zu nahe?
Hi Burkhard
Es ist wirklich erstaunlich, dass sich die Therapeuten …
in diesem Falle zurückhalten
Bist du aber ungeduldig. Ich bin zwar nicht angesprochen, aber manchmal veranstaltet man ja gerade selbst ein Gesprächsführungsseminar *gg* und will erstmal seinen Mantel ausziehen 
Das Problem ist jedenfalls ganz interessant. Nur - bei mir bekäme die V. alles andere als einen Vorschlag, wie sie was ihrer Kundin sagt. Dadurch würde sie nämlich ihre dialogische Kompetenz nicht schulen. Besser wäre es, mit ihr gemeinsam ihren motivationalen und situationsspezifischen emotionalen background zu reflektieren, aus dem das Problem überhaupt entsteht.
Aber sie zu einem Quicky-Therapeutinnnengehabe auszubilden, wie das vorgeschlagen wurde, das ist natürlich etwas quer.
Das Getty-Zitat kannst du vergessen IMHO. Es ist so selbstironisch wie auch (wirksam) plakativ - und letztlich falsch - und hier ist es auch belanglos, da ja die K. die V. anmacht und nicht umgekehrt.
Eine gemeinsame Analyse des speziellen dialogischen Szenariums, das sich zwischen den beiden ausgebildet hat, würde den Fundus bereitstellen, aus dem mögliche Antworten der V. sich dann von selbst finden würden.
Eine Blindanalyse der Situation allein auf der Basis deines Zitates der V. würde (bei meiner Schulungsmethode) folgende Überlegungen zu einem Gespräch mit ihr ergeben (die bei persönlichem Kontakt natürlich ganz anders aussähen):
Die Kundin erzählt mir auch von privaten Dingen.
Ist ja noch nichts Ungewöhnliches, das tun viele Kund(inn)en. Das hat etwas mit der Mitovation des Einkaufens als solchem zu tun.
Nun hat sie mich schon des öfteren eingeladen, sie mal zu besuchen oder etwas mit ihr zu unternehmen (absolut nichts Sexuelles).
Hier würde ich bereits zurückfragen: Warum betont die V. das („nichts Sexuelles“) und warum überzieht sie es in der Formulierung („absolut“) - und dann überhaupt: Woher weiß sie das so (absolut) genau? Das kann sie nämlich nur so genau wissen (und dann bräuchte sie es eigentlich nicht zu erwähnen!), wenn sie die K. genau unter diesem Gesichtspunkt wahrgenommen hat - also hat sie … und warum hat sie … ?
… und damit wäre das Gespräch mit der V. im Gang, in dem die Motivation, das Angebot ablehnen zu wollen, das Thema wäre… 
Die nicht berufstätige Kundin hat nicht nur viel Geld, sondern auch viel freie Zeit, weil ihr Ehemann beruflich extrem engagiert ist.
Damit hätte die V. das Angebot der K. ja bereits in eine bestimmte Richtung interpretiert und die ist offensichtlich privater persönlicher Natur.
Ich möchte jedoch aus Zeitgründen
Nehm ich ihr nicht ab (auch wenn ich ihr das nicht sagen würde).
und auch aus anderen Gründen (eine zu enge Privatbeziehung kann sich durchaus problematisch auf die Geschäftsbeziehung auswirken) keine Freundinnen-Beziehung aufbauen.
Hier würde es bei mir Ausrufezeichen regnen: Hat denn die K. ihr eine zu enge Privatbez. angetragen? Und überhaupt: Was könnte der V. Anlaß geben, aus einer Nach-Hause-Einladung bereits auf eine (mögliche) Privat beziehung zu schließen? Und dann sogar noch eine Freundinnen-Beziehung? Was also ist das wirkliche Motiv des vorgeblichen Ablehnenwollens?
Könnte es sein, daß die V. froh ist, ein verkaufstechnisches Argument gefunden zu haben (z.B. um sich einem anderen Problem nicht stellen zu müssen)?
Ich kann mir vorstellen, dass die Therapeuten unter den Wer-Weiß-Was-Experten ähnliche Situationen kennen. (Klient/Patient erlebt professionelle Empathie als Ausdruck von persönlicher Freundschaft.)
Ich weiß nicht, was professionelle Empathie ist. Es gibt nur Empathie und die hat etwas damit zu tun, wieweit der Therapeut das (noch) nicht artikulierte subjektive Erleben des Klienten nachvollziehen kann. Was du meinst, ist sicher, daß der Klient sich verstanden fühlt und dies als Verliebtheitsgefühl uminterpretiert (was z.B. in der Psychonalayse die Übertragungsphase einleitet). Die therapeutische Reaktion darauf kann man hier nicht kurzfassen, die erfordert gründliche Schulung.
Gibt es konkrete Tipps und Hinweise (eventuell auch Formulierungen), die in solch einem Falle praxiserprobt und hilfreich sind?
Vorausgesetzt, es käme darauf hinaus, daß sie wirklich ablehnen wollte (und ehrlich gesagt: das glaube ich vorab mal nicht):
Mit jeder auswendiggelernten (also nicht aus ihrer eigenen kommunikativen Kompetenz kreierten) Ablehnungs-Formulierung würde sie die Kundin auch als Kundin lossein.
Grundsätzlich sind Menschen, wenn sie schon Anlaß haben, privates Interesse kund zu tun, extrem sensible Zuhörer. Die Rhetorik bietet nun die Form an, nicht auf den Inhalt des Angebot zu antworten, sondern zunächst einmal auf die Tatsache, daß es gemacht wurde. Da die V. von sich aus „ein ausgesprochen freundliches Vertrauensverhältnis aufgebaut“ sieht, ist ihr die Kundin offenbar nicht unsympathisch (siehe oben *g*). Diese Sympathie kann sie ihr gefahrlos zurückspiegeln: „Ihr Angebot freut mich sehr“ oder ggf. lockerer, aber das hängt von dem dialogischen Stil dieses Vertrauensverhältnisses ab. Dann aber muß der Rest ergebnisoffen formuliert werden: Es darf also jetzt kein „aber“ kommen, sondern ein „und“. …
Aber jetzt geh ich mir ertsmal einen Espresso kochen und erhol mich von der Reise 
bis dann
Metapher