Moin Merias,
ich hab schon mit allen möglichen Nationalitäten in WGs gewohnt (Engländer, Amis, Inder, Iren, einem Nigerianer, Bayern und auch 2 Chinesen :-)) und betreue seit
Jahren Familien, die in D
Austauschschüler aus der ganzen Welt aufnehmen. Ich werde also ein bisschen von meinen Erfahrungen sprechen :-)
: Da sie aber erst seit kurzem in Deutschland ist und auch
: erst in einem Crashkurs Deutsch lernt hat sie kaum
: Ahnung von der deutschen Kultur.
Nun, dann wollen wir nur hoffen, dass sie in China nicht das Buch "Kulturschock Deutschland" gekauft hat und nun erwartet, dass ihr Lederhosen tragt, Kalbshaxen
mit Sauerkraut futtert und eine Kuckucksuhr und ein Hirschgeweih an der Wand hängen habt :-).
Da ich aber genausowenig
: ueber die chinesischen Verhaltensmuster bescheid weiss und
: ich Missverstaendnisse vermeiden will stelle ich die Frage an
: euch: Was muss ich beachten um keine religioese/kulturelle
: /sonstige Konflikte zu verursachen?
Zunächst: so ein Buch wie von Rolf beschrieben wird für deinen Fall wenig hilfreich sein (vielleicht sogar eher schädlich, weil es Erwartungshaltungen wecken kann, die
dann nicht erfüllt werden, daher auch mein Beispiel mit dem Hirschgeweih). Solche Bücher sagen etwas pauschalisierendes aus (und sind daher für einen
China-Reisenden sinnvoll), jedoch nichts oder nur sehr wenig über den Einzelnen.
Mein Ratschlag:
Klärt erstmal den ganz normalen Alltag ab, also die "Lebensgewohnheiten" in deiner WG, genau wie du es mit einem neuen deutschen WG-Mitglied auch mache
würdest, nur halt wesentlich gründlicher. Frag z.B. nach, ob das Benutzen gewisser Geräte (Waschmaschine, Spülmaschine, Wächetrockner, Kaffeemaschine etc.)
erklärungsbedürftig ist. Wenn du euren "Alltag" erklärst, z.B. ob und wie ihr kocht, einkauft, putzt, Geschirr spült etc. frag nach, ob das ok ist. Essen ist häufig ein
spannendes Kapitel *g*. Falls ihr beiden eh die einzigen Bewohner der WG seid, könnt ihr das auch dann neu aushandeln im Sinne von: Wie wollen wir das regeln ?.
Manche Dinge werden vermutlich auch auf relatives Unverständnis stoßen (für unsere Austauschschülerin aus den USA ist bis zum Ende ihres einjährigen Aufenthalts
bei uns z.B. die Mülltrennung ein offensichtlich undurchschaubares Geheimnis geblieben *g*), aber das wird sich dann erst im Alltag erweisen.
Ganz wichtig: Sobald irgend etwas ein ungutes Gefühl verursacht, rede mit ihr darüber. Nichts ist schlimmer, als wenn man manche Dinge erst (scheinbar) toleriert,
diese Dinge später anfangen zu nerven und irgendwann die Situation deswegen eskaliert.
Also: Reden, reden, reden.....
der häufigste (multinationale) Grund dafür, dass solche Lebensgemeinschaften scheitern sind Mißverständnisse und nicht ausgesprochene Befindlichkeiten.
Ansonsten kannst du davon ausgehen, dass euere neue Mitbewohnerin vermutlich viel nervöser ist als ihr (und vermutlich auch viel mehr auf euch angewiesen ist, was
Kontakte angeht, wenn sie noch relativ neu im Land ist).
Also, viel Glück und viel Spass mit deiner neuen Mitbewohnerin und vor allem, hab erstmal keine bestimmten Erwartungen, dann wirds schon klappen :-)
Lieben Gruss
Marion