akzeptiere Dich!
Hallo Tom,
Du bist ganz wahrscheinlich ein sehr sensibler Mensch.
Du möchtest nicht verletzt werden, nicht ausgelacht, oder gar verspottet. Aber, klar, Du möchtest voll im Leben stehen. Gezwungenermassen aus Dir rausgehen.
Du sitzt da, hörst Deinem Gegenüber zu, und ich bin sicher Du bist ein guter Zuhörer. Das macht Dich interessant. Natürlich schmeichelt es Deinem Gemüt auch, wer ist nicht gern begehrt?
Es macht Dich auch interessant für viele andere Menschen…oh, es ist immer leicht seinen seelischen Balast, seine Probleme anderen zu erzählen, sich Hilfe zu holen.
Aber Du bleibst dabei auf der Strecke, und das fühlst Du.
Da Du Dich immer mehr eingekastet fühlst, nehme ich an, dass Du schon eine ganze Weile nur am Zuhören bist. Womöglich auch am ‚Ja‘ und ‚Amen‘ sagen.
Die betreffenden Leute scheinen auch nicht nach Deinem Gemütszustand zu fragen, sie kümmern sich nur um sich. Natürlich, wer nichts sagt, wird auch nicht gehört. Das wird auch der Grund sein, weshalb Du diese Cliquen, diese Menschen nicht als wahre Freunde siehst. Es fehlt etwas. Und zwar fehlst DU. Zur Freundschaft, zur richtigen Freundschaft, gehören immer zwei.
Und was hindert Dich nun daran, auch mal Deine Meinung zu sagen, Deine Laune zum Ausdruck zu bringen? Es ist der weiche Kern in Dir, der von einer zerbrechlichen Schale umgeben ist. Du fürchtest, dass, wenn Du nur mal von Dir redest, wenn Du mal ‚Nein‘ sagst, Du hättest keine Lust zum Zuhören, sich Dein Gegenüber von Dir abwendet, sich jemanden anderen sucht. Und dann stündest Du plötzlich allein da, fürchtest den Riss in der Schale…
Aber überleg mal, ob es wirklich so ist? Hast Du nicht auch ein Recht, Du selbst zu sein? Deine Meinung mal zu sagen, nicht unbedingt auf den Tisch hauen, aber sich nicht wie ein Stück weiche Butter behandeln lassen. Wem es nicht passt, wer sich dann von Dir abwendet…tja, diese Menschen kannst Du in den Wind schiessen. Wer bei Dir bleibt, und das sind leider meist nur wenige Leute, der meint es ernst. Du musst nicht den hiesigen Freundeskreis haben, wie das andere vielleicht haben. Du spürst doch schon, dass Du Dich unwohl fühlst. Mit wenigen, aber echten Freunden, würdest Du Dich ebenso wohl fühlen.
Lass Dir nicht alles gefallen, beweise Deine eigene Individualität! Wenn die anderen zb. ins Kino gehen, und Du hast keinen Bock drauf, dann bleib halt zu Hause. Wer hat das Recht dazu, Dich deshalb zu verurteilen?
Ebenso im Beruf: es ist Deine Zukunft, nur Du kannst den Grundstein legen. (für den es nie zu spät sein sollte, Veränderungen sind immer möglich) Wenn Dir Bekannte zu dem super-tollen.Job raten, aber Du innerlich weisst, nein, dass möchte ich nicht machen, dann lass Sie ruhig reden.
Belege Deine Meinung mit sachlichen Argumenten, das untermauert Deine Kompetenz.
Wenn Du Dein Kasten-Leben wie bisher weiter führst, wirst Du irgendwann an der Last zerbrechen. Immer Geben, und Geben, und Geben…Diese Schüchternheit kann Dich immer mehr einengen, womöglich wirst Du kleine Phobien entwickeln. (‚Was denken die Leute über mich, wenn ich einkaufen geh?‘) Das mag vielleicht lächerlich klingen, ist aber gar nicht so weit hergeholt.
Wenn Du nicht Du selbst sein kannst, platzt irgenwann die Bombe.
Und sei es auch im Stillen, wenn Du ein alter Mann bist, der an sein Leben zurück denkt, was er verpasst hat, von wem er sich hat reinreden lassen, wieso er nicht seiner Intuition gefolgt ist…
Such Dir Leute, die ungefähr Deine Sensibilität teilen, die auch mal Zuhören können! Schau mal hinter die Masken, die meisten Menschen sind ganz leicht zu durchschauen.
Sei auch mal ein Egoist! Wenn Du spürst, einer will Dich nur ausnutzen (‚Kannst Du nicht mal kommen? Hilf mir doch mal!Ich muss Dir was erzählen…!‘), wende Dich von Ihm ab. Such nach Möglichkeiten diesen Menschen auszuweichen.
Kopf hoch, Brust raus! 
Nicole