Aufarbeitung eines 'Seitensprungs'

Hallo Ihr,
ich bin zwar *wichtig* Kommunikationstrainerin und berate auch Paare, aber wie es so oft ist, bei meiner eigenen Beziehung blick ich nicht mehr durch, ich bin schon echt verzweifelt und brauche Eure Hilfe.

Also:
Vorgeschichte 1:
Ich und mein Partner waren seit 14 Jahren zusammen. Dieselbe Ausbildung, keine Kinder, wir arbeiten in der selben Firma. Nebenberuflich haben wir beide gemeinsam (in Rekordzeit und mit wirklich viel Einsatz) zuerst Psychologie studiert und dann, weil’s so schön war, auch noch Wirtschaft/Gruppendynamik draufgesetzt (insgesamt 7 Jahre Studium; 2. Studium ist fertig, die Diplomarbeit fehlt noch).

Vorgeschichte 2:
Nach 7 Jahren Partnerschaft (nach Etablierung im Beruf und Hausbauen) hatten wir die erste große Krise, die aber – recht und schlecht – bewältigt wurde, die Hauptbewältigung waren die gemeinsamen Studien. Wir haben es aber immer sehr genossen, zusammen zu sein, Gemeinsames zu schaffen.

Vorgeschichte 3:
Vor gut einem Jahr hatte ich (neige sowieso zu Depressionen) einen klassischen Burn-out, an dem ich (jetzt noch immer) laboriere. Vor gut einem Jahr (Studium neigte sich dem Ende zu…) bekam ich auch immer mehr das Gefühl, ich werde nicht geliebt, ich muß aus der Partnerschaft heraus. Obwohl wir Psychologen sind (und Kommunikationstrainer) war hier einer der Knackpunkte unseres Problems: Fehlende Kommunikation und dadurch fehlendes Verständnis meines Partners (entschuldigend: es kam eine Krebserkrankung seiner Mutter noch strafverschärfend dazu). Er war immer mehr der Typ, der über seine Gefühle nicht reden konnte und der Konflikte eher unter den Tisch kehrte; Kommunikationstraining hin oder her, irgendwann resignierte ich.

Vorgeschichte 4:
Aus Frustration und dem Gefühl, dass ich gar nicht mehr lebe, begann ich, mich in diversen Chats und Flirtbörsen umzusehen. Im Herbst 2000 verliebte ich mich tatsächlich via E-Mail (hielt es selber nicht für möglich). Dieser Mann war für mich nur das Sprungbrett, das zu tun, was ich sowieso schon lange wollte: aus der Beziehung raus. Es stellte sich für mich nie ernsthaft die Frage, mit ihm („dem Anderen“) zusammenleben zu wollen, erstens war er gebunden, zweitens ein Ichbezogener Egomanist, aber als „Sprungbrett“ half es (nicht er!) mir. Es gab noch eine zweite, parallele Affäre in der Zeit.
Ich hab es meinem Partner sofort gesagt, auch, dass ich mich von ihm trennen wollte. Es traf ihn eiskalt, ein voller Schock.
Nach 3 Wochen zog ich von zu Hause aus. Wir hatten aber trotzdem noch Kontakt, redeten und in der Firma sowieso. Mein Partner hatte in dieser Zeit einen sehr guten, sehr einfühlsamen und hilfreichen Freund, der ihm viel half. Auch wir redeten viel und konstruktiv.

Vorgeschichte 5:
Nach ca. 2 Monaten Trennung und auch einigen schmerzhaften Aufarbeitungssessions kamen wir überein, es wieder miteinander versuchen zu wollen. Uns war klar, dass noch viel Arbeit vor uns lag, die gingen wir auch (konstruktiv) an. Die „Außenbeziehungen“ waren selbstverständlich in der Zeit bereits kompromisslos beendet.
Seit Anfang Mai wohne ich wieder in unserem Haus. Wir arbeiten an unserer Beziehung, aber wir sind beide nach diesem jahrelangem Uni-Stress und dem Beziehungsstress des letzten Jahres seeehr dünnhäutig.

Eigentliche Geschichte:
Wie gesagt, es ist bereits viel aufgearbeitet, wir reden so offen und konstruktiv über unsere Beziehung (ich habe das Gefühl, die ganzen, inzwischen 15 Jahre haben wir nicht so viel geredet, ich hatte immer das Gefühl, nicht an meinen Partner heranzukommen), eine so tiefe, liebevolle und innige Beziehung hätte ich nie, wirklich nie für möglich gehalten.
ABER:
Mein Partner hat immer wieder „Rückfälle“; Rückfälle jener Art, dass es ihn seelisch martert und total fertig macht, dass ich mit anderen Männern intim war. Für mich war es eine klare Trennung (objektiv war es das auch) für ihn war es (vom Gefühl her) ein laufend miterlebter Seitensprung. Wir haben vorher nie darüber gesprochen, aber er ist WIRKLICH monogam veranlagt (dachte nicht, dass es so was gibt) und für ihn ist Liebe und Körperlichkeit untrennbar verbunden. Und die Bilder, sagt er, ich mit anderen, sind ständig da und quälen ihn; er ist hypersensibel aber das ist eben Er, und seine Gefühle, die ich auch sehr schätze. Aber es belastet mich auch sehr, wenn er sich quält und es belastet auch uns beide und unsere Beziehung. Und je schwächer er psychisch ist, desto weniger kann er sich „wehren“ (eine Zeitlang hatte er es sehr gut im Griff, aber – scheint’s – noch nicht wirklich verarbeitet.

Wer kann mir dazu seine Erfahrungen schildern? Oder Hilfestellungen geben? Für jede neue Idee oder auch Erfahrung bin ich wirklich wirklich sehr dankbar! (auch sehr gerne per Mail!)
Viele liebe Grüße#
Birgit
*dieverzweifeltEureHilfebraucht*

Hallo Birgit
Du hast erzählt, ihr seid / wart 15 Jahre zusammen und Du hast den Eindruck, er sei „wirklich“ monogam und begründest das nur damit, dass er jeden (sexuellen) anderen Kontakt deinerseits zu anderen Männern nicht verkraftet. Das finde ich merkwürdig. Was ist mit ihm? Warst Du seine erste Freundin? Mir ist aufgefallen, daß Du Deine Seitensprünge differenzierst, er nicht. Frage: Ist er nur in dem Sinne monogam, dass er sich auf gar nichts anderes eingelassen hat in der langen Zeit, auf keinen Flirt, auf nichts? Wenn ihr nie drüber geredet habt klingt das nach Angst davor oder nach Bequemlichkeit seinerseits. Das wäre ein Grund dafür warum er Dir diesen Verstoss gegen diese starre Regel, die er für SICH gesetzt hat, Dir jetzt so nachträgt. Meiner Erfahrung nach reagieren Jungs, die seit ihrer ersten Liebe treu sind und nicht nach links und rechts gucken, aus Unerfahrenheit und Unsicherheit mit Wut, Unverständnis und Verunsicherung auf intime Erlebnisse ihrer Partnerinnen, weil sie die nicht einsortieren können.
Gruß
Kai

wirklich, und finde es nur natürlich, wie er reagiert…
LG
H.-D.

Zerstörtes Vertrauen
Hi Birgit,

einmal zerstörtes Vetrauen durch einen Seitensprung kann man nur sehr schwer - wenn überhaupt - wiederherstellen. Die dadurch entstandene Verletzung ist sehr tief - ich denke die meisten die einen Seitensprung begehen sind sich der Tatsache überhaupt nicht bewußt, was sie damit ihrem Partner antun.

Der Seitenspringer hat das vielleicht längst verdaut, abgehakt, aber der betrogene Partner kann dies nicht so schnell.

Oft zerbricht die Partnerschaft dann letztendlich doch, d.h. es ist nur ein Herauszögern des Schlußstriches wenn man versucht die Beziehung trotzdem weiterzuführen.

Jeder geht sicher anders mit solchen Situationen um, aber wenn jemandem Treue und Vertrauen so derart wichtig sind wie Deinem Mann, wird er das Geschehene niemals vergessen können, es wird immer zwischen Euch stehen.

Und selbst wenn er damit zu leben versucht - bei der nächsten Unstimmigkeit wird das Mißtrauen ungebremst wieder da sein.

Gruß Carolin

Hi Birgit,

einmal zerstörtes Vetrauen durch einen Seitensprung kann man
nur sehr schwer - wenn überhaupt - wiederherstellen. Die
dadurch entstandene Verletzung ist sehr tief - ich denke die
meisten die einen Seitensprung begehen sind sich der Tatsache
überhaupt nicht bewußt, was sie damit ihrem Partner antun.

Dem kann ich leider nur zustimmen, habe die Erfahrung auch schon
machen müssen, mit dem Ergebnis, dass wir nie wieder eine
harmonische
Beziehung herstellen konnten. Währendessen wir es hoffnungsvoll
versucht haben, war dies im Prinzip nur eine Trennung auf Raten.
Was ich nur aus meiner Erfahrung empfehlen kann, die Beziehung
zu beenden und einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen.
Den Kontakt rigoros abzubrechen und erstmal wieder zu sich
selbst zu kommen. Einfacher gesagt als getan… leider!!!
Es klingt hart, aber was passiert ist, ist halt passiert und
wenn der oder die Partner/in damit ein Problem hat, müssen halt
die Konsequenzen gezogen werden. Sein Unverständnis und
Schmerzen werden Eure Beziehung in regelmäßigen Abständen immer
wieder belasten.
Wenn Du willst, kann ich Dir genaue Details per Mail geben.
Liebe Grüße, Frank

Hallo Heidi,
ich kann ihren Mann auch verstehen. Nur hilft diese Feststellung
hier nicht weiter. Da die beiden immer noch miteinander reden,
geht es doch um die Frage, wie gehen die beiden in Zukunft
miteinander um und nicht, wer hat wann welchen Fehler gemacht.
liebe Grüße nach Leipzig
Tommes

wirklich, und finde es nur natürlich, wie er reagiert…
LG
H.-D.

Hey, jetzt lass doch den armen Kerl in Ruhe, was hat der den getan? :smile:
Verschiedene Leute fühlen nun mal unterschiedlich. Es gibt Leute, denen eine solche Beziehung ‚heilig‘ ist. Wenn ihre Partnerin mit anderen Männern ins Bett geht ist das dann nicht einfach nur ein Seitensprung. Es ist der Beweis, dass die Beziehung für die Partnerin nie den wert hatte, den sie für sie verkörpert hat.
Was kann man da tun? Ich würde sagen, der Kerl braucht einfach etwas Zeit. Fast alle Idealisten werden irgendwann gebrochen, und den meisten ist das klar.
@Birgit: Vergiss nicht, dass die Seele weder denkt noch diskutiert.

Greetings!
Sebastian

Tommes, aber ich glaube wirklich und ehrlich…da gibts auch

nichts zu helfen.- und…

wie gehen die beiden in Zukunft miteinander um

dazu kann ICH nur sagen, gar nicht, wär das Beste…, man hat
zuviel kaputt gemacht, um es so, wie es war, wieder zu „kitten“. Entweder ganz von vorn, was selten, sehr selten klappt, oder die Sache einmal ehrlich beenden…mit allen Vor- und Nachteilen…
Ich weiß jetzt schon, dass ich mit meiner Meinung dazu alleine dastehe…:wink:)

und nicht, wer hat wann welchen Fehler gemacht.

Nein, das wissen ja nun „alle“, die Frage wäre gewesen (zuuu spät drüber zu reden) WARUM wurde wann welcher Fehler (wenns denn einer ist) gemacht wurde…

liebe Grüße nach Leipzig

Danke für die Grüße *freu*
und genau solche zurück :wink:

H.-D.

@Birgit: Vergiss nicht, dass die Seele weder denkt noch
diskutiert.

„nur“ fühlt, verletzt wird und krank, und „arbeitet“ man nicht mit ihr, dann bleibt sie es, aber meistens gesundet sie ja wieder…:wink:

Greetings!

H.-D.

Hallo,

auch wenn ich nur ein Neuling bin und weder Psychologie kenne noch irgendwas in der Richtung studiert habe, meine Meinung.

Ich kann deinen Mann verstehen, allerdings frage ich mich wieso für dich eine klare Trennung da war, für ihn nicht? Okay Gefühle denken nicht, auch wenn du ausziehst, war er dir nah.

Am liebsten würde ich sagen typisch Kerl - denken immer an den fremden Typen mit der eigenen Frau im Bett - wenns so einfach wäre. Wie gesagt - ich kann ihn verstehen. Wer weiss was ich denken/fühlen würde.

Ich könnte nur etwas vorschlagen das bei mir hilft - direkt ansprechen, diese Vorstellung sozusagen visualisieren. Er soll sagen was genau er sich da denkt und du kannst ihm ja sagen wies wirklich war - und dann die Frage an ihn - um was geht es ihm?
Ist er vielleicht unsicher weil der andere „besser“ sein könnte? (Ich meine, KANN ja sein!)Ging es ihm NUR darum das dich ein anderer angefasst hat? Immerhin bist du nicht bei diesem Mann und bist (für mich, wenn man das trennen kann) nur körperlich fremd gegangen. Du bist wieder bei ihm und das ist jetzt wichtig und für die Zukunft wichtig.

Nach vorn schaun, nicht zurück!

Sorry, aber mehr kann ich nicht raten

Helena

Okay, Gefühle denken nicht

Sag ich doch :smile:

Wie kommst du darauf, dass man so ein Problem mit dem Verstand lösen kann? Wozu willst du den Kerl mit den Details quälen? Glaubst du, für ihn macht es einen Unterschied?
Glaubst du, es hilft ihm, wenn er weiss, dass der Seitensprung für seine Partnerin bedeutungslos war, und dass sie´s trotzdem getan hat?
Das letzte ist aber immer noch das härteste: Wenn jemand deine Gefühle tief verletzt hat indem er dich betrogen hat, wie würdest du dich fühlen, wenn er deinen Schmerz so auslegt, dass es dir nur darum geht, eine andere könnte im Bett besser gewesen sein als du? Da zieht sich einem ja schon bei der Vorstellung alles zusammen!

So, jetzt hab ich genug gemekert
Ist nicht böse gemeint :smile:
-Sebastian

Vielleicht hilft die Zeit …
Hallo Birgit,

wie Du an unseren Postings siehst hat keiner so den rechten Ratschlag für Eure Situation, aber wenn es so einfach wäre würde man ja auch selber drauf kommen … :wink:

Ich denke in Euerm Fall hilft allein die Zeit, und vor allem Gespräche - wenn ER über die Vorkommnisse sprechen mag. Tu es dann nicht ab wenn er das Thema aufbringt, auch wenn es für Dich abgehakt scheint, sondern stelle Dich ihm, auch immer wieder, hilf ihm zu verarbeiten.

Mehr kannst Du nicht tun, außer zu versuchen ihm sein Vertrauen auf Dauer wiederzugeben, ihm immer wieder Deine Liebe zu versichern.

Viel Glück wünscht Euch Carolin

die Chance des Lebens
Hallo Birgit,

beim Durchlesen Deines Postings sind mir folgende Überlegungen gekommen:
Bei all den Aufzählungen Deiner Vorgeschichten habe ich den Eindruck, dass Du und Dein Partner bei Eurer Auseinandersetzung Euch zu sehr in Details Eurer Beziehung festgebissen habt. Diese Details stellen aber nur Puzzleteile zwei verschiedener Bilder dar. Darin sehe ich das Problem, warum kein Licht des unerfreulichen Tunnels zu sehen ist.
Dein Bild von Partnerschaft sieht wohl nicht nur Harmonie sondern auch Dynamik, also persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, vor. Es ist als ob Du Deine Grenzen suchst, die Du wahrscheinlich mit Deinem Partner nicht erleben kannst. Es ging Dir beim Fremdgehen nicht darum als Persönlichkeit Wertschätzung zu finden (die Du wahrscheinlich ausreichend bei Deinem Partner genießen darfst), sondern vielleicht hast Du nur das Abenteuer gesucht. Einfach einmal einen anderen Mann kennenzulernen, der Dir neue (gute) Seiten von Dir zeigt und beweist. Aber die Harmonie ist Dir sehr wichtig. Darum bis Du zu Deinem Partner zurück.

Dein Partner braucht für sein Wohlbefinden die Statik, einen verläßlichen Status quo von Tagesabläufen und Gefühlsleben. Für Deine Zuverlässigkeit tut er alles. Und nun hast Du das Ideal, das er in Dir sah, zertrümmert. Er beweint jede einzelne Bruchstelle.
Das kann niemals ein tragbarer Dauerzustand sein, oder?

Irgendwann einmal muß Schluß sein mit Schuldgefühlen, Vorwürfen, Klagen. Es müssen zwischen Euch Gespräche entstehen, die etwas mit Euer gemeinsamen oder getrennten Zukunft zutun haben. Es geht da um Lebensgestaltung und immaterielle Träume, auf die jeder ein Recht hat sie verwirklichen zu dürfen. Er muß bereit sein von seinen Idealen soweit abzuweichen, dass für Dich noch genügend Freiräume für Deine Unberechenbarkeiten entstehen können. Wenn er nicht weicht, dann ist das bedrückend, niederdrückend, erdrückend - sprich es können Depressionen entstehen.
Um beim Druck zu bleiben, habe ich das Gefühl, dass seine Trauer eine Form von Erpressung ist: „ich weiß nicht, ob ich das vergessen kann. Wenn Du nicht willst, dass ich weiterhin so bedrückt bin, dann mußt du alle Zeichen setzen, die mich davon überzeugen, dass das nie wieder geschieht.“
Das würde bei mir latent Kleinmütigkeit erzeugen, was auch nicht gerade zu geistigen oder seelischen Höhenflüge verführt.

Vielleicht brauchst Du in Eurer Beziehung ein wenig weniger Aufmerksamkeit, ein bißchen mehr Unsicherheit und Spannung, ein bißchen mehr Distanz (getrennt Urlaub, eigenen Freundeskreis, eine eigene Ecke in der Wohnung nach Deinem persönlichen Geschmack gestaltet). Diese Distanz sollte dann auch von ihm ausgehen. Emanzipation auf beiden Seiten, sozusagen.

Ich glaube, dass man nicht unbedingt einen Seitensprung braucht, um eine Partnerschaft lebendig zu gestalten. Doch manchmal geht es wohl doch nicht ohne.
Wenn Ausbrüche des einen aus der Partnerschaft vom anderen nicht ge- und ertragen werden kann, dann sollte man sich fragen wer wen belastet und wer wen trägt. Belastungen dieser Art geben Auskunft über die Qualität der Beziehung.

So wie Du die Konsequenzen aus Deinen Taten tragen mußt, so hast Du auch ein Recht darauf Dein Leben so zu gestalten wie Du es für Dich brauchst. Das hat meiner Ansicht nach Vorrang vor jeder Partnerschaft, deren Frieden erst durch den persönlichen Seelenfrieden möglich ist.

viele Grüße
Claudia

Du stehst mit Deiner Meinung bestimmt nicht alleine da. Ich denke ehr, daß die Mehrheit sie teilt. Aber Psychologie hat nun wirklich nicht mit Moral und Volksmeinung zu tun. Wenn jemand ein Problem hat, dann wird das nicht kleiner indem er zu lesen bekommt daß sein tun moralisch bedenklich ist. Es mag natürlich stimmen, daß die Beiden sich auf immer trennen sollten aber das zu beurteilen überlasse ich den beiden.

Dir ein schönes Wochenende
Tommes

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Konfrontationstherapie ?
Hey Birgit,

normalerweise hat man nach einer solchen Geschichte doch immer nur „Bilder im Kopf“, weil man nichts Konkretes weiss. Daher spinnt man sich halt irgend etwas zusammen. Ganz einfaches Beispiel: ich sitze abends daheim und erwarte meinen Partner, er jedoch kommt viel zu spät, ruft nicht an und trudelt dann zwei Stunden zu spät ein! In diesen zwei Stunden konnte ich jedoch nicht mein Alleinsein geniessen, sondern hatte ständig Horrorszenarios im Kopf und blättere im Kopf schon einmal die gelben Seiten nach Krankenhäusern durch, wo ich anrufen könnte. Hätte er jedoch angerufen und mir konkret gesagt, dass er halt später kommt, wäre alles klar gewesen!

Und jetzt zu euch: je mehr er über die „Seitensprünge“ erfährt, desto weniger Spielraum bleibt für Spekulationen in seinem Kopf. Klar ist er sensibel (wer hätte in dieser Sache KEIN verletztes Ego / Stolz / Herz?), aber ich denke, dass ihr euch zusammensetzen müsst und Du ihm ganz genau alles erzählst und seine Fragen (er WIRD welche haben) beantwortest - aber ganz offen und ehrlich (er wird auch merken, wenn Du ihn anlügst). Erzähle ihm von der Zeit ohne ihn, von Deinen Gefühlen. Sage ihm ruhig, dass Du (wenn es so war) auch für die anderen Männer etwas empfunden hast, betone aber gleichzeitig, dass Du zwischendurch immer an ihn gedacht hast (mit Wehmut? Mit Wut im Bauch? Mit Traurigkeit?). Erzähle einfach alles, aber vergiss dabei nie, ihn über die anderen zu stellen. Bekräftige immer wieder Deine Liebe und den Rest wird die Zeit erledigen.

Ich kann nur von mir sprechen: wenn mein Partner fremdgehen würde, dann müsste ich einfach alles wissen, mich damit konfrontieren, alle Wunden aufreissen, damit sie hinterher umso besser heilen können, weil sie besser desinfiziert sind.

Mein Partner und ich haben eine Vereinbarung: wenn einer von uns beiden in der Beziehung unglücklich ist (insbesondere beim Sex), dann darf man sich schon jemand anderes suchen - aber nur mit dem Partner zusammen. Eine gute Erfahrung war auch der Swingerclub - dort sieht man, was der andere treibt und kann auch sehen, dass Sex und Liebe trennbar sind.

Alles Gute für euch beide. Ich hoffe, ihr trennt euch nicht. Denn wenn man so lange das Leben zusammen gemeistert hat, dann ist da etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt!

Liebe Grüße aus Saarbrücken,
Regine

dass er jetzt ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl hat. Der „Andere“ könnte ja besser gewesen sein, usw. usw.
Jetzt meine Anmerkungen zur Vorgeschichte:

Also:
Vorgeschichte 1:
Ich und mein Partner waren seit 14 Jahren zusammen. Dieselbe
Ausbildung, keine Kinder, wir arbeiten in der selben Firma.
Nebenberuflich haben wir beide gemeinsam (in Rekordzeit und
mit wirklich viel Einsatz) zuerst Psychologie studiert und
dann, weil’s so schön war, auch noch Wirtschaft/Gruppendynamik
draufgesetzt (insgesamt 7 Jahre Studium; 2. Studium ist
fertig, die Diplomarbeit fehlt noch).

Whau, voll das Powerpaar! *respekt*

Vorgeschichte 2:
Nach 7 Jahren Partnerschaft (nach Etablierung im Beruf und
Hausbauen) hatten wir die erste große Krise, die aber – recht
und schlecht – bewältigt wurde, die Hauptbewältigung waren die
gemeinsamen Studien. Wir haben es aber immer sehr genossen,
zusammen zu sein, Gemeinsames zu schaffen.

Kann es sein, dass ihr darüber vergessen/verdrängt habt, über eure Probleme richtig zu sprechen/sie sich einzugestehen?

Vorgeschichte 3:
Vor gut einem Jahr hatte ich (neige sowieso zu Depressionen)
einen klassischen Burn-out, an dem ich (jetzt noch immer)
laboriere. Vor gut einem Jahr (Studium neigte sich dem Ende
zu…) bekam ich auch immer mehr das Gefühl, ich werde nicht
geliebt, ich muß aus der Partnerschaft heraus. Obwohl wir
Psychologen sind (und Kommunikationstrainer) war hier einer
der Knackpunkte unseres Problems: Fehlende Kommunikation und
dadurch fehlendes Verständnis meines Partners (entschuldigend:
es kam eine Krebserkrankung seiner Mutter noch
strafverschärfend dazu). Er war immer mehr der Typ, der über
seine Gefühle nicht reden konnte und der Konflikte eher unter
den Tisch kehrte; Kommunikationstraining hin oder her,
irgendwann resignierte ich.

Sehr verständlich, aber hast es ja schon lange ausgehalten!

Vorgeschichte 4:
Aus Frustration und dem Gefühl, dass ich gar nicht mehr lebe,
begann ich, mich in diversen Chats und Flirtbörsen umzusehen.
Im Herbst 2000 verliebte ich mich tatsächlich via E-Mail
(hielt es selber nicht für möglich). Dieser Mann war für mich
nur das Sprungbrett, das zu tun, was ich sowieso schon lange
wollte: aus der Beziehung raus. Es stellte sich für mich nie
ernsthaft die Frage, mit ihm („dem Anderen“) zusammenleben zu
wollen, erstens war er gebunden, zweitens ein Ichbezogener
Egomanist, aber als „Sprungbrett“ half es (nicht er!) mir. Es
gab noch eine zweite, parallele Affäre in der Zeit.
Ich hab es meinem Partner sofort gesagt, auch, dass ich mich
von ihm trennen wollte. Es traf ihn eiskalt, ein voller
Schock.

Wie du richtig erkannt hast, war der Andere nur der Auslöser, das zu tun was du wolltest. Solltest du vielleicht von diesem „Egomanen“ etwas Egoismus lernen und hattest Scheu davor?

Nach 3 Wochen zog ich von zu Hause aus. Wir hatten aber
trotzdem noch Kontakt, redeten und in der Firma sowieso. Mein
Partner hatte in dieser Zeit einen sehr guten, sehr
einfühlsamen und hilfreichen Freund, der ihm viel half. Auch
wir redeten viel und konstruktiv.

Sich räumlich trennen heisst ja nicht, auch innerlich loslassen zu können, was in so kurzer Zeit wohl auch kaum möglich ist.

Vorgeschichte 5:
Nach ca. 2 Monaten Trennung und auch einigen schmerzhaften
Aufarbeitungssessions kamen wir überein, es wieder miteinander
versuchen zu wollen. Uns war klar, dass noch viel Arbeit vor
uns lag, die gingen wir auch (konstruktiv) an. Die
„Außenbeziehungen“ waren selbstverständlich in der Zeit
bereits kompromisslos beendet.

Warum wolltet ihr es wieder miteinander versuchen? Waren die „Aufarbeitungssessions“ zu heftig? Meintest du, er hätte sich verändert, würde jetzt auf einmal reden können wie die ganzen Jahre vorher nicht? Was schwebte euch beiden vor?? Neue Projekte in der Zukunft, weil das dynamische Duo ja unschlagbar ist??

Seit Anfang Mai wohne ich wieder in unserem Haus. Wir arbeiten
an unserer Beziehung, aber wir sind beide nach diesem
jahrelangem Uni-Stress und dem Beziehungsstress des letzten
Jahres seeehr dünnhäutig.

Kein Wunder!

Eigentliche Geschichte:
Wie gesagt, es ist bereits viel aufgearbeitet, wir reden so
offen und konstruktiv über unsere Beziehung (ich habe das
Gefühl, die ganzen, inzwischen 15 Jahre haben wir nicht so
viel geredet, ich hatte immer das Gefühl, nicht an meinen
Partner heranzukommen), eine so tiefe, liebevolle und innige
Beziehung hätte ich nie, wirklich nie für möglich gehalten.
ABER:
Mein Partner hat immer wieder „Rückfälle“; Rückfälle jener
Art, dass es ihn seelisch martert und total fertig macht, dass
ich mit anderen Männern intim war. Für mich war es eine klare
Trennung (objektiv war es das auch) für ihn war es (vom Gefühl
her) ein laufend miterlebter Seitensprung.

Manchmal ist schweigen einfach gold!

Wir haben vorher

nie darüber gesprochen, aber er ist WIRKLICH monogam veranlagt
(dachte nicht, dass es so was gibt) und für ihn ist Liebe und
Körperlichkeit untrennbar verbunden.

also die Bezeichnung „wirklich“ monogam veranlagt stört mich doch, wenn ihr solange zusammen wart, hätte ein Blinder mit Krückstock sehen/merken müssen, dass ER an anderen Frauen niemals ein Interesse hatte (so scheints ja gewesen zu sein), was ich persönlich allerdings merkwürdig finde …

Und die Bilder, sagt er,

ich mit anderen, sind ständig da und quälen ihn; er ist
hypersensibel aber das ist eben Er, und seine Gefühle, die ich
auch sehr schätze. Aber es belastet mich auch sehr, wenn er
sich quält und es belastet auch uns beide und unsere
Beziehung. Und je schwächer er psychisch ist, desto weniger
kann er sich „wehren“ (eine Zeitlang hatte er es sehr gut im
Griff, aber – scheint’s – noch nicht wirklich verarbeitet.

So komme ich auf meine Eingangsworte zurück: SEIN Ego ist nun wirklich am Boden. Was meint er denn, warum du wieder mit ihm zusammen bist?

Wer kann mir dazu seine Erfahrungen schildern? Oder
Hilfestellungen geben? Für jede neue Idee oder auch Erfahrung
bin ich wirklich wirklich sehr dankbar! (auch sehr gerne per
Mail!)

Meine Erfahrung ist leider die, dass ich mich nach 11 Jahren zur Trennung entschlossen habe, nachdem wir es noch einmal miteinander versucht haben. Aus heutiger Sicht bin ich der Meinung, dass ist das Beste was mir passieren konnte. Ich hätte mein Leben so weitergeführt wie die ganzen Jahre davor auch, ohne irgendwas zu merken und meine persönliche Entwicklung voranzutreiben. Aber das muss ja nicht für euch beide auch gelten.
Alles Gute trotzdem für euch!
Gruss
Quirli

Viele liebe Grüße#
Birgit
*dieverzweifeltEureHilfebraucht*

Hey Sebastian,

hab ich irgendwann gesagt das ich Experte bin und die Weisheit mit Löffeln gefressen habe? Es war meine bescheidene Meinung!

Wie kommst du darauf, dass man so ein Problem mit dem Verstand
lösen kann?

Wenn ICH (nur ich) den Verstand einsetzte, kann ich meine Gefühle abschalten bzw. kann alles aus einem Abstand betrachten. Und es führt dazu das ich meine Gefühle (und seien sie noch so verletzt) besser analysieren kann, mich besser verstehe und mein Bedürfniss besser erkennen kann. Ich habe nie gesagt das man damit jedes Problem lösen kann. Es war ein Vorschlag!! Mit dem Hinweis - bei mir klappt das!!! Capice???

Wozu willst du den Kerl mit den Details quälen?

Moment - erstmal sollte er klar sagen was genau er sich denn da vorstellt und warum. Ich schlug nicht vor das sie ihm alle Details erklären soll.

Glaubst du, für ihn macht es einen Unterschied?

Ja das glaube ich!

Glaubst du, es hilft ihm, wenn er weiss, dass der Seitensprung
für seine Partnerin bedeutungslos war, und dass sie´s trotzdem
getan hat?

Ja. Für mich würde es nen Unterschied machen!

Das letzte ist aber immer noch das härteste: Wenn jemand deine
Gefühle tief verletzt hat indem er dich betrogen hat, wie
würdest du dich fühlen, wenn er deinen Schmerz so auslegt,
dass es dir nur darum geht, eine andere könnte im Bett besser
gewesen sein als du? Da zieht sich einem ja schon bei der
Vorstellung alles zusammen!

Bevor du mekkerst solltest du meinen Text besser lesen - ich habe diese Stelle extra angemerkt als „KANN JA SEIN“. Ich stelle nicht in Frage das er tief verletzt ist und das aus un-eitlen Gründen und das er über diese alberne Idee „der andere war besser“ nicht mal nachdenkt! ABER ES KÖNNTE TROTZDEM SEIN! Und wenn es das wäre, dann wäre das Problem schnell gelöst! Bin ich Hellseher? Oder kannst du hellsehen? Also - lies bitte meinen Text besser und den Punkt hättest du dir sparen können.

Und schade das mein letzter Satz von dir nicht mal erwähnt wurde, denn der ist wichtiger als alle Problem wälzerei! (meine Meinung!!)

Grüsse
Helena

Hallo Qurili!

Kann es sein, daß ich aus Deinen Antworten zu Recht eine gewisse
Ironie herauslese? Eifersucht ist doch meistens eine Frage des
mangelden Selbstbewußtseins.

Liebe Grüße
Tommes

Einige Gedanken
Hi Birgit,

Ihr seit 14 Jahre zusammen und baut alle 7 Jahre eine Krise!
Die ersten 7 Jahre eurer Partnerschaft scheint ihr nicht viel Zeit für einander gehabt zu haben, da jeder mit sich selbst beschäftigt war. Das Studium scheint hier ein legitimes Mittel gewesen zu sein, sich nicht zu nahe zukommen?!
Nach Beendigung des Studiums kam die erste Krise; was ist passiert? Was hat sich geändert bei euch, mit euch? Was heißt recht und schlecht bewältigt? Was waren die Themen und Punkte? Um was ging es? Wie sieht die Aufarbeitung aus, was habt ihr genau gemacht?
Dein Partner scheint sich nicht verändert zu haben; du fühlst dich eher tot als lebendig und sprichst von Depressionen. Du fühlst dich nicht mehr geliebt und suchst „ Hilfe“ außerhalb der Partnerschaft.
Die intimen Kontakte schmeißen nun deinen Mann aus der Bahn und deine Depression scheint verschwunden zu sein. Nun ist er derjenige, der Hilfe braucht.
Es muß scheinbar immer jemand geben der schwach, verletzlich und hilfsbedürftig ist oder ihr müßt ganz viel mit euch selbst beschäftigt sein, damit eure Partnerschaft „ funktioniert „!?

MfG Harald