Wie sag' ich's

Hi,

seit einiger Zeit suche ich einen Weg folgendes auszudrücken bzw. zu klären.

Konkret habe ich einen Auftrag ins Ausland gegeben, da a, die Qualität stimmt und b, ich mir etwas Gleichwertiges in Deutschland hätte nicht leisten wollen / können. Soweit, sogut. Für mich war das zwar auch ein sehr hoher Betrag, doch kein Vergleich mit hiesigen Preisen.

Nun verhält es sich so, daß ca. 1 - 3 Leute 2 Wochen lang diesen Auftrag erledigen werden und dafür ein Gehalt erhalten was gemessen an deren Einkommen ein Gehalt für ein - zwei Jahren entspricht.

Ich ärgere mich zwar, daß es mich wurmt, doch es wurmt mich, auch wenn ich im ersten Moment froh über den Preis war und ihn gar nicht fassen konnte. Mich ärgert daran etwas, daß ich in Relation nie auf einmal soviel Geld bekommen werde um für 1 - 2 Jahre (theoretisch) nichts mehr tun zu müssen.

Das könnte ich allerdings noch hinnehmen. Was mich nun beschäftigt, ist, ich möchte mit diesen Menschen langfristig kooperieren. Allerdings muß dann für mich auch die Relation in puncto Geld stimmen. Es geht nicht an, daß ich, wenn auch gemessen an deutschen Verhältnissen weniger bezahle, doch den Auftragnehmern eine Einnahme ermögliche, von der sie sich ein Haus auf Anhieb kaufen können oder 1 - 2 Jahre theoretisch aufhören könnten zu arbeiten.

Sicherlich haben deren niedrige Einkommensverhältnisse auch andere Gesichter wie niedrigerer Lebensstandard, weniger Warenvielfalt bzw. weniger erschwingliche Ware, schlechtere medizinische Versorgung…

Mich erinnert deren Preisgestaltung etwas an Händler in armen Urlaubsländern. Von für uns Pfennigbeträge leben andere Menschen teils. Da wird einem im Bazar von Kairo ein T-Shirt für 1 - 2 DM verkauft und es ärgert mich dann trotzdem, daß Händler vor dem Hotel oder bestimmten Sehenswürdigkeiten teils 20,-- DM und mehr für ein T-Shirt verlangen. Sie können und sollen ja auch gut leben. Und sicherlich müssen sie noch andere Leute versorgen. Doch wenn ich dann höre der alte Mann vor der Sphinx sei ein Millionär und habe sich von den Touristen das Geld zusammengebettelt und bettelt noch immer weiter, da reagiere ich dann verständnislos und (leider) auch etwas verärgert.

Ich möchte von den Leuten mit denen ich kooperieren möchte nicht als „geldbringender Tourist“ gesehen werden, sondern wünsche mir eine berufliche Partnerschaft, bei der die Einnahmen bzw. Zahlungen in gewisser Relation zu den jeweiligen hiesigen Einkommen bzw. meinen bzw. auch unseren Gewinnen stehen.

Ich hoffe, Ihr versteht mich. Habe seit einiger Zeit das Gefühl mich nicht immer wie gewünscht mitteilen zu können.

Ciao,
Romana

Hi,Romana,

ich weiß nicht recht, warum dein Problem auf dem Psychologiebrett erscheint, aber du wirst es (unter)bewusst schon richtig geamcht haben.
Ich habe mir Deinen text mehrfach durchgelesen und schließlich gedacht, eigentlich geht es um einen gewieften Handel.
Könnte es sein, dass du im Ausland einen besseren Preis für dich hättest heraushandeln können? Wenn du der Meinung bist, das wäre möglich, nur zu. Vielleicht mildert das den Frust.

zu den Millionären …soweit ich weiss müssen reiche Leute in Entwicklungsländern oft eine Großfamilie durchbringen, weil sich jeder Verwandte an sie hängt. Villeicht können dadurch Kinder zur Schule gehen oder studieren, die es sonst nicht könnten. Vielleicht muss ein Mädchen keinen hässlichen Kerl heiraten, weil sie eine gute Partie ist (papa hat geld) und erfährt dadurch ein besseres Schicksal. Vielleicht leben von dem Unternehmen dieses Menschen wieder drei vier Familien, die sonst eventuell hungern müssten …du kannst dir mehr Beispiele ausdenken. Es könnte sein, dass du dann das Gefühl, benachteiligt zu sein , nicht mehr hast.
ein generell höherer Lebensstandard vermindert natürlich den Wert des Geldes, den du für deine Arbeit bekommst. Und natürlich ist dieses selbe Geld in Ländern, mit niedrigem Lebensstandard doppelt und dreifach soviel wert.
Und wenn sich der reiche Arme Häuser baut, wird er Hausangestellte beschäftigen. einer weniger der hungert. Bauarbeiter verdienen etc. Ich glaube du tust letztendlich etwas Gutes für die Menschheit, auch wenn eventuell dadurch Arbeitsplätze hier verloren gehen. you just can’t be just.

Leska

Hi Leska,

scheinbar habe ich mich doch falsch ausgedrückt, denn für mich gehört das schon eindeutig hierher, wenn ich es sicherlich auch z.B. einem Unternehmensberater hätte übergeben können. Doch da hätte mir die menschliche Komponente gefehlt.

Ich stimme Dir soweit auch zu, nur mein Problem liegt etwas anders. Ich meine, gebe ich einen einmaligen Auftrag raus, bei dem ich in Deutschland mehr, möglicherweise sogar viel mehr zahlen müßte, ihn im Ausland billiger erledigt bekomme, der jedoch ein Mehrfaches seines üblichen Gehaltes bekommt, so ist das grundsätzlich okay für mich.

Wenn auch nicht rühmlich, so ärgert es mich zwar manchmal in gewissen Situationen, wenn Leute dann so dreist sind und nicht nur das 4-5fache verlangen, sondern das 20 - 30fache. Verstehst Du? Soweit sogut, das kann ich akzeptieren.

Doch mein Problem ist, daß ich mit diesen Menschen gern langfristig zusammenarbeiten möchte. Das heißt, ich bekomme die Leistung immer noch etwas günstiger als hier in Deutschland. Das freut mich natürlich und wenn es anderen Menschen hilft, umso besser.

Was mich dann allerdings stört ist die Relation der Gewinn- bzw. Geldverteilung. Ich hatte geschrieben, daß die Leute von dem aktuell vereinbarten Betrag ca. 1 - 2 Jahre leben können. Die Ärmsten dort könnten ca. 18 Jahre davon leben. Für eine einmalige geschäftliche Transaktion ist das okay für mich. Für mich ist es allerdings nicht mehr okay, wenn ich mit diesen Menschen kooperieren möchte im Sinne einer Teamarbeit. Mal platt ausgedrückt: wenn sich der Auftragnehmer Reisen, Haus und, und, und leisten kann, so möchte ich ihm als Auftraggeberin nicht unbedingt nachstehen müssen. Ist das nicht verständlich?

Ich kann deren Preisgestaltung schon verstehen, sie haben teils noch andere Leute durchzufüttern, sie denken der Auftraggeber hat es bei ihnen immer noch günstiger und außerdem kommt nicht alle Tage ein Auftrag ins Haus. Und das ist der Punkt. Mit mir kämen dann eventuell häufiger Aufträge ins Haus. Dafür erwarte ich aber auch ein niedrigeres preisliches Angebot, was eher ihren üblichen Verhältnissen entspricht. Meinethalben können sie immer noch das Doppelte oder Mehrfache gemessen an ihrem eigenen üblichen Einkommen verdienen, aber nicht mehr das x-fache, das sie für Jahre aussorgen läßt. Das ist für mich der Knackpunkt.

Mal knallhart: angenommen sie bekommen unter deren aktuellen Preisgestaltung ein paar Aufträge von mir, haben dann ihr Haus und haben mit ein paar weiteren Dingen dann ausgesorgt und hören auf zu arbeiten. Nicht nur daß ich mir dann neue Leute suchen müßte, ich fühlte mich dann auch benachteiligt, denn ich habe noch lange nicht ausgesorgt.

Für mich sollte einfach der Gewinn aus der Kooperation für beide Seiten in einem gleichwertigen Verhältnis stehen. Das tut es derzeit keinesfalls. Ich möchte weniger als Kunde gesehen werden, vielmehr geht es mir um eine faire Teamwork-Arbeit, bei der beide Seiten im Verhältnis gleich gut oder auch mal gleich schlecht verdienen. Habe ich mich nun verständlicher ausgedrückt? :smile:

Ciao,
Romana

Hi,Romana,
ich weiß nicht recht, warum dein Problem auf dem
Psychologiebrett erscheint, aber du wirst es (unter)bewusst
schon richtig geamcht haben.
Ich habe mir Deinen text mehrfach durchgelesen und schließlich
gedacht, eigentlich geht es um einen gewieften Handel.
Könnte es sein, dass du im Ausland einen besseren Preis für
dich hättest heraushandeln können? Wenn du der Meinung bist,
das wäre möglich, nur zu. Vielleicht mildert das den Frust.

zu den Millionären …soweit ich weiss müssen reiche Leute in
Entwicklungsländern oft eine Großfamilie durchbringen, weil
sich jeder Verwandte an sie hängt. Villeicht können dadurch
Kinder zur Schule gehen oder studieren, die es sonst nicht
könnten. Vielleicht muss ein Mädchen keinen hässlichen Kerl
heiraten, weil sie eine gute Partie ist (papa hat geld) und
erfährt dadurch ein besseres Schicksal. Vielleicht leben von
dem Unternehmen dieses Menschen wieder drei vier Familien, die
sonst eventuell hungern müssten …du kannst dir mehr
Beispiele ausdenken. Es könnte sein, dass du dann das Gefühl,
benachteiligt zu sein , nicht mehr hast.
ein generell höherer Lebensstandard vermindert natürlich den
Wert des Geldes, den du für deine Arbeit bekommst. Und
natürlich ist dieses selbe Geld in Ländern, mit niedrigem
Lebensstandard doppelt und dreifach soviel wert.
Und wenn sich der reiche Arme Häuser baut, wird er
Hausangestellte beschäftigen. einer weniger der hungert.
Bauarbeiter verdienen etc. Ich glaube du tust letztendlich
etwas Gutes für die Menschheit, auch wenn eventuell dadurch
Arbeitsplätze hier verloren gehen. you just can’t be just.

Leska

Hi Romana,

Ich habe den Eindruck, das Problem ist jetzt schärfer umrissen.
Das meinte ich, als ich den Handel ansprach. Das ist auf einer Ebene wahrscheinlich eine Frage geschickter Verhandlungsführung.

Was die Gleichertigkeit betrifft, verstehe ich deinen Frust.
Es wirkt so , als ob du den Aufstieg über dich hinaus auch noch finanzierst, ja?

Weitere Frage , läuft hier alles richtig? Wirst du über den Tisch gezogen ? Sitzen die Partner am scheinbar längeren Hebel ?

Dann wäre die nächste Frage auch, ob diese Partner den Eindruck haben müssen, du seist auf sie angiesen.
Gibt es keine Konkurrenz, die du ansprechen kannst, um ein Gegengewicht herzustellen?

Ausgeglichene Machtverhältnissen und Positionen könnten vielleicht Ruhe in das Ganze bringen?

Ich denke, dann ist auch konstruktive Teamarbeit möglich, vorausgesetzt die Beziehung ist geklärt:
Variation eins: eine geschäftliche (mit allen Finten und Tricks),
Variation zwei: eine geschäftliche wie auch freundschaftliche Beziehung zum Beispiel (Da kämen dann andere Erwartungen an Fairness und Vertrauen ins Spie).

Leska

Hi Leska,

ich bevorzuge Teamwork, da ich diese Arbeit am gewinnbringendsten finde, doch ich werde nur als eine Kundin gesehen.

Vielleicht kann ich es Dir an einem anderen Beispiel erklären. Aufgrund von Mißverständnissen und auch teils Kommunikationsproblemen habe ich beschlossen nun ein paar Wochen hinzufahren und das Projekt zu begleiten. Da für mich das Projekt schon viel kostet, möchte ich natürlich dort möglichst günstig wohnen. Und wenn mir der Mann der mir mal gesagt hatte, selbst schon in einer Höhle gewohnt zu haben, Hotels für 100 Dollar empfiehlt, gleichwohl es Menschen dort gibt die für 20 Dollar im Monat leben bzw. man Wohnungen für einen Monat für 150 - 300 Dollar mieten kann, habe ich nicht den Eindruck, daß dieser Mann so sehr mein Wohl im Auge hat.

Hi Romana,

Ich habe den Eindruck, das Problem ist jetzt schärfer
umrissen.
Das meinte ich, als ich den Handel ansprach. Das ist auf einer
Ebene wahrscheinlich eine Frage geschickter
Verhandlungsführung.

Ja, stimmt. Das Äußere ist sicherlich Handel, das habe ich zu wenig wahrgenommen. Ich brauche allerdings immer eine persönliche Komponente, reine Geschäftsbeziehungen sind mir zuwider. Von daher das Posting hier bzw. ich möchte einfach von der Kundin zur Kollegin werden.

Was die Gleichertigkeit betrifft, verstehe ich deinen Frust.
Es wirkt so , als ob du den Aufstieg über dich hinaus auch
noch finanzierst, ja?

Aufsteigen dürfen sie ja gerne, sehr gerne sogar, nur ich möchte es dann eben auch mittun.

Weitere Frage , läuft hier alles richtig? Wirst du über den
Tisch gezogen ? Sitzen die Partner am scheinbar längeren Hebel
?

Hm. Tja, wenn sie bei Nachfolgenaufträgen den selben Preis verlangen, dann habe ich das Gefühl sicherlich. Und deshalb muß ich jetzt die Kurve kriegen. Ich meine wenn jemand z.B. 300 Dollar im Monat verdient, dann möchte ich nicht das 10 - 20 fache für einen Auftrag ständig zahlen müssen. Ich nehme ja dann auch nicht hier das 10 - 20fache ein.

Dann wäre die nächste Frage auch, ob diese Partner den
Eindruck haben müssen, du seist auf sie angiesen.
Gibt es keine Konkurrenz, die du ansprechen kannst, um ein
Gegengewicht herzustellen?

Konkurrenz gibt es, und ich habe auch mehr Leute angesprochen, weil ich insgesamt auch mehr Leute haben möchte. Da gab es teils Kommunikationsprobleme bzw. ich habe mich dann für diese Leute entschieden, weil sie sehr gut sind. Sicherlich lassen sich andere finden, doch ich fühle mich unwohl mit Konkurrenz zu „drohen“.

Ausgeglichene Machtverhältnissen und Positionen könnten
vielleicht Ruhe in das Ganze bringen?

Ja, und deshalb habe ich hier gepostet. Das ist einer meiner Schwachpunkte. Ich weiß nicht wie ich es schaffe, doch ich gerate immer wieder in eine Opferrolle, wo ich ausgenutzt werde.

Ich denke, dann ist auch konstruktive Teamarbeit möglich,
vorausgesetzt die Beziehung ist geklärt:
Variation eins: eine geschäftliche (mit allen Finten und
Tricks),

LOL - diese Vorstellung, nee, lach, das ist nicht mein Ding. Sowas fände ich zu stressig und außerdem habe ich auch noch hohe moralische Werte, was das Leben auch nicht unbedingt immer leicht macht.

Variation zwei: eine geschäftliche wie auch freundschaftliche
Beziehung zum Beispiel (Da kämen dann andere Erwartungen an
Fairness und Vertrauen ins Spiel).

Ja, davon spreche ich, nur wie dahin kommen. Ich weiß nicht wie ich ihnen das vermitteln soll? Ich möchte bei dem Gespräch weder die Opferhaltung einnehmen noch möchte ich hier den Boss mit Geld mimen. Naja, eines ist wenigstens klar, daß es für die Betreuung des Projektes nur Geld auf Provisionsbasis geben wird. Wenn ich verdiene, verdienen sie auch, verdiene ich nichts, gibt es auch für sie nichts. Doch da bleiben dennoch noch meine eigenen Aufträge. Hm…

Leska

Probleme anderer sind aus der Distanz heraus oft viel einfacher zu lösen.

Ciao,
Romana

Hi Romana,

da gäbe es drei Möglichkeiten, die mir einfallen.

  1. Der Mann gewinnt selbst an Prestige, wenn du in einem Luxusschuppen wohnst - „Seht meine geschäftspartnerin aus Europe“

  2. Der Mann will sehen , ob du mithältst

  3. SDer Mann glaubt in unkenntnis hiesiger Verhältnisse, das sei für eine reiche Gringa kein Problem

Wie gesagt, Tacheles kann man erst reden, wenn man weiß , wie der Partner strukturiert ist und was der Partner noch im Rucksack versteckt hält.

Auf möglioche konkurrenz angebote bist du nicht eingegangen. Geht das nicht?

Leska

Hi Romana,

Hi Leska,

da gäbe es drei Möglichkeiten, die mir einfallen.

  1. Der Mann gewinnt selbst an Prestige, wenn du in einem
    Luxusschuppen wohnst - „Seht meine geschäftspartnerin aus
    Europe“

Hm. Auf so einen Gedanken käme ich gar nicht, aber kann sein, daß Menschen so denken bzw. meinen sich selbst so aufwerten zu können.

  1. Der Mann will sehen , ob du mithältst

Mithalten in welchem Sinne?

  1. SDer Mann glaubt in unkenntnis hiesiger Verhältnisse, das
    sei für eine reiche Gringa kein Problem

Ja, das wohl eher.

Wie gesagt, Tacheles kann man erst reden, wenn man weiß , wie
der Partner strukturiert ist und was der Partner noch im
Rucksack versteckt hält.

Ja, ich plane ohnedies noch eine Weile dort zu bleiben um die Mentalität kennenzulernen.

Auf möglioche konkurrenz angebote bist du nicht eingegangen.
Geht das nicht?

Sicher ginge das. Doch mir hat das was die gemacht haben am besten gefallen, auch wenn andere nur die Hälfte oder gar ein Viertel verlangt haben. Hier kommt meine schlechte Erfahrung dazu, daß immer wenn ich einen Billiganbieter genommen habe, früher oder später viel draufgezahlt habe, sprich es erfolgte keine Lieferung bzw. Teillieferung wenigstens zu spät, der Druck der Flyer war nur noch peinlich und konnte knapp vor Veranstaltungsbeginn nur noch weggeworfen werden, sodaß auch die Veranstaltung selbst abgesagt werden mußte… Deshalb wollte ich dieses Mal einen Profi, wobei das sicherlich nicht am Preis zu erkennen ist.

Ich bin auch sonst wirklich zufrieden. Da ich nicht gerade eine leichte Kundin bin, z.B. durch meinen Hang zum Perfektionismus, haben die sicherlich auch Momente, wo sie sich mit mir die Haare raufen :smile:.

Na gut, ich fahre in ein paar Wochen hin und dann… Tja, ich sollte vorbereitet sein. Ich finde es einfach gar nicht so leicht sich einerseits nicht über den Tisch ziehen zu lassen und andererseits auch nicht dem Gegenüber das Gefühl zu geben, entweder Du machst es zu einem angemessenen Preis oder ich gehe zu einem anderen Anbieter. Das erzeugt meines Erachtens nur Druck und führt wohl kaum zu einem Wir-Gefühl. Aber nun gut. Ich werde wohl einfach mal so reingehen müssen in die Situation.

Ciao,
Romana

Leska

hallo romana,

in diesem letzten beitrag schriebst du noch einige wesentliche punkte auf:

Sicher ginge das. Doch mir hat das was die gemacht haben am
besten gefallen, auch wenn andere nur die Hälfte oder gar ein
Viertel verlangt haben. Hier kommt meine schlechte Erfahrung
dazu, daß immer wenn ich einen Billiganbieter genommen habe,

warum glaubst du wohl, wird dein geschäftspartner diesen preis gemacht haben? warum nehmen die händler 20,- dm, wenn du auf dem basar für 1,- dm das t-shirt erwerben könntest?
kaufpreise unterscheidet man in
– kalkulatorische:
die bezeichnen die preis-untergrenze aufgrund der kostensituation
– psychologische:
…schwellenpreise: statt 10,- -> 9,80
…preisakzeptanz des kunden: wenn ich das produkt zu billig verkaufe - und sei es qualitativ noch so hochwertig -, wird mein kunde denken, es ist schrott und nicht kaufen!
– reale kaufkraft des kunden:
also: was kann sich mein kunde überhaupt leisten?
– konkurrenzpreise:
meine konkurrenz gibt das produkt für x dm raus, also muss ich versuchen sie zu unterbieten.
–umgebungspreise:
wenn ich ein buch über pelzmäntel in einem pelzladen platzieren will, liegt es in einer hohen ‚preisumgebung‘ aus und würde für 9,80 dm von den kunden als minderwertig und unpassend empfunden.
–politische preise
ich produziere, auch wenn ich drauflege, weil ich persönlich das produkt auf dem markt haben will oder weil ich eine niedrigpreispolitik zur marktetablierung fahre.

wenn du dir das durchgelesen hast, wirst du merken, dass dein problem sich im bereich psychologische preisfindung wegen der preisakzeptanz des kunden und der realen kaufkraft abspielt. du schaust bei seiner konkurrenz nicht vorbei, weil die preise so deutlich unter deinem preisempfinden liegen, dass du schon bauchweh bekommst. auf der anderen seite aber ‚beschwerst‘ [verzeih mir das harte wort, aber ich finde gerade auf die schnelle kein anderes] du dich, dass dein partner so viel damit verdient.

ich sehe noch ein problem in den kulturellen unterschieden. wenn du eine längere zusammenarbeit willst, dann ist deine entscheidung, dir das land, die menschen und die mentalität anzusehen mit sicherheit die richtige! entweder habe ich es überlesen oder du hast nicht geschrieben, um was für ein land es sich handelt, aber - ohne jetzt diskriminieren zu wollen, das liegt mir sehr fern! - du weißt, dass in einigen ländern die frauen nicht gerade viel zu sagen haben! das kann enorme konfliktpotentiale bergen. sei also sehr auf der hut, was diese kulturellen unterschiede betrifft!

du musst bloß gut durchkalkulieren, ob alles wirklich so viel billiger war! rechne auf die produktionskosten in jedem fall die flugkosten, die übernachtungen, die telefonate/faxe (auslandsgespräche sind nicht gerade billig von deutschland aus) und alle folgekosten auf! und dann schau, was es wirklich gekostet hat!
ich hatte beim durchlesen der ersten beiträge eigentlich nur darauf gewartet, dass du zum thema kommunikationsprobleme kommst. diese können ins ausland ziemlich schnell hohe kosten verursachen! versuche herauszubekommen, woher die probleme kommen: sprachprobleme? kulturelle differenzen? andere standards? usw.
ich würde über eine zusammenarbeit als team erst nach ein paar wirklich glatt gelaufenen aufträgen reden!

oh, ich lese gerade, dass es tatsächlich um druck geht, dann kann ich ja etwas konkreter werden: schau bloß, dass du auch genau das bekommst, was du bestellt hast! ist das papier das gewünschte? wie ist die reprografische qualität? ist der satz in ordnung? kommen die mit der fremden sprache zurecht? und und und
bei einem dienstleister hier in deutschland hast du rechtliche möglichkeiten gegen falsche produktion vorzugehen. meistens drucken die jungs auch mal unter murren nach, wenn sie aus nachgewiesenem eigenverschulden z.b. das falsche papier genommen haben. aber wie sehen deine rechtlichen möglichkeiten gegenüber dienstleistern dort aus? da solltest du dich auch kundig machen.
ein verdruckter flyer und ein anschließendes absagen einer veranstaltung kann für die druckerei ziemlich teuer werden, wenn das alles wasserdicht beauftragt war.

ich komme jetzt zu dem punkt, warum dieser beitrag im psychologie-brett steht.
anscheinend regt sich dein gewissen. du siehst, dass der handel mit diesem einen partner ungerecht gegenüber dir und gegenüber den anderen menschen dieses landes ist. daraus ergeben sich zwei sachen:

  • ungerechtigkeit gegenüber dir.
    du bist eifersüchtig auf die gewinnspanne, weil du sie auch gerne hättest. anscheinend war dir das vorher nicht bewusst, oder? du hast erst im nachhinein darüber nachgedacht und dich dann über den preis geärgert? aber mit solchen sachen kommst du nicht weiter. wir können nicht auf andere länder eifersüchtig sein, nur weil die weniger steuern zahlen, geringere lebenshaltungskosten haben etc. das bringt uns für unser leben in deutschland nichts. die konsequenz daraus wäre: auswandern ;o)
  • ungerechtigkeit gegenüber den anderen menschen des landes.
    wenn du eine gerechtere verteilung haben willst, musst du deine aufträge über die konkurrenz verteilen. du kommst gar nicht drum herum, denn sonst fütterst du nur einen punkt des landes.

aus beiden varianten ergibt sich die frage, ob du überhaupt dort produzieren solltest. ich weiß nämlich nicht genau, wie du eine unbelastete team-beziehung mit solchen gefühlen aufbauen willst. du wirst immer bauchweh dabei haben und dich unwohl fühlen.

deine frage ist eine verquickung aus psychologie und handel. sie gehört mit sicherheit in beide bretter, denn ich denke, du wirst von den erfahrungen anderer händler nur profitieren können. mit sicherheit hat sich ein jeder von denen auch schon mal mit deinen gedanken herumschlagen müssen, wohingegen die meisten leute hier sich mit sicherheit noch nicht mit bwl beschäftigt haben (verzeihung an all jene, die es haben :o). also: tausche dich mit anderen leuten darüber aus, die schon handelsbeziehungen dorthin haben. ich denke, das wird dich stärken.

und als letztes: in australien lässt sich gut produzieren. hoher standard, eine der europäischen sehr ähnliche kultur und gute preise.

ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben.
lieben gruß
tobias

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Danke o.T.
Romana