Wie bilden sich Meinungen

Hallo,

wie bilden sich bei einem Menschen Meinungen?

Da Meinungen immer subjektiv sind, müßten sich Meinungen doch aus „Umwelteinflüssen“ (Radio, TV, etc) und Erfahrungen (eigenes erleben) bilden.

Mir geht es im besondern um diejenigen, die hinter jedem Busch eine Verschwörung sehen. Warum tun die das?

Haben die besonders schlechte Erfahrungen gemacht. Sind diese Leute also einfach Pessimisten, so wie es auch Optimisten gibt?
Oder warum wittern die immer „Verrat“?

Danke für die Antwort

Klaus

Hallo Klaus,

manchmal habe ich den Eindruck, dass kurzfristig Meinungen von anderen übernommen werden, wenn sie für einen Moment beeindrucken, selbst wenn derjenige vom Typ her zu einer anderen Meinung tendieren würde. Kennst Du den Werbespruch?: BILD Dir Deine Meinung!
Da steckt mehr dahinter, als einem lieb sein kann.

Ich glaube, dass wir alle zu nur wenigen Themen eine Meinung haben, die sich aufgrund unserer Biographie und unserem Umfeld gebildet haben, und somit bombenfest steht. Manchmal sind wir uns unserer wahren Meinungen gar nicht richtig bewußt.

Im politischen Bereich finde ich es besonders schwer eine für andere ernstzunehmende Meinung zu bilden, ich denke da an die Grünen (Fundis und Realos). Für Außenstehende ist es noch schwerer, wenn es vorallem an Wissen mangelt, was man halt so von den Medien vermittelt bekommt, denn Politik betrifft Lebensideale und Sachverhalte - Soll- und Istzustände. Welchen Bereich soll man da für sich als politisch interessierter Mensch in Anspruch nehmen?
Darum gibt es wohl bei einem politischen Meinungsaustausch selten vernünftige Gespräche, vorallem dann, wenn dabei Gefühle und Ideale eine Rolle spielen.

viele Grüße
Claudia

Hai, Klaus

Da Meinungen immer subjektiv sind, müßten sich Meinungen doch
aus „Umwelteinflüssen“ (Radio, TV, etc) und Erfahrungen
(eigenes erleben) bilden.

Stimmt, mit einer kleinen Erweiterung: eigentlich macht unser Hirn das selbstständig. Aufgrund der vergangenen Erlebnisse baut sich unser Hirn eine eigenes Bild der Welt zusammen, das eigentlich nur noch „gelegentlich“ an der Realität überprüft wird. Der Vorteil ist, daß wir auf Ereignisse schnell reagieren können (also noch bevor tatsächlich alle „eingehenden Daten“ verarbeitet werden), der Nachteil, daß bestimmte Dinge, die unserem Welt-Bild nicht entsprechen, gar nicht erst wahrgenommen werden.

Mir geht es im besondern um diejenigen, die hinter jedem Busch
eine Verschwörung sehen. Warum tun die das?

Da hat wohl jeder von „denen“ einen eigenen Grund - aber generell ist es wieder das gleiche Prinzip: alles, was auf eine Verschwörung (oder Bedrohung oder was-auch-immer) hindeutet, wird als wichtig vom Hirn ins Bewusstsein weitergeleitet, was nicht darauf hinweist als unwichtig vom Hirn schon vorher verworfen. Das ist ein Effekt, den man an sich selber ausprobieren kann: „Illuminatus!“ von Wilson/Shea lesen und dann mal darauf achten, wie oft die 23 (bzw. die 5) im Zusammenhang mit Regierungsorganisationen auftaucht (Pentagon, Quersumme des Gründungsdatums der BRD usw) ACHTUNG! Wenn Du weißt, daß Du dazu neigst, an Verschwörungen zu glauben, laß diesen Versuch lieber - ich kenn einen, der Hilfe brauchte, um die Illuminaten-Story wieder in den Bereich der Phantasie zu schieben.

Haben die besonders schlechte Erfahrungen gemacht. Sind diese
Leute also einfach Pessimisten, so wie es auch Optimisten
gibt?

Auch hier ist der Unterschied eigentlich wieder nur, wie unser Hirn gewohnt ist, zu interpretieren. Wenn Du Dich bei jedem zur Hälfte gefüllten Glas darüber freust, daß es noch halbVOLL ist, produziert Dein Hirn schon Freude, bevor Du den Füllstand bewußt wahrnimmst. Und eben auch umgekehrt. Nach diesem Prinzip arbeiten diese „Tschakka“-Heinis: sie bringen ihre Kunden dazu, bewußt bei einigen Vorstellungen positive Gefühle zu erzeugen („Ich schaff das! Ich bin toll! Ich hab keine Angst!“) und irgendwann reagiert das Hirn auch ohne bewusste Anstrengung entsprechend.

Das alles gilt natürlich nur, solange chemisch im Hirn alles nach Plan läuft - wenn das Hirn nicht in der Lage ist, Glückshormone zu produzieren, hilft’s auch nicht, sich jeden Tag im Spiegel anzugrinsen…

Danke für die Antwort

Bitte

Klaus

Sibylle

Hallo Klaus,

wie bilden sich bei einem Menschen Meinungen?

Da Meinungen immer subjektiv sind, müßten sich Meinungen doch
aus „Umwelteinflüssen“ (Radio, TV, etc) und Erfahrungen
(eigenes erleben) bilden.

es gibt seit einigen Jahren, dieTheorie, dass sich Meinungen/Werturteile in Peergroups (=soziales Umfeld) bilden. Dabei spielen Meinungsführer (opinion leeader) eine wesentliche Rolle. Seitdem versucht die Werbung an die opion leader heranzukommen. Das Konzept kommt natürlich aus Amerika, und steht entgegen der Meinung, viel Werbung hilft viel.

Tschuess Marco.

Hallo Klaus,

wir beziehen unsere Informationen aus Funk, Presse, aus Gesprächen und aus den Erfahrungen. Diese können negativ oder positiv besetzt sein. Ausserdem, geht es um rechtliche Fragen, wird man seien Meinung an Urteilen messen müssen. Geht es um Politik, treten selbstverständlich subjektive und objektive Ursachen auf, die eine Bewertung ergeben können. Um sich eine Meinung zu bilden muss man möglicherweise ähnliche Vorgänge im politischen Bereich heranziehen oder bei Regierungen und deren Handeln die Personen die mit tätig sind, müssen in die Betrachtungen einbezogen werden. Damit wir nun jetzt keine Diskussion am Thema vorbei erhalten: Wer als Bürgermeister rücksichtslos vorgeht, wird wenn er als Landrat gewählt ist, mit hoher Wahrscheinlichkiet mit noch weniger Rücksicht vorgehen und wird die Macht bis hin zur Skruppellosigkeit nutzen. Wer dafür bekannt ist, dass er versucht, den Kompromiss zu finden, der wird in jedem Amt diesen Weg - überwiegend - gehen. Und wenn eben ein Volk, ein Regierung einmal aufgefallen ist, wird es immer problematisch sein, sich von dem früheren Ungeheuer zum Engel umbenennen zu lassen. Und dann gibt es die Überzeugten, die immer überzeugt sind, dass ihre politische Haltung die einzig richtige ist. Dann die andere Gruppe, die von der roten oder braunen Subkultur lebt und meist in Demokratie macht und der Teil, den eben nur interessiert, was andere erzählen. Ich kenne Dein Alter nicht, aber wenn Du noch jung bist, bemühe Dich bei einer Partei um Mitarbeit und zwar so, dass Du die Chance erhälst, an mehrwöchigen Schulungen teilzunehmen. Dies bieten alle Parteistiftungen der demokratischen Parteien an. Und dann nicht zu vergessen, denn Stamtisch als Informationsquelle. Diese und noch mehr Einflüsse - und vor allem natürlich auch die soziale Stellung eines Menschen - lassen diesen unter Abwägung diverser Hintergründe die Meinung bilden. Habe sicher einiges noch vergessen.

Gruss Günter

Das ist ein Effekt, den man an
sich selber ausprobieren kann: „Illuminatus!“ von Wilson/Shea
lesen und dann mal darauf achten, wie oft die 23 (bzw. die 5)
im Zusammenhang mit Regierungsorganisationen auftaucht
(Pentagon, Quersumme des Gründungsdatums der BRD usw) ACHTUNG!
Wenn Du weißt, daß Du dazu neigst, an Verschwörungen zu
glauben, laß diesen Versuch lieber - ich kenn einen, der Hilfe
brauchte, um die Illuminaten-Story wieder in den Bereich der
Phantasie zu schieben.

hi sibylle,

„illuminatus“ bringt das ganze verschwörungsdilemma wirklich auf
den punkt, auch wenns schon ein paar tage älter ist.
die vermischung von wahrheiten, theorien sowie spekulationen
führt eben zu sinnfreien deutungen, die eher in den
glaubensbereich gehören und somit nicht mehr überprüfbar sind.

…und du kennst jemanden, der das alles geglaubt hat?
nazis, die aus seen aufsteigen und so? kann doch nicht wahr
sein???

gruß,
frank

Hallo Sibylle,

Haben die besonders schlechte Erfahrungen gemacht. Sind diese
Leute also einfach Pessimisten, so wie es auch Optimisten
gibt?

Auch hier ist der Unterschied eigentlich wieder nur, wie unser
Hirn gewohnt ist, zu interpretieren. Wenn Du Dich bei jedem
zur Hälfte gefüllten Glas darüber freust, daß es noch halbVOLL
ist, produziert Dein Hirn schon Freude, bevor Du den Füllstand
bewußt wahrnimmst. Und eben auch umgekehrt. Nach diesem
Prinzip arbeiten diese „Tschakka“-Heinis: sie bringen ihre
Kunden dazu, bewußt bei einigen Vorstellungen positive Gefühle
zu erzeugen („Ich schaff das! Ich bin toll! Ich hab keine
Angst!“) und irgendwann reagiert das Hirn auch ohne bewusste
Anstrengung entsprechend.

Das alles gilt natürlich nur, solange chemisch im Hirn alles
nach Plan läuft - wenn das Hirn nicht in der Lage ist,
Glückshormone zu produzieren, hilft’s auch nicht, sich jeden
Tag im Spiegel anzugrinsen…

wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist also eine Meinung ein „im Hirn“ festgesetzte Position, die ich nur gelegentlich prüfe und das dann auch nur mit den Dingen, die meiner Meinung dann auch entsprechen. Bei Gläsern würde das dann bedeuten, daß ich nur bis „halb voll“ nachschaue, ob das Glas „voll“ ist. Das bestätigt ja meine Meinung. Und wenn das Glas weniger als halbvoll ist prüfe ich nicht mehr, weils ja meine Meinung nicht mehr bestätigen kann.

Ausgesprochene Optimisten prüfen dann nur ob Flüssigkeit im Glas ist: Ist ja noch was drin! und bei leerem Glas schenken die einfach nach: ist ja wieder was drin!

Trifft das deine Aussage?

Gruß Klaus

Hai, Frank

„illuminatus“ bringt das ganze verschwörungsdilemma wirklich
auf
den punkt, auch wenns schon ein paar tage älter ist.
die vermischung von wahrheiten, theorien sowie spekulationen
führt eben zu sinnfreien deutungen, die eher in den
glaubensbereich gehören und somit nicht mehr überprüfbar sind.

Jau, absolut köstlich…

…und du kennst jemanden, der das alles geglaubt hat?
nazis, die aus seen aufsteigen und so? kann doch nicht wahr
sein???

Der Witz ist, daß Wilson irgendwo, ich glaube am Anfang des Buches, behauptet, daß 50% des Buches auf Wahrheit beruhen; Kennedy wurde auf der Dealy-Plaza (könnte falsch geschrieben sein) erschossen, es gibt Zweifel, daß L.H.Oswald der Täter war und es wohnt sicher niemand in der Kanalisation unter dem Platz, und genau der Teil in der Mitte ist der, der Zweifel zu säen im Stande ist. Bei dem Typen aus meinem Bekanntenkreis ging es um die Behauptung, daß die Illuminaten in Schulen, Politik und Polizei eigentlich weltweit die Finger drin haben und Leute, die dem diskordischen Gedankengut nahe sind, jagen. Der war irgendwann davon überzeugt, daß er tatsächlich in der Schule konditioniert wurde und seine Autonummer (Quersumme:17) ihn als „Gegner der Illuminaten“ brandmarken würde und er nur deshalb dauernd von der Polizei angehalten wurde.
Glücklicherweise ist er nicht komplett ausgetickt und eine Gesprächstherapie hat ihn der Realität wieder nahegebracht.

Mir macht’s trotzdem heute noch Spaß, „Fnords“ zu finden… :wink:

gruß,
frank

greetings
Sibylle

Hallo Marco,

es gibt seit einigen Jahren, dieTheorie, dass sich
Meinungen/Werturteile in Peergroups (=soziales Umfeld) bilden.
Dabei spielen Meinungsführer (opinion leeader) eine
wesentliche Rolle. Seitdem versucht die Werbung an die opion
leader heranzukommen. Das Konzept kommt natürlich aus Amerika,
und steht entgegen der Meinung, viel Werbung hilft viel.

kannst du mir das noch etwas genauer erläutern? Woher bilden sich dann die Meinungsführer ihre Meinung, bzw. wie versucht man diese so zu beeinflussen, daß die die „einzige wahre“ Meinung annehmen?

Gruß Klaus

Hai, Klaus

wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist also eine
Meinung ein „im Hirn“ festgesetzte Position, die ich nur
gelegentlich prüfe und das dann auch nur mit den Dingen, die
meiner Meinung dann auch entsprechen. Bei Gläsern würde das
dann bedeuten, daß ich nur bis „halb voll“ nachschaue, ob das
Glas „voll“ ist. Das bestätigt ja meine Meinung. Und wenn das
Glas weniger als halbvoll ist prüfe ich nicht mehr, weils ja
meine Meinung nicht mehr bestätigen kann.

Ausgesprochene Optimisten prüfen dann nur ob Flüssigkeit im
Glas ist: Ist ja noch was drin! und bei leerem Glas schenken
die einfach nach: ist ja wieder was drin!

Trifft das deine Aussage?

Nee, nicht ganz, zur Realität gehört ja auch, ob eine gegebene Situation für mich von Vorteil ist, oder nicht. Also mehr in Richtung halbvoll = „Boah, ey, guuut!“ (Optimist), bzw. halbvoll = „Mann, so’ne Sch***, NIE habe ich volle Gläser“ (Pessimist)
Das Wegschieben nicht passender Informationen tritt z.B. häufig bei verschiedenen von Murphys Gesetzen auf: ich geh immer in den selben Laden, es sind immer zwei Schlangen, trotzdem fällt mir immer auf, wenn die andere Schlange schneller als meine ist, mit den entsprechenden Emotionen, ich reagiere aber wesentlich weniger emotional, wenn ich in der schnelleren Schlange bin. Da das Hirn sich aber emotionsgeladene Informationen besser merkt, als neutrale, bleibt irgendwann der Eindruck hängen, daß ich viel öfter in der langsamen Schlange stehe, gleichzeitig beginnt das Hirn Informationen, die der so gebildeten Meinung widersprechen, auszublenden (wem fällt schon auf, wenn die andere Schlange langsamer ist?)

Und Meinung ist der Versuch, die unbewußten Standard-Reaktionen des eigenen Hirns ins Bewußtsein zu zerren und verbal auszudrücken. Daher auch oft der Effekt, daß Leute eine „Meinung“ kundtun (oft irgendwo gehörte Sätze, die zu dem damaligen Zeitpunkt einem eigenen Verhalten oder eigenen Ängsten Worte gaben, also wenigstens zum Teil zutrafen), die man dann mit simplen Aufführen ihrer eigenen Verhaltensweisen von ihrer „Meinung“ abbringen kann.

…und „festgesetzt“ bleiben Reaktionen, Verhaltensweisen und eben auch Meinungen nur, wenn man sie im Unbewußten belässt, drum sind ja Diskussionen und Meinungsaustausch so wichtig.

greetings (in der Hoffnung, daß ich mich verständlich ausgedrückt habe)
Sibylle

Hallo, Klaus,
gerade gestern sendete WDR5 in der Wissenschaftssendung „Leonardo“ ein sehr interessantes Feature, das sich mit der von Dir aufgeworfenen Frage beschäftigt.
Du findest es hier. http://www.wdr5.de/leonardo/schwerpunktartikel.phtml… Den Text kann man auch hören
Gruß Eckard.

Hallo Klaus,

kannst du mir das noch etwas genauer erläutern? Woher bilden
sich dann die Meinungsführer ihre Meinung, bzw. wie versucht
man diese so zu beeinflussen, daß die die „einzige wahre“
Meinung annehmen?

Dort liegt ja der Trick bzw. das graue der Theorie.
Man versucht z.B. die opinion leader in besonders trendigen locations anzusprechen: einerseits Szenekneipen andererseits spezielle Events. In beiden Fällen hofft man sehr viele dieser Spezies anzutreffen, obwohl man relativ wenig Leute anspricht. Nach dem Motto:
100 Leute werden erreicht, davon sind 65 opinion leader (=supertoll), die weiter 20 Leute für unser Produkt werben (einfach durch ihr Vorbild bzw. durch ihre positive Meinung zu unserem Produkt).

Tschuess Marco.

Hallo Klaus,

durch die ART der Sinneswahrnehmung entsteht eine Auffassung, und durch die jeweilige Auffassung entsteht die Meinung.

Weiter ist es nicht möglich, eine Sache GANZ zu sehen. Daher entsteht die Auffassung entsprechend dem STANDPUNKT zur Sache.

MfG,

Demetrius

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