Träume und die Ursachen

Hall miteinander, ich bin zwar selber Sozialpädagoge, benötige aber dennoch einmal effektive Hilfe. Ich habe letzte Nachr folgenden Traum gehabt:

Im zarten Alter von 12 Jahren maschiere ich in einer Formation von Pionieren ( DDR ? ) und singe Arbeiterlieder. Hinter uns eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit braunen Hemden und Koppel. Mit einem Male blieb ich stehen, riss mir das Pionier-Käppi vom Kopf und das Hemd vom Leib und wollte davonlaufen. In dem Moment erschien ein Truppführer, stellte ein MG in Stellung und schoss mir in den Rücken. Durch die „Einschüsse“ bin ich schweissgebadet wachgeworden. Da man immer wieder sagt, Träume hätten in gewissem Masse etwas mit der Realität zu tun, kann mir jemand diesbezüglich Tips oder Hinweise geben? Was kann ich mit solchen Träumen anfangen, zumal sie öfter erscheinen? Oder wie kann ich sie eventuell deuten oder deuten lassen?

Thanks
Reiko

Traumdeutung und Traumtraining
Lieber Reiko,

es gibt eine Strömung der Psychologie, die besagt, daß nur Du selbst Deine Träume deuten kannst. Ich bin auch dieser Meinung. Lasse Dich vor allem, wenn Du doch zu einem „Traumdeuter“ gehst, nicht von oberflächlicher Symbolik verwirren. Deine Psyche teilt Dir etwas mit, also mußt Du diese Botschaft verstehen lernen.

Meinen eigenen Worten zum Trotz fallen mir Dinge zu diesem Traum ein. Die will ich Dir auch gerne sagen, aber bitte denke daran, daß das meine Interpretation ist. Deine könnte ganz anders sein.

Ich gehe jetzt mal davon aus, daß Du nicht in einem totalitären Regime wie der DDR aufgewachsen bist, denn sonst wäre Dir selbst die Deutung klar. Was ich mit Deinem Traum assoziiere, ist der Wunsch, auszubrechen, anders zu sein, gegen den Strom zu schwimmen. Vielleicht sogar Dein Leben zu ändern. Es könnte sein, daß Du Dich von etwas „freimachen“ willst (Du reißt Dir Dein Hemd vom Leib). Aber Du hast Angst. Angst, dafür bestraft zu werden. Vielleicht gibt es jemanden, der Dich an dieser Änderung hindern will, oder von dem Du das befürchtest. Vielleicht willst Du auch einfach nur anders sein und der Mann, der Dich in den Rücken schießt, steht für Deine Angst, ohne jemand bestimmten zu repräsentieren.

Wie gesagt, das war meine Assoziation. Viele Dinge sind zur Deutung wichtig, die ich nicht weiß: Wie hast Du Dich gefühlt, bevor Du ausgebrochen bist? Was empfandest Du für die anderen Kinder? Hast Du vorher schon gewußt, daß Du fortlaufen willst, oder kam es ganz plötzlich über Dich? Und so weiter…

Es gibt ein altes Training, wenn man seine Träume besser verstehen will. Ich habe vor Jahren davon gelesen. Meine Mutter hat es angewandt, weil sie immer den gleichen Traum hatte, in dem meine tote Großmutter vorkam. Es soll dazu führen, daß Du aktiv in Deine Träume eingreifen kannst.

Frage Dich mehrmals am Tag: „Bin ich wach oder träume ich“? Das klingt albern, aber es führt dazu, daß diese Frage verinnerlicht wird. Es soll Dich dahin bringen, daß Du sie Dir irgendwann auch im Schlaf stellst, um dann feststellen zu können, daß Du träumst, wenn Du es tust.

Schreibe morgens Deine Träume in ein Buch, das auf Deinem Nachttisch liegt - vor dem Aufstehen.

Wenn ein Traum, so wie dieser, Dich sehr beschäftigt, so erzähle ihn Dir abends vor dem Schlafengehen. Mehrfach. Denke Dir Varianten aus. Spiele den Traum in Gedanken nach. Stell Dir zum Beispiel vor, wie Du Dich umdrehst zu dem Schützen und ihn fragst: „Warum schießt Du auf mich?“

Wie gesagt, ich selbst weiß nicht, ob das funktioniert, aber meine Mutter hat das gemacht. Und schließlich konnte sie meiner Großmutter in ihrem Traum die Frage stellen, die sie bewegte. Und tatsächlich hat sie ihr dann geantwortet. Ich nehme an, bei diesem Training werden das Bewußtsein, daß man träumt, und der eigene, aktive Eingriff in den Traum so verinnerlicht und dem Unterbewußtsein zugeführt, daß man es irgendwann auch kann, wenn man schläft.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen.
Lieben Gruß, Nike

Hallo Nike,

ja, Du hast gesagt, Symbolik sei mit Vorsicht zu geniessen. Da stimme ich Dir auch im Grossen und Ganzen zu. Allerdings haben fuer einen bestimmten Kulturkreis gewisse Dinge immer auch eine uebertragene Bedeutung, die durch die Jahrhunderte gewachsen und verinnerlicht ist. Das waere hier auch beim Hemd zu pruefen. Kleidung bedeutet fuer den Menschen:

  • Einen Teil der eigenen Persoenlichkeit
  • Den Teil, der nach aussen gezeigt wird
  • „Kleider machen Leute“, den Teil, den wir fuer andere sein wollen (eine Maske)

in diesem Fall handelt es sich aber moeglicherweise um eine Uniform. Die macht „gesichtslos“ und „konform“, zeigt eine Zugehoerigkeit.

Weitere Interpretationen sind aber tatsaechlich nur sehr engen Freunden oder einem selber moeglich.

Gruss, Niels

Danke…
Ich mal versucht, die Tips anzuwenden, bis jetzt komm ich noch nicht so klar damit. Aber: ich bin eben in der DDR grossgeworden, die Parallelen zum Traum gibt es auch tatsächlich, wenn auch nicht so krass. Aber ich hab oft solche Träume, in denen ich ( meisst als Kind ) die leidtragende Person darstelle, unter welchen Umständen auch immer. Manchmal verfolgt mich solch ein Traum tagelang im realen Leben und macht mir daher auch viel zu schaffen. Ich werd mal versuchen, anhand Eurer Hilfe damit klarzukommen. Ich bin eigentlich kein sehr sensibler Mensch und auch sonst sehr gefestigt, aber meine Träume haben auf mich selbst eine sehr grosse Wirkung, um nicht zu sagen, manchmal rufen sie sehr grosse Angst hervor.
( ich weiss nur nicht, vor was! )

An dieser Stelle sei auch Martina K. für ihre Hilfe gedankt.

Danke und Gruss
Reiko

Wenn Du tatsächlich in der DDR großgeworden bist, dann deuten die Träume wahrscheinlich auf nichtbewältigte Traumata hin. Obwohl ich Wessi bin, kannte ich dieses Regime wohl zumindest besser als die meisten Wessis - ich habe dort eine Familie, die mir sehr nahe stand und steht, war jeden Sommer da und habe auch eine Ost-West Liebe hinter mir. Meine beste Freundin ist dort aufgewachsen, und sie brauchte eine mehrjährige Therapie, um ihre Traumata zu bewältigen. Sie litt unter Verfolgungswahn, Depressionen und Psychosen. Natürlich ist es nicht jedem so ergangen wie ihr (die Stasi hatte gesteigertes Interesse an ihr), aber dieser Staat sorgt wohl bei vielen immer noch für Alpträume.

Vielleicht ist es ein gewisser Trost für Dich, zu wissen, daß Deine Träume Dir helfen, zu verarbeiten, während Du schläft. Sie mögen Dir Angst einjagen, aber sie sind wichtig für Dich.

Das Training schlägt übrigens erst nach längerer Zeit an, anfangs tut sich gar nichts. Bei meiner Mutter hat es 6 Monate gedauert.

Liebe Grüße, Nike

hallo reiko,

ich moechte dir auch ein paar zeilen zum thema traumdeutung schreiben:
das was nike geschrieben hat ist im grossen und ganzen absolut richtig. aber bevor man sich die angesprochenen dinge ins unterbewusstsein ruft, sollte man mental auf eventuell auftretende, extreme psychische belastungen eingestellt sein.
in der heutigen gesellschaft gehoert es leider nicht mehr zum alltag, dass man auf sein unterbewusstsein „hoert“ und mit ihm zusammen, taegliche begebenheiten verarbeitet.
das ist uebrigens nach meinem stand der wissenschaft auch ein grund fuer ein beginnendes und unterstuetzendes suchtpotential bei drogenabhaengigen. dies ist aber ein anderes thema.
was ich damit sagen will ist, dass man vorsichtig mit der traumdeutung beginnt, da ich aus eigener erfahrung weiss, dass es anfangs sehr schwer ist, seine fragen in gewisser weise zu beeinflussen. wenn man zu schnell ueber sein inneres ich aufgeklaert werden moechte und sich zu schnell „fallen“ laesst, kann es zu ueblen ueberraschungen kommen, die sich dann auch auf die realitaet uebertragen koennen. ein bisschen parapsychologie spielt da natuerlich auch mit herein.
ich kann dir allerdings auch nur raten, diese methode auszuprobieren. versuche aber bitte nicht, etwas zu ueberstuerzen.

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