Wo fängt Gewalt an

Hallo ihr Lieben!!

Ich habe mal wieder ein sehr interessantes und bestimmt auch schon oft durchgekautes Diskussionsthema.
Mein Anlass für dieses Thema habe ich vom Fußball-Länderspiel Deutschland-England.

Ich war zu dem Zeitpunkt,wo diese Krawalle begannen unmittelbar dabei,und ich habe wahnsinnige Angst gehabt,was ja bei dieser Situation auch kein Wunder war/ist!

Ich habe mich gefragt,was diese menschen dazu veranlasst,und wie sie dazu gekommen sind,auf diese Schiene gekommen sind!

Sind es Mitläufer,die sich nur in der breiten Masse stark fühlen,und ohne die Masse „klein“ sind?
Was haben die für eine Kindheit gehabt oder welche einschlägigen Erfahrungen in ihrem Leben hatten sie,das sie zu so etwas fähig sind?!
Es sind ausschließlich Männer…Frauen habe ich keine gesehen…

Ich konnte es kaum glauben,das auf dieser Erde Menschen existieren,die anscheinend so wenig Gehirn besitzen,oder eben voll dumm sind!!

Was sagt/meint/denkt ihr dazu?

sprachlose Grüße von
der anderen Pia

Man kann doch jeden Tag immer und immer wieder das Verhalten von Menschen beobachten. Es reicht ja, wenn man Nachrichten anschaut, die Geschichtsbücher studiert oder Zeitung liest. Es ist sicher noch was anderes, wenn man unmittelbar etwas erlebt - dabei gibt es viel Grausameres, als es Du erlebt hast oder Dir nur vorstellen kannst.
Es ist einfach eine Tatsache, daß Gewalt und Agression ein integraler Bestandteil der Menschen ist. Es ist tief in uns verwurzelt - in uns allen, auch in Dir. Jeder Mensch ist zu so einer Gewalt fähig. Jeder kann morden und töten. Wo beim Tier noch ein Hemminstinkt ist, außer er wurde weggezüchtet, kann sich der Mensch „per Kopf“ noch darüber hinwegsetzen - was ihn zu noch viel größeren Grausamkeiten fähig macht. Drittes Reich. Bosnien. Afrika. Das alte Rom. usw. usw.
Nur eine Kultur und Erziehung kann das eindämmen. Eine Kultur, die akzeptiert, das es das gibt und wie man das verarbeitet.

Gruß Moriarty

nun irgendwer sagte mal:
ein Mensch ist intelligent aber viele sind eine dämliche Masse…
ich hab es auch erlebt…
überleg mal was dir da Angst gemacht hab, der einzelne in diesem Haufen hat sicher nicht viel… gemacht, vielleicht ein paarmal gejohlt und gepfiffen, aber viele davon…
natürlich, es kann andere gewalttätigere Handlungen provozieren…

…sollte die Gesellschaft Verstand beweisen!
Hallo Pia,

vor einigen Jahren habe ich mal von Konrad Lorenz das Buch gelesen: das sogenannte Böse. Das hat mir sehr imponiert, denn es beschäftigt sich mit dem Aggressionspotential von uns Säugetieren (:wink:.
Taschenbuch - 261 Seiten - DTV, Mchn.
Erscheinungsdatum: 1983
ISBN: 3423330171 Buch anschauen

Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass Aggressionen zu uns Menschen gehören wie der Verstand. Es macht deshalb für mich keinen Sinn über den mangelnden Verstand von gewaltbereiten Menschen nachzudenken, auch wenn die Aggression uferlos zu eskalieren droht.
Ich habe einmal gehört, dass das Umfeld um Fußball herum gerne für Krawalle genutzt wird (dazu gehören doch auch Demos z.B.)
Das ist ein gesellschaftliches Problem, und läßt sich nur mit Verstand und nicht mit kopfschüttelnder Verachtung lösen.

Doch bei allem Verständnis meinerseits vergesse ich die Opfer von solchen Schlägereien nicht, deren Ärger und Verzweiflung nachvollziehen kann.

wie gesagt, das Buch kann ich als Lektüre empfehlen.

viele Grüße
Claudia

Unterstützung
Hallo,

Konrad Lorenz: das sogenannte Böse.
wie gesagt, das Buch kann ich als Lektüre empfehlen.

das Buch gehört zu den modernen „Classics“ der Biologie und Psychologie.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo,

Konrad Lorenz: das sogenannte Böse.
wie gesagt, das Buch kann ich als Lektüre empfehlen.

das Buch gehört zu den modernen „Classics“ der Biologie und
Psychologie.

Das Buch liest sich zwar sehr schön, aber ist
pure Spekulation. Lorenz begründet seine Triebtheorie
des menschlichen Agressionsverhaltens hauptsächlich
mit (teilweise haarsträubenden) Analogien, die er
aus seinen Tierstudien gewonnen hat. Dem wohl
bekanntesten Gänsebeobachter dieses Planeten muss
ich aber nach der Lektüre des Buchs die Sachkenntnis
über den Menschen absprechen.

Eine differenzierte und modernere Betrachtung
über die Ursachen menschlicher Aggression mit Kritik
der alten Ansätze Behaviourismus und Instinkttheorien
findet sich in Erich Fromms „Anatomie der menschlichen
Destruktivität“.

Gruss,
-Andreas.

Ein Wort zur Güte
Hallo Andreas,

Das Buch liest sich zwar sehr schön, aber ist
pure Spekulation. Lorenz begründet seine Triebtheorie
des menschlichen Agressionsverhaltens hauptsächlich
mit (teilweise haarsträubenden) Analogien, die er
aus seinen Tierstudien gewonnen hat.

Dem wohl

bekanntesten Gänsebeobachter dieses Planeten muss
ich aber nach der Lektüre des Buchs die Sachkenntnis
über den Menschen absprechen.

Eine differenzierte und modernere Betrachtung
über die Ursachen menschlicher Aggression mit Kritik
der alten Ansätze Behaviourismus und Instinkttheorien
findet sich in Erich Fromms „Anatomie der menschlichen
Destruktivität“.

Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass beide Werke ihre guten Seiten und beide ihre bedenklichen Seiten haben?

An Fromm stört mich das übertriebene Hinarbeiten auf eine Destruktion Hitlers, die zwar grundsätzlich gerechtfertigt, aber vielleicht 1973 (zumal in Amerika, wo das Buch zuerst erschien) nicht unbedingt notwendig war. Der Kompensationsgedanke fehlt bei Fromm völlig, eben weil er begrifflich voraussetzt, was böse ist und was nicht. Natürlich hat das Buch auch seine guten Seiten, das habe ich ja schon gesagt, aber man darf auch nicht den Unterschied von 10 Jahren zwischen beiden Werken vergessen.

Erich Fromm hat durch seine Emigration auch ein Recht darauf, so zu schreiben, aber als Voraussetzung seines Denkens ist seine Methodik zumindest auch zeitbedingt.

Was ich also sagen will: Das Buch von Fromm ist wertvoll, aber darüber hinaus darf man aber nicht vergessen, dass Fromm als Psychoanalytiker (der übrigens auch mit Analogien arbeiten muss) und als politischer Mensch mit einer Opferbiographie (seit 1938) ein völlig anderes Erkenntnisinteresse hat als Lorenz, der zwei Jahre nach der Emigration von Fromm (1940!) Ordinarius wurde.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Pia,

ich habe diese Geschichte zwar nur durch die Nachrichten mitbekommen, aber ich kann trotzdem aus eingener Erfahrung sprechen.
In meiner Berufsschulklasse gibt es auch so einen „Fußball-Fan“.
Er hat zwar auch ohne seine „Kollgen“ eine große Klappe, wenn es aber drauf ankommt, zieht er auch überwiegend den Schwanz ein.
Ich denke, die Menschen, die ein Fußballspiel (oder auch andere im Ursinn nicht gewalttätige „Hobbies“) als Anlass zum Austoben nehmen, haben schon ein gewisses Aggressionspotenzial. Sie trauen sich aber nicht, diese im Alltag alleine „auszuleben“ und warten bis Gleichgesinnte um sie herum sind, um dann mit denen gemeinsam das auszuleben, was sich seit Wochen bei ihnen angestaut hat. Das Ergebnis davon hast du ja mit eigenen Augen gesehen.
Ich selbst kann sowas leider nicht nachvollziehen. Wenn es mir nicht gut geht, vergehe ich mich lieber an meinem Sandsack und hau da ein paar mal drauf und belästige/verletze so nicht andere Menschen.

Gruß
anke