Hallo,
ich habe gerade eben etwas interessantes zum Thema Spiritualität in Verbindung mit spezifischer Hirnaktivität gelesen. Vielleicht interessiert dich das ja.
Der Naturwissenschaftler Andrew Newberg (University of Pennsylvania/Philadelphia) hat Untersuchungen der Hirnaktivität bei religiösen Erfahrungen mit Hilfe eines invasiven bildgebenden Verfahren gemessen. Er hat herausgefunden, dass bei tiefer Meditation ein Areal im vorderen Stirnlappen besonders aktiv, ein Gebiet im Scheitellappen hingegen weniger aktiv ist. Er erklärt das Zustandekommen des einzigartigen Gefühls der Meditation folgendermaßen: Für Meditation läge der Wille zugrunde, alle Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle auszuschalten. Die Konzentration darauf würde zu einer gesteigerten Aktivität im Stirnhirn führen. Diese Region signalisiere nun dem Hippocampus (ein Gebiet des medialen Temporallappens, dass für die räumliche Orientierung eine Rolle spielt) den Zufluss neuronaler Informationen zu unterbinden. So gelangen keine räumlichen Informationen mehr in ein Areal des rechten Scheitellappens (ist zuständig für die Orientierung im Raum). Dies bilde die Basis für den Eindruck des unendlichen Raums und der Ewigkeit. Erhielte das analoge linke Areal keinen Input mehr, so entstünde der Vorstellung, sich selbst als grenzenlos wahrzunehmen. Er sagt weiter „die Auflösung der Körpergrenzen könne zu einer Vereinigung mit Gott führen...“. Diese Ergebnisse stammen aus Untersuchungen der Gehirnaktivität betender Nonnen.
Newberg macht aber eine interessante Einschränkung. Er sagt: „Wenn ein Mensch die Erfahrung der Gottes macht, kann ich sagen, was dessen Gehirn dabei tut; aber ich kann nicht darüber aussagen, ob der Mensch sich wirklich in Gottes Gegenwart befindet“
Diese Informationen haben ich der Oktoberausgabe der Zeitschrift GEO (Titel: „25 Jahre GEO“) entnommen.
Aber Achtung: Die hier beschriebenen Ergebnisse stammen aus einer sehr kleinen Untersuchung. Da ich kein Experte bin, vermag ich nicht zu sagen, ob diese Ergebnisse replizierbar sind.
Ob Paulus an Temporallappen-Epilepsie litt, kann ich dir auch nicht sagen. Glaubt man dem Artikel, kann Gotteserfahrung jedenfalls auch ohne Schädigung des Temporallappens oder einer anderen Struktur des Gehirns zustande kommen. Patienten mit Temporallappen-Epilepsie leiden meist an sogenannten komplexen partiellen Anfällen, die typischerweise mit einer Aura beginnen und sich dann zu einer psychomotorischen Attake ausweiten. Die Aura kann bestimmte Formen annehmen. Neben der Wahrnehmung eines bestimmten Geruchs, Geschmacks oder einer vagen Vertrautheit, kann es meines Wissens nach auch Halluzinationen kommen. Ob es sich dabei ggf. um Gotteserfahrungen oder Gottebegegnungen handelt, kann ich nicht sagen. Das wäre mir jedenfalls unbekannt.
Weißt du, welcher Teil des Temporallappens in dem von dir beschriebenen Experiment stimuliert wurde oder weißt du noch, wo du über diese Experiment gelesen hast?
Viele Grüße
Kirsten