Hi Tom,
habe Dein Posting und die dazu eingegangenen Antworten gelesen und finde, es gab viele gute Ansätze. Und nun wünsche ich, noch was ergänzen zu können.
Ob zurecht oder nicht, ich stolpere immer über Deine Fragestellung… Das hört sich nach viel Traurigkeit, Arbeit an, was es auch ist, doch es steckt auch Freude drin.
Hi Experten,
bedingt durch Gründe, die zum Teil in meiner Kindheit liegen,
Wenn etwas soweit zurück liegt, hast Du möglicherweise keinen bewußten Zugriff mehr darauf. Das heißt, es wäre möglicherweise hilfreich, Dir professionelle Hilfe zu suchen, derer Angebote es reichlich gibt. Es gilt halt auch herauszufinden, was Dir an Methode gegebenenfalls genehm wäre. Wie dem auch sei, scheint ein Punkt auch zu sein, der mir hier zu kurz kam, Trauerarbeit zu leisten. Ich denke, das Bild, daß man erst alten Müll und Ballast ausmisten muß um Platz für neue, gute, schöne und zeitgemäßge Dinge zu schaffen, ist verständlich. Trauerarbeit leisten ist etwas, was die Menschen ungern tun, was ich auch sehr gut verstehen kann. Bei mir war die Reaktion so, daß ich meinte, ich leide schon genug, und jetzt soll ich noch mehr leiden?!?!? Doch ich habe die Erfahrung gemacht, daß je mehr ich Trauerarbeit geleistet habe bzw. immer noch leiste, umso freier werde ich, was ich z.B. auch auf der körperlichen Ebene verspüre, bin weniger verspannt, fühle mich wesentlich ruhiger und gelassener. Auch hat sich auf der psychischen Ebene einiges verändert was hier aufzuführen zu viel wäre.
Trauerarbeit, sprich Enttäuschungen, Wut, Ärger, Zorn, Haßgefühle ausdrücken, Schmerzen der Zurückweisung… ist wichtig um umso offener für neue Dinge sein zu können. Ich konnte mein Leben lang nicht weinen, heute bin ich für jede Träne dankbar.
und den persönlich gemachten Erfahrungen der letzten 10 Jahre
(bin jetzt knapp 30)
Kann es sein, daß Deine halbwegs lebensbejahende Einstellung eben auch nur halbherzig war? Kann es sein, daß Du in jungen Jahren weniger frustriert und enttäuscht warst, weil Du eben noch diese Negativerfahrungen noch nicht so bewußt und so häufig erlebt hast? Kann es sein, daß Du früher noch viel mehr Kompromisse gemacht hast und heute erst mehr und mehr merkst, daß und wie sehr Du gegen Dich selbst lebst?
hab ich mich von einem doch noch halbwegs
lebensbejaenden Menschen zu einem Einsiedlerkrebs entwickelt,
der kaum mehr wo hingeht,
Dieser Vermeidungsreflex ist verständlich um weitere Verletzungen zu vermeiden, doch es hilft nichts. Es geht darum Deine Muster zu erkennen und aufzulösen. Außerdem wirst Du in Deiner Einsiedelei noch viel sensibler und verletzlicher, im Sinne von noch schutzloser fühlen, da auch einsamer.
der alles zwischenmenschliche
Grundsätzlich mal pesimistisch sieht, der kaum noch wen zum
quatschen hat.
Du hast doch schon mal einen ersten Schritt gewagt. Du hast hier Dich gezeigt und Du bekommst Resonanz. Du kannst Dir via Internet oder vorort Selbsthilfegruppen suchen bzw. ich würde eher einen Therapeuten empfehlen. Parallel: was interessiert Dich? Weißt Du es? Kannst Du Deine Interessen leben? Falls ja, schön, falls nicht, was hindert Dich daran und was würde es Dir ermöglichen, Deinen Interessen nachzugehen, z.B. Fotografieren, Musik-CD’s machen, Fischen gehen, … was auch immer Dein Ding sein mag. Wenn Du Kontaktschwierigkeiten hast und somit möglicherweise auch Angst vor Zurückweisung, was hältst Du davon, einen Kurs an einer Volkshochschule zu besuchen.
Wenn man so als Einsiedlerkrebs lebt, drehen sich die Gedanken früher oder später nur noch um einen selbst und seine Probleme und alles wird schwarz in schwarz, befürchte ich. Da gibt es nicht mal mehr Grautöne. 
Fang’ wieder mit kleinen Schritten an, z.B. herauszufinden, wer Du bist, was Du willst, was Du gerne tust und kannst… lerne dabei möglicherweise auch neue Leute kennen, mit denen Du Deine Interessen, z.B. Schach spielen, auch gemeinsam genießen kannst.
Mach’ Dir mal eine Liste mit den Dingen die Du gerne tust bzw. gerne tun würdest, wenn… bzw. gerne können würdest… mach’ Dir einen Plan und setze ihn Schritt für Schritt auch mit Hilfe professioneller Hilfe um.
Das hängt auch mit der stattlichen Anzahl an „Körben“
zusammen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben.
Da fällt mir eine blöde Begebenheit ein. Ein Mann hat sich beim Tanzen meistens Körbe bei den Frauen eingeholt und hat dann immer aus seinem Säckchen einen Pfennig geholt und diesen den Frauen gereicht mit der Bemerkung: „Körbe pflege ich zu bezahlen.“ 
Auch wenn Körbe bzw. Zurückweisungen sehr verletzend sein können, so trägst Du ja selbst dazu bei, das immer wieder zu reproduzieren, und das hat nichts mit Deiner Person und Deiner Liebenswürdigkeit zu tun. Unbewußt laufen bei Dir Dinge offenbar ab, die dazu führen. Ist es nicht mal interessant für Dich herauszufinden, was Du selbst zu Deinen Zurückweisungen beiträgst? Jeder Mensch erfährt mal Körbe und Zurückweisungen, privat, beruflich… Doch Menschen sind auch Herdentiere und wenn jemand sich immer ausgeschlossen fühlt bzw. ausschließt, so ist doch mal interessant zu gucken, was an Dir so speziell anders sein soll?
Ich denke mehr oder weniger Häufig darüber nach, warum ich
überhaupt auf dieser Erde bin, welche „Rolle“ mir in dieser
Welt zugedacht ist und daß es für mich persönlich eigentlich
keinen großen Sinn macht, weiterzuleben (für den letzten
Schritt hab ich allerdings nicht den Mut dazu).
Du bist mutig, denn zum Sterben bedarf es viel weniger Mut als zum Leben. Und da Du keinen Suizid unternommen hast, hängt ein Teil, und wenn auch ganz verborgen, doch sehr am Leben. Ein Teil in Dir hofft und sehnt sich nach einem anderen, für ihn besseren Leben. Und Du hast das Recht und meines Erachtens sogar auch die Pflicht, diesen Teil in Dir kennen- und schätzen zu lernen. Du magst nicht Dich töten, sondern das Leben das Du führst. Und hier können Dir Therapeuten Hife zur Selbsthilfe geben.
Ich ertappe mich bei Gedanken, daß ich Leute, die ohne große
Schmerzen bei Unfällen ums Leben gekommen sind, „beneide“.
Es macht mich traurig, wenn ich das lese. Wieviel Schmerz muß in Dir stecken, wenn Du sowas denkst… Möglicherweise sage ich das an der falsche Stelle, doch ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei Menschen die sehr viel Leid erfahren haben, einerseits die Gefahr abzustürzen, mit dem Leben nicht zurecht zu kommen sehr groß ist, sprich sie werden Alkoholiker, Fixer, Penner… doch ich weiß auch von einigen Menschen, die es geschafft haben, durch dieses Leid durchzugehen, daß sie zwar Narben davon getragen haben, teils auch etwas „schrullig“ für meine Begriffe sind, doch unheimlich viel Kraft haben, viel mehr als die meisten anderen Menschen. Wer so tief in der Scheiße steckt, braucht auch viel Energie um wieder heraus kommen zu können. Diese Kraft steckt auch in Dir, und ich wünsche Dir an diese Kraftquelle ranzukommen. Für mich macht letzendlich alles einen Sinn. Eine Bekannte von mir hatte in jungen Jahren Haus und Hof versoffen, und was sie nicht alles tat um an Alkohol zu kommen, auch Prostitution, und wo sie ihn überall versteckt hat… und heute leitet sie AA-Gruppen und begleitet andere alkkohlkranke Menschen. Ihr macht so schnell da niemand mehr was vor, denn sie weiß um die Ausreden und Spielchen die Alks teils so drauf haben um nicht clean werden zu müssen. Möglicherweise, nur möglicherweise, ist es auch ein Teil Deiner Lebensaufgabe, Deine Erfahrungen, Deine Kraft später einmal anderen Menschen zur Verfügung zu stellen und für andere eine Hilfe zu sein.
Diese Gedanken beginnen mich langsam zu stören, ich wüßte aber
nicht, wie ich das abstellen kann. Ich seh kein Licht am Ende
des Tunnels.
Es freut mich, daß sie Dich stören. Je mehr sie Dich stören umso besser, umso eher bist Du bereit etwas zu verändern. Und was Du nicht alleine oder mit Bekannten / Freunden / Arbeitskollegen… soweit vorhanden, schaffst, kannst Du mit einem Therapeuten machen. Wobei sicherlich auch bei der richtigen Therapeutenwahl einiges zu beachten ist. Laß’ Dir Zeit, überlege gegebenenfalls was Du willst, schau Dir verschiedene Leute an, spüre wo Du Vertrauen haben kannst und wenn Du Dich vom Therapeuten verletzt fühlst (was durch Übertragungen durchaus früher oder später der Fall sein dürfte), so spreche es aus.
Wie komm ich da wieder raus? Wenn das noch ein paar Jahre so
weitergeht, wird mir vielleicht eines Tages nicht der Mut
fehlen.
Jeder nicht gelebte Tag, ist ein verlorener Tag. Doch möglicherweise kannst Du daduch, was Du in den letzten 30 Jahren versäumt hast, ab jetzt beginnen viel intensiver zu genießen. Viele Menschen leben so dahin als ob sie ewig leben würden, Pläne werden oft auf später verschoben, bis sie dann zu alt und schwach dafür sind, ihre Träume zu realisieren.
Ich weiß nicht wie Du gerade drauf bist, doch was Du geschrieben hast, da glaube ich, ist mit Worten allein Dir nicht geholfen. Wenn man sich dem Tode näher als dem Leben fühlt, ist es verdammt schwer sich an einem Sonnenstrahl oder einem Vogelgewitscher zu erfreuen. Alles scheint einen in der Niedergestimmtheit, in der Depression, nicht mehr zu berühren, alles zieht an einem vorbei, vor allem das Leben. Doch ich weiß, wenn Du Dich auf Dich und Dein Leben (wieder) einläßt, wird es anfänglich sicher nicht einfach sein und auch sicherlich weh tun, doch es wird viel Freude und Selbsterfüllung parat haben, was Dir helfen kann, ein zufriedenes und glückliches Leben zu führen.
Alles Gute,
Romana
Bitte nur erstgemeinte Antworten, ich meine es auch erst!
Tom