Ticstörung / Tourette-Syndrom
Hallo Semmelbiene,
nachdem ich jetzt Deine Frage und auch die nachfolgenden Antworten gelesen habe, kann ich nur noch ein wenig ergänzen. Denn auch ich dachte sofort an die Tic-Störung (oder auch Tourette-Syndrom).
Und ich will dazu sagen: Tics sind (zumindest nach Meinung einiger Wissenschaftler) kein psychischer, sondern ein neurologischer Defekt. Wie bei den meisten Krankheiten im psychologisch-neurologischen Bereich gibt es hier verschiedene Meinungen.
Ein Wissenschaftler definierte es so:
_[Zitat]Tics sind plötzlich einschiessende, sich wiederholende Bewegungen, die nicht vom Willen gesteuert sind, nicht rhythmisch sind und auf einige umschriebene Muskelgruppen beschränkt sind. Zu den Tics zählen ferner ebenso plötzlich einsetzende und zwecklose Lautproduktionen (Vokalisationen). Wenngleich Tics als willkürlich nicht beeinflussbar erlebt werden, können sie vorübergehend unterdrückt werden.; sie treten nicht im Schlaf auf. Tics beginnen typischerweise im Kindes- oder Jugendalter.
Medizinisch werden im wesentlichen drei Formen unterschieden, nämlich die vorübergehende Ticstörung mit Dauer bis zu 12 Monaten und frühem Beginn, die chronische motorische oder vokale Ticstörung mit Dauer von mindestens einem Jahr sowie kombinierte vokale und vielfältige motorische Tics (auch als Tourette-Syndrom bezeichnet).
Eine Unterteilung in einfache Tics (z.B. Blinzeln, Kopfwerfen oder Räuspern) und komplexe Tics (z.B. Springen oder Wiederholung von kurzen Sätzen) kann ebenfalls vorgenommen werden."[Zitat Ende]_
von Prof. Dr. Dr. med Steinhausen. Weitere Informationen zum Thema findest Du hier: http://www.tourette.ch/tgs/basisinformation.htm
Einig ist man sich aber, daß Tics eine schlimme Krankheit sind: Denn für die Mitmenschen sieht es so aus, als wäre das gegenüber einfach unverschämt und / oder nervtötend, als habe er / sie keine Manieren, keinen Benimm… keine Grenzen. Tics sind für die Mitmenschen schwer zu verstehen.
Ich würde Euch wirklich bitten: Informiert Euch doch mal, bevor Ihr urteilt. Du schreibst Sachen wie:
ist ihr egal oder sie bekommt es einfach nicht mit.
Möglicherweise bekommt sie es mit: Und kann gar nicht gegen ihr eigenes verhalten tun. Versuch mal, Dir das vorzustellen!
Wir haben keine Angst vor ihr, wir fühlen uns total entnervt!
Daß Ihr entnervt seid, ist absolut verständlich. Aber versucht bitte, Euch erst zu informieren, bevor Ihr (ver)urteilt.
Von unsere Seite aus (also Verwaltung) möchte niemand etwas mit ihr zu tun haben, wir erleben sie ja den ganzen Tag beim Arbeiten.
Das finde ich, ehrlich gesagt, nicht fair. Entweder Ihr setzt Euch - sachlich, oder so sachlich es geht - mit dem Thema auseinander und gebt Ihr eine Chance. Oder Ihr beschließt, daß Ihr es ignorieren wollt, aber dann laßt sie auch in Ruhe und seid fair zu ihr. Bitte. Sie ist krank.
Ich lege Euch mal ein Buch ans Herz. Oliver Sacks ist ein in New York praktizierender Neuropsychologe. Seine Bücher sind wissenschaftlich umstritten, da sehr populärwissenschaftlich, aber meiner Ansicht nach gerade deswegen für Laien sehr gut zu lesen. Er schildert Geschichten von Kranken, die „aus der Normalität fallen“, und er schildert sie so, daß auch wir uns vorstellen können, wie das sein muß.
Und das würde Dir und Deinen Kollegen meiner Meinung nach mal sehr gut tun.
In einem der angegebenen Bücher werden auch die Tics beschrieben, leider weiß ich nicht mehr, in welchem (ich tippe auf das erste). Schaut einfach mal rein:
Oliver Sacks, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. 16,90 DM
ISBN:3499187809 Buch anschauen
Oliver Sacks, Eine Anthropologin auf dem Mars. Sieben paradoxe Geschichten. 16,90 DM
ISBN:3499602423 Buch anschauen
Außer der oben genannten URL kann ich Dir noch ein paar Seiten empfehlen:
http://www.kinderpsychiatrie.de/ticstoerungen.htm
http://www.kjp.uni-marburg.de/fff/NO35.HTM
http://www.informatik.fh-luebeck.de/icdger/f95_0.htm
http://www.pabst-publishers.de/Psychologie/psyzeit/v…
Ich hoffe, Dir damit ein wenig weitergeholfen zu haben.
Liebe Grüße, Nike