Eine Freundin von mir ist schon längere Zeit in Behandlung wegen psychischer Probleme, die ich aber nur teilweise kenne. Sie hat sich von verschiedenen Leuten beraten lassen, z.B. einem Lehrer, verschiedenen Beratungsstellen, und seit kurzem macht sie auch eine Psychotherapie.
In letzter Zeit fällt mir ein Verhalten auf, dass mir Sorgen macht. Sie scheint sich sehr an all die Menschen zu „klammern“, die ihr bei ihren Problemen helfen sollen und baut schon nach kurzer Zeit ein emotional sehr geladenes Verhältnis auf - meiner Meinung nach „übersteigert“.
Das geht so weit, dass Enttäuschungen durch diese Personen, zum Beispiel den Therapeuten, zu „panikähnlichen“ Zuständen führen, teilweise glaube ich sogar die Androhung von Selbstverletzung herauszuhören.
Kann ihr unter solchen Umständen zum Beispiel der Therapeut überhaupt helfen?
Wie erklärt sich solches Verhalten und was kann man tun?
Hi Martin,
Es könnte sein, daß deine Freundin eine massive Übertragung auf den Therapeuten aufgebaut hat.
Ein solcher Vorgang ist normal und zum Teil erwünscht, da er therapeutisch genutzt werden kann. Es unterliegt dem Therapeuten einzuschätzen wie stark diese Projektion ist und ein guter Therapeut wird dann reagieren, sei es, daß er die Erwartungen Schritt für Schritt relativiert oder wenn das nicht möglich ist oder zu lange dauert, kann er die Patientin auch einweisen, wenn das Sinn macht!
MfG Harald
Liebe
Das „komische Verhältnis“ läßt sich in ein Wort fassen: LIEBE.
Das Vorliegen eines psychischen Problems äußert sich doch in den meisten Fällen dadurch, daß der „Irre“ (das ist in keiner Weise diskriminierend gemeint - mir fiel nur kein besserer Ausdruck für diese Menschen, zu denen ich mich zeitweise auch zähle ein) Probleme mit seinem Umfeld hat.
Er findet sein Verhalten „normal“, auch wenn es noch so absurd ist.
Aber er erfährt zunehmend Ablehnung durch die Menschen, mit denen er Umgang hat.
Der Therapeut wird, damit er überhaupt Zugang zu seinem Patienten bekommt, ihm erstmal Verständnis entgegenbringen; er wird ihm zuhören, wo jeder andere nur noch weghört.
D.h. in einer Welt der Ablehnung findet der Irre einen Menschen, der ihn akzeptiert.
Dein Posting hat bei mir einige Emotionen freigesetzt, die ich allerdings in einem separaten Artikel hier im thread veröffentliche.
Ach ja, noch was: was man dagegen tun kann?
Das weiß ich nicht, aber solange es nicht schadet …
Die Liebe zu meiner PT
Als ich meine Therapeutin kennenlernte war ich am Boden, lebensunfähig und lebensunwillig.
Sie richtete mich wieder auf, gab mir neue Impulse.
Sie brachte mich von der Flasche weg.
Sie hörte sich meine Sorgen und Nöte an, und hatte oftmals eine Lösung für ein noch so abwegiges Problem.
Ich konnte mit ihr ohne Scham über intimste Gedanken und Wünsche sprechen.
Sie sorgte dafür, daß ich UND meine Partnerin ein erfülltes Sexualleben haben.
Sie gab mir mein Selbstwertgefühl wieder zurück.
Für das alles liebte ich sie.
Irgendwann stelle ich ihr eine Frage, und habe bei der Antwort das Gefühl, daß sie mich belügt.
Zweifel entstehen.
Soll ich ihr vertrauen oder meinem Gefühl?
Ich frage nochmals. Diesselbe Antwort.
Hin und hergerissen mache ich mich auf die Suche nach der Wahrheit.
Werde fündig.
Mein Gefühl hat recht.
Ich konfrontiere sie mit ihrer Lüge
„Warum?“
„Ich habe jetzt leider keine Zeit,rufen Sie mich an.“
Endlose Versuche, sie zu erreichen, dann geht sie ran, ich sage meinen Namen.
Das Aufschlagen des Telefonhörers habe ich heute noch in den Ohren.
Ihr Abschiedsbrief kommt nach 2 Tagen.
6 Jahre Vertrauen und Liebe pulverisiert in Myriaden von Kohleteilchen und von einer seelenlosen Maschine auf billigstes Papier gespuckt - Halbwahrheiten, Schuldzuweisungen und die Untersagung jeglichen weiteren Kontaktes.
Der Boden ist mir unter den Füßen weggerissen, meine Seele ist gefühllos, mein Körper weint.
Irgenwie lande ich wieder auf meinen Beinen. Stehe.
Ich kann stehen, weil ich die Kraft habe zu stehen.
Ich habe die Kraft, weil sie sie mir gegeben hat.
Dafür liebe ich sie immer noch.