Wirklich Suizidgefährdet!

Hallo Gemeinde,

ich habe ein Problem mit einem Freund und das möchte ich hier mal schildern.
Er ist 35 Jahre alt und hat wahnsinnige Probleme mit Familie und seinen Finanzen. Aus meiner Sicht kann ich sagen, das es wirklich ernsthafte Probleme sind.
Ich versuche ihm zu helfen, so gut es geht, aber seit längerem ist ein Zustand eingetreten, wo ich auch nicht mehr weiter weiss.
In seiner Familie gab es bereits zwei Fälle von Selbstmord, und zwar bei seinem Vater und seinem Onkel, dem Bruder des Vaters.
Immer öfter spricht er davon, das er es nicht als schlimm ansieht, dem Leben ein Ende zu machen, wenn es schier aussichtslos geworden ist. Von wegen man arbeitet nur noch und weiss, das es zu nichts führt. Die Ehe von ihm ist zuende und er leidet sehr darunter. Auf einen Nenner gebracht, er hat keinen Spass mehr am Leben.
Er redet nicht davon, Selbstmord begehen zu wollen, aber seine ganze Art und Weise, wie er sich ausdrückt, lässt micht daran nicht mehr zweifeln. Ich glaube, wenn er es vorhat, wird er es auch tun, denn er sucht nicht nach Aufmerksamkeit oder ähnlichem, so gut kenne ich ihn. Wir haben nächtelang zusammen gesessen und über alles gesprochen und diskutiert, aber ich habe wirklich Angst um ihn.
Wie kann man so einem Menschen helfen? Hört sich vielleicht blöd an, aber ist Suizidgefährdung in irgendeiner Form erblich?
Ich bin für Meinungen und Ratschläge sehr dankbar.
Schönen Dank und Gruß
roland

Suizidgefährdet!
Hallo Roland,
ich kenne eine ganze Reihe von Fällen, in denen Suizide in der Familie gehäuft aufgetreten sind. Ob erblich oder nicht - auf jeden Fall scheint die Person durch das Vorhandensein solcher Fälle in der Familie eine größere Affinität zum Suizid bekommen zu können.
Ich würde das (auch angesichts der Verhaltensweisen, die du schilderst) super-ernst nehmen, kenne mich aber mit Prävention, Therapie etc. nicht so besonders gut aus und möchte dazu keine Ratschläge geben.
Burkhard

Hallo Burkhard,

vielen dank erstmal für Deine Antwort.
Ich nehme die Sache wirklich sehr Ernst. Ich versuche immer wieder durch lange und intensive Gespräche die Gefahr zu verringern oder zu vermeiden. Leider kann ich nicht immer bei ihm sein.

Gruß
roland

Hallo Roland,

Er ist 35 Jahre alt und hat wahnsinnige Probleme mit Familie
und seinen Finanzen. Aus meiner Sicht kann ich sagen, das es
wirklich ernsthafte Probleme sind.

ich kenne die Einzelheiten nicht, weshalb ich keinen wirklichen Ratschlag geben kann. Aber hast du schon einmal versucht, ihm eine professionelle Beratung schmackhaft zu machen? Einen Therapeuten für die Familie oder eine Schuldnerberatung wegen der Finanzen oder so? Es kommt natürlich - wie immer - auf die Einzelheiten an. Wenn du magst, kannst du mir die Einzelheiten ja mal per Mail schicken. Möglicherweise ist das Ganze ja nichts für die Öffentlichkeit.

Gruß

Thomas Miller

Hallo Thomas,

die finanziellen probleme kann man aus langer Sicht lösen, das weiß er auch. Die Familiären dagegen nicht. Da ist eigentlich schon alles, zum schlechten für ihn, geklärt. Das Problem ist, das er sich bereits, meiner Meinung nach, aufgegeben hat und nicht mehr bereit ist, über die Zukunft nachzudenken oder Pläne zu schmieden. Er lässt sich einfach hängen und hat keinen Spass mehr am Leben.
Trotzdem vielen Dank für Dein Angebot.

Gruß
roland

Wirklich?
Hi Roland

wie Burkhard schon schrieb, ist es unwichtig, ob solche Neigung vererblich oder sonstwie ansteckend ist. Tatsächlich gibt es Familien, in denen Suizid gehäuft vorkommt. Was zumindest anliegt, ist sicher ein großes Defizit an der Fähigkeit, Krisensituationen durchzustehen. Ist ja auch etwas paradoxes: Wenn man kein Land sieht, weder emotional (Familie) noch sozial (wirtschaftliche Durststrecke), dann soll man sich wie Münchhausen auch noch selbst aus dem Sumpf ziehen.

Das wichtige, was ein Mensch dann braucht, ist ein Gesprächspartner, bei dem er sich aussprechen kann, aber nur, wenn das ohne die üblichen „guten Ratschläge“ („das wird schon wieder“ usw.) vor sich geht und - ganz wichtig - ohne Urteile („du hast ja auch“, „wie kannst du nur“) etc. Dies, so entnehme ich Deinem Posting, machst Du sicher nicht verkehrt. Also bist Du dann die wichtigste Vertrauensperson zur Zeit.

In einer hilflosen Situation ist das einfache, bewertung- und urteilsfreie (!!) „Aussprechen“ (was geht in mir vor, wie ist die Lage) von ungeheuerer Bedeutung - auch zum 100sten Male: Es ist eine von den vielen „magischen“ Funktionen der Sprache, durch die man trotz Ausweglosigkeit auf Distanz zu sich selbst gehen kann und dadurch für Augenblicke klar und schmerzfrei sieht. Unterschätz dessen „therapeutische“ Wirkung nicht, auch wenn Eure Gespräche nicht für ihn einen sonnigen Ausblick zum Resultat haben.

In dieser Situation wäre eine professionelle therapeutische Unterstützung natürlich sinnvoll, aber da er offenbar nicht von alleine drauf kommt, ist tatsächlich Vorsicht geboten mit der Form, wie Du ihm diesen Vorschlag unterbreitest…

Um Dir Vorschläge zu machen, wie Du in Deinen Gesprächen, außer dem was Du wahrscheinlich eh tust, noch handeln könntest, wäre mehr Vorwissen nötig über seine Situation, aber vor allem auch über die Art Eurer bisherigen Kommunikation - ich überlaß es Dir, wie Du mit dem „wäre“ umgehen magst.

Ich schreibe hier mal ein paar Fragen auf, die ich mit Dir (nicht mit ihm) besprechen würde. Es mögen vielleicht Inhalte sein, aus denen Du Ideen für Dein Gespräch mit ihm ziehen könntest…

Was für eine familiäre Krise ist das? Verläßt ihn seine Partnerin? Warum? Hat das bereits mit seiner Verfassung zu tun?
Was meinst du damit, daß du ihm versuchst zu helfen „so gut es geht“? d.h. wie hilfst du und wobei?
Hat er vor dieser Doppel-Krise schon Anzeichen von Nichtbewältigung gezeigt?
Wie reagiertest Du bisher darauf, wenn er Äußerungen macht, die du zitiertest („daß er es nicht als schlimm ansieht, dem Leben ein Ende zu machen, wenn…“)? Was meint er (genau) mit „schlimm“?
Hat er schon mal selbst von einer Therapie gesprochen?
Hast Du es bei ihm schon mal angesprochen und wie (genau) hat er darauf reagiert?
Wie reagiert er darauf, wenn Du ihm sagst, daß Du Angst um ihn hast, daß Du ihn nicht verlieren willst? (Hast Du ihm ja sicher schon deutlich gesagt, oder?)

Du schreibst:

Die Ehe von ihm ist zuende und er leidet sehr darunter. Auf einen Nenner gebracht, er hat keinen Spass mehr am Leben.

Du weißt, nehme ich an, daß, unter etwas zu leiden, eben nicht heißt, daß man das auf den Nenner „keinen Spaß mehr am Leben“ bringen kann!!?? Denn

  1. muß Leben nicht immer Spaß machen. Und keinen Spaß bzw. nur Verlustangst und Sorge ohne Aussicht auf Besserung zu haben, muß keineswegs die Konsequenz eines brutalen Selbstzerstörungsaktes haben (das ist nämlich ein Suizid): Ein in die falsche Richtung gelenkter aggressiver (manchmal auch Notwehr-)Akt, jedenfalls so etwas, wie ein Schuß, der nach hinten losgeht.
    Ist er im Kampf um die Familie zu passiv? Hat er Wirtschaftsprobleme, weil er sich hat übers Ohr hauen lassen? (Suizid kann die Grundlage haben, daß einer den Mut zum aktiven Kampf nicht hat, so daß die ganze Aktivität sich ersatzweise gegen ihn selbst richtet)

  2. Wenn jemand leidet, dann fehlt es ihm gerade nicht an Lebenswillen! Sich „gequält“ zu fühlen ist ein sehr starkes vitales Signal!! Erst jemand, der sich nicht mehr als leidend empfindet, ist in höchstem Maße gefährdet. Ansonsten liegt eher die Vermutung nahe, die ich unter „1.“ beschrieb: Dann ist es nötig für ihn, schnellstens zu lernen, aktiv zu kämpfen. Und dabei kann ein anderer helfen! Wenn das nicht möglich ist, ihm diese Perspektive nahe zu legen, dann müßte therapeutische Hilfe her, denn dann liegt etwas anderes an als nur ein vorübergehender Verlust von Zukunftsaussicht.

Soweit zu dem, was Du bisher geschrieben hast…

Grüße
Metapher

Gibst du so schnell auf?
Hallo Roland,

die finanziellen probleme kann man aus langer Sicht lösen, das
weiß er auch. Die Familiären dagegen nicht. Da ist eigentlich
schon alles, zum schlechten für ihn, geklärt. Das Problem ist,
das er sich bereits, meiner Meinung nach, aufgegeben hat und
nicht mehr bereit ist, über die Zukunft nachzudenken oder
Pläne zu schmieden. Er lässt sich einfach hängen und hat
keinen Spass mehr am Leben.
Trotzdem vielen Dank für Dein Angebot.

ich wiederhole: Gibst du so schnell auf? Hat er das verdient? Wie versuchst du ihm denn, „Spaß“ am Leben zu vermitteln?

Das fragt ein unverständiger

Thomas Miller

Hallo Thomas,

nein, ich gebe wirklich nicht auf, aber in erster Linie versuche ich, ihn von seinen düsteren Gedanken abzubringen.
Das wichtigste ist für mich erstmal zu erreichen, das er sich nicht aufgibt. Da ich keine Erfahrung damit habe, ist es für mich sehr schwierig, langsam gehen die Argumente aus. Ich habe manchmal das Gefühl, das er nur noch aus Höflichkeit zuhört. Trotzdem gebe ich nicht auf, aber alles was ich versuche, sei es ihn unter Leute zu bringen oder zu verkuppeln (ob es der richtige Weg ist, weiß ich nicht)oder einfach nur ihn auf andere Gedanken zu bringen, schlägt fehl.
Ich denke, er muß erst wieder die nötige Kraft haben, um seine anderen Probleme zu lösen.
Ich habe nur Angst, das er es garnicht mehr dazu kommen lässt.
Das ist nämlich meine grösste Sorge. Finanziell helfe ich ihm auf die Sprünge, aber das ist für mich kein Mittel, ihn von seinen Dummen Gedanken abzubringen.
Ich habe ihm mal geraten, besser darum gebeten, einen Psychater aufzusuchen, wegen seiner Selbstmordansichten, da habe ich ihn seit langem mal wieder lachen gesehen.

Gruß
roland

Hinweise Web
Hallo Roland,

ich fühle mich auch nicht in der Lage, Dir hier gute Ratschläge zu geben. Ich habe gerade im Netz gesucht und eine gute Seite gefunden, die hilfreich sein kann:

DGS - Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung suizidalen Verhaltens
Die DGS ist die Dachgesellschaft für alle Einrichtungen und Personen, die sich in Forschung, Lehre oder Praxis mit Suizidprävention als Hilfe in Lebenskrisen befassen.
http://www.suizidprophylaxe.de/

Es gibt einen Link „Info über Suizid“ - und vor allen Dingen eine Liste von Stellen, an die Du Dich wenden kannst (soweit ich sehe, ganz Deutschland).

http://www.suizidprophylaxe.de/Einrichtungen/liste_v…

… unter anderem den Hinweis:
Sofortige Hilfe erhalten Sie rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der bundeseinheitlichen kostenlosen Rufnummer 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 und im Internet unter http://www.telefonseelsorge.de

***

Persönlich möchte ich noch etwas anmerken. Jetzt bitte nicht falsch verstehen: Ich persönlich kann mir auch vorstellen, dass ich, wenn ich „genug gelebt“ habe (aus meiner Sicht), mein Leben auch beende. - Ich sagte: bitte nicht falsch verstehen, ok?!! Das war jetzt auch nur eine Einleitung zu folgenden persönlichen Gedanken:

Dementsprechend ist mir aufgefallen, dass es nicht wirklich Thema für mich wäre, dass mich wer von „düsteren oder dummen oder anderen“ Gedanken abbringt. Ablenkungsmanöver würden bei mir auch nichts nutzen.

Ich denke, es geht eher um Perspektiven. Um einen GRUND zum Leben zu haben.

Wie gesagt: Ich fühle mich nicht in der Lage, mehr zu sagen. Hoffe, dass die beiden Websites mit ihren Informationen weiterhelfen können.

Wenn Dein Freund nicht zu einer Beratung hingehen will, informiere Du Dich … dann weißt Du wenigstens, wie Du Dich am besten verhältst und Deinen Freund unterstützen kannst, das Leben auch weiterhin lebenswert zu finden.

Viele Grüße
Gitte

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Hallo Gitte,

vielen Dank für die Links und den Hinweis auf die Telefonseelsorge. Ich denke, die wird mein nächster Ansprechpartner sein.

Mal ein Wort zu Deinen Gedanken zum Thema.
Ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema beschäftigt, aufgrund der Aktualität.
Für mich persönlich würde es nicht reichen, im Moment keinen Grund zum Leben zu haben, vielmehr weiß ich ja nicht, was das Leben in Zukunft für Gründe mit sich bringt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, das dies Grund genug für mich wäre, weiterzuleben. Aber, wer kann schon voraussehen, wie er in bestimmten Situationen handelt.

Nochmal Danke für Deine Mühe

Schöne Grüße
roland