Persönliche Frage

Mir wird in letzter Zeit immer mal wieder gesagt: ich wäre
zu durchschaubar, ich verstehe es nicht, ein kleines Geheimnis
um mich zu machen, was den Reiz des Erforschens meiner Persönlichkeit ausmachen könnte (das trifft sowohl auf meine
Texte, die oft aus meinem Leben/Erfahrungen berichten und von daher natürl. auf mich zu). Dies wiederum würde machen, das ich meinen Lieben und meinem Liebsten zu wenig Raum ließe, mich Stück für Stück zu ergründen und ich darf meinen Gedankengang dazu noch sagen, mich wahrscheinl. deshalb uninteressant auf Dauer macht?!
Da es wiederholt Menschen die ich sehr schätze sagen, frag ich mich nun: ist da was dran?
Ich dachte immer, ich bin wer ich nun mal bin und warum sollte
ich dies nicht ausdrücken (auf welche Art auch immer, künstl., im tgl. Leben ). Außerdem bin ich der Meinung, ich kenne mich
noch selbst zu wenig, um wirklich alle Seiten zu kennen (wozu immer das vielleicht gut ist).
Was denkt Ihr darüber?

H.-D.
*etwasratlos*

Hallo,

genau jetzt hast Du etwas getan, um andere anzuregen, etwas über Deine Persönlichkeit zu erforschen. Man (Frau) denkt darüber nach, macht sich Gedanken um oder über Dich und genau das ist das Thema.

Ich persönlich strebe genau wie Du die Gradliniegkeit an, so zu sein, wie man ist und nicht andere täuschen, um sich interessant zu machen. Macht- und Imponiergehabe tragen sicherlich einiges dazu bei, um bei der Gesellschaft oder beim Partner als mehr gelten zu wollen, als man eigentlich ist.

Habe mich über Deinen Artikel gefreut, antworte mir vielleicht auf meine unter „Sozialwissenschaften allgemein“.

Gruß Michael

Selbstbilder
Hi H.-D.

Mir wird in letzter Zeit immer mal wieder gesagt: ich wäre zu durchschaubar, ich verstehe es nicht, ein kleines Geheimnis um mich zu machen, was den Reiz des Erforschens meiner Persönlichkeit ausmachen könnte

Das könnte eine Reaktion sein auf eine vielleicht bei Dir vorhandene Gewohnheit, Dich selbst den anderen gegenüber in einem als übertrieben empfundenen Maß zu „erklären“ und zu interpretieren. Wenn das so sein sollte, wäre es sicher empfehlenswert für Dich, das ernst zu nehmen, und froh zu sein, daß Leute, die Dir nahestehen, Dir dieses Signal geben: Diese Gewohnheit ist wirklich geeignet, aus der Wechselbeziehung jede Spannung - und damit jede Dynamik und jeden Reiz - wegzunehmen.

Das ist wie bei einem Gummiband, das zwischen zwei Enden ausgespannt wird: Wenn das eine Ende dem anderen immer entgegengeht, ist das andere gezwungen, sich zu entfernen , damit wieder Spannung aufkommt.

Dies wiederum würde machen, das ich meinen Lieben und meinem Liebsten zu wenig Raum ließe, mich Stück für Stück zu ergründen

Das ist vollkommen richtig: Statt daß die anderen Dir begegnen können mit ihrem eigenen Interesse und ihrer eigenen Neugier auf Dich, begegenen sie zunächst Deiner Eigeninterpretation, die Du ihnen anbietest: Das kann leicht so erlebt werden, daß sie erstmal gegen eine Mauer laufen auf dem Weg zu Dir…

Da es wiederholt Menschen die ich sehr schätze sagen, frag ich mich nun: ist da was dran?

Das kann ein Außenstehender kaum wissen. Aber ernstnehmen solltest Du es IMHO schon…

Ich dachte immer, ich bin wer ich nun mal bin

Das ist eine weitverbreitete Meinung, daß man sei, wie man sei. Niemand ist, wie er ist. Das erkennst Du leicht daran, daß bei jeder Person, mit der Du gerade umgehst, Dein Selbst"gefühl" anders ist - und Du Dich sicherlich auch anders verhältst…

Shakespeare (den ich für einen der besten Menschenkenner halte in der Literaturgeschichte) läßt es in „What You Will“ den Narren sagen: „Nothing that ist so is so“.

Dabei ist auch zu berücksichtigen (das ist auch mit dem Shakespeare-Satz gemeint), daß Selbstaussagen, auch Selbst"gefühle", immer auch zugleich auch nur Interpretationen sind. Das heißt: Man sollte immer auch ein paar andere Selbstinterpretationen parat haben. Selbstbilder sind lebendig, sie entwickeln sich - sogar täglich. Nur wenige Anteile an der eigenen Person sind wirklich konstant. Daher gehört es auch im eigenen Leben immer wieder zu den spannendsten Erlebnissen, wenn man sagen kann „ich erkenne mich selbst nicht wieder“. Wer soetwas noch nie zu sich selbst zu sagen Anlass hatte, hat sich nicht weiterentwickelt.

und warum sollte ich dies nicht ausdrücken (auf welche Art auch immer, künstl., im tgl. Leben ).

Siehe oben - mal erzählen zu können, wie man sich gerade fühlt, ist ein selbstverständlicher Freundschaftsdienst. Aber anderen allzu häufig Selbstinterpretationen zu liefern könnte als langweilend empfunden werden. Es nimmt anderen zumindest das Abenteuer, Dich zu „entdecken“ und sich Dich zu „erschließen“ (wie man es mit weißen Stellen auf Landkarten macht).

Außerdem bin ich der Meinung, ich kenne mich noch selbst zu wenig, um wirklich alle Seiten zu kennen (wozu immer das vielleicht gut ist).

Da kann man Dir nur gratulieren :smile:

Allerdings ist allzu reichhaltig geäußerte Selbstinterpretation für ein wirkliches Sich-selbst-Kennenlernen eher hinderlich - zumindest aber keineswegs förderlich…

Grüße
Metapher

erstmal ganz vielen Dank für die Antworten, möchte aber gern

hierzu noch etwas sagen:

Das könnte eine Reaktion sein auf eine vielleicht bei Dir
vorhandene Gewohnheit, Dich selbst den anderen gegenüber in
einem als übertrieben empfundenen Maß zu „erklären“ und zu
interpretieren.

Nein, ich glaube, dies ist nicht der Fall. Es ist vielmehr so,
dass ich über mich unaufgefordert eher weniger erzähle, es bezieht sich mehr auf Fragen, die ich gestellt bekomme, z.B.
wie siehst Du dies oder jenes, oder noch besser: was Du da
geschrieben hast, ist zwar gut, richtig und schön, verrät aber
zuviel von Deinem Gefühl…so in der Art (irgendwie muß ich
Gefühle verarbeiten, in meinem Fall durch Schreiben…)

Das folgende aber (Dein Text) trifft vielleicht auf meine Beziehung zu, darüber rede (zerrede?) ich wirklich zuviel…:

Das ist wie bei einem Gummiband, das zwischen zwei Enden
ausgespannt wird: Wenn das eine Ende dem anderen immer
entgegengeht, ist das andere gezwungen, sich zu
entfernen , damit wieder Spannung aufkommt.

Ein sehr sehr gutes anschauliches Beispiel, ja so ist es wohl…

Statt daß die anderen Dir :begegnen können mit ihrem eigenen Interesse und ihrer eigenen Neugier auf Dich, begegenen sie zunächst Deiner Eigeninterpretation, die Du ihnen anbietest: Das kann leicht so erlebt werden, daß sie erstmal gegen eine Mauer laufen auf dem Weg zu Dir…

So werd ich beurteilt, darüber bin ich schon oft etwas
erschrocken, weil ich es genauso nicht gesehen hab,
aber nehme es sehr dankbar auf.

Das ist eine weitverbreitete Meinung, daß man sei, wie man
sei. Niemand ist, wie er ist. Das erkennst Du leicht daran,
daß bei jeder Person, mit der Du gerade umgehst, Dein
Selbst"gefühl" anders ist - und Du Dich sicherlich auch anders
verhältst…

So gesprochen, klingt das fast unheimlich logisch.

Shakespeare (den ich für einen der besten Menschenkenner halte
in der Literaturgeschichte) läßt es in „What You Will“ den
Narren sagen: „Nothing that ist so is so“.

Dabei ist auch zu berücksichtigen (das ist auch mit dem
Shakespeare-Satz gemeint), daß Selbstaussagen, auch
Selbst"gefühle", immer auch zugleich auch nur
Interpretationen sind.

Aber irgendwie muß ich doch versuchen, mich zu interpretieren,
wenn auch nur mir gegenüber. Hab mal versucht, 10 gute Eigen-
schaften von mir aufzuschreiben…2 sind mir eingefallen, also
spontan…
Schlechte (also nicht i.S. von wirkl. schlecht gemeint) dagegen
fallen mir spontan mehr als genug ein…Sagt ja auch schon
was über die Persönlichkeit…:wink:

Daher gehört es auch im eigenen Leben immer

wieder zu den spannendsten Erlebnissen, wenn man sagen kann
„ich erkenne mich selbst nicht wieder“.

Spannend, hm…mir macht das eher Angst! Aber doch, ja, spannend
ist es im Nachhinein immer gewesen…stimmt schon.

Weisst Du, jetzt hab ich schon etwas Bedenken, ob ich nicht wieder zu viel Selbstinterpretation geübt habe, mich zu sehr
erklärt habe und eh hier eine s.g. Therapiestunde draus wird,
bedanke ich mich nochmal sehr für die nachdenklich gemachte
Antwort mit
vielen Grüßen
Heidi-Dilarah

Nachgefragt
Hallo Metapher,

Auch wenn es ein wenig von dem Ursprüngsposting wegführt, aber du sagst:

Dabei ist auch zu berücksichtigen (das ist auch mit dem Shakespeare-Satz gemeint), daß Selbstaussagen, auch Selbst"gefühle", immer auch zugleich
auch nur Interpretationen sind. Das heißt: Man sollte immer auch ein paar andere Selbstinterpretationen parat haben. Selbstbilder sind lebendig, sie
entwickeln sich - sogar täglich. Nur wenige Anteile an der eigenen Person sind wirklich konstant.

Welche Anteile sind das deiner Meinung nach, die also (wenn ich deinen Satz richtig verstehe) nicht nur Interpretation, und darüber hinaus auch noch konstant sind ?

lieben Gruss
Marion

Konstantes
Hi Marion

Auch wenn es ein wenig von dem Ursprüngsposting wegführt…

ist bei diesem Thema sicher verzeihlich :smile:

Welche Anteile sind das deiner Meinung nach, die also … nicht nur Interpretation, und darüber hinaus auch noch konstant sind ?

Das ist eine spannende Frage der Persönlichkeitspsychologie - auf die ich auch - bis heute - nur mit einer eigenen Hypothese antworten kann: Es sind die (unrealisierten) Sehnsüchte, an denen man sich eindeutig selbst wiedererkennt.

Tatsächlich vermute ich, daß nur in der Selbstreflexion dies und jenes Konstante in der Person zu finden ist. Alles, was ein anderer an „mir“ erkennt, ist Bestandteil von dessen „Objektrepräsentanzen“ (siehe das Posting unten „Repräsentanzen“), und das ist variabel, kann sich verändern. Und alles, was zu „meinem“ sog. „empirischen Ich“ zählt, ist der (auch momentanen) Selbstinterpretation (Stimmung u.a.) unterworfen (Der Ausdruck „Stimmung“ - der Musik entnommen - sagt ja schon aus, daß es um Wechselbeziehung, Resonanz geht, und die ist ja ereignisabhängig).

Auch Erinnerungen an Erlebtes können nicht zu dem Konstanten zählen, denn auch sie verändern (im Laufe des Lebens und auch in Abhängigkeit aktueller Situationen) ihre „Farbe“, ihre Form und ihre Bewertung - erkennt man auch daran, daß man, wenn man von sich selbst erzählt, dies immer wieder auf eine andere, neue Weise tut.

In diesem Zusammenhang ist ja auch dieser Uralt-Witz ganz treffend: Wenn du dir morgens vor dem Spiegel begegnest und meinst „Ich kenne dich nicht, aber ich putz dir trotzdem die Zähne“…

lieben Gruss zurück
Metapher

eine nur unvollkommene einfache Antwort…
vielleicht… mach einmal etwas anders als erwartet, nicht das du es nicht wollen würdest; bei ein paar Sachen fallen dir sicher mehrere Möglichkeiten ein… bei ‚Gewohnheiten‘ (essen, kochen, Sex, am Wochenende…)

du schriebst wo, das du in Texten zu viel persönliches legst… vielleicht, schreib mal einen solchen Text in dem du fast nichts persönliches legst…

und natürlich, wie in dem thread weiter unten… ergründe dich selbst! :smile:

ich persönlich muss sagen, Personen die ich restlos durchschau wirken auf mich…‚fad‘ (sorry, das musste ich so schreiben…)

Mir wird in letzter Zeit immer mal wieder gesagt: ich wäre
zu durchschaubar, ich verstehe es nicht, ein kleines Geheimnis
um mich zu machen, was den Reiz des Erforschens meiner
Persönlichkeit ausmachen könnte (das trifft sowohl auf meine
Texte, die oft aus meinem Leben/Erfahrungen berichten und von
daher natürl. auf mich zu). Dies wiederum würde machen, das
ich meinen Lieben und meinem Liebsten zu wenig Raum ließe,
mich Stück für Stück zu ergründen und ich darf meinen
Gedankengang dazu noch sagen, mich wahrscheinl. deshalb
uninteressant auf Dauer macht?!
Da es wiederholt Menschen die ich sehr schätze sagen, frag ich
mich nun: ist da was dran?
Ich dachte immer, ich bin wer ich nun mal bin und warum sollte
ich dies nicht ausdrücken (auf welche Art auch immer, künstl.,
im tgl. Leben ). Außerdem bin ich der Meinung, ich kenne mich
noch selbst zu wenig, um wirklich alle Seiten zu kennen (wozu
immer das vielleicht gut ist).
Was denkt Ihr darüber?

Moin Metapher,

ist bei diesem Thema sicher verzeihlich :smile:

Welche Anteile sind das deiner Meinung nach, die also … nicht nur Interpretation, und darüber hinaus auch noch konstant sind ?

Das ist eine spannende Frage der Persönlichkeitspsychologie -

Ich gebe zu, obiges erstaunt mich. Ich hatte nicht gedacht, daß sich die Persönlichkeitspsychologie auch mit dieser Frage auseinandersetzt (läuft sie da nicht Gefahr, das Objekt ihrer Untersuchung zu verlieren ? *schmunzel*). Von daher machst du mich natürlich neugierig. Gibts es psychlogische Literatur, die du mir zu diesem Thema empfehlen könntest, insbesondere fänd ich psychlogische Ansätze interessant, die die Version, dess es „nichts konstantes“ und „nur Interpretation“ gibt verfolgen.

auf die ich auch - bis heute - nur mit einer eigenen Hypothese
antworten kann: Es sind die (unrealisierten) Sehnsüchte, an
denen man sich eindeutig selbst wiedererkennt.

Die Sehnsüchte stellen mich vor ein Rätsel, an dem ich jetzt schon seit zwei Tagen rumgrübel.
Die eine Interpretation des Wortes „Sehnsüchte“ bringt mich in den Bereich des Bedingten, somit Veränderlichen, Interpretierbaren und sicher nicht Konstanten, dafür aber Individuellen.
Die andere Interpretation hingegen bringt mich zwar näher an die Ausgangsfrage des nicht interpretierbaren und konstanten heran, aber dafür verwischt dann das Individuelle. Sprich: Ich bin mir nicht sicher, ob ich in diesen Sehnsüchten noch eine klare Unterscheidung zwischen z.B. mir und dir ausmachen (und mich somit eindeutig (!) selbst wiedererkennen) kann.

Kannst du das mit den Sehnsüchten als etwas erläutern bitte ?

Der Rest von deinem Posting ist eh klar und erinnert mich mal wieder (wie so oft bei dieser Diskussion) an den Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln :smile:

Lieben Gruss
Marion

Pudding und Persönlichkeit
Hi Marion

eh das Konstante an der Person unter dem Brett-Horizont verschwindet, hier ein Antwortansatz :smile:

Welche Anteile sind das deiner Meinung nach, die also … nicht nur Interpretation, und darüber hinaus auch noch konstant sind ?

Das ist eine spannende Frage der Persönlichkeitspsychologie -

Ich gebe zu, obiges erstaunt mich. Ich hatte nicht gedacht, daß sich die Persönlichkeitspsychologie auch mit dieser Frage auseinandersetzt

Tut sie auch nicht. Gute Einführungen in dieses Gebiet sind übrigens (steht auch im Buchtip-Link der Brettbeschreibung):
Fisseni: „Persönlichkeitspsychologie. Auf der Suche nach einer Wissenschaft“
ISBN 3801709817 Buch anschauen
und
Asendorpf: „Psychologie der Persönlichkeit“
ISBN 3540662308 Buch anschauen

Diese Frage ist eher eine der Philosophie der Persönlichkeit. Und da kann ich auch nur mit einem eigenen „Ansatz“ in Stichworten aufwarten:

Die (je eigene) Persönlichkeit ist eine Sache der Selbstreflexion. Diese findet aber in verschiedenen „Stufen“ statt: von der empirischen, in der wir uns in Abhängigkeit von unterschiedlichen Realsituationen unterschiedlich selbst wahrnehmen, bis zur meditativen (über die du ja selbst insider-Erfahrung hast)…

Zur Selbstreflexion gibt es nun eine geeignete mathematische Metapher: die der sog. „Abbildung“ - zu der es unter bestimmten Bedingungen „Fixpunkte“ gibt. Dazu wiederum ein Bild: Wenn du auf einen Tisch ein Blatt Papier legst und es dann zusammenknüllst und dieses dann irgendwo in den Bereich legst, wo es vorher lag, dann gibt es (nach einem math. Gesetz) mindestens eine Stelle des Knülls, die exakt über der Stelle liegt, an der sie vorher war, egal, wo du es hinlegst. Dies nennt man dann einen „Fixpunkt“ (der Abbildung).

Und solche Fixpunkte gibt es dann auch in der jeweiligen Situation der Selbstreflexion, aber: es müssen nicht immer dieselben sein! Sie hängen davon ab, wo du den Knüll hinlegst (dies als Metapher für die Abhängigkeit von der realen Lebens-Situation)

Das soll mal vorerst nur eine bildliche Annäherung an das Problem sein, sonst wirds zu kompliziert und zu überladen.

Zu der Sache mit den „unerfüllten Sehnsüchten“ als Versuch, etwas letztlich Konstantes in der Selbstreflexion zu benennen: Das gesuchte Konstante soll ja sicherlich gerade auch bezüglich der eigenen Vergangenheit konstant sein, also das, an dem man sich auch in der Form der Erinnerung wiedererkennt. Die Real-Erinnerungen sind aber ebenfalls nicht konstant: Die Weise, wie du Erinnertes erinnerst, verändert sich mit zunehmender Lebens- und Selbsterfahrung.

Nun ist es mit Sehnsüchten ebenfalls so: durch ihre Erfüllung werden sie verändert, wenn nicht sogar ( als Sehnsüchte) vernichtet.

Aber selbst, wenn vergangene unerfüllte Sehnsüchte als solche nicht mehr aktuell sind, wirst du dich bei Erinnerung an sie immer exakt an „dich“ in Form eines vergangenen, aber dennoch mit dir heute identischen „Selbst“ erinnern.

That’s it :smile:

liebe Grüße
Metapher (sometimes the same)

Nägel zieh…
Hallo Metapher,

Ich gebe zu, obiges erstaunt mich. Ich hatte nicht gedacht, daß sich die Persönlichkeitspsychologie auch mit dieser Frage auseinandersetzt

Tut sie auch nicht.

hm…hast du nicht auf meine Frage:

Welche Anteile sind das deiner Meinung nach, die also … nicht nur Interpretation, und darüber hinaus auch noch konstant sind ?

geantwortet:

Das ist eine spannende Frage der Persönlichkeitspsychologie -

??
Danke für die Buchtips, aber mir ging es nicht um ein gutes Buch über Persönlichkeitspsychologie allgemein sondern spezielle zu dem Thema. Oder gibt es einen Grund, warum man sich mit Persönlichkeitspsychologie allgemein auseinandersetzen sollte, wenn man über das Konstante in der Persönlichkeit nachdenkt ?

Nach deiner Antwort oben setzt sich die Persönlichkeitspsychologie ja nicht mit der Frage auseinander *bisschen verwirrt bin*.

Diese Frage ist eher eine der Philosophie der Persönlichkeit.

Ja, das dachte ich bislang auch immer, daher ja meine Verwirrung.

Und da kann ich auch nur mit einem eigenen „Ansatz“ in
Stichworten aufwarten:

Die (je eigene) Persönlichkeit ist eine Sache der
Selbstreflexion. Diese findet aber in verschiedenen „Stufen“
statt: von der empirischen, in der wir uns in Abhängigkeit von
unterschiedlichen Realsituationen unterschiedlich selbst
wahrnehmen, bis zur meditativen (über die du ja selbst
insider-Erfahrung hast)…

hm…heisst Stufen für dich von empirisch------> bis meditativ und meditativ dann quasi auf einer höheren Stufe ? Und was liegt zwischen den Stufen ? Mischformen ?

Zur Selbstreflexion gibt es nun eine geeignete mathematische
Metapher: die der sog. „Abbildung“ - zu der es unter
bestimmten Bedingungen „Fixpunkte“ gibt. Dazu wiederum ein
Bild: Wenn du auf einen Tisch ein Blatt Papier legst und es
dann zusammenknüllst und dieses dann irgendwo in den
Bereich legst, wo es vorher lag, dann gibt es (nach einem
math. Gesetz) mindestens eine Stelle des Knülls, die
exakt über der Stelle liegt, an der sie vorher war, egal, wo
du es hinlegst. Dies nennt man dann einen „Fixpunkt“ (der
Abbildung).

versteh ich nicht

Und solche Fixpunkte gibt es dann auch in der jeweiligen
Situation der Selbstreflexion, aber: es müssen nicht immer
dieselben sein! Sie hängen davon ab, wo du den Knüll hinlegst
(dies als Metapher für die Abhängigkeit von der realen
Lebens-Situation)

versteh ich ebenfalls nicht…

Das soll mal vorerst nur eine bildliche Annäherung an das
Problem sein, sonst wirds zu kompliziert und zu überladen.

ähm…ja…wohl selbst das ist zuviel für mich :smile:

Zu der Sache mit den „unerfüllten Sehnsüchten“ als Versuch,
etwas letztlich Konstantes in der Selbstreflexion zu
benennen: Das gesuchte Konstante soll ja sicherlich gerade
auch bezüglich der eigenen Vergangenheit konstant sein, also
das, an dem man sich auch in der Form der Erinnerung
wiedererkennt. Die Real-Erinnerungen sind aber ebenfalls nicht
konstant: Die Weise, wie du Erinnertes erinnerst,
verändert sich mit zunehmender Lebens- und Selbsterfahrung.

Ja, ist klar…

Nun ist es mit Sehnsüchten ebenfalls so: durch ihre Erfüllung
werden sie verändert, wenn nicht sogar ( als Sehnsüchte)
vernichtet.

auch klar…

Aber selbst, wenn vergangene unerfüllte Sehnsüchte als
solche nicht mehr aktuell sind, wirst du dich bei Erinnerung
an sie immer exakt an „dich“ in Form eines vergangenen, aber
dennoch mit dir heute identischen „Selbst“ erinnern.

auch klar, aber ich denke, dass ist nicht das, was ich unter einer „Konstanten“ verstehe. Konstant heisst für mich zum Beipspiel auch, dass es nicht igendwann einmal entsteht (und vergeht). Sicher ist die Erinnerung mit einem heute identischen „Selbst“ da, zumindest für kurze Momente und ich empfinde so etwas ehrlich gesagt als ziemlich verwirrend…aber was mich daran ein bisschen stört ist, dass diese Sehnsüchte irgenwann entstanden sein müssen, also nicht immer schon „ich“ waren…und wenn sie nicht schon „immer“ da waren, dann sind sie auch keine Konstante meiner „selbst“ oder ?

That’s it :smile:

Ein sehr sympathischer Ansatz übrigens :smile:

liebe Grüsse
Marion (who ?)

Ereignisse
sorry Marion, daß ich noch nicht geantwortet hab.

Aber die Ereignisse der letzten Woche ließen wegen anderer Handlungsnotwendigkeiten wenig Spielraum…

Leider stehen wir hier gerade vor den Toren der Unterwelt des unumgänglichen Archivs… vielleicht findet sich ja eine Möglichkeit, das Thema nochmal aktuell auferstehen zu lassen… Antwort auf Dein letztes Posting bekommst du jedenfalls…

Dasselbe gilt natürlich für unsere Taoismus-Diskussion im Philosophie-Brett.

Auf bald

Liebe Grüße
Metapher