Todessehnsucht

Von: , Frage gestellt am Do, 13. Sep 2001

Hola,

mal eine Frage, die nicht direkt mit den Geschehnissen der letzten Tage in Verbindung zu bringen ist:

Heute habe ich das Wort "Todessehnsucht" gelesen und frage mich: ist dieses Wort nicht ein Paradoxon? Ich meine: wie kann man sich nach etwas sehnen, was man nicht kennt, ja, nichtmal erahnen oder erträumen kann, wie es sein wird (in Träumen wache ich entweder auf, wenn ich sterbe oder ich träume meinen Tod aus anderer Perspektive. Klar, denn wenn man Empfindungen nicht kennt, kann man sie auch nicht träumen)?

Was denkt ihr darüber?

Liebe Grüße,
Reggi *diewohlüberzuvieleDingenachdenkt*

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 22 Stunden 1 hilfreich
    Re: Todessehnsucht

    Hallo Reggi,

    klar ist es grundsätzlich richtig, dass man sich nicht nach etwas sehnen kann was man nicht annäherungsweise kennt.
    Trotzdem gibt es Todessehnsüchte wohl ganz real und sind nicht zu leugnen.

    Hier zwei Erklärungsansätze:

    1. In jeder Sprache gibt es auf den ersten Blick eine Menge Paradoxien. Aber nur wenn man die syntaktisch-morpholgische Ebene eines Wortes getrennt von dessen Semantik betrachtet.
    Jedes Wort ruft bei einem Menschen eine Assoziation mit einem entsprechenden Ding in der realen Welt hervor.
    Dies kann im bezug auf das Wort "Tod" Assoziationen wie Dunkelheit, Satan, Sensemann aber auch Paradies, ewiges Leben etc. hervorrufen, abhängig davon in welcher soziokulturellen Umgebung sich die jeweilige Person befindet.
    Somit kenne ich den Tod an sich nicht, wohl aber dessen Assoziationen, die ich irgendwann einmal erfahren haben muss wie Dunkelheit, Angst...
    Somit bezieht sich die Sehnsucht nach dem Tod subjektiv betrachtet auf durchaus bekannte Emotionen.
    Aber wer hat schon Sehnsucht nach Dunkelheit? Nach Dunkelheit vielleicht nicht, aber verbinde ich Dunkelheit nicht auch mit Ruhe-endlich Ruhe vor diesem Leben?
    Und hier setzt dann auch die Überlegung an, warum es zum Beispiel Selbstmordattentäter gibt. Diesen wird nach Ihrem Märtyrertod das Paradies versprochen und für das Paradies lohnt es sich ja wohl zu sterben , oder?
    Der zweite Erkärungsansatz ist vom ersten grundsätzlich verschieden:
    Ich kenne den Tod nicht, aber das Leben.
    Da in unserer dual denkenden Welt Tod und Leben Gegensätze sind kann man mit einer einfachen mathematischen Gleichung die Todessehnsüchte mancher Menschen erklären:

    Variable : Leben= perspektivenlos, Partner gestorben,Job verloren
    Unbekannte: Tod=?

    Die Gleichung:

    Leben(negiert) ist ungleich Tod
    daraus folgt: Tod ist nicht negiert

    Mit anderen Wort Tod ist positiv, ist erstrebenswert.

    Hoffe Deine Frage beantwortet zu haben.

    • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Todessehnsucht

      .... I`m waiting for the night to fall,
      when everything is bearable......

      Danke für die ausführliche Antwort.

      Liebgruss,
      Reggi

  2. Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
    Re: Todessehnsucht

    Hola Reggi :-),

    ein Mensch, der nie Liebe erfahren hat, sehnt sich nach Liebe, eine Frau sehnt sich nach einem Kind, obwohl sie noch nie Kinder geboren hat, man sehnt sich nach fremden Ländern, obwohl man noch nie dort war...das sind zwar positive Beispiele, aber das Prinzip ist das Gleiche.
    Nur hat Todessehnsucht auf jeden Fall andere Wurzeln und andere Folgen.

    Die Antwort auf deine Frage also: man kann sich schon nach Dingen, Gefühlen usw. sehnen, die man noch nie hatte, noch nie gesehen und gefühlt hat.
    Öfters sieht man dann, dass die Erfüllung des gewünschten doch nicht das ist, was man sich in der Phantasie vorgestellt hat. Ich empfehle hierzu die Geschichte von Janosch *Oh, wie schön ist Panama*. Die Geschichte ist zwar für Kinder gedacht, enthält aber auf sehr einfache und schöne Weise eine große Wahrheit :-).
    Diese Einsicht bei erfüllte Todessehnsucht ist aber nicht mehr möglich :-(

    Manche Menschen spüren diese Sehnsucht, weil das Leben in dem Moment so grau, aussichtslos und öde ist. Dann ist die Todessehnsucht vermeintlich der bessere Weg und spiegelt Sehnsucht nach erhofte Erleichterung und Problemlösung.
    Dass das falsch gedacht ist, brauche ich hier nicht zu erwähnen.

    Schöne Grüße,
    Maja

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Todessehnsucht

      Hey Maja,

      Deine Antwort muss ich mal ein bisschen auseinander pflücken (hoffe, das ist nicht so schlimm...). ein Mensch, der nie Liebe erfahren hat, sehnt sich nach Liebe,
      eine Frau sehnt sich nach einem Kind, obwohl sie noch nie
      Kinder geboren hat, man sehnt sich nach fremden Ländern,
      obwohl man noch nie dort war
      Liebe, Kinder, ferne Länder...: schon klar, das kenne ich auch. ABER: über die Liebe sieht man tausende von Filmen, dort kann man auch ferne Welten sehen. Darüber hört und sieht man wirklich viel. Und das Schwangerschaftsthema kenne ich auch: wehe, wenn die Muttergefühle erwachen *g*. Ich habe auch noch kein Kind geboren und sehne mich oft so sehr danach, endlich spüren zu können, wie ein Leben in mir wächst. Dennoch: man hört so viele Sachen von Schwangeren, dass man sich einfach mit Leichtigkeit vorstellen kann, wie es sein muss. Ausserdem: Muttergefühle und der Wunsch, ein Kind zu kriegen sind ein Instinkt - sonst wäre die Evolution nicht so weit gekommen, wie sie heute ist!

      Klar gibt es auch Filme wie "Flatliners", aber das ist doch alles Blödsinn! Ich meine: wer sagt uns denn, dass diese Todeserlebnisse wirklich so sind: Tunnel, vorbeiziehendes Leben, etc.! Das alles kann auch nur zwei Sekunden dauern und eine chemische Reaktion sein, um das Sterben zu erleichtern! Und danach ist nur noch Dunkelheit, aber davon wissen die Überlebenden nichts mehr. Öfters sieht man dann, dass die Erfüllung des gewünschten doch
      nicht das ist, was man sich in der Phantasie vorgestellt hat.
      Ich empfehle hierzu die Geschichte von Janosch *Oh, wie schön
      ist Panama*. Die Geschichte ist zwar für Kinder gedacht,
      enthält aber auf sehr einfache und schöne Weise eine große
      Wahrheit :-).
      Werde ich mir mal besorgen. Ich LIEBE Kinderbücher *lächel* Manche Menschen spüren diese Sehnsucht, weil das Leben in dem
      Moment so grau, aussichtslos und öde ist. Dann ist die
      Todessehnsucht vermeintlich der bessere Weg und spiegelt
      Sehnsucht nach erhofte Erleichterung und Problemlösung.
      Also, um mal ehrlich zu sein: ich spüre das auch. Wenn ich wieder einmal nicht mehr weiss, wo hinten und vorne ist, dann überlege ich sehr oft, ob es nicht jetzt einfacher wäre, aus dem 4. Stock zu springen und dann war`s das! Nie wieder ein schmerzendes Herz, nie wieder Enttäuschungen, nicht erfüllte Erwartungen. Das ist eine sehr, sehr angenehme Vorstellung.

      Dennoch ist das Wort "Todessehnsucht" doch ein Paradoxon, denn man sehnt sich nicht nach dem Tod (ist bei mir zumindest so) sondern einfach nur nach Problemlösung, Herzschmerz-Erlösung und nach der Sicherheit, nie mehr enttäuscht zu werden. Wenn man dann auch noch von niemandem gebraucht wird, ist der Gedanke wirklich verlockend.

      Die Frage ist nur: was ist feiger? Springen oder nicht?

      Liebe Grüße,
      Reggi

      • Antwort von nach 15 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Todessehnsucht

        Hallo Reggi,

        noch mal eine Antwort auf Deine Frage.

        Deine frage was es mit der Todessehnsucht auf sich hat ist eng verknüpft mit der grundsätzlichen Frage nach dem SINN DES LEBENS.
        Eine Frage, die man sich besonders dann stellt wenn man in einer Lebenskrise steckt, d.h. einschneidene Ereignisse (z.B. Tod, Entlassung, Trennung), Übergangsphasen zu anderen Lebensabschnitten und damit verbundene Zukunftsängste (Übergang von Jugendlichem zum Erwachsenen nach beendigung der Schulzeit, oder Eintritt ins Rentenalter) aber auch einfach eine latente Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation (z.B. ich studiere etwas, das mir nicht liegt, ich aber keinen Mut habe das Studium zu wechseln, weil meine Eltern dies nicht wollen oder ich bin mit einem Menschen liiert, den ich eigentlich nicht liebe, aber mich nicht von im trennen kann, weil er mit Selbstmord droht).

        Aber denk daran: Wie alles im Leben hat alles zwei seiten:
        Eine positive und eine negative. Leider sehen wir oft nur die negative Seite eines Aspektes. beispiel: Ich stürze, breche mir ein Bein (zunächst negativ) und kann deshalb nicht in den Schiurlaub fahren, auf den ich mich seit Monaten gefreut habe.
        Zwei Tage später erfahre ich im Fernsehen, dass in dem von mir gebuchten Schigebiet eine riesige Lawine abgegangen ist und mehrere hundert Menschen gestorben sind. Würdest Du auf die Idee kommen, Deinen Beinbruch immer noch als negativ oder schlimm zu bezeichnen? Ich denke wohl kaum, Du wirst es Wunder nennen.
        Also, alles eine frage der Perspektive.

        Was ich damit sagen will, auch eine Lebenskrise hat einen (positiven) Sinn. Sie zeigt Dir nämlich, das Du was an DEINEM LEBEN ändern musst.
        Was das ist musst Du für Dich herausfinden, ganz ALLEIN und ehrlich in Dich hineinhorchen.
        Ist es ein einmaliges schlimmes Ereignis das Dich aus der Bahn geworfen hat oder mehr eine chronische Unzufriedenheit?
        Oder hast Du (klinische)Depressionen, die man mit Medikamenten behandeln kann und eine KRANKHEIT sind. Symptome :Gewichtsverlust, Appetittlosigkeit, Antriebsschwäche...?

        Bei Dir glaube ich aber nicht an eine Depression, dafür bist Du viel zu aktiv, was man daran sieht, dass Du versuchst dein Problem aktiv durch Meinungsausstausch anzugehen. Dies ist der RICHTIGE Weg. Vergiss Psychater, Psychologen etc... Erstens sind viele meiner Meinung (nicht Erfahrung) nach selbst behandlungsbedürftig, zweitens, wenn Du Dich selbst als Behandlungsbedürftig und krank oder abnormal ansiehst-und das tust du, wenn Du zum Psychologen rennst-wirst Du es auch, weil man in Psychotherapie Unterbewusste Dinge aufzuarbeiten versucht, bewusst werden und so erst zum Problem werden.
        D.H. nicht, dass Du Probleme verdrängen sollst, aber mal ehrlich: Jeder hat Probleme, schlimme Ereignisse hinter sich und trotzdem sind wir nicht alle geisteskrank.
        Es gibt meiner Meinung nur 3 Probleme auf dieser Welt und die heissen:
        1. HUNGER
        2. DURST
        3. MANGEL AN LIEBE
        Diese Probleme zumindest die ersten zwei wirst Du wohl kaum haben, das 3. Problem musst Du wenn nötig aktiv angehen.

        Du ALLEIN kannst Dich "heilen", solltest Du überhaupt heilungsbedürftig sein. VERTRAUE in Dich, habe MUT Entscheidungen zu treffen die für Dich wichtig sind (hiermit meine ich nicht Soll ich springen oder nicht) und lebensbejahend sind. TRENNE Dich von allem was DU meinst das es dir nicht gut tut, höre nur auf Menschen, von denen Du weisst, dass Sie Dich lieben und nimm auch von diesen Menschen ratschläge nur nach kritischer Prüfung von Dir selbst an. HÖRE auf Deine innere Stimme und finde zu DIR SELBST. Und ich verspreche Dir Du willst nur noch leben wollen...

        Gruss Salvo

        PS:Kannst mir auch privat an [E-Mail-Adresse entfernt] schreiben.

  3. Antwort von nach 3 Tagen 3 hilfreich
    Re: Todessehnsucht

    Hi,
    für mich ist das Wort "Todessehnsucht" kein Paradoxon und ich kann mich nach etwas sehnen, obwohl ich es nicht kenne. Wenn ich etwas nicht kenne, wie z.B. den Tod, mache ich mir ja eine Vorstellung davon, ein Bild, verbinde Gefühle damit und kann mich daher nach diesem imaginären Zustand sehnen. (Mit der Liebe ist es ja nicht viel anders) Ich habe dieses Gefühl der Todessehnsucht schon empfunden und viele andere Menschen die psychisch oder physisch längere Zeit Extremsituationen aushalten mussten, wohl auch. Der Tod wird zum Freund, zum Erlöser. Er bringt Ruhe und Frieden, es gibt keinen Schmerz mehr, es gibt keine Angst mehr, der Kampf ist endlich vorbei.
    Diese Phase der Todessehnsucht brachte mir eine Ruhepause, in der es mir gelang noch einmal die allerletzten Kraftreserven zu mobilisieren. Und mit diesem kleinen bisschen Kraft und ärztlicher Hilfe gelang es mir, mich dem Leben noch einmal zu stellen. Und dafür bin ich dankbar.
    Ich hoffe, dass diejenigen die verstehen was Todessehnsucht bedeutet weil sie sie gerade empfinden, durch meine offenen Worte ermutigt werden noch einmal alle Kraft zu aktivieren, Hilfe anzunehmen und sich nochmals festentschlossen ins Leben stürzen.
    Dafür wäre ich dankbar.
    whitecat [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Todessehnsucht

      Hallo whitecat,

      ich verstehe, was Du meinst, dennoch: Der Tod wird zum Freund, zum
      Erlöser. Er bringt Ruhe und Frieden, es gibt keinen Schmerz
      mehr, es gibt keine Angst mehr, der Kampf ist endlich vorbei.
      Woher willst Du das wissen? Ich kenne das Gefühl durchaus (siehe Antwort auf Maja`s Artikel), aber können wir das wissen? Wieso glauben wir, dass nach dem Tod Ruhe eintritt? Vielleicht wird der Tod ja ein noch viel härterer Ritt als das Leben....? Diese Phase der Todessehnsucht brachte mir eine Ruhepause, in
      der es mir gelang noch einmal die allerletzten Kraftreserven
      zu mobilisieren. Und mit diesem kleinen bisschen Kraft und
      ärztlicher Hilfe gelang es mir, mich dem Leben noch einmal zu
      stellen. Und dafür bin ich dankbar.
      Ärztliche Hilfe... Leider ist das nicht immer so leicht, denn es ist wirklich schwierig, einen GUTEN Psychotherapeuten zu finden, mit dem man sich auch versteht und zu dem man ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Ich habe da schon zwei schlechte Erfahrungen gemacht. Und obwohl ich glaube, dass mir eine Therapie wirklich gut tun würde, habe ich Angst, diesen Schritt noch einmal zu machen.

      Ich hoffe jedenfalls, dass der Tod wirklich die erhoffte Erlösung bringen wird (wann auch immer er eintritt).

      Liebe Grüße,
      Reggi

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Todessehnsucht

        Hi, Reggi
        ich weiß nicht ob uns der Tod erlösen wird oder ob alles noch viel schlimmer kommt, ich weiß es wirklich nicht. In dieser Phase der Todessehnsucht formte sich aber in mir eine Vorstellung vom Tod, die das Gegenteil meines damaligen Lebens abbildete. Diese Vorstellung beinhaltete deshalb auch Ruhe, Friede, keine Schmerzen mehr, keine Angst mehr, Erlösung usw., aber wie gesagt es war meine Vorstellung vom Tod.
        Ich muss Dir recht geben, es ist sehr schwer einen guten Therapeuten zu finden, aber ich würde auch bei einem schwerwiegenden körperlichen Problem mehrere Ärzte "durchprobieren", bis ich den gefunden habe dem ich vertraue und der einfach gut ist. Warum nicht wenn es sich um ein psychisches handelt? Therapie machen kann eine verdammt harte Sache sein, ich weiß. Aber zugleich ist es eine tolle Chance. Magst Du mir schreiben wovor Du solche Angst hast, kannst Du´s in Worte fassen?

        Liebe Grüße
        whitecat

        Wieso glauben wir, dass nach dem Tod Ruhe eintritt? Vielleicht wird der Tod ja ein noch viel härterer Ritt als das
        Leben....?

        Und obwohl ich glaube, dass mir eine Therapie wirklich gut tun würde, habe ich Angst, diesen
        Schritt noch einmal zu machen.


        Liebe Grüße,
        Reggi

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