Traumanalyse
Hi Birgit
aus 100en von traumanalytischen Gesprächen hat sich mir immer wieder bestätigt, daß die analytische Methode von Freud im Ansatz richtig ist: Der Traum ist - wenn er denn schon dem Wachbewußtsein erhalten bleibt - tatsächlich eine Form des Selbstgesprächs ist, bei dem man sich selbst etwas „durch die Blume“ deutlich macht - besser gesagt: mit (vorläufig noch „unbewußter Absicht“) un deutlich andeutet. So wundert es nicht, daß kaum jemand, der geträumt hat, kann sich des Eindrucks erwehren kann, daß in seinem Traum etwas enthalten ist, das über das Erinnerte hinaus „eine Bedeutung“ habe, die sich aber vorläufig noch verberge.
Das Entscheidende ist aber, daß dies eben auf verschlüsselte Weise geschieht. Und diese Verschlüsselung ist ebenfalls eine jeweils ganz persönliche, individuelle - sogar für den gegeben Anlaß spezifisch entwickelte. Und vor allem: daß es überhaupt verschlüsselt ist, hat - wie sich nachträglich immer zeigt - durchaus ebenfalls seine guten Gründe.
Selbst wenn im Traum Bilder auftauchen, die allgemein bekannt sind, weil sie zu einem allgemein-menschlichen Repertoire von Träumen zu gehören scheinen (darauf hat ja Jung aufmerksam gemacht), ist es immer noch eine Sache der persönlichen (unbewußten) Traum-„Regie“, gerade diese Requisite gewählt zu haben.
Deshalb ist es absolut unsinnig, rein mechanisch aus Traumbilder-Listen und angeblich objektiven Decodierungen irgendetwas Erhellendes entnehmen zu wollen: Es führt fast immer zum restlosen Verdrängen eines eigentlich aktuell sinnvollen und nützlichen „unterschwelligen“ Traumgedankens.
Dasselbe gilt natürlich erst recht, wenn ein anderer Dir seine eigenen Assoziationen zu einem Detail Deines Traumes erzählt. Dein eigener Traumgedanke wird dadurch bis zur Unkenntlichkeit verwischt, wenn Du Dich darauf einläßt.
Das traumanalytische Gespräch erfordert deshalb eine ziemlich sensible Kunst, Dich (ausschließlich durch bestimmte Formen des Fragens) 1. zum Hinein-„Zoomen“ in das Erinnerte und 2. zum Vwersuch eines adäquaten sprachlichen Ausdrucks davon anzuregen, und zwar ohne , daß eigene Assoziationen Deines Gesprächpartners hineinfunken…
Es gibt tatsächlich eine Methode, das auch alleine zu machen, allerdings mit beschränktem Erfolg: Durch eine bestimmte Technik, das Erinnerte schriftlich zu notieren.
Sollte noch erwähnt werden: Im Unterschied zu Freuds ursprünglicher Auffassung ist der entschlüsselte „Traumgedanke“ niemals nur ein einziger. Der Traum ist meist eine Collage aus mehreren Inhalten…
Speziell diese Passagen aus Deiner Erzählung:
… ich komme auch mit der Symbolik gut zurande, nur mit der Socke nicht…
Also im Groben die Socken-Situation…
Mein Freund und ich sitzen Arm in Arm (nackt) in einer Wanne gegenüber A. (meine Interimsaffaire), in Feinrippunterwäsche und Tennissocken. Plötzlich steht er auf, zieht sich eine Socke aus und wringt diese aus, bevor er geht…
Klingt alles recht witztig, weiß ich, aber mir ist es sehr ernst damit…
geben also jede Menge Anläße für bezielte Rückfragen an Dich, die Dir den (oder die) Grundgedanken erhellen könnten, aber Assoziationen von anderen wären für Dich nicht nur unnütz, sondern sogar hinderlich.
Liebe Grüße
Metapher