Hallo,
Also um meine Geschichte verständlich zu machen, muß ich etwas zurückgreifen. Es war
vor 11 Jahren, als ich einen Arbeitskollegen kennenlernte und wir einfach die besten
Freunde wurden. Ich wäre für ihn durchs Feuer gegangen und er für mich.
Wir verstanden uns blind, ergänzten uns. Es war großartig.
Aber Freunschaft zwischen Mann und Frau ist nicht möglich - es kommt immer die Liebe
dazwischen. So war es auch. Er verliebte sich in mich. Ich mochte ihn sehr, aber ich liebte
ihn nicht. Ich war zu der Zeit gebunden, er nicht. Es gab auch eine Menge privater Probelme,
die ich hatte. Zwar hatte ich einen Freund, aber es funktionierte nicht. Ich habe diesen
Mann später geheiratet, bin jetzt geschieden, aber eigentlich funktionierte es schon
damals nicht mehr. Ich verstand mich nur mit meinem Arbeitskollegen so gut, wie ich das mit
meinem Freund hätte tun müssen.
Heute ist mir vieles meiner Reaktionen unverständlich, aber ich glaube eben aus der Sehnsucht heraus, genau
so eine Beziehung haben zu wollen, wie meine Freundschaft zu ihm war, machte ich ihm immer wieder
Hoffnung, im Wissen, die nicht einlösen zu können (und wollen).
Ich habe ihm sehr weh getan, das weiß ich. Er zog aus unserer Stadt weg, weil es eben keine
Chance gab. Wir schrieben seitenlange Briefe - alles war so, daß er denken mußte, es gäbe
noch eine Chance. Ich war verdammt unfair.
Später ließ ich die Freundschaft „auslaufen“, meldete mich nicht mehr. Jahre später schrieb
ich ihm eine Geburtstagskarte und er antwortete sofort. Ich reagierte aber nicht darauf.
Warum? Ich hatte einfach Angst, daß das wieder anfängt. Daß er mich noch liebt, mich noch
will und ich ihm wieder würde wehtun müssen. DAS wollte ich nicht, als Freund, als Mensch
wollte ich ihn schon.
Ich denke oft an ihn, habe heute einen lieben Freund und wüßte gern, ob mein Kollege auch
eine Freundin hat, verheiratet ist. Das würde alles leichter machen.
Ob ihrs glaubt oder nicht, ich gäbe viel dafür, mich bei ihm entschuldigen zu können.
Wie ich ihn kenne, würde er wohl sagen, er wüßte gar nicht wofür. Aber ich weiß es schon.
Ich war egoistisch und unfair. Ihn zu veletzen habe ich in Kauf genommen für den „Genuß“
einer Illusion, die ich ihm gemacht habe. Stimmt, ich habe seit Jahren ein schlechtes Gewissen. Man sagt ja, das schlechte Gewissen sollte eigentlich „das Gute“ heißen, weil es ehrlich die Wahrheit sagt…
Wir haben uns - trotz allem - viel zu gut verstanden. Aber ich traue mich einfach nicht,
wieder mit dem Kontakt anzufangen. Bald hat er Geburtstag und ich frage mich, ob ich ihm
schreiben sollte.
Wie seht ihr das?
Vielen Dank fürs Zuhören
Kerstin
Hallo Kerstin,
falls dir daran gelegen ist, wirklich „reinen Tisch“ mit ihm zu machen, würde ich ihm an deiner Stelle den Text, so ähnlich wie er hier steht, mal zukommen lassen, quasi als Ausgangsbasis, um mal über eure Beziehung und wie ihr die jeweils erlebt habt zu reden.
Dir sollte allerdings auch klar sein, dass du niemandem so eine Diskussion aufzwingen kannst. Falls dein ehemaliger Freund dir böse ist oder du ihm mittlerweile schlicht gleichgültig bist, kannst du kein Verzeihen und keine Auseinandersetzung „einklagen“ um dein Gewissen zu entlasten.
In diesem Fall (und überhaupt) lerne daraus und sei nich zu hart mit dir selbst.
Auf jeden Fall solltest du dir aber im klaren darüber sein, was du eigentlich erreichen willst.
a) Dich für dein Verhalten entschuldigen und dein Gewissen entlasten ?
b) einen wie auch immer gearteten Neuanfang mit deinem Freund ?
c) ?
Das ist meine bescheidene unprofessionelle Meinung.
Viel Glück
Gruss
Marion
Bald hat er Geburtstag und
ich frage mich, ob ich ihm
schreiben sollte.
Nein,
solange Du kein sexuelles Interesse an ihm hast.
Er will mehr als eine Freundschaft, wenn Du das
nicht geben kannst, lass es.
Gruss
Enno
So einfach ist das nicht…
Er will mehr als eine Freundschaft, wenn Du das
nicht geben kannst, lass es.
So enfach ist das nicht!
Wie Marion schon meinte, hängt vieles davon ab, was du, Kerstin, dir von einer Kontaktaufnahme versprichst.
Vor ein paar Jahren hatte ich eine ähnliche Erfahrung, allerdings von der anderen Seite: Ich habe mit heftigst in meine beste Freundin verliebt. Das war verdammt kompliziert und hat schließlich damit geendet, dass wir uns ein „Auf nimmer mehr“ an den Kopf geworfen haben. Danach war dann erstmal völlige Funkstille. Ich habe natürlich noch von Zeit zu Zeit an sie gedacht, mich gefragt, wie es ihr geht und mir ein paar Vorwürfe gemacht, dass wir uns damals in der Art und Weise getrennt hatten. Aber wie gesagt: Funkstille.
Danach hat sich dann eine Menge in meinem Leben geändert und letzten Sommer hatte ich einfach ein bisschen Muße, da habe ich mir ein Herz genommen und ihr nach drei Jahren nochmal geschrieben, einfach so, damit sie weiß, dass es mir gut geht, ich alles heile überstanden habe, etc. Aber erstmal gab es keine Antwort.
Aber dann habe ich zu Weihnachten eine Karte von ihr bekommen. Nichts wirklich was besonderes, aber sie hat mir zu verstehen gegeben, dass es ihr etwas bedeutete, dass ich nochmal an sie gedacht hatte, dass ich mir keine Vorwürfe mehr zu machen brauchte, dass es auch ihr gut ging und solche Sachen.
Seitdem ist für mich die Sache zwischen uns wirklich abgeschlossen und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass wir uns im Streit getrennt hätten, oder dass alles meine Schuld war und so…
… und was hat das mit dir zu tun? Ich denke eben, dass du dir zuerst klar werden solltest, was du erwartest/erwarten kannst. Dann solltest du ihm schreiben und ihm z.B. sagen, wie du das Auseinandergehen damals empfunden hast und auch klar machen, wie du heute darüber denkst. Wenn du keine Hoffnungen bei ihm wecken möchtest, dann solltest du auch das deutlich werden lassen, möglichst, ohne es direkt zu schreiben, da du ja nicht weißt, wie ER heute drüber denkt.
Dann gibt es nur noch abschicken und abwarten…
Er hat ja auch schon mal geschrieben, da ist die Wahrscheinlichkeit nicht allzu klein, dass er das nochmal macht. Und dann siehst du ja seine Reaktion…
Und wenn er sich nicht wieder meldet - na ja, dann ist auch das irgendwie eine Antwort und mit der musst du dann leben. Aber auch die Möglichkeit, dir das Ganze von der Seele zu schreiben (wie du es hier ja schon ein bisschen getan hast), wird dir beim Nachdenken und beim Verarbeiten helfen.
In jedem Fall, denke ich, ist es einen Versuch wert.
Viel Glück,
Stefan 
Er will mehr als eine Freundschaft, wenn Du das
nicht geben kannst, lass es.So enfach ist das nicht!
Wie Marion schon meinte, hängt vieles davon ab, was du,
Kerstin, dir von einer Kontaktaufnahme versprichst.
Nein,
Sie sollte in erster Linie berücksichtigen, was er für
Erwartungen an die erneute Kontaktaufnahme knüpft.
Es ist absolut belanglos, welche Absicht sie ggf.
damit verfolgt - wenn diese von ihm mißgedeutet wird.
Selbst wenn sie es schafft bei der Kontaktaufnahme
unmißverständlich klar zu machen, daß für ihn keine
Chance als Partner existiert (und da habe ich meine
Zweifel), kann das für ihn wieder schmerzhaft sein.
Es gibt genügend Dinge, die im Leben nicht planmäßig
verlaufen - kein Grund wieder daran erinnert zu werden.
Wenn sie dennoch Kontakt aufnehmen will, sollte sie
zumindest versuchen vorher etwas über seine momentanen
Lebensumstände zu erfahren und dies in das ‚ob‘ und ‚wie‘
der Kontaktaufnahme einfließen lassen.
Gruss
Enno
hast recht…
Hallo Stefan
Vielen Dank für deinen hilfreichen Artikel - so sehe ich das auch mal von der Gegenseite. Du hast recht, Enno anscheinend auch…hm. Es stimmt aber, ich setze keine Hoffnungen in eine Entschuldigung. Meinetwegen kann er mir auch sagen „rutsch mir den Buckel runter“, das wäre mir egal. Ich möchte ihm einfach nur sagen, daß er keine Schuld hatte an meinem blöden Benehmen, daß es mir leid tut und eben einfach die Sache abschließen in Frieden. Wie gesagt, wir haben uns zu gut verstanden, als daß so eine „defensive Funkstille“ der richtige Abschied wäre. Aber Enno hat recht, ich hab keine Chance zu erfahren, ob er denn verheiratet wäre oder zumindest die liebe Partnerin gefunden hat, die ich ihm immer gewünscht habe.
Tja, was macht man wenn ihr beide recht habt… da muß ich wohl noch drüber nachdenken…
Vielen Dank aber an dich
Kerstin
Gruss
Enno
Tach,
ein Sternchen ist von mir.
Weil Du meinen Erfahrungen nach genau wiedergegeben hast was in dem (oder der) " Ex " geschehen kann.
Werner
Hallo Kerstin,
ich halte Freundschaft zuwischen Mann und Frau nicht generell
für unmöglich. Selbst wenn Liebe (oder wohl besser verliebt
sein) dazu kommt nicht, wenn man sich gegenseitig respektiert.
Allerdings solltet ihr dann offen drüber reden. Dann kann er
entscheiden ob ihr Freunde bleibt oder den Kontakt besser
abbrecht.
Viel Glück
Tommes
Ja, recht haben wir wohl wirklich beide …
Tja, was macht man wenn ihr beide recht habt… da muß ich
wohl noch drüber nachdenken…
Hmm, ja, als ich Ennos Antwort gelesen habe, habe ich mir das auch gedacht, so gegensätzlich wir auch geschrieben haben. Ich wollte es auch nicht weiter kommentieren, da wir dir die Entscheidung natürlich nicht abnehmen können…
In jedem Fall bist du die einzige, die deinen Freund kannte. Jetzt, da du auch die beiden Perspektiven hier kennst, kannst du vielleicht ein bisschen einschätzen, was sie für dich UND ihn bedeuten…
Nochmal, viel Glück,
Stefan 
PS:
Vielen Dank aber an dich
*freu
*