Hai, Klaus
wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist also eine
Meinung ein „im Hirn“ festgesetzte Position, die ich nur
gelegentlich prüfe und das dann auch nur mit den Dingen, die
meiner Meinung dann auch entsprechen. Bei Gläsern würde das
dann bedeuten, daß ich nur bis „halb voll“ nachschaue, ob das
Glas „voll“ ist. Das bestätigt ja meine Meinung. Und wenn das
Glas weniger als halbvoll ist prüfe ich nicht mehr, weils ja
meine Meinung nicht mehr bestätigen kann.
Ausgesprochene Optimisten prüfen dann nur ob Flüssigkeit im
Glas ist: Ist ja noch was drin! und bei leerem Glas schenken
die einfach nach: ist ja wieder was drin!
Trifft das deine Aussage?
Nee, nicht ganz, zur Realität gehört ja auch, ob eine gegebene Situation für mich von Vorteil ist, oder nicht. Also mehr in Richtung halbvoll = „Boah, ey, guuut!“ (Optimist), bzw. halbvoll = „Mann, so’ne Sch***, NIE habe ich volle Gläser“ (Pessimist)
Das Wegschieben nicht passender Informationen tritt z.B. häufig bei verschiedenen von Murphys Gesetzen auf: ich geh immer in den selben Laden, es sind immer zwei Schlangen, trotzdem fällt mir immer auf, wenn die andere Schlange schneller als meine ist, mit den entsprechenden Emotionen, ich reagiere aber wesentlich weniger emotional, wenn ich in der schnelleren Schlange bin. Da das Hirn sich aber emotionsgeladene Informationen besser merkt, als neutrale, bleibt irgendwann der Eindruck hängen, daß ich viel öfter in der langsamen Schlange stehe, gleichzeitig beginnt das Hirn Informationen, die der so gebildeten Meinung widersprechen, auszublenden (wem fällt schon auf, wenn die andere Schlange langsamer ist?)
Und Meinung ist der Versuch, die unbewußten Standard-Reaktionen des eigenen Hirns ins Bewußtsein zu zerren und verbal auszudrücken. Daher auch oft der Effekt, daß Leute eine „Meinung“ kundtun (oft irgendwo gehörte Sätze, die zu dem damaligen Zeitpunkt einem eigenen Verhalten oder eigenen Ängsten Worte gaben, also wenigstens zum Teil zutrafen), die man dann mit simplen Aufführen ihrer eigenen Verhaltensweisen von ihrer „Meinung“ abbringen kann.
…und „festgesetzt“ bleiben Reaktionen, Verhaltensweisen und eben auch Meinungen nur, wenn man sie im Unbewußten belässt, drum sind ja Diskussionen und Meinungsaustausch so wichtig.
greetings (in der Hoffnung, daß ich mich verständlich ausgedrückt habe)
Sibylle