklisten zum Einschätzen von Gefahren (wie z.B. Erpressung). Beispiele amerikanisch, daher wird’s wohl keine deutsche Übersetzung geben. Autor ist die Institution im Personenschutz.
Das Buch enthält unglaublich viele nützliche Hinweise und Tipps, die keineswegs mehr sondern weniger Angst machen. Hochinteressante Überlegungen über die Kraft und Bedeutung der Intuition.
Burkhard
Sorry: Buch doch auf deutsch
Hallo,
das Buch von Gavin de Becker gibt’s doch auf deutsch. Hab gerade noch mal bei Amazon nachgesehen. Hier der Link:
http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-form/…
Burkhard
so haben wir`s gelöst…
Hallo,
Zuerst mal vielen Dank Euch allen für Eure guten Tips. Ich schreibe hier schnell mal den Text rein, der auch für das andere Brett gilt (hatte ja aus Versehen doppelt gepostet) und
die Antworten darauf.
Also es ist *nicht* so, wie Bernd meinte, daß ich nur mit Kanonen auf Spatzen schießen wollte und die Eltern außen vor lassen. Aus Feigheit, oder was weiß ich. Es ist so gewesen, daß
ich ja keine Adresse hatte, wo soll ich die auch herbekommen? Also mußte da die Schule eingeschaltet werden. Zudem muß ich ja über die Schule erfahren, ob es Sinn macht, mit den Eltern zu reden.
Wenn die Eltern gleich sagen würden „also mein Bubi nie!“ Ist ja klar, daß es sinnlos ist.
Der Junge war bereits auffällig, schon mal beim Ladendiebstahl erwischt, mit der Polizei heimgebracht. Schlägt auch auf Erwachsene ein, etc. Die Familie (mittlerweile weiß ich, daß der Vater ausgezogen ist) ist in Betreuung wegen verhaltensgestörter Kinder, oder wie diese Hilfsprogramme heißen.
Es hat sich dann so zugetragen, daß ich tatsächlich überall drauf aufmerksam gemacht habe.
Ohne Vorwürfe, also ohne Geschrei und „wie konnte sowas passieren!“ Oder ähnlichen Unfug.
Alle Lehrer und Erzieher sind sich einig, daß sie in ihren Konferenzen darüber reden müssen um das zukünftig zu verhindern, bzw mit den Kindern darüber reden müssen - Thema: wie verhält
man sich da?
In meinem Fall kam dann abends die Mutter, der Junge und die Beteuerin aus dem Hilfsprogramm zu mir, um mit meinem Sohn zu reden, da der Junge eine andere Version erzählt hat (logisch).
Wir kamen ganz vernünftig überein, dass das fehlende Geld abgearbeitet wird, man sich die Hand gibt und entschuldigt, und die Kinder sich erst mal aus dem Weg gehen um etwaige
Rachegelüste von beiden Seiten zu verhindern.
Die beste Lösung meiner Meinung nach. Ich war sehr froh, wie engagiert sofort alle waren und - ohne Hände über den Kopf zusammenschlagen - sachlich versuchten die Sache zu klären.
Vielen Dank für eure Hilfe, da solche Delikte ja irgendwie „in Mode“ kommen, denke ich, sollte man auch fürs nächste Mal gewappnet sein.
Kerstin
Link ist tot! o.w.T.
Wieder lebendig
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3810502227/qid…
Hier der Amazon-Link für de Beckers Buch
Sorry.
Burkhard