Verfolgungswahn

Hallo,
was bedeutet das eigentlich exakt ?

Sind die Wahrnehmungen/Eindrücke der Person (z.B. das
angestarrt werden oder das beobachtet werden) völlig
irreal oder das Produkt einer übersteigerten Wahrnehmung
(sozusagen Details, die ein normaler Mensch wegfiltert)
gepaart mit Fehleinschätzungen ?

Bsp.: Person A lächelt Person B an.
B fühlt sich fälschlicherweise dadurch provoziert, da
er/sie das Lächeln nicht deuten kann. Die unfreundliche
Reaktion von B ruft ihrerseits eine Abwehrreaktion bei
A hervor. B reagiert noch unfreundlicher etc. - die ganze
Sache entgleitet.
Oder Person B glaubt sich beobachtet von seiner Umwelt,
weil seine initial falsche Einschätzung ein Verhalten
seinerseits zur Folge hat, daß der „Umwelt“ auffällt.

Gibt es „hormonelle Patterns“, anhand derer man sowas
diagnostizieren kann z.B. im Neurotransmitter und
Gonatropinhaushalt ? Wenn ja, gibt es „kompatible Gruppen“
von Menschen, im Sinne, daß solche Ausrutscher eher die
Ausnahme darstellen und lassen sich die wiederrum hormo-
nell charakterisieren ?

Gruss
Enno

paranoide Persönlichkeitsstörung
Hi Eric

was du mit den Neurotransmittern im Sinn hast, versteh ich nicht. Aber was du sonst an Szenen beschreibst, ist nicht ganz das, was man psychopathologisch unter Verfolgungswahn (Paranoia) versteht, bzw. sind reine kommunikative Mißverständnisse.

Paranoia zählt psychodiagnoistisch zu den Persönlichkeitsstörungen - die genauere Bezeichnung ist „paranoide Persönlichkeitsstörung“. Nach DSM III R wird sie standartisiert so beschrieben (für das miserable Deutsch kann ich nichts *g*):
„Eine in den verschiedensten Situationen auftretende, durchgängige und ungerechtfertigte Neigung, die Handlungen anderer Menschen als absichtlich erniedrigend oder bedrohlich zu interpretieren.“

Und zu den besonderen (hier 7) Kriterien (die nicht alle erfüllt sein müssen) gehört z.B. „fühlt sich - ohne ausreichenden Grund - von anderen ausgenutzt oder benachteiligt“.

Die paranoide Persönlichkeit fällt z.B. dadurch auf, daß sie Mißverständnisse oder Unklarheiten der Kommunikation grundsätzlich als gezielte, beabsichtige auf sie selbst gerichtete Aggression interpretiert - und sich entsprechend heftig (häufig in Form von Gegenangriffen) verteidigt.

Ein schönes Beispiel ist der Sketch (ich hab grad vergessen von wem der ist) von dem Mann, der sich vom Nachbarn einen Hammer ausleihen will und sich nun Gedanken macht, wie der Nachbar wohl auf sein Anliegen reagieren könnte - mit dem Resultat, daß er zu ihm rübergeht, und als dieser die Tür aufmacht ihm entgegenschleudert: „Behalten Sie doch ihren dämlichen Hammer selbst, Sie Idiot!“

Gruß

Metapher

Danke,
die exakte Begriffsbildung war mir nicht bekannt.

was du mit den Neurotransmittern im Sinn hast, versteh ich
nicht.

„Eine in den verschiedensten Situationen auftretende,
durchgängige und ungerechtfertigte Neigung, die Handlungen
anderer Menschen als absichtlich erniedrigend oder bedrohlich
zu interpretieren.“

ich meinte, daß so eine Neigung evtl. durch abnorme Werte
bestimmter Neurotransmitter ausgelöst wird bzw. einhergeht
damit. Ähnlich wie Depressionen häufig (immer ?) mit
verminderten Noradrenalin- und Serotoninwerten einhergehen.

Gruss
Enno

Hi Metapher,

Ein schönes Beispiel ist der Sketch (ich hab grad vergessen
von wem der ist) von dem Mann, der sich vom Nachbarn einen
Hammer ausleihen will und sich nun Gedanken macht, wie der
Nachbar wohl auf sein Anliegen reagieren könnte - mit dem
Resultat, daß er zu ihm rübergeht, und als dieser die Tür
aufmacht ihm entgegenschleudert: „Behalten Sie doch ihren
dämlichen Hammer selbst, Sie Idiot!“

Ich weiß nicht ob er das erfunden hat, aber Paul Watzlawick benutzt diese Geschichte als Anschauungsmaterial in seiner
„Anleitung zum Unglücklichsein“.

Liebe Grüsse
Pamela