erstmal ganz vielen Dank für die Antworten, möchte aber gern
hierzu noch etwas sagen:
Das könnte eine Reaktion sein auf eine vielleicht bei Dir
vorhandene Gewohnheit, Dich selbst den anderen gegenüber in
einem als übertrieben empfundenen Maß zu „erklären“ und zu
interpretieren.
Nein, ich glaube, dies ist nicht der Fall. Es ist vielmehr so,
dass ich über mich unaufgefordert eher weniger erzähle, es bezieht sich mehr auf Fragen, die ich gestellt bekomme, z.B.
wie siehst Du dies oder jenes, oder noch besser: was Du da
geschrieben hast, ist zwar gut, richtig und schön, verrät aber
zuviel von Deinem Gefühl…so in der Art (irgendwie muß ich
Gefühle verarbeiten, in meinem Fall durch Schreiben…)
Das folgende aber (Dein Text) trifft vielleicht auf meine Beziehung zu, darüber rede (zerrede?) ich wirklich zuviel…:
Das ist wie bei einem Gummiband, das zwischen zwei Enden
ausgespannt wird: Wenn das eine Ende dem anderen immer
entgegengeht, ist das andere gezwungen, sich zu
entfernen , damit wieder Spannung aufkommt.
Ein sehr sehr gutes anschauliches Beispiel, ja so ist es wohl…
Statt daß die anderen Dir :begegnen können mit ihrem eigenen Interesse und ihrer eigenen Neugier auf Dich, begegenen sie zunächst Deiner Eigeninterpretation, die Du ihnen anbietest: Das kann leicht so erlebt werden, daß sie erstmal gegen eine Mauer laufen auf dem Weg zu Dir…
So werd ich beurteilt, darüber bin ich schon oft etwas
erschrocken, weil ich es genauso nicht gesehen hab,
aber nehme es sehr dankbar auf.
Das ist eine weitverbreitete Meinung, daß man sei, wie man
sei. Niemand ist, wie er ist. Das erkennst Du leicht daran,
daß bei jeder Person, mit der Du gerade umgehst, Dein
Selbst"gefühl" anders ist - und Du Dich sicherlich auch anders
verhältst…
So gesprochen, klingt das fast unheimlich logisch.
Shakespeare (den ich für einen der besten Menschenkenner halte
in der Literaturgeschichte) läßt es in „What You Will“ den
Narren sagen: „Nothing that ist so is so“.
Dabei ist auch zu berücksichtigen (das ist auch mit dem
Shakespeare-Satz gemeint), daß Selbstaussagen, auch
Selbst"gefühle", immer auch zugleich auch nur
Interpretationen sind.
Aber irgendwie muß ich doch versuchen, mich zu interpretieren,
wenn auch nur mir gegenüber. Hab mal versucht, 10 gute Eigen-
schaften von mir aufzuschreiben…2 sind mir eingefallen, also
spontan…
Schlechte (also nicht i.S. von wirkl. schlecht gemeint) dagegen
fallen mir spontan mehr als genug ein…Sagt ja auch schon
was über die Persönlichkeit…
Daher gehört es auch im eigenen Leben immer
wieder zu den spannendsten Erlebnissen, wenn man sagen kann
„ich erkenne mich selbst nicht wieder“.
Spannend, hm…mir macht das eher Angst! Aber doch, ja, spannend
ist es im Nachhinein immer gewesen…stimmt schon.
Weisst Du, jetzt hab ich schon etwas Bedenken, ob ich nicht wieder zu viel Selbstinterpretation geübt habe, mich zu sehr
erklärt habe und eh hier eine s.g. Therapiestunde draus wird,
bedanke ich mich nochmal sehr für die nachdenklich gemachte
Antwort mit
vielen Grüßen
Heidi-Dilarah