Kurze Beschreibung
Hallo Sebastian,
Puh, der kurze Text überfordert mich…
es gab im Netz keinen besseren.
Buch möchte ich aber keins kaufen, ich hab grad nicht
besonders viel Geld (und auch nicht genug Zeit um ein ganzes
Buch zu lesen).
Ich kann dir noch Lexikonartikel über Konstruktivismus oder Protophysik empfehlen, die du in der Bibliothek nachschlagen kannst, z. B. im „Historischen Wörterbuch der Philosophie“ oder im „Lexikon der Wissenschaftstheorie“.
Kannst du nicht in wenigen Worten beschreiben, wie
methodischer Konstruktivismus funktioniert? Soweit ich aus dem
kurzen Text erkannt habe ist der meth. Konstr. etwas völlig
anderes als der Radikale.
Ich versuchs mal. Du hast völlig Recht - und das wollte ich ja sagen -, dass der Radikale Konstruktivismus etwas völlig anderes ist als der Methodische Konstruktivismus.
Also:
Der „methodische Konstuktivismus“ oder besser die konstruktive Wissenschaftstheorie geht davon aus, dass der Aufbau der verschiedenen Wissenschaften methodisch begründet werden kann und soll. Wissenschaftliche Theorien besitzen nach dieser Theorie nur dann Gültigkeit, wenn sie 1. methodisch, 2. zirkelfrei, und 3. stufenartig aufgebaut oder rekonstruiert werden können. Man beginnt hier nicht mit Definitionen - wie in den anderen Wissenschaftstheorien -, sondern mit Handlungen. Ich stelle Theorien auf, weil ich Zwecke mittels Handlungen erreichen will. Die dafür notwendige Sprache muss gerechtfertigt und dann eingeübt werden - zunächst die Elementarsätze, die logischen Partikel, die logischen Prädikate, die logischen Operatoren usw. Die Zwecke werden durch intersubjektive Dialogregeln als intersubjektiv gültig festgelegt. Nach ihnen richtet sich dann das weitere Vorgehen.
Das am weitesten entwickelte Modell dieser Art von Konstruktivismus ist die Protophysik, die die Physik rekonstruieren will, indem zunächst die Voraussetzungen der Physik entwickelt werden Geometrie, Chronometrie (Zeitmessung) und Hylometrie (Massenmessung) als nicht-empirische Bedingungen aller empirisch-messenden Praxis der Physik.
Folge dieser Wissenschaftstheorie ist z. B., dass Physik nicht die Geometrie widerlegen kann. Aber das würde schon nicht mehr jeder Konstruktivist in diesem Sinne unterschreiben. Hier beginnen die Streitpunkte.
Jedenfalls soll dieses Programm für alle Wissenschaften durchgeführt werden: Arithmetik, Geometrie (Raumlehre), Zeitmessung usw., und später dann auch für Chemie, Biologie, Psychologie, Soziologie, Politik, Ethik usw. Einiges ist bereits durchgeführt und wird diskutiert, anderes harrt noch der Untersuchung.
Der Unterschied ist also kurz gesagt folgender:
Methodische Konstruktivisten wollen die nicht-empirischen Bedingungen empirischer Forschung ergründen, also diejenigen Handlungen festlegen, die man sinnvoll machen muss, um überhaupt so etwas wie Wissenschaft zu betreiben.
Radikale Konstruktivisten haben sich schon von Wissenschaft im üblichen Sinne eigentlich ganz verabschiedet, weil die Empirie bei ihnen gar keine Rolle mehr spielt.
Das sind die Grundgedanken, die sich natürlich alle in der Diskussion befinden, sodass das eine oder andere von dem einen oder anderen Konstruktivisten mehr oder weniger vertreten wird.
Vielleicht darf ich dir ja mein eigenes Buch empfehlen *hüstel*.
In ihm habe ich gezeigt, wie in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts der Konstuktivismus entstanden ist:
Thomas Miller, „Konstruktion und Begründung. Zur Struktur und Relevanz der Philosophie Hans Drieschs“. Nein, nicht kaufen, in der Bibliothek ausleihen, oder über Fernleihe bestellen! (also keine Werbung!) Aber für deine Zwecke reicht vielleicht diese Einleitung schon.
Herzliche Grüße
Thomas Miller