Verhaltenstherapie und Psychoanalyse
Hi Heidi
für die Geschichte der Psychiatrie und Psychotherapie ist nach wie vor ein Standardwerk:
Henry F. Ellenberger: „Die Entdeckung des Unbewußten“. Bern 1973
ISBN:3257213433 Buch anschauen
Originalausgabe: „The Discovery of the Unconscious“, New York (Jahrgang ??)
Vielleicht auch was für die Literaturliste?
Gut ich frage: wenn jemand einen Waschzwang hat und gezwungen
wird, im Dreck „zu wühlen“…klingt das für mich nicht witzig.
Nein, das wäre nicht witzig. Aber in der Verhaltenstherapie wird soetwas nicht „erzwungen“, sondern es wird sukzessive mit Vorübungen angebahnt. Das geht auch nur dann, wenn sich auf der Basis einer Vereinbarung der Patient zur Mitarbeit entschließt. (ob die „Übung“ - im Falle einer Sauberkeitszwanges - nun gerade „im Dreck wühlen“ ist, oder vielmehr später so bezeichnet wird, das kann ich nicht beurteilen)
Ich hab mir auch dahingehend Gedanken gemacht, das auch die Psychoanalyse z.B. ein furchtbar schmerzhafter Prozess für die Betroffenen sein muss (jedenfalls hab ichs von Betroffenen nie anders gehört).
Die Psychonalyse ermöglicht (je nach vorliegender Problematik), traumatische Erlebnisse in der Gegenwart nachträglich „auszuagieren“, die in der Vergangenheit nicht „adäquat“ affektiv beantwortet werden konnten/durften (durch Ausdruck von Wut, Trauer, Schmerz z.B.), und die deshalb verdrängt wurden. Dieser in der Vergangenheit fehlende Ausdruck erzeugt in der Gegenwart Leidensdruck, der - da seine Quelle unbewußt ist - rational/bewußt nicht erklärbar ist, und daher zusätzlich Irritation erzeugt. Die gelungene Auflösung bringt daher nicht einen neuen, zusätzlichen Schmerz hervor, sondern bringt nur eh vorhandenen Schmerz an die „Oberfläche“. Aber dadurch steht er jetzt der Bewältigung zur Verfügung, wobei der Therapeut dann der Begleiter ist. So kann das schmerzliche Erlebnis, das wegen der Verdrängung nicht „wirklich“ in der Vergangenheit versinken konnte, jetzt bewußt „verabschiedet“ werden. Es steht der Erinnerung jetzt frei, und daher schmerzfrei, zur Verfügung.
Ein sehr lieber Freund von mir ist nach der Therapie … völlig wesensverändert. Egal wann wir reden, ich höre nur seinen Therapeuten, er selber ist gar nimmer vorhanden.
Schwer was zu zu sagen. Man sollte vorsichtigerweise das „nach der Therapie“ nicht als „durch die Therapie“ interpretieren. Denn es könnte sich nach deiner Andeutung durchaus um eine psychotische Erscheinung handeln - und die hat wenig günstige Therapieaussichten. Psychoanalytiker nehmen übrigens auch Psychotiker nicht an. Es könnte auch sein, daß die Psychose nicht rechtzeitig erkennbar war (oder auch nicht erkannt wurde), sodaß die Therapie, falls es eine PsyAnalyse war, abgebrochen werden mußte. Das „ich höre immer nur seinen Therapeuten“ ist normalerweise ein Zeichen, daß die sog. „Übertragungsphase“ in der Analyse schon erreicht war. Das ist dabei eine notwendige, aber durch die bzw. nach der sog. „Bearbeitung“ vorübergehende Phase, in der der Therapeut idealisiert wird. Diese Idealisierung muß nicht immer eine Art „Liebesbeziehung“ sein wie möglicherweise hier, es kann auch umgekehrt eine Haßbeziehung sein. Aber das löst sich später wieder auf im psychoanalytischen Prozess…
Ich mach mir einfach nur Sorgen, ob das alles richtig so ist, wie da verfahren wird.
Da möcht ich fast unseren w-w-w-Markus (Uschi’s Typologie Kategorie 5.) zitieren: „Da kann ich dich gut verstehen“.
Zum einen suchen diese Leute das unbedingte Gespräch, zum anderen kann man als Aussenstehender gar nichts machen, wenn man bemerkt, wie sie wieder abdriften…
Das Abdriften sollte ein Therapeut im Griff haben. Aber genau deshalb ist für psychotische Erscheinungen, die Psychoanalyse nicht geeignet. Bei anderen Problemen besteht aber keine Gefahr „abzudriften“…
Und für Menschen, die das „unbedingte“ Gespräch suchen, gibt es inzwischen geeignetere Möglichkeiten als Psychotherapie.
Liebe Grüße
Metapher
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Mod: Buch anklickbar gemacht - und in die Literaturliste aufgenommen. 