Hi Michaela,
der Begriff der Freundschaft bzw. auch der der Liebe scheint mir sehr unterschiedlich gebraucht und auch sehr oft schon mißbraucht worden zu sein.
Viele argumentieren, und da schließe ich mich nicht ganz aus, ein Freund ist ein Retter in der Not. Hm.
Was macht Freunde zu Freunden? Sind es Menschen die je verläßlicher sie einem Schutz, Hilfe und Unterstützung bieten, umso bessere Freunde sind? Hier sehe ich etwas die Gefahr einer Anspruchshaltung des Ver- und Umsorgtwerdens, eine Art Elterner- oder auch -zusatz.
Mir fällt das schwer in Worte zu fassen, doch wir wollen doch alle auch um unserer selbstwillen gemocht und geliebt werden, nicht nur weil wir „zuverlässige Zuhörer oder Helfer“ sind.
Wie schon gesagt, Freundschaft wird unterschiedlich definiert. Doch oftmals wird immer mit Verläßlichkeit, jemand der für einen da ist, geantwortet, auf die Frage was einen guten Freund ausmache.
Freundschaft ist doch viel mehr oder auch noch was anderes, z.B. miteinander lachen können, gemeinsame Interessen haben, eventuell gemeinsam etwas zu entwickeln, sich ohne Worte zu verstehen, den anderen so zu akzeptieren und so anzunehmen wie er ist, auch in seinen Schwächen. Ein Freund ist einem teils ein Spiegel und man kann auch dadurch lernen und sich selbst weiter ent-wickeln.
Ich stimme Dir teils zu, doch wenn mehr Menschen meinen, daß es nur wenige gute Freunde gibt, so stellt sich mir auch die Frage: wie sehr können wir Einzelne selbst Freunde sein?
Zur Zeit lebt bei mir der Eugen Roth wieder auf.
Anbei eines seiner Gedichte, wenn auch nicht ganz passend, die ich sehr mag:
Eugen Roth
Die guten Bekannten
Ein Mensch begegnet einem zweiten
Sie wechseln Förm- und Herzlichkeiten
Sie zeigen Wiedersehensglück
Und gehn zusammen gar ein Stück.
Und während sie die Stadt durchwandern
Sucht einer heimlich von dem andern
Mit ungeheurer Hinterlist
Herauszubringen, wer er ist.
Dass sie sich kennen, das steht fest,
Doch äußerst dunkel bleibt der Rest.
Das Wo und Wann, das Wie und Wer,
Das wissen alle zwei nicht mehr.
Doch sind sie, als sie nun sich trennen,
zu feig, die Wahrheit zu bekennen.
Sie freun sich, dass sie sich getroffen;
Jedoch im Herzen beide hoffen,
Indes sie Ihren Abschied segnen,
Einander nie mehr zu begegnen.
Ciao,
Romana