Umgang mit Suizidgefährdeten

Schönen guten Morgen!

Ich würde gerne eure Meinung oder auch Ratschläge zum Umgang mit suizidgefährdeten Menschen erfahren.

Daß man sich Sprüche wie „Stell Dich nicht so an“ oder „Denk an die Menschen, die Du dann traurig machst“ oder auch „Das kann man so und so auch lösen“ sparen kann, ist klar.

Wie aber positioniert man sich selber wenn jemand Suizidgedanken äußert, also das typische „Drüber reden“ an den Tag legt?
Versucht man ihm Beratungsstellen zu nennen, ihn zu einer Therapie zu überreden, bemüht man sich Lösungen für die genannten Probleme zu finden?
Oder stellt man sich besser auf den Standpunkt „Ich bin Laie und kann eh nichts machen, wenn derjenige keine Beratung aufsuchen will“?

In meinem konkreten Fall weiß ich von ihren suizidalen Gedanken, ihre Meinung zu therapeutischer Hilfe ist aber „da werde ich sofort für verrückt erklärt, weggesperrt und komme monatelang nicht mehr in Freiheit, und dann bin ich auch meinen Arbeitsplatz los“.
Ich habe das Gefühl daß ich ihr nicht helfen kann (und mir auch die entsprechende Verantwortung nicht auferlegen lasse), nichts tun und die Augen davor verschliessen erscheint mir aber auch nicht der richtige Weg…

Wie denkt ihr ist mit dieser Situation umzugehen?

MecFleih

hi,
ich hatte das gerade mit einer freundin durch, hatte sie nach den tips hier zur ärztin geschleppt.
die hat sie aber nicht weggesperrt, sondern ein erstes gespräch geführt.
am tag vorher war ich bei dieser ärztin deswegen zu einem blitztermin. sie erklärte, daß menschen, welche noch darüber reden, einen hilferuf ausssenden.
sprich mit mir, ich hab ein problem, mit dem ich nicht weiterkomme.
so richtig gefährlich ist es, wenn sich jene isolieren.
man kann solchen menschen schon sagen, wie wichtig sie einem sind, und wie traurig man in diesem falle wäre.
immer ein gesprächsangebot machen, auch wenn es mitten in der nacht wäre.
zuhören, auch wenn man keine lösung findet.
bitten, über eine therape nachzudenken.
sollte sie den entsprechenden entschluß treffen, kannst du nichts mehr machen.
außer kontrolle und dann notarzt und so.

strubbel

suizidgefährdet
Hi MecFleih

lange nicht gesehen :wink:

In meinem konkreten Fall weiß ich von ihren suizidalen
Gedanken, ihre Meinung zu therapeutischer Hilfe ist aber „da
werde ich sofort für verrückt erklärt, weggesperrt und komme
monatelang nicht mehr in Freiheit, und dann bin ich auch
meinen Arbeitsplatz los“.

vorsichtige Rückfrage privatim: ist das ein mir bekanntes Problem?

Ich habe das Gefühl daß ich ihr nicht helfen kann (und mir
auch die entsprechende Verantwortung nicht auferlegen lasse),

Das ist das Vertrackte an solchen Situationen, daß man meint, helfen zu müssen, bzw. daß man meint, daß da jemand Hilfe suche, bzw. daß man meint, daß da jemand Hilfe brauche.

Aber alle drei „meint“ sind keineswegs immer der Weg, jemanden davon abzuhalten, seine körperliche Existenz in einem Gewaltakt zu zerstören. Und das ist ja das, was man will, oder?

Das Problem in der Auseinandersetzung mit Suizidgedanken anderer ist, daß es sehr schwer ist, davon zu abstrahieren , was man selbst (bezogen auf ihn) will. Ihm nütz das selten etwas.

Ich habe - da wir das Thema ja in der letzten Zeit häufig hatten - hier zwei Links auf Postings von mir zum Thema eingefügt (sind natürlich nur mit dem jeweiligen Hauptposting sinnvoll).

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Ein interessanter Link ist auch dieser (Gitte hatte ihn ebenfalls mal empfohlen):

http://www.suizidprophylaxe.de/Infos_ueber_Suizid/in…

Ähnliche „Leitlinien“ verwende ich auch selbst bei der Ausbildung von Personen, die mit diesem Problem beruflich häufiger konfrontiert werden.

Mehr kann ich im Moment „blind“ nicht dazu sagen.

Liebe Grüße
Metapher

Hi MecFleih

lange nicht gesehen :wink:

Hi Metapher - stimmt! :smile:

In meinem konkreten Fall weiß ich von ihren suizidalen
Gedanken, ihre Meinung zu therapeutischer Hilfe ist aber „da
werde ich sofort für verrückt erklärt, weggesperrt und komme
monatelang nicht mehr in Freiheit, und dann bin ich auch
meinen Arbeitsplatz los“.

vorsichtige Rückfrage privatim: ist das ein mir bekanntes
Problem?

Respekt, Du hast ein sehr gutes Gedächtnis! Es ist ein Dir bekanntes Problem. Ich wollte das Ganze nochmal „auffrischen“ und mir zur Lage der Dinge heute eine kleine Supervision holen…

Ich habe das Gefühl daß ich ihr nicht helfen kann (und mir
auch die entsprechende Verantwortung nicht auferlegen lasse),

Das ist das Vertrackte an solchen Situationen, daß man meint,
helfen zu müssen, bzw. daß man meint, daß da jemand Hilfe
suche, bzw. daß man meint, daß da jemand Hilfe brauche.

Aber alle drei „meint“ sind keineswegs immer der Weg, jemanden
davon abzuhalten, seine körperliche Existenz in einem
Gewaltakt zu zerstören. Und das ist ja das, was man
will, oder?

Ja - entweder man will denjenigen abhalten, oder man will eine Absolution für seine Untätigkeit und das Nicht-Reagieren auf den ausgesandten Hilferuf bekommen.

Das Problem in der Auseinandersetzung mit Suizidgedanken
anderer ist, daß es sehr schwer ist, davon zu
abstrahieren , was man selbst (bezogen auf ihn) will.
Ihm nütz das selten etwas.

Ich habe - da wir das Thema ja in der letzten Zeit häufig
hatten - hier zwei Links auf Postings von mir zum Thema
eingefügt (sind natürlich nur mit dem jeweiligen Hauptposting
sinnvoll).

Klar :smile:

Vielen Dank für die Links! Ich werde sie sogleich sehr interessiert durchlesen mir war bewußt das dieser Thread eine Art „Evergreen“ ist…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Ein interessanter Link ist auch dieser (Gitte hatte ihn
ebenfalls mal empfohlen):

http://www.suizidprophylaxe.de/Infos_ueber_Suizid/in…

Ähnliche „Leitlinien“ verwende ich auch selbst bei der
Ausbildung von Personen, die mit diesem Problem beruflich
häufiger konfrontiert werden.

Mehr kann ich im Moment „blind“ nicht dazu sagen.

Ich habe Deine Emails an mich durchaus nicht vergessen und fand sie extrem hilfreich, habe sie mir ausgedruckt und lese sie immer wieder mal durch - auch heute noch.

Es ist sehr gut und sehr hilfreich daß Du hier bist. Danke!

Schönen Gruß in die Bundesstadt :smile:

MecFleih