Schweigen

Von: , Frage gestellt am Fr, 12. Okt 2001

Liebe Leute,

mich plagt eine Beziehungskrise, die eigentlich immer durch dieselben Dinge ausgelöst werden. Sehen meine Freundin und ich uns längere Zeit nicht (wir wohnen zusammen), dann folgender Mechanismus ein:
Wir begrüßen uns, es gibt einen kurzen small-talk und dann setzt eine Phase des Schweigens ein. Diese Phase wird von beiden als unangenehm empfunden, wir thematisieren dies und beide behaupten zunächst von sich selbst, daß es einem gut ginge. Irgendwann kippt dieser Befund, nun unterstellen wir uns Gegenseitig, daß es dem anderen wohl nicht so gut ginge, sonst würde ja ein Gespräch zustande kommen. Diese Schleife setzt sich fort, oft schweigen wir uns tagelang an, ohne daß wir auch nur annähernd einen Grund dafür finden. Bemühungen meinerseits, körperlich (Umarmungen etc.) Kontakt aufzunehmen scheitern, oft mit dem Hinweis meiner Freundin: „Du umarmst mich nicht wirklich, Du versuchst es einmal und wenn ich nicht reagiere, ziehst Du Dich sofort zurück“. Ich beschwere mich dann, daß ich nicht genügend Wertschätzung und Beachtung bekäme, was meine Freundin wiederum verärgert. Das Schweigen läßt uns beide aggressiv werden und dann folgen gegenseitige kleine verbale Angriffe unterbrochen. Dann wieder Schweigen. Wer hat einen Rat?

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
    Re: Schweigen

    Hi Jaromil, Liebe Leute,

    mich plagt eine Beziehungskrise,
    Deinen Worten nach plagt auch Deine Partnerin diese Krise und Krisen bergen auch Chancen in sich.

    die eigentlich immer durch dieselben Dinge ausgelöst werden. Sehen meine Freundin und ich
    uns längere Zeit nicht (wir wohnen zusammen),
    Wie kommt es zu den längeren Trennungen? Und wie ist die Beziehung, wenn Ihr nicht "länger" getrennt seid?

    dann folgender Mechanismus ein:
    Wir begrüßen uns, es gibt einen kurzen small-talk
    Wie wäre es, wenn Du bei dem nächsten Begrüßen bevor Du sprichst erstmal in Dich horchst, was Du gerade in Dir fühlst, und Ihr das dann sagst?

    und dann setzt eine Phase des Schweigens ein.
    Kann es sein, das Schweigen ist nur ein Ausdruck dessen, daß Ihr Euch das was gesagt werden sollte, noch nicht auszusprechen wagt?

    Diese Phase wird von beiden als unangenehm empfunden,
    Woher weißt Du, daß sie es auch unangenehm findet? Habt Ihr darüber gesprochen? Habt Ihr Eure Schweigemauer überhaupt schonmal thematisiert?

    wir thematisieren dies und

    Was thematisiert Ihr konkret? beide behaupten zunächst von sich selbst, daß es einem gut
    ginge.
    Wieso behauptest Du, es ginge Dir gut, wenn Du Dich teils wenigstens auch unangenehm fühlst? Was würde es Dir ermögliche den Anteil Deiner unangenehmen Gefühle Deiner Partnerin gegenüber auszudrücken?

    Irgendwann kippt dieser Befund, nun unterstellen wir uns Gegenseitig, daß es dem anderen wohl nicht so gut ginge,
    sonst würde ja ein Gespräch zustande kommen.
    Jeder scheint darauf zu warten, daß der Andere anfängt. Was hindert Dich daran den Anfang zu tun, den Ihr beide scheinbar gerne tun möchtet?

    Diese Schleife setzt sich fort, oft schweigen wir uns tagelang an, ohne daß
    wir auch nur annähernd einen Grund dafür finden.
    Und was sagt Ihr Euch dann wortlos in Gesten, in Eurer Körpersprache? Wie kommuniziert Ihr sonst miteinander?

    Bemühungen meinerseits, körperlich (Umarmungen etc.) Kontakt aufzunehmen
    scheitern, oft mit dem Hinweis meiner Freundin: „Du umarmst
    mich nicht wirklich, Du versuchst es einmal und wenn ich nicht
    reagiere, ziehst Du Dich sofort zurück“.
    Frage sie doch möglichst locker, wie sie denn umarmt werden möchte? Tu dies und frage ob das okay war und falls nicht, dann tue es wieder und wieder, übt einfach bis es Ihr und Dir taugt. Sowas kann ja auch spannend sein, den Anderen neu oder auch teils erstmals richtig kennenzulernen. :-)

    Ich beschwere mich dann, daß ich nicht genügend Wertschätzung und Beachtung
    bekäme, was meine Freundin wiederum verärgert.
    Wenn sie sich von Dir nicht richtig umarmt fühlt, was hat das mit Deiner Wertschätzung zu tun? Zunächst stellt sich die Frage, wertschätzt Du selbst das was Du tust?

    Das Schweigen läßt uns beide aggressiv werden und dann folgen gegenseitige
    kleine verbale Angriffe unterbrochen.
    Unterbrochen oder ununterbrochen? Und was werft Ihr Euch dann gegenseitig an den Kopf?

    Dann wieder Schweigen.

    Und was denkt und fühlt Ihr an Eurer selbst gebauten Schweigemauer? Wer hat einen Rat?
    Nun, Ihr könntet sicherlich anfangen Euch mancher der Fragen zu stellen, die ich hier gepostet habe. Effektiver und in einem geschützten und professionellen Rahmen fände ich eine Paartherapeutin.

    Du kannst entweder bei der Koordinationsstelle Deiner Krankenkasse Dir einen Therapeuten empfehlen lassen oder wenn es Euch möglich ist, selbst den Therapeuten zu bezahlen, empfehle ich Dir die Therapieform Transaktionsanalyse, siehe www.transaktionsanalyse.de. Oder Du kannst auch mal bei www.swr.de/laemmle-live Dir telefonischen Rat holen.

    Am Effektivsten wäre natürlich, Deine Partnerin in das Gespräch mit zu involvieren. Falls sie das nicht möchte, Du kannst auch erstmal für Dich allein anfangen. Sobald sich ein Teil in einem System ändert, ändert dies das System automatisch immer mit.

    Alles Gute,

    Romana

    • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Schweigen

      Liebe Leute,

      vielen Dank für Eure Hinweise, Dir Ramona einen besonderen!

      Selbstverständlich habe ich verstanden, daß die Fragen solche sind, die ich mir selbst beantworte, einige kläre ich trotzdem, weil ich mir weitere Hilfe verspreche:
      Wie kommt es zu den längeren Trennungen? Und wie ist die Beziehung, wenn Ihr nicht "länger" getrennt seid?

      Trennung durch Job oder Freizeitgestaltung (1-2 tage)

      Woher weißt Du, daß sie es auch unangenehm findet? Habt Ihr darüber gesprochen? Habt Ihr Eure Schweigemauer überhaupt schonmal thematisiert?

      Wir sagen uns, daß wir die Atmosphäre bedrückend empfinden, ja wir haben es thematisiert, auch bei einem Paarthearpeuten. Leider ohne große Veränderung

      Wieso behauptest Du, es ginge Dir gut, wenn Du Dich teils wenigstens auch unangenehm fühlst? Was würde es Dir ermögliche den Anteil Deiner unangenehmen Gefühle Deiner Partnerin gegenüber auszudrücken?

      Wenn es „erlösend“ wäre, wir haben es schon getan, manchmal geht’s dann besser

      Jeder scheint darauf zu warten, daß der Andere anfängt. Was hindert Dich daran den Anfang zu tun, den Ihr beide scheinbar gerne tun möchtet?

      Weil ich für diesen Anfang Anerkennung wünsche, meine Partnerin hält mir aber eher den Spiegel hin um mir zu zeigen, wie wenig authentisch und glaubhaft sie diese Versuche empfindet

      Frage sie doch möglichst locker, wie sie denn umarmt werden möchte? Tu dies und frage ob das okay war und falls nicht, dann tue es wieder und wieder, übt einfach bis es Ihr und Dir taugt. Sowas kann ja auch spannend sein, den Anderen neu oder auch teils erstmals richtig kennenzulernen.

      Tja, es geht nicht so sehr um wie, sondern eher darum, daß meine Partnerin mir es nicht glaubt und fühlt, daß ich es „es aus dem Herzen kommt“

      Wenn sie sich von Dir nicht richtig umarmt fühlt, was hat das mit Deiner Wertschätzung zu tun?

      Sie weist mich ab, erwidert die Umarmung nicht, steht oder liegt wie festgefroren, das kränkt mich!

      P.S. Die Geschichte geht (leider) weiter: Mein Freundin hat sich verliebt, möchte es ausleben und möchte die Beziehung zunächst bestehen lassen. Sie möchte, daß wir uns nun als Menschen und nicht als Paar begegnen um zu schauen, ob genug Liebe da ist. Gute Idee, einzig die Kraft fehlt mir...

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Schweigen in Dialoge verwandeln

        Hi Jaromil, Liebe Leute,

        vielen Dank für Eure Hinweise, Dir Ramona einen besonderen!
        Danke, dennoch Romana bitte. Ich will in meinem nächsten Leben Maria Müller heißen, bitte.... :-)
        Selbstverständlich habe ich verstanden, daß die Fragen solche
        sind, die ich mir selbst beantworte, einige kläre ich
        trotzdem, weil ich mir weitere Hilfe verspreche:
        Wie kommt es zu den längeren Trennungen? Und wie ist die
        Beziehung, wenn Ihr nicht "länger" getrennt seid?

        Trennung durch Job oder Freizeitgestaltung (1-2 tage)
        Wie stehst Du bzw. sie zu der Trennung? Ich kann ein bis zwei Tage einander nicht sehen für mich nicht als Trennung empfinden, denn in der Regel sind Paare Eures Alters berufstätig und ich finde es sogar gut und wichtig, wenn jeder unabhängig von gemeinsamen Interessen, einem gemeinsamen Bekannten- und Freundeskreis auch sich eigene Bekannte, Freunde und Interesen bewahrt. Doch, es geht ja darum, wie Du bzw. sie diese "Trennung" empfindet?
        Woher weißt Du, daß sie es auch unangenehm findet? Habt Ihr
        darüber gesprochen? Habt Ihr Eure Schweigemauer überhaupt
        schonmal thematisiert?

        Wir sagen uns, daß wir die Atmosphäre bedrückend empfinden, ja
        wir haben es thematisiert, auch bei einem Paarthearpeuten.
        Das ist doch schon mal ein Anfang, oft ist das das Schwerste, einfach nur anfangen... Leider ohne große Veränderung
        Was kannst Du Dir vorstellen bzw. Deine Freundin, weshalb es keine große Veränderung gegeben hat? Hat es eine Veränderung gegeben? Falls ja, in welchem Zeitraum? Ent-wicklung bedarf ihrer Zeit.

        Anbei noch eine Bemerkungen zu Therapeuten: ich fände es mal wichtig, einen Fragebogen bereitzustellen, anhand dessen die Suchenden leichter herausfinden können, ob der bzw. die Therapeutin ihnen gemäß ist. Ein guter Therapeut, es gibt sicherlich auch weniger Qualifizierte, ist für mich in gewisser Weise einfach teils genauso schwer zu finden wie gute Bekanntschaft oder gar Freundschaft. Das klappt nicht unbedingt immer auf's erste Mal. Die Chemie muß einfach auch stimmen.
        Wieso behauptest Du, es ginge Dir gut, wenn Du Dich teils
        wenigstens auch unangenehm fühlst? Was würde es Dir ermögliche
        den Anteil Deiner unangenehmen Gefühle Deiner Partnerin
        gegenüber auszudrücken?

        Wenn es „erlösend“ wäre, wir haben es schon getan, manchmal
        geht’s dann besser
        Schön, daß es Erfolgserlebnisse gibt. Naja, ich kann ja hier nur fragen... Was ist, wenn es nicht besser geht? Was denkst Du bzw. sie, wieso es manchmal besser geht und manchmal nicht? Wie geht Ihr damit um, wenn es nicht besser geht? Wie schon gesagt, Ent-Wicklung bedarf ihrer Zeit und es ist ganz üblich, daß es mal Schritte vorwärts gibt, dann auch wieder Rückschritte, dann stagniert's auch mal wieder. Was jedoch nur zählt, daß es letztendlich Schritt für Schritt vorwärts geht. :-)
        Jeder scheint darauf zu warten, daß der Andere anfängt. Was
        hindert Dich daran den Anfang zu tun, den Ihr beide scheinbar
        gerne tun möchtet?

        Weil ich für diesen Anfang Anerkennung wünsche, meine
        Partnerin hält mir aber eher den Spiegel hin um mir zu zeigen,
        wie wenig authentisch und glaubhaft sie diese Versuche
        empfindet

        Tja, das hatte ich Dich schon mal gefragt... erkennst Du Deinen Anfang selbst an??? Wertschätzt Du Dich, einen Anfang zu unternehmen?

        Es ist verständlich, daß Du Dir Anerkennung wünscht, die wünschen wir uns alle, doch es ist nicht okay, sie einzufordern. Damit machst Du Dich abhängig. Abhängigkeit läßt uns nicht mehr frei entscheiden und bedeuten somit auch etwas weniger Lebensfreude, Lebensqualität. Überdies meine ich, daß wer sich abhängig macht, sich auch darüber gleichzeitig ärgert, abhängig zu sein, und doch nun auch nichts wie gewünscht ausrichten zu können. Mögliche Konsequenz, Du läßt Deine Partnerin Deinen entstehenden Frust an Deiner Partnerin (unbewußt) aus. Actio = Reactio und die Handlungsmöglichkeiten schränken sich damit immer mehr ein, immer weniger Leben.

        Blödes Beispiel: stell' Dir vor, zu Hause sind viele leckere Zutaten für ein Essen und Du kochst. Erwartest Du auch, daß sie es würdigt? Und was tust Du, wenn sie es nicht tut? Essen verweigern? Wem würde es helfen? Würdige Deinen ersten Schritt zu machen selbst. Das ist das Wichtigste, das gehört zur Authentizität. Möglicherweise zieht sie dann nach, und erkennt Dich auch an, weil Du zu Dir selbst stehen gelernt hast.

        Was meinst Du genau damit? "...wie wenig authentisch und glaubhaft sie diese Versuche empfindet." Frage sie doch möglichst locker, wie sie denn umarmt werden
        möchte? Tu dies und frage ob das okay war und falls nicht,
        dann tue es wieder und wieder, übt einfach bis es Ihr und Dir
        taugt. Sowas kann ja auch spannend sein, den Anderen neu oder
        auch teils erstmals richtig kennenzulernen.

        Tja, es geht nicht so sehr um wie, sondern eher darum, daß
        meine Partnerin mir es nicht glaubt und fühlt, daß ich es „es
        aus dem Herzen kommt“
        Kann es sein, daß ein Teil in Dir sie tatsächlich nur halbherzig umarmt? Was bräuchte sie, um sich ganz geherzt zu fühlen, wenn Du sie umarmst? Wenn sie Dich umarmt, fühlst Du Dich geliebt?

        Ihr seid beide in einer Erwartungshaltung, Du erwartest Anerkennung und sie meint, Du umarmst sie nicht so, daß es Liebe sein kann. Wie soll das klappen können? Man muß die Menschen nehmen wie sie sind. Was hat Dich in sie verliebt gemacht? Ist das immer noch so? Ist es Liebe oder mehr Gewohnheit? Falls es noch Liebe ist, wie kann diese Liebe wieder lebendig werden?
        Wenn sie sich von Dir nicht richtig umarmt fühlt, was hat das
        mit Deiner Wertschätzung zu tun?

        Sie weist mich ab, erwidert die Umarmung nicht, steht oder
        liegt wie festgefroren, das kränkt mich!
        Deine Reaktion verstehe ich hier, doch so kommt Ihr beide nicht weiter. Jeder erwartet und will den anderen nur unter bestimmten Bedingungen akzeptieren. Das hat meines Erachtens nichts mit Liebe zu tun, auch wenn es in Beziehungen weit verbreitet ist.
        P.S. Die Geschichte geht (leider) weiter: Mein Freundin hat
        sich verliebt, möchte es ausleben und möchte die Beziehung
        zunächst bestehen lassen. Sie möchte, daß wir uns nun als
        Menschen und nicht als Paar begegnen um zu schauen, ob genug
        Liebe da ist. Gute Idee, einzig die Kraft fehlt mir...
        Häh? Sie hat sich in einen anderen Mann verliebt, und Du bist gerade auf dem Wartegleis und darfst nun abwarten, ob ihre Liebe (sie hat ja jetzt zwei Trümpfe) zu Dir oder zu dem neuen Mann stärker ist? Was macht das in Dir? Wie lange bist Du bereit die Reservebank zu drücken?

        Leider bietet ein Online-Forum bei weitem nicht die mögliche Hilfestellung eines Menschen der vorort einem gegenüber sitzt. Dennoch denke ich, Du solltest noch mal Eure Beziehung in Gänze überdenken, was Du Dir an Frau wünscht, ob Du Dir eine Beziehung mit ihr in 5, 10, 20... Jahren noch vorstellen kannst?

        Gleich ob Du mit ihr das Schweigegelübde brichst oder mit einer anderen Frau, Dich selbst weiter kennenzulernen, zu erforschen, ist immer ein Gewinn. :-)

        Alles Gute,
        Romana

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Schweigen

    Hello Jaromil!
    Versuch´s mal mit Humor....
    Gruss
    István

    • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
      Re^2: Schweigen

      Hello Jaromil!
      Versuch´s mal mit Humor....
      Gruss
      István
      Diese Antwort ist ja unglaublich hilfreich.Dafür würde ich einen Minuspunkt geben!! Mehr Ernst, Istvan!
      Gruß
      Corinna

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!