Tiefes Loch!

Von: , Frage gestellt am Mi, 31. Okt 2001

Hallo,

ich weiß nicht mal, ob dies das richtige Brett für meinen Text ist, ich muß aber irgendwo mal mein Herz ausschütten.

Vor einigen Monaten wurde mein bisheriger Arbeitgeber verkauft, der Bereich, den ich 1994 aus dem nichts aufgebaut habe, wurde bereits am 13.09.2001 geschlossen. Seit dem sitze ich zwar an meinem Arbeitsplatz, habe aber keine Arbeit mehr (meine Mitarbeiter und ich unterstützen jetzt andere Abteilungen, leider gibt es da nicht mehr viel zu unterstützen.)

Die Schliessung meines Bereiches, in den ich in den letzten 7 Jahren viel an Kraft und Herzblut gesteckt hatte, tat mir unwarscheinlich weh. Das war wie ein kleiner Tod für mich, irgendwie ist alles das mit einem Schlag zusammengebrochen, was ich mir beruflich aufgebaut habe.

Seit diesem Zeitpunkt kann ich meine Gedanken nicht mehr klar fassen, ich denke dauernd nur noch an Bewerbungen, ich vertiefe mich in Bewerbungsliteratur, die bisherigen Bewerbungsgespräche verliefen auch nicht unbedingt so, wie ich mir das vorgestellt hatte (bezüglich Aufgabengebiet und Gehalt).

Dazu kommt noch, das ich mein privates Umfeld nur noch nerve mit diesem Thema, alles dreht sich nur noch um irgendwelche neue Stellen, um meine Frustation, eben alles nur noch um Jobs, Schwierigkeiten, meine Entäuschung. Anfänglich hatte jeder noch Verständis für mich, inzwischen aber hört mir keiner mehr zu.

Es bricht alles über mir zusammen, ich kann nachts nicht mehr richtig schlafen, ich wache auf und liege stundenlang wach, immer auf der Suche nach einer Lösung, auf der Suche nach dem Job, der auch zu mir passt. Ich bin unkonzentriert, vorgestern bin ich über eine rote Ampel gefahren, meine Gedanken schwirren einfach ab, ohne das ich sie halten kann.

Ich bin in ein Loch gefallen und ich weiß nicht ob ich da wieder rauskommme, ich sehe einfach kein Licht am Ende des Tunnels.

Das alles mag sich warscheinlich total blöd anhören, ich danke euch trotzdem das ich das mal loswerden konnte.

Kai

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 15 Minuten 3 hilfreich
    Re: Tiefes Loch!

    Hi Kai,

    für jede(n), der oder die sowas oder ähnliches erlebt (hat), hört sich Deine Geschichte überhaupt nicht blöd an, sondern bestätigt vielmehr eigene Erfahrungen (zumindest ging es mir so beim Lesen Deines postings). Ich habe mich damals (Gott-sei-Dank) an eine Therapeuten gewand, der ganz schnell meine Misere, die ich selbsr gar nicht als soche erkannt hatte, erfaßte und mir helfen konnte. Ich hatte das Glück in einer stationären Therapie (bei mir hatte die Situation u. a. zu Essstörungen geführt) abschalten zu können und Abstand zu gewinnen. Damit meine ich auch den Abschied vom alten Job - und das bedaure ich bis dato nicht!

    Fazit: Wenn Du an/in der jetzigen Situation LEIDEST, brauchst Du Hilfe von außen!!!

  2. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    Re: Tiefes Loch!

    Hallo, Kai,
    wenn Du meine ViKa liest, wirst Du sehen, dass ich ziemlich genau weiß, wovon Du redest. Mir ist das auch so gegangen als ich mit 52 plötzlich entlassen wurde - da stand ich auch vor einem Scherbenhaufen.
    Nun gut, ich habe die Scherben aufgekehrt und die Ärmel hochgekrempelt und neu angefangen - was blieb auch anderes?
    Nach einiger Zeit habe ich wieder Tritt gefaßt und auch wieder eine neue Aufgabe gefunden.
    Was meine Familie in dieser Zeit mitgemacht hat ... Na schweigen wir darüber. Aber die Unterstützung der Familie ist sehr wichtig, um das Selbstwertgefühl, dass ja durch einen solchen Vorgang schwer leidet, wieder aufzubauen.
    Auch sollte man sich selbst klarmachen, dass die Situation ja nicht etwa durch eigenes Versagen herbeigeführt wurde. Man ist deswegen nicht schlechter, als man es vorher war.
    Nur eines sollte man nicht tun: Verzagen und herumjammern. Man sollte sich aufmachen und das tun, was zu tun ist. (Und da bist Du ja schon dabei - mit Bewerbungen usw.)
    Du kannst mir gern auch an meine Mail schreiben - so öffentlich ist ja nicht immer wünschenswert.
    Besten Gruß
    Eckard.

  3. Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
    Re: Tiefes Loch!

    hallo Kai,

    ich finde es ganz toll,dass du dich aufgerafft hast, hier zu schreiben. Das kann der erste Schritt für dich zur Hilfe sein. Du bist nicht allein mit diesem Erleben. Ich weiss wovon ich rede, seit 3 Jahren habe ich keinen Arbeitsplatz, werde nur als Springerin eingesetzt, teilweise kam ich morgens, ging in mein Zimmer, sprach mit niemandem, ging abends wieder raus mit dem Gefühl der Leere und des Überflüssigseins.

    Dies ist nun der erste Schritt, such dir Hilfe von aussen, evtl. einen Therapeuten,der dir aus diesem "Überflüssiggedankenkreis" heraushilft, geh in Buchhandlungen und lass dich beraten um Bücher zu finden, die dir zu mehr Zukunftsperspektive helfen. Suche und grüble nicht über dich und was du verkehrt gemacht haben könntest - sondern such dir aufbauenede Literatur in der Richtung : Ich fange neu an... Da gibt es ganz viel auf dem Markt.

    Und wenn dir danach ist, spuk dir den Kummer ruhig in diesem Brett aus. Alles Liebe
    Chris
    ich weiß nicht mal, ob dies das richtige Brett für meinen Text
    ist, ich muß aber irgendwo mal mein Herz ausschütten.

    Vor einigen Monaten wurde mein bisheriger Arbeitgeber
    verkauft, der Bereich, den ich 1994 aus dem nichts aufgebaut
    habe, wurde bereits am 13.09.2001 geschlossen. Seit dem sitze
    ich zwar an meinem Arbeitsplatz, habe aber keine Arbeit mehr
    (meine Mitarbeiter und ich unterstützen jetzt andere
    Abteilungen, leider gibt es da nicht mehr viel zu
    unterstützen.)

    Die Schliessung meines Bereiches, in den ich in den letzten 7
    Jahren viel an Kraft und Herzblut gesteckt hatte, tat mir
    unwarscheinlich weh. Das war wie ein kleiner Tod für mich,
    irgendwie ist alles das mit einem Schlag zusammengebrochen,
    was ich mir beruflich aufgebaut habe.

    Seit diesem Zeitpunkt kann ich meine Gedanken nicht mehr klar
    fassen, ich denke dauernd nur noch an Bewerbungen, ich
    vertiefe mich in Bewerbungsliteratur, die bisherigen
    Bewerbungsgespräche verliefen auch nicht unbedingt so, wie ich
    mir das vorgestellt hatte (bezüglich Aufgabengebiet und
    Gehalt).

    Dazu kommt noch, das ich mein privates Umfeld nur noch nerve
    mit diesem Thema, alles dreht sich nur noch um irgendwelche
    neue Stellen, um meine Frustation, eben alles nur noch um
    Jobs, Schwierigkeiten, meine Entäuschung. Anfänglich hatte
    jeder noch Verständis für mich, inzwischen aber hört mir
    keiner mehr zu.

    Es bricht alles über mir zusammen, ich kann nachts nicht mehr
    richtig schlafen, ich wache auf und liege stundenlang wach,
    immer auf der Suche nach einer Lösung, auf der Suche nach dem
    Job, der auch zu mir passt. Ich bin unkonzentriert, vorgestern
    bin ich über eine rote Ampel gefahren, meine Gedanken
    schwirren einfach ab, ohne das ich sie halten kann.

    Ich bin in ein Loch gefallen und ich weiß nicht ob ich da
    wieder rauskommme, ich sehe einfach kein Licht am Ende des
    Tunnels.

    Das alles mag sich warscheinlich total blöd anhören, ich danke
    euch trotzdem das ich das mal loswerden konnte.

    Kai

  4. Antwort von nach 7 Tagen 2 hilfreich
    Re: Tiefes Loch!

    Ich möchte Dir einen Tip geben: Ob Du Dir einen Therapeuten nimmst, oder nicht, es hilft immer, wenn Du versuchst, Deinen Körper in die Situation miteinzubeziehen. Bisher redest Du nur über Deine Gedanken. Versuche mal, im Wald (irgendwo in der Natur) alleine 30 Minuten zu joggen und dich dabei anzustrengen. Nach der Dusche merkst Du: Man kann Gedanken auch beim Laufen "bearbeiten". Der müde Körper beruhigt hinterher auch Deine Gedanken. Betätige Dich UNBEDINGT körperlich und nimm Dir dabei Zeit für Deine Gedanken. Auch das Gefühl, "nichts vernünftiges" getan zu haben, lässt sich so besser bearbeiten. Sport und Bewegung sind für mich das Entscheidende gewesen, aus der Gedankenspirale situativ herauszukommen. Wenn es allerdings permanent nicht besser wird, rate ich dir zum Therapeuten UND zum Sport, dabei lassen sich die gewonnenen Einsichten auch gut festigen und abspeichern.

    Viel Spaß, und: esgeht wieder aufwärts!

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