'Zwangs-Homosexualität' (ernsthafte Frage)

Hallo alle zusammen,

ich möchte vorher kurz sagen ich kenne mich mit Psychologie nicht aus (daher habe ich einfach dieses Board gewählt, kann sein das es nicht wirklich hierher gehört - dann sorry), glaube aber das meine Fragestellung bei euch besser aufgehoben ist als im Board Sexualität.

Ich will nur wissen ob es sowas gibt das man wohl (ich hab das Wort aufgeschnappt) Zwangshomosexualität nennt.

Hintergrund: Bei einer Debatte wurde mir von einer Teilnehmerin einer Diskussion (es ging um das Thema Frauen im Harem) im Brustton der Überzeugung erklärt, das der Harem für lesbische oder bisexuelle Frauen ein wahres Paradies war, denn gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen waren dort an der Tagesordnung und normal - vergleichbar mit den „zwangshomosexuellen Handlungen unter Männern beim Militär“. Wenn man ewig auf den Sultan warten musste, gab man sich eben der sympathischsten Frau hin (sag ich mal so).

Ich frage mich jetzt ist das vergleichbar? Gibt es Zwangshomosexualität überhaupt? Weiss jemand etwas über solche bisexuellen oder homosexuellen Entwicklungen wenn eine Masse Mensch einen Geschlechts zusammenleben muss? Kann sowas einfach so entstehen? Wird man nach einer Weile einfach bisexuell? (Mal abgesehen von den ganzen Thesen das wir alle irgendwie bisexuell sein sollen - hab ich auch mal aufgeschnappt!) Hat das wieder eher was mit Macht zu tun als mit Liebe oder einfach Lust haben? Fragen über Fragen…

Bin auch für Buchtipps (soweit für Laien lesbar) dankbar.

Grüsse
Helena

moechte Frage gerne noch um einen Punkt erweitern
Hallo Helena,

ein sehr gutes Posting…

Zwangshomosexualität überhaupt? Weiss jemand etwas über solche
bisexuellen oder homosexuellen Entwicklungen wenn eine Masse
Mensch einen Geschlechts zusammenleben muss?

Moechte da nur kurz einhaken; Mich wuerde interessieren, wie sich Leute, die im Gefaengnis fuer laaaaange Zeit (ev. sogar lebenslang) einsitzen, damit zurechtkommen (muessen!)? Hat jemand Informationen dazu?

Mit freundlichen Gruessen

Jerry

Hallo Helena,

glaube aber das meine Fragestellung bei euch besser aufgehoben
ist als im Board Sexualität.

Das stimmt mal sicher, dort gibt es (Themenbedingt) doch manchmal Auswüchse, die eigentlich nicht sein sollten.

Ich will nur wissen ob es sowas gibt das man wohl (ich hab das
Wort aufgeschnappt) Zwangshomosexualität nennt.
Hintergrund: Bei einer Debatte wurde mir von einer
Teilnehmerin einer Diskussion (es ging um das Thema Frauen im
Harem) im Brustton der Überzeugung erklärt, das der Harem für
lesbische oder bisexuelle Frauen ein wahres Paradies war, denn
gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen waren dort an der
Tagesordnung und normal - vergleichbar mit den
„zwangshomosexuellen Handlungen unter Männern beim Militär“.
Wenn man ewig auf den Sultan warten musste, gab man sich eben
der sympathischsten Frau hin (sag ich mal so).
Ich frage mich jetzt ist das vergleichbar? Gibt es
Zwangshomosexualität überhaupt?

Also mein Spezialgebiet ist es nicht, aber so von der allgemeinen psychologischen Warte aus gesehen: Ja, Zwangshomosexualität gibt es tatsächlich. Darunter versteht man, dass in Situationen (wie Du sie beschrieben hast), in denen kein andersgeschlechtlicher Partner verfügbar ist, aus der Not sozusagen, auf das eigene Geschlecht zurückgreift.
In diesem Fall ist das egal, ob Gefängnis oder Harem (wo die Frauen auch „kaserniert“ waren). Sexualität ist ein Grundbedürfnis des Menschen (verschiedentlich stark ausgeprägt) und Selbstbefriedigung eben nicht so erfüllend wie Nähe und Körperkontakt.
Die These der „natürlichen Bisexualität“ kenne ich, sie ist umstritten, ich selber halte davon nichts (ich hielt mich selbst für Bi veranlagt, wurde aber eines besseren belehrt *g*). Egal wie, Zwangshomosexualität heißt aber nicht, dass eine bisexuelle Veranlagung da ist; es kann natürlich sein, dass bei manchen verdrängte Tendenzen zum Tragen kommen, die unter „normalen Umständen“ weiterhin verdrängt worden wären. Aber „Zwang“ bedeutet eben: aus der Not heraus handeln, nicht mehr. Ist die Zwangskomponente aufgehoben, so „erledigt sich“ auch die Homosexualität (außer bei jenen, die ihre Veranlangung bislang verdrängten).
Achtung: Ergänzung: Leben unter zwangsgleichgeschlechtlichen Bedingung bedeutet aber nicht ZWINGEND, dass JEDER diese Lebensweise obligt. Das hat mit Persönlichkeit, Sozialisation, Libido, Nähebedürfnis, etc. zu tun. Manche leben lieber abstinent als sich in eine homosexuelle Affäre einzulassen. Aber das ist weder besser noch schlechter, es ist einfach eine Frage der Persönlichkeitsprägung.

Hat das wieder eher was mit Macht zu tun als
mit Liebe oder einfach Lust haben? Fragen über Fragen…

Mit Macht hat es sicher nur dann zu tun, wenn Leute (z.B. Männer oder Frauen), die schon länger „zwangshomosexuell“ leben, Neulinge dazu zwingen (aus Gefängnissen weiß man, dass dies häufig der Fall ist, eine klare Machtausübung).

Bin auch für Buchtipps (soweit für Laien lesbar) dankbar.

Hab ich leider gar keine parat (wie gesagt, nicht mein Haupt-Fachgebiet…)

Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Helena,

Als „Zwangshomosexualität“ bezeichnet man es in der Tat, wenn Menschen, die eigentlich heterosexuell empfinden, in eine Situation kommen, in der sie nur mit Menschen gleichen Geschlechts Kontakt haben können, also z.B. in Gefängnissen, Kriegsgefangenenlagern, auf See usw.
Wichtig ist, dass diese Leute homosexuelles Verhalten zeigen solange sie in dieser Zwangslage sind, später aber zum Verhalten ihrer eigentlichen sexuellen Orientierung zurückkehren, d.h. die sexuelle Orientierung ändert sich durch die Zwangssituation nicht.

Grüße
Wolfgang

DANKE
…für die Antworten und meine Vermutung das ich bei euch richtiger bin, bevor ich schwüle Fantasien mit meiner Frage hervorlocke…

Helena

Zwangs-Homosexualität, weitere ernsthafte Antwort!
Hallo Helena,

alo zunächst siehst du einmal, dass es gar nicht to schwer ist, ernsthafte Antworten zu bekommen - denn das waren bisher alle.

Was Zwangs-Homosexualität ist, ist bereits unmissverständlich erläutert worden.

Stellt sich die Folgefrage, vermute ich, ist das üblich? Da das Militär mehrfach genannt wurde, und ich mal dort war, will ich dazu etwas sagen.

Durch Grundausbildung, Einsatz als Techniker und dadurch bedingte Versetzungen war ich in 5 verschiedenen Kasernen. Jedesmal mit 2 bis 6 Leuten auf dem Zimmer, wobei man von mehreren Dutzend links und rechts daneben mitbekommt, was da so läuft.

Ich habe in zwei Jahren keinen einzigen Fall von freiwilliger oder erzwungener Homosexualität erlebt und schließe daraus, dass es keine gab.

Allerdings wurde viel, von einigen ständig, über Frauen und „Frauenerlebnisse“ erzählt. Die, die keine Freundin hatten, versuchten in der Umgebung, eine zu finden. Ich war erstaunt, wieviele Frauen bereit waren, schon beim ersten oder zweiten Treffen rumzubumsen, das oft sogar in der Gruppe.

Allerdings konnten wir ja regelmäßig „raus“. Die gebundenen zu ihren Frauen oder Freundinnen, die anderen s. o. Wie das ist oder wäre, wenn Männer (oder Frauen) kriegsbedingt wochen- oder gar monatelang isoliert leben müssten, weiß ich nicht. Da habe ich nur Vermutungen, die kannst du aber auch haben. Beantworten kann das nur, wer es erlebt hat.

Vor einigen Jahren, vielleicht erinnerst du dich, waren mal zwei Deutsche zwei Jahre lang in libanesicher Geiselhaft. Der eine der beiden, der ältere, ich glaube Strübing (oder ähnlich) hieß er, hat die Sache wohl nervlich besser bewältigt, er taucht ab und zu in Talk Shows auf, den anderen habe ich nie wieder gesehen. Einmal war er bei Biolek. Bio ist ja ein sehr direkter, aber zugleich taktvoller und vorsichtiger Frager: Er fragte umwunden, und mit der Einschränkung, dass er verstehen würde, wenn er keine Antwort bekäme, wie das denn so sei, zwei Jahre lang ohne jeden Außenkontakt mit einem und immer demselben Mann in Greifweite in einem Raum zu leben. - Er bekam keine Antwort.

Gruß
Lothar