Hallo Ihr,
ich bin zwar *wichtig* Kommunikationstrainerin und berate auch Paare, aber wie es so oft ist, bei meiner eigenen Beziehung blick ich nicht mehr durch, ich bin schon echt verzweifelt und brauche Eure Hilfe.
Also:
Vorgeschichte 1:
Ich und mein Partner waren seit 14 Jahren zusammen. Dieselbe Ausbildung, keine Kinder, wir arbeiten in der selben Firma. Nebenberuflich haben wir beide gemeinsam (in Rekordzeit und mit wirklich viel Einsatz) zuerst Psychologie studiert und dann, weil’s so schön war, auch noch Wirtschaft/Gruppendynamik draufgesetzt (insgesamt 7 Jahre Studium; 2. Studium ist fertig, die Diplomarbeit fehlt noch).
Vorgeschichte 2:
Nach 7 Jahren Partnerschaft (nach Etablierung im Beruf und Hausbauen) hatten wir die erste große Krise, die aber – recht und schlecht – bewältigt wurde, die Hauptbewältigung waren die gemeinsamen Studien. Wir haben es aber immer sehr genossen, zusammen zu sein, Gemeinsames zu schaffen.
Vorgeschichte 3:
Vor gut einem Jahr hatte ich (neige sowieso zu Depressionen) einen klassischen Burn-out, an dem ich (jetzt noch immer) laboriere. Vor gut einem Jahr (Studium neigte sich dem Ende zu…) bekam ich auch immer mehr das Gefühl, ich werde nicht geliebt, ich muß aus der Partnerschaft heraus. Obwohl wir Psychologen sind (und Kommunikationstrainer) war hier einer der Knackpunkte unseres Problems: Fehlende Kommunikation und dadurch fehlendes Verständnis meines Partners (entschuldigend: es kam eine Krebserkrankung seiner Mutter noch strafverschärfend dazu). Er war immer mehr der Typ, der über seine Gefühle nicht reden konnte und der Konflikte eher unter den Tisch kehrte; Kommunikationstraining hin oder her, irgendwann resignierte ich.
Vorgeschichte 4:
Aus Frustration und dem Gefühl, dass ich gar nicht mehr lebe, begann ich, mich in diversen Chats und Flirtbörsen umzusehen. Im Herbst 2000 verliebte ich mich tatsächlich via E-Mail (hielt es selber nicht für möglich). Dieser Mann war für mich nur das Sprungbrett, das zu tun, was ich sowieso schon lange wollte: aus der Beziehung raus. Es stellte sich für mich nie ernsthaft die Frage, mit ihm („dem Anderen“) zusammenleben zu wollen, erstens war er gebunden, zweitens ein Ichbezogener Egomanist, aber als „Sprungbrett“ half es (nicht er!) mir. Es gab noch eine zweite, parallele Affäre in der Zeit.
Ich hab es meinem Partner sofort gesagt, auch, dass ich mich von ihm trennen wollte. Es traf ihn eiskalt, ein voller Schock.
Nach 3 Wochen zog ich von zu Hause aus. Wir hatten aber trotzdem noch Kontakt, redeten und in der Firma sowieso. Mein Partner hatte in dieser Zeit einen sehr guten, sehr einfühlsamen und hilfreichen Freund, der ihm viel half. Auch wir redeten viel und konstruktiv.
Vorgeschichte 5:
Nach ca. 2 Monaten Trennung und auch einigen schmerzhaften Aufarbeitungssessions kamen wir überein, es wieder miteinander versuchen zu wollen. Uns war klar, dass noch viel Arbeit vor uns lag, die gingen wir auch (konstruktiv) an. Die „Außenbeziehungen“ waren selbstverständlich in der Zeit bereits kompromisslos beendet.
Seit Anfang Mai wohne ich wieder in unserem Haus. Wir arbeiten an unserer Beziehung, aber wir sind beide nach diesem jahrelangem Uni-Stress und dem Beziehungsstress des letzten Jahres seeehr dünnhäutig.
Eigentliche Geschichte:
Wie gesagt, es ist bereits viel aufgearbeitet, wir reden so offen und konstruktiv über unsere Beziehung (ich habe das Gefühl, die ganzen, inzwischen 15 Jahre haben wir nicht so viel geredet, ich hatte immer das Gefühl, nicht an meinen Partner heranzukommen), eine so tiefe, liebevolle und innige Beziehung hätte ich nie, wirklich nie für möglich gehalten.
ABER:
Mein Partner hat immer wieder „Rückfälle“; Rückfälle jener Art, dass es ihn seelisch martert und total fertig macht, dass ich mit anderen Männern intim war. Für mich war es eine klare Trennung (objektiv war es das auch) für ihn war es (vom Gefühl her) ein laufend miterlebter Seitensprung. Wir haben vorher nie darüber gesprochen, aber er ist WIRKLICH monogam veranlagt (dachte nicht, dass es so was gibt) und für ihn ist Liebe und Körperlichkeit untrennbar verbunden. Und die Bilder, sagt er, ich mit anderen, sind ständig da und quälen ihn; er ist hypersensibel aber das ist eben Er, und seine Gefühle, die ich auch sehr schätze. Aber es belastet mich auch sehr, wenn er sich quält und es belastet auch uns beide und unsere Beziehung. Und je schwächer er psychisch ist, desto weniger kann er sich „wehren“ (eine Zeitlang hatte er es sehr gut im Griff, aber – scheint’s – noch nicht wirklich verarbeitet.
Wer kann mir dazu seine Erfahrungen schildern? Oder Hilfestellungen geben? Für jede neue Idee oder auch Erfahrung bin ich wirklich wirklich sehr dankbar! (auch sehr gerne per Mail!)
Viele liebe Grüße#
Birgit
*dieverzweifeltEureHilfebraucht*

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