Freundschaftsverhältnisse grunds. in Frage gest

Meine Erkenntnis mit meinen 26 Lenzen die ich zähle:

Es gibt so gut wie Niemanden (oder sehr sehr sehr vereinzelt), ich meine jetzt Freunde damit, die wirklich zuhören können. Die nicht nur erzählen wollen u. daß ihnen zugehört WIRD, sondern die dann im Gegenzug selbst auch wirklich - interessiert - zuhören u. dementsprechende Antworten/Ratschläge geben.

Ich finde das sehr traurig. Resigniere irgendwie. Es bringt mich fast dazu, mich ein bißchen zurückziehen zu wollen.
Denn ich selbst bin zum Beispiel kein Mensch, der gerne dauernd nur oberflächlich daherquatscht.

Wie seht ihr das?

Wie seht ihr das?

Hallo,
sehe ich weitgehend genauso. Es bleiben ohnehin wenig Freunde,
wenn man die eher oberflächlichen Bekanntschaften mal abzieht.
Selbst dann, kannst Du nicht erwarten, daß sie jedes Deiner
Probleme nachvollziehen können - allerdings schon, daß sie sich
zumindest mal damit beschäftigen.

Gruss
Enno

Hallo, Michaela,
wirkliche Freunde sind ganz rare Wesen. Nur sehr sehr selten trifft man auf Menschen, die das werden, was wir Freunde nennen können.
Für mich gehören zu einer Freundschaft zwei ganz wichtige Voraussetzungen: Vertrauen und Offenheit. Und das muß dann auf Gegenseitigkeit beruhen.
Es gehört aber auch eine Menge dazu ein guter Freund zu sein. Z.B. dass man die Probleme (und das Glück) des anderen so wichtig nimmt wie seine eigenen. Das fällt den meisten Menschen aber ziemlich schwer, weil man ja immer zuerst mal sich selbst sieht, sein Urteil aufgrund der Erfahrungen „am eigenen Leibe“ fällt.
Daher entstehen die meisten Freundschaften auch in früher Jugend, denn dann ergibt sich die Gelegenheit, sich parallel zueinander zu entwickeln, instinktiv zu wissen, wie der andere sich fühlt, wie er in bestimmten Situationen reagiert. Das ist meist nur nach langer, intimer Kenntnis möglich.
Aber ich spreche vom Ideal, das nur in den seltensten Fällen zu erreichen sein wird.
Daneben gibt es durchaus Menschen, die sich in die Seele, in die Gedanken eines anderen hineinversetzen können. Allerdings nicht an jeder Straßenecke.
Ich wünsche Dir, dass Du solche Menschen findest.
Lieben Gruß
Eckard.

Stillhalten
Liebe Michaela,

Es gibt so gut wie Niemanden (oder sehr sehr sehr vereinzelt),
ich meine jetzt Freunde damit, die wirklich zuhören können.
Die nicht nur erzählen wollen u. daß ihnen zugehört WIRD,
sondern die dann im Gegenzug selbst auch wirklich -
interessiert - zuhören u. dementsprechende
Antworten/Ratschläge geben.

Ich finde das sehr traurig. Resigniere irgendwie. Es bringt
mich fast dazu, mich ein bißchen zurückziehen zu wollen.
Denn ich selbst bin zum Beispiel kein Mensch, der gerne
dauernd nur oberflächlich daherquatscht.

Diese Erfahrung mache ich auch immer wieder. Deshalb hat sich mein Freundeskreis auch sehr selektiert. Oder viemehr hab ich ihn selektiert.

Was mich z.Zt. aber vielmehr bedrückt, ist eigentlich der Umkehrschluss.
Einer meiner Freundinnen geht es momentan wirklich schlecht. Sie hat mir aber nur mitgeteilt das es ihr schlecht geht und was der Auslöser war. Ansonsten will sie erst einmal nur leiden und nicht reden.
Das ist für mich sehr schlecht auszuhalten. Zu wissen, das eine Freundin leidet und ich ihr nicht helfen darf. Ich habe ihr angeboten zuzuhören und für sie dazu sein. Aber sie will nicht. Das zu akzeptieren und still zu halten, fällt mir viel schwerer, als für sie da zu sein.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als darauf zu warten, das sie sich öffnen mag.

Du siehst also, Rückzug kann auch manchmal ein Freundschaftsdienst sein, auch wenn`s schwer fällt.

Liebe Grüße
Linde

Ja, das stimmt wohl, auf den Freund eingehen u. richtig reagieren, zuhören oder sich zurückziehen.

Du bist eben scheinbar einer dieser seltenen Diamanten unter den Kieseln.

Liebe Grüße u. ich hoffe, daß deine Freundin sich bald von dir trösten läßt.
Liebe Grüße
Michaela

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Hi Michaela,

der Begriff der Freundschaft bzw. auch der der Liebe scheint mir sehr unterschiedlich gebraucht und auch sehr oft schon mißbraucht worden zu sein.

Viele argumentieren, und da schließe ich mich nicht ganz aus, ein Freund ist ein Retter in der Not. Hm.

Was macht Freunde zu Freunden? Sind es Menschen die je verläßlicher sie einem Schutz, Hilfe und Unterstützung bieten, umso bessere Freunde sind? Hier sehe ich etwas die Gefahr einer Anspruchshaltung des Ver- und Umsorgtwerdens, eine Art Elterner- oder auch -zusatz.

Mir fällt das schwer in Worte zu fassen, doch wir wollen doch alle auch um unserer selbstwillen gemocht und geliebt werden, nicht nur weil wir „zuverlässige Zuhörer oder Helfer“ sind.

Wie schon gesagt, Freundschaft wird unterschiedlich definiert. Doch oftmals wird immer mit Verläßlichkeit, jemand der für einen da ist, geantwortet, auf die Frage was einen guten Freund ausmache.

Freundschaft ist doch viel mehr oder auch noch was anderes, z.B. miteinander lachen können, gemeinsame Interessen haben, eventuell gemeinsam etwas zu entwickeln, sich ohne Worte zu verstehen, den anderen so zu akzeptieren und so anzunehmen wie er ist, auch in seinen Schwächen. Ein Freund ist einem teils ein Spiegel und man kann auch dadurch lernen und sich selbst weiter ent-wickeln.

Ich stimme Dir teils zu, doch wenn mehr Menschen meinen, daß es nur wenige gute Freunde gibt, so stellt sich mir auch die Frage: wie sehr können wir Einzelne selbst Freunde sein?

Zur Zeit lebt bei mir der Eugen Roth wieder auf. :smile: Anbei eines seiner Gedichte, wenn auch nicht ganz passend, die ich sehr mag:

Eugen Roth

Die guten Bekannten
Ein Mensch begegnet einem zweiten
Sie wechseln Förm- und Herzlichkeiten
Sie zeigen Wiedersehensglück
Und gehn zusammen gar ein Stück.
Und während sie die Stadt durchwandern
Sucht einer heimlich von dem andern
Mit ungeheurer Hinterlist
Herauszubringen, wer er ist.
Dass sie sich kennen, das steht fest,
Doch äußerst dunkel bleibt der Rest.
Das Wo und Wann, das Wie und Wer,
Das wissen alle zwei nicht mehr.
Doch sind sie, als sie nun sich trennen,
zu feig, die Wahrheit zu bekennen.
Sie freun sich, dass sie sich getroffen;
Jedoch im Herzen beide hoffen,
Indes sie Ihren Abschied segnen,
Einander nie mehr zu begegnen.

Ciao,
Romana

die Kunst des Zuhörens
Hallo Michaela,

das habe ich auch schon beobachtet, dass nicht viele Mitmenschen gut zuhören können.
Aber ich habe auch beobachtet, dass zum einem manche Leute übervoll sind mit ihrem Mitteilungsbedürfnis, und zum anderen, dass mir manchmal jemand unerwartet zuhört, nachdem wir beide eine Weile geschwiegen haben. Es geht wohl darum, wer wem Raum läßt.
Und so habe ich viel über meine Freundschaften herausgefunden. Ich kenne Leute, die können nicht schweigen, es muß immer viel um sie herumpassieren. Was soll ich da groß wollen an Aufmerksamkeit, an Anteilnahme, an Mitgefühl - es ist kein Platz und keine Zeit dafür da. Also, wenn ich viel Spaß um viel Nichts möchte, dann besuche ich die einen. Mehr gibt es dann auch nicht.
Und bei den wenigen anderen, wo die Beziehungen etwas tiefer gehen, mußte ich im Laufe der Zeit lernen, mich auch mal länger mit meinen Gedanken zurückzuhalten. Es paßt halt nicht immer. Aber dann hatte ich doch einen Zuhörer, ohne dass ich es erwartet habe.

Gutes zuhören ist eine Kunst, die ich selbst auch noch nicht so toll beherrsche. Ich glaube, dass man in der Beziehung von seinen Mitmenschen wirklich sehr viel erhofft und erwartet. Wie oft, dass Gesagtes von anderem falsch ausgelegt oder falsch verstanden wird, obwohl er zugehört hat.

Übrigens erfährt man von seinen Freunden sehr viel, wenn man ihnen nur zuhört, ohne selbst viel zu sprechen. Zum Beispiel, ob die Qualität ihres Redens nur vom Publikum abhängig ist, oder ob sie auch was zu sagen haben.

viele Grüße
Claudia

Sei wählerisch bei Freundschaften
Hallo Michaela,

die Erfahrung, von der Du berichtest, habe ich auch schon oft gemacht. Speziell das: Leute benötigen Hilfe, rufen ungeniert an, bitten um etwas - aber sind umgekehrt nicht bereit, zu helfen. Oder kennen einen dann nicht mehr. Als schliesslich eine meiner Bekannten (Freundin möchte ich sie gar nicht nennen)mir über Stunden im Büro am Telefon ihre Beziehungsprobleme auseinander setzte, mich aber schon am darauf folgenden Wochenende bei einem Treffen mit anderen Freunden nicht beachtete, hab ich wirklich angefangen, meinen Freundeskreis quasi zu entrümpeln. Lieber habe ich sehr wenige, enge Freundschaften als viele solcher komischen. Scheue Dich nicht, bei Freundschaften wählerisch zu sein. Schliesslioch ist eine Freundschaft immer etwas zwei-seitiges. Ich will mich ja umgekehrt auch verlassen können auf meine Freunde.

Hallo Anna!
Du hast vollkommen recht! Die meisten haben nicht den Mumm das zuzugeben u. ich hatte bisher offenbar nicht den Mumm mir das einzugestehen, daß ich mich von der Freunderlwirtschaft-Welt täuschen ließ. Ach, alle hätten ja so viele Freunde … Du weißt schon, was ich meine.

Danke, ich sollte mir das wirklich zu Herzen nehmen, leicht ist es nicht …
Liebe Grüße
Michaela

Hallo Claudia,

Ja, man sollte vielleicht wie du schreibst viel mehr Beobachten u. alleine dadurch lernen. Nicht dauernd einen Hang zur Selbstdarstellung zu haben. Ist aber eine große Kunst, wenn man das mal gelernt hat, ist man gut!

Und so habe ich viel über meine Freundschaften herausgefunden.
Ich kenne Leute, die können nicht schweigen, es muß immer viel
um sie herumpassieren.

Die sogenannten „Mittelpunktsmenschen“ oder „Stars“.

Was soll ich da groß wollen an

Aufmerksamkeit, an Anteilnahme, an Mitgefühl - es ist kein
Platz und keine Zeit dafür da. Also, wenn ich viel Spaß um
viel Nichts möchte, dann besuche ich die einen. Mehr gibt es
dann auch nicht.

Ja, aber irgendwann ist dann bei mir auch die Schwelle erreicht u. ich möchte auch nicht mehr zuhören. Nur zugemüllt werden mit allem möglichen u. dauernd ein Wechsel zwischen oberflächlichem Mittelpunkt u. zwischen der Mitteilung von Inhalten, sowas erlebe ich auch gerade.

Und bei den wenigen anderen, wo die Beziehungen etwas tiefer
gehen, mußte ich im Laufe der Zeit lernen, mich auch mal
länger mit meinen Gedanken zurückzuhalten.

Stimmt wohl.
Es paßt halt nicht

immer. Aber dann hatte ich doch einen Zuhörer, ohne dass ich
es erwartet habe.
-)

Gutes zuhören ist eine Kunst, die ich selbst auch noch nicht
so toll beherrsche.

Gut zuhören kann ich schon, ich glaube muß nur noch lernen, mich in der Hinsicht zu bändigen nicht immer u. überall glauben zu wollen, daß mein Senf helfen könnte. „Samaritertick“.

Übrigens erfährt man von seinen Freunden sehr viel, wenn man
ihnen nur zuhört, ohne selbst viel zu sprechen. Zum Beispiel,
ob die Qualität ihres Redens nur vom Publikum abhängig ist,
oder ob sie auch was zu sagen haben.

Mhm mhm. Du meinst die Unterscheidung von Schaumschlägern u. Leuten, die wirklich was sagen, gell!?:

viele Grüße

Michaela

Hallo, Eckard,

wirkliche Freunde sind ganz rare Wesen. Nur sehr sehr selten
trifft man auf Menschen, die das werden, was wir Freunde
nennen können.

Mhm.

Für mich gehören zu einer Freundschaft zwei ganz wichtige
Voraussetzungen: Vertrauen und Offenheit.

Ja, das stimmt!

Und das muß dann auf

Gegenseitigkeit beruhen.
Es gehört aber auch eine Menge dazu ein guter Freund zu sein.
Z.B. dass man die Probleme (und das Glück) des anderen so
wichtig nimmt wie seine eigenen. Das fällt den meisten
Menschen aber ziemlich schwer, weil man ja immer zuerst mal
sich selbst sieht, sein Urteil aufgrund der Erfahrungen „am
eigenen Leibe“ fällt.

Nun, ich weiß nicht, ob es ganz so sein muß. Ich erwarte mir gar nicht, daß meine Freundin/mein Freund meine Probleme so nimmt wie ich. Denn ich denke, daß würde zu sehr belasten u. auch den Blick auf das Wesentliche vielleicht erschweren. Es ist mein Leben u. es sind meine Sorgen. Es würde nur einfach schon mal guttun, wenn jemand einem versteht, sich auch mal mit einem über was wundern kann u. dann nicht total reglos halt auch mal Tipps gibt. Aber so wie du das schreibst, glaube ich ist das von vornherein zu viel verlangt. Das erlebt man höchstens bei einem Partner. Meine Großmutter meinte immer „entweder man hat einen Partner oder einen guten Freund/eine gute Freundin“, beides zusammen ist sehr schwierig. Ist vermutlich sehr übertrieben …

Daher entstehen die meisten Freundschaften auch in früher
Jugend, denn dann ergibt sich die Gelegenheit, sich parallel
zueinander zu entwickeln, instinktiv zu wissen, wie der andere
sich fühlt, wie er in bestimmten Situationen reagiert. Das ist
meist nur nach langer, intimer Kenntnis möglich.

Panikkrieg, bin schon mitte 20, hoffentlich finde ich noch ein paar gute Freunde!?!

Aber ich spreche vom Ideal, das nur in den seltensten Fällen
zu erreichen sein wird.
Daneben gibt es durchaus Menschen, die sich in die Seele, in
die Gedanken eines anderen hineinversetzen können. Allerdings
nicht an jeder Straßenecke.
Ich wünsche Dir, dass Du solche Menschen findest.

Danke! Das ist lieb! :smile:)) Ich wünsche dir das auch, falls du diese Menschen nicht sowieso schon gefunden hast!

Lieben Gruß

Micha

Hallo Michaela,

So viele Leute haben am liebsten „ganz viele Freunde“. Ich hab lieber drei (abgesehen natürlich von Familienmitgliedern): zwei Freundinnen, einen Freund. Dafür ist das Verhältnis sehr eng. Es sind echte Freundschaften. Einer kann sich auf den anderen verlassen, jederzeit anrufen, sich ausheulen etc. Menschen, die immer nur nehmen, aber nicht geben, die brauch ich nicht. Leider hab ich die Eerfahrung gemacht, dass man sehr schnell ausgenutzt wird und sehr sehr viele nicht mal das Wort Danke kennen. Es ist nicht so, dass ich „Gegenleistungen“ erwarte, aber wenigstens ein paar netet Worte wären doch schön (wenn man etwa jemandem die Homepage gebastelt oder einfach so ein Buch geschenkt hat)… keine Angst vor dem „Freundeskreis entrümpeln“…

Liebe Grüsse
Anna

Hallo Michaela,

da können wir uns die Hand geben mit dem…

„Samaritertick“.

Gut zuhören kann ich schon, ich glaube muß nur noch lernen,
mich in der Hinsicht zu bändigen nicht immer u. überall
glauben zu wollen, daß mein Senf helfen könnte.

oh, ja, das geht mir auch so. Ich bin mit meiner Meinung manchmal zu schnell. Und anstatt, dass ich das Gesagte auf mich wirken lasse, rollen sehr schnell meine Statements aus mir heraus, die dann danebenliegen können.
Mit älteren Leuten habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht in Sachen Zuhören und guten Kommentaren dazu abgeben, vorallem dann wenn es ausgeglichene Persönlichkeiten sind.
Meine Oma war Landwirtin, eine einfache Frau. Ihre Ruhe und Gelassenheit hat mir gut getan, als ich noch ein Teenager war. Ihr merkte man die Distanz zu vielen Angelegenheiten an, es schien sie vieles nicht zu beunruhigen oder gar aufzuwühlen. Sie war eine gute Zuhörerin.

Mhm mhm. Du meinst die Unterscheidung von Schaumschlägern u.
Leuten, die wirklich was sagen, gell!?:

Schaumschläger sind eine schlimme Sorte Mensch. Aber ich meine vorallem die Egozentriker, die bei jedem Gespräch etwas auf sich beziehen. Es reicht, dass man etwas Belangloses erzählt, und sofort und garantiert kommt ein: „sowas habe ich auch schon erlebt.“ mit einem langen blablabla hinterher. Ich habe eine Bekannte, der reicht ein Stichwort von mir, um mich (wie Du so schön sagtest) zuzumüllen. Der interessiert die eigentliche Pointe meiner Erzählung nicht. Ich habe ihr auch schon mal gesagt, dass ich meine Geschichte gerne zuende erzählen möchte. Und dann hörte sie auch zu. Aber grundsätzlich hat sie sich leider nicht im Griff (leider, weil ich die Frau ganz gerne mag).

Es gibt da noch die großen Schweiger, die so gar nichts von sich erzählen wollen. Kennst Du die auch? Bei denen ertappe ich mich beim Plappern, als ob ich das große tonlose Loch füllen müßte.

Vor kurzem habe ich einen Artikel über Kommunikation gelesen. Der Autor meinte, dass Mißverständnisse die Würze für jedes Gespräch sind, weil bei übergroßem Konsens ein Gedankenaustausch zu schnell zuende sei, es an Informationen mangeln würde.
Also immer schön miteinander reden, Streits kultivieren, und sowohl das Senden als auch das Empfangen von Informationen pflegen.

viele Grüße
Claudia

Hallo Michaela,

die meisten Gespräche bestehen leider nicht aus Zuhören, Wirkenlassen und Verarbeiten sondern aus dem Warten auf das Luftholen des Gegenübers, um dann mit den schon längst zurechtgelegten und vorformulierten Argumenten in die Lücke zu stoßen und sind somit nichts anderes als wechselnde Monologe.

Besonders schlimm sind Menschen, die einen Rhetorikkurs besucht haben und glauben, durch die dort vermittelten Techniken zum guten Zuhörer zu werden. Korrektur: … als guter Zuhörer zu scheinen. Ob sie es wirklich sind, ist wohl zweitrangig für sie. Das paßt allerdings hundertprozentig in die Zeit: Form statt Inhalt.

Andererseits: Kann man einem Nichtgutzuhörer wirklich einen Vorwurf machen? In sämtlichen Medien wird Oberflächlichkeit zwar nicht unbedingt als erstrebenswert, aber zumindest als tolerierbar und erfolgversprechend propagiert. Schau Dir bspw. das personifizierte Nichts Jenny Elvers an, die mit … ja, womit eigentlich? … tierische Knete macht. Als öffentliche Person hat sie ja auch eine Vorbildfunktion. Wie der gute alte Charlie schon sagte: Das Sein bestimmt das Bewußtsein.

Die Fähigkeit zum echten Zuhören wächst ja auch nicht über Nacht, sondern will geübt werden. Aber mit wem denn, wenn diese Spezies immer seltener wird und niemand auf die Defizite aufmerksam macht?

Es will übrigens auch nicht jeder Mensch, daß ihm so zugehört wird, wie Du es Dir wünschst. Nicht nur weil solche Gespräche anstrengend sind und die volle Aufmerksamkeit erfordern. Sondern auch, weil ein wirkliches Zuhören unbequeme und schmerzende Antworten nach sich ziehen kann. Das ist übrigens meine Definition von Freundschaft: Ein Freund sagt mir die Wahrheit (oder das, was er dafür hält) und nicht das, was ich hören will.

Manchmal allerdings kann stundenlanges Herumblödeln mehr für den Seelenfrieden bewirken als jedes noch so gute Gespräch.

Gruß Dirk

Hi Romana!

Ulkig, ich denke da grade andersrum. Für viele ist das „Helfer-in-der-Not-sein“ sicher einfach der AUSDRUCK der Zuneigung.

Wenn z.B. eine gute Freundin anruft und ihr geht es schlecht,
sie ist im Krankenhaus, dann lasse ich alles stehen und liege und fahre hin. Da denke ich gar nicht drüber nach.
In dem Moment ist mir das „für sie da sein“ das Wichtigste.
Ich merke, dass eine andere Freundin unmöglich bis zum Abgabetermin es schaffen kann, ihre Examensarbeit abzuschliessen und mache mit ihr die Nacht durch, da gibt es nur noch in dem Moment die Examensarbeit meiner Freundin. Im Gegenzug konnte ich sie nachts um 4 anrufen, als ich kurz vor Abgabe stand und nix mehr ging und sie hat mir geholfen.

Das zeigt mir einfach, dass ich jemandem wichtig bin wenn er sowas für mich tut und ich fühle mich ihm dadurch nur noch mehr verbunden.

Sicher hast Du recht, dass Leute auch in ein Anspruchsdenken rutschen können und man sich immer auch erstmal selber die Frage stellen sollte: Was würde ICH für den anderen tun.

Liebe Grüsse

Pamela

Hi Pamela,

ansich meinte ich eher was anderes. Was macht eine Freundschaft aus? Ist jemand nur dann ein Freund oder eine Freundin, wenn er / sie mir hilft?

Wäre das nicht eher ein Anspruch wie wir ihn an unsere Eltern hatten bzw. haben?

Das hat auch nichts damit zu tun, was wir umgekehrt bereit sind zu tun. Sicherlich sind wir alle soziale Wesen (mehr oder minder).

FreundIn ist für mich auch jemand der interessante Ideen hat, die mir helfen meinen Horizont zu erweitern, jemand mit dem ich lachen kann, mit dem ich gemeinsame Interessen teile. Es gibt Menschen die ich ansehe und ich anfange mich wohl zu fühlen, einfach weil sie Ruhe ausstrahlen, einfach so wie sie sind, ohne daß sie konkret etwas (für mich) tun müssen. Usw.

Ciao,
Romana

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Hi Romana!

ansich meinte ich eher was anderes. Was macht eine
Freundschaft aus? Ist jemand nur dann ein Freund oder eine
Freundin, wenn er / sie mir hilft?

Wäre das nicht eher ein Anspruch wie wir ihn an unsere
Eltern hatten bzw. haben?

Klar, das ist so gesehen ein anderer Aspekt.
Wenn ich Freundschaft davon abhängig mache oder
gegeneinander aufrechne, VERLANGE, dass der andere
bestimmt Dinge für mich tut. Dann respektiere ich ja
auch nicht, dass der andere sein eigenes Leben führt und
auch Prioritäten setzt. Ich denke ich weiß was Du meinst.

Das hat auch nichts damit zu tun, was wir umgekehrt bereit
sind zu tun. Sicherlich sind wir alle soziale Wesen (mehr oder
minder).

FreundIn ist für mich auch jemand der interessante Ideen
hat, die mir helfen meinen Horizont zu erweitern, jemand mit
dem ich lachen kann, mit dem ich gemeinsame Interessen teile.
Es gibt Menschen die ich ansehe und ich anfange mich wohl zu
fühlen, einfach weil sie Ruhe ausstrahlen, einfach so wie
sie sind, ohne daß sie konkret etwas (für mich) tun
müssen. Usw.

Jaaaa! genau! Wunderschön formuliert!

Liebe Grüsse
Pamela