meine freundin hat ein echtes problem mit ihrem vermieter: sie ist kürzlich erst in die wohnung eingezogen; die vermieter, ein älteres ehepaar, wohnen im nachbarhaus. vom ersten tag waren die vermieter (besonders die frau) seeehr … aufmerksam. sie registrieren lückenlos, wann meine freundin kommt und geht (aus besorgnis, in das „unbewachte“ haus könnte eingebrochen werden), wann und wo sie einkaufen geht, wann sie die jalousien hochzieht, ob sie auch pünktlich den rasen mäht, wo ihr auto geparkt ist und warum, daß in ihrem briefkasten werbung sei - kurz: alles, was sie macht oder auch nicht wird beobachtet und - freundlichst! - kommentiert. den mitgemieteten garten nutzt meine freundin erst gar nicht, weil dort die vermieter direkte einsicht haben. wenn meine freundin nach hause kommt, findet sie neuerdings „kontrollanrufe“ der vermieter auf ihrem anrufbeantworter. mittlerweile kommt sie sich vor wie unter stasi-bespitzelung (o-ton).
wir fragen uns jetzt, wie man den alten leutchen sachte beibringen kann, daß ihre fürsorglichkeit entschieden zu weit geht. auf die rechte eines mieters zu pochen würde nur unverständnis hervorrufen und den zustand verschärfen, denke ich. (also bitte keine verweise aufs rechts-brett.)
neugierig wie ein Geißbock
so sagt man wohl in Bayern dazu )
Hallo Ann,
wahrscheinlich ist den alten Leutchen stinklangweilig. Und nun gilt ihr Augenmerk Deiner Freundin.
Ich schätze einmal, dass sie um ein offenes Wort nicht herumkommen wird. Dabei kommt es darauf an, wie sie ihr Anliegen verpackt und verkauft.
1.Möglichkeit: sie lädt die beiden zum Kaffee ein, sagt, dass sie sich wohl fühlt, aber sie gerne weniger beobachtet werden möchte
2.M.: sie lädt sie zum Kaffee ein, sagt, dass sie sich so wohl fühlt und froh darüber ist, dass sie so nette Nachbarn hat. Wenn jetzt die erste Zeit des Kennenlernens vorbei ist, brauchen sie sie nicht mehr so beaufsichtigen.
3.M.: erklärt ihnen, dass sie Gott-sei-Dank nicht beobachtet wird, wie ihre Freundin (erfundene!), die ihre Wohnung bald kündigte, weil sie damit nicht zurecht kam - gefährlich, wenn die Leutchen den erlogenen Braten riechen.
4.M.: sich so unscheinbar wie möglich benehmen, bis es ihnen langweilig wird, und sie zu ihrem Trott zurück kehren.
(so habe ich es vor Jahren gemacht, als ich noch Single mit ähnlichem Problem war) - die Gefahr dabei ist, er wird noch mehr Mißtrauen erzeugt.
Die Vermieter in die Wohnung mal einzuladen finde ich persönlich in der Hinsicht nicht schlecht, damit sich die zwei „Geißen“ einen Einblick und Überblick verschaffen können, ihrer Neugier also ein wenig Nahrung geben.
Sie verbal zu bremsen ist wichtig, damit die Beziehung seitens der Vermieter nicht grenzenlos wird. Verbal gut verpackt, kann man sich zum Abschied immer noch die Hand geben.
Unsere Vermieter wohnen unter uns und sind sehr alt. Sie gucken sehr oft aus dem Fenster, weil halt in ihrem Leben nicht mehr viel passiert. So erzähle ich gelegentlich ein paar Geschichten in ihr Küchenfenster, und deren Seele hat wieder ihre Ruhe.
Aber die Sache mit dem Anrufbeantworter würde ich auch als alarmierend empfinden. Da besteht Handlungsbedarf.
vielleicht „zurückbeobachten“?
alles kommentieren und so weiter.
oder höflich darufhinweisen.manchmal merkt man von den eigenen marotten nix, macht es unbewußt.
die Situation kenne ich nur zu gut. Bei mir waren es immer Ehepaare (besonders die Frauen), deren Kind das Haus verlassen hat und die in mir einen Ersatz sahen. Passiert mir auch heute noch manchmal.
Du schreibst es zwar nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die Vermieter Deiner Freundin Kinder hatten, ansonsten brauchst Du gar nicht weiterzulesen.
Was hilft? Sehr schwierig, da man diese im Grunde sehr lieben Menschen ja nicht vor den Kopf stoßen und verletzen will. Mal ganz davon abgesehen, daß die Toleranzgrenze bei Deiner Freundin längst überschritten ist, kommt sie wohl an einem klärenden und vor allem ehrlichen Gespräch nicht vorbei. Die Schwierigkeit liegt halt darin, die richtigen Worte zu finden.
Vielleicht gelingt es Deiner Freundin, bei Kaffee und Kuchen das Gespräch auf die Kinder der Vermieter zu bringen, über die Abnabelungsversuche der Kinder zu sprechen, vielleicht sogar Verständnis für den Wunsch nach Eigenständigkeit zu wecken und dann, im richtigen Moment, deutlich zu machen, daß sie sich momentan genauso eingeengt und beobachtet fühlt. Es gilt halt, Bilder finden, die die alten Leutchen verstehen. Manchmal tritt dann ein Aha-Efekt ein. Es kann allerdings genauso gut sein, daß die beiden pikiert und eingeschnappt reagieren.
Wie dem auch sei: Ruhe zu bekommen, dürfte im Fall Deiner Freundin grundsätzlich kein Problem sein, daß sie dabei auch an die Gefühle der alten Leutchen denkt, spricht für sie. Letztendlich scheinen die beiden jemand zum Betüddeln zu brauchen und wenn sie Deine Freundin mit ihren eigenen Kindern oder einem Hund (andere Idee: Haustier schenken?) verwechseln, muß ihnen das klargemacht werden.