an Rupp
Hallo Rupp,
ich glaube, mit diesem Problem stehst Du nicht alleine da:
Richtig erkannt: Wenn man durch Legasthenie gehemmt etwas
Wichtiges sagen will,
Was nicht nur einen selbst betrifft, letztlich Alle. Die die
Gesellschaft in diesem unserem Lande repräsetieren.
Da ist man der Absicht schnell dem Spott verkauft.
Ob Legastheniker oder Analphabet - oder anderwaitig sprachlich / kommunikativ behindert, vieles in unserer Gesellschaft basiert auf der allgemeinen Auffassung dessen, was „funktional“ ist und was nicht. Das gilt übrigens meiner Ansicht nach nicht nur für Legasthenie, sondern auch für geistige Behinderungen (und ich will damit keine Parallele ziehen, sondern nur einen Vergleich aus einem anderen Feld bemühen).
Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, einem autistischen Kind sehr genau zuzuhören, und habe vieles daraus gelernt. Und festgestellt, daß dieses Kind immens viel von unserer Welt verstanden hatte… im Grunde viel mehr als ich.
Aber weil das Kind schrie, nicht sprach, weil es schwieg, wenn man ihm zuhören wollte, und gar nicht mehr reagierte, wenn man es ansprach, haben die meisten Menschen ihm gar nicht erst zugehört. Weil es eben nicht „funktionstüchtig“ im herkömmlichen Sinne war.
Leider setzen viele Kommunikationsschwächen (oder eben, wie in Deinem Fall, Rechtschreibschwäche), mit Dummheit gleich. Tatsächlich ist es ja für den ungeübten Betrachter auch schwer zu unterscheiden, ob jemand viele Rechtschreibfehler macht, weil er zu doof ist, oder weil er Legastheniker ist. Daß Legastheniker sehr wohl hochintelligent sein können, ist eine Tatsache, die man auch erst mal erfahren muß.
Ich glaube, daß da Toleranz auf beiden Seiten gefragt ist. Und das funktioniert natürlich nur, wenn Dein Gegenüber weiß, woran es ist. Also hilft es sicherlich schon, über die Legasthenie zu reden. Wenn man dann beim Gegenüber auf Unwissen bezüglich der Legasthenie stößt, kann man ja aufklären. Aber das sollte auf ruhige und nicht verletzende Art und Weise geschehen. Denn Wissenslücken auf diesem Gebiet kannst Du Diskussionspartnern nicht vorwerfen, genau so wenig, wie sie Dir Deine Legasthenie vorwerfen können und dürfen.
Da ich bisher schon einige Deiner Diskussionen hier verfolgt habe, möchte ich aber darüber hinaus noch etwas sagen.
Mir ist aufgefallen, daß Du auf jegliche Kritik, selbst wenn sie konstruktiv gemeint ist, sehr aufbrausend und emotional reagierst. Dicherlich hast Du dafür Deine Gründe. Ich reagiere auch empfindlich an Stellen, wo ich bereits verletzt worden bin. Und Stellen, wo alte Narben sind, verheilen besonders schwer. Das ist verständlich.
Wenn Du aber um Verständnis für Deine Situation wirbst, dann wäre es sicher kein Fehler, zu versuchen, auch auf das jeweilige Gegenüber einzugehen.
Denn Agression schafft nur weitere Agression. Ich habe festgestellt, daß dort, wo man mir mit Agression und Intoleranz begegnete, ich diese Mauern am besten überwinden konnte, wenn ich dem Freundlichkeit und Toleranz entgegensetzte.
Unverständnis, Intoleranz und Mißverstehen sind leider eine sehr weit verbreitete Krankheit unserer Gesellschaft. Am besten kann man sie mit Toleranz und Verständnis bekämpfen.
Liebe Grüße, Nike