Hallo allerseits,
ich habe in den vergangenen drei Wochen als Betreuerin in einer Ferienfreizeit für geistig behinderte Kinder und Jugendliche gearbeitet. In meiner Gruppe war u.a. ein 17jähriges Mädchen, die neben ihrer geistigen Behinderung zusätzlich noch stark „verhaltensauffällig“ war. Sie nässte mehrmals täglich (willentlich) ein und bekam ohne erkennbare Auslöser aggressive „Ausraster“. Diese äußerten sich darin, dass sie Geschirr und Glasflaschen zerdepperte, Kleidung zeriss, Spielsachen zerstörte, andere Kinder mit Schlägen und Tritten traktierte und/oder mit Lebensmitteln, Zahncreme etc. herumschmierte.
Mir ist bekannt, dass sich die Mutter strickt weigert ihre Tochter therapeutische behandeln zu lassen. Anstatt einer Therapier erhält die Tochter im „Notfall“ ein paar Kapseln ‚Eunerpan’ (Neuroleptika). Die langjährigen Bemühungen der Behinderteneinrichtung diese Mädchen in eine Wohngruppe aufzunehmen verliefen bislang erfolglos.
Zum Nachdenken angeregt durch diese Erlebnisse, frage ich mich, inwieweit es möglich ist bei geistig Behinderten eine psychische Erkrankung oder Störung zu diagnostizieren. Werden in der Praxis vielleicht psychische Auffälligkeiten bei geistig Behinderten auf die Behinderung zurückgeführt und aus diesem Grunde eher selten untersucht und ggf. behandelt?
Gibt es mittlerweile adäquate psychotherapeutische Behandlungsformen speziell für geistig Behinderte?
Wer sich ein Wenig auskennt und etwas weiß über die Zusammenhänge zwischen geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung/Störung, kann ja einfach schrieben. Ich freue mich auch über Literaturempfehlungen zu diesem Thema.
Vielen Dank!!
Gruß
Kirsten