Psycho-Instanzen nach Freud
Hallo,
könnte mir von Euch jemand lurz verständlich erklären, was es
mit:
Es Ich Überich auf sich hat?
Hallo Anne!
Sigmund Freud hat während der Entwicklung seiner Psycho-Analyse auch Vorstellungen darüber entwickelt, wie die Seele aufgebaut sein soll. Anfangs hat er noch in Bewußtes (Dein jetziges Erleben), Vorbewußtes (etwas, das Du jederzeit ins Bewußte heben kannst) und Unbewußtes (etwas, das Du kaum oder gar nicht ins Bewußtes transferieren kann) unterschieden. Freud hat dann diese Unterteilung modifiziert und drei seelische Instanzen angenommen:
- das Ich
- das Es
- das Über-Ich.
Ich bin kein Psycho-Analytiker, so daß ich Dir nur ungefähre Beschreibungen der drei Instanzen geben kann.
Das Ich ist der Teil der Psyche, der Kontakt zur Außenwelt hat. Durch ihn tritt die Seele mit der Umwelt in Kontakt. Es ist der uunmittelbare Lenker des Verhaltens. Große Teile (oder alles?) des Ichs sind bewußt. Das Ich wird durch die anderen beiden Psycho-Instanzen beeinflußt. Sie wollen das Ich dazu veranlassen, etwas zu tun.
Das Es ist der Teil der Seele, der durch die ursprünglichen Triebe wie Libido und Todestrieb beherrscht wird. In ihm befinden sich auch die verdrängten Inhalte, die das Ich nicht in Kontakt mit der Außenwelt treten lassen will. Das Es ist chaotisch, irrational.
Das Über-Ich bildet sich erst im Laufe der psychosexuellen Entwicklung heraus (u.a. durch die Überwindung des Ödipus-Komplexes). Es enthält das Gewissen, also moralische Vorstellungen, was Gut und was Böse ist, aber auch das Ich-Ideal, also dasjenige, was die Person sein soll(te).
Es und Über-Ich streiten um ihren Einfluß auf das Ich und das Ich hat die Aufgabe einen Kompromißweg zwischen den beiden Ansprüchen zu finden.
Warum das Über-Ich schwächer bei Frauen ausgeprägt sein soll als bei Männer, das weiss ich nicht. Ich bin mir aber sicher nach dem, was ich aus der Psychoanalyse-Ecke kenne, daß die verschiedenen Psychoanalytiker und analytikerinnen darüber unterschiedlicher Meinung sind. Nach meiner Kenntnis der Prinzipien der Freudschen Analyse vermute ich aber, daß aufgrund der unterschiedlichen psychosexuellen Entwicklung bei Jungen und Mädchen die Über-Ich-Entwicklung unterschiedlich ist. Jungen stehen nach Freudscher Auffassung während ihrer Entwicklung zwischen Vater und Mutter und dies viel stärker als Mädchen. Die Jungen müssen sich, um den Ödipus-Komplex zu überwinden, von der Idealisierung der Mutter als Geliebter und der Verdammung des Vaters als Nebenbuhler um die Mutter lösen und zu einer Art Identifikation mit dem Vater kommen. Dieser Prozeß fördert die Bildung des Über-Ichs viel stärker als der Prozeß bei Mädchen, bei dem die Mädchen die ambivalente Haltung zur Mutter als Vorbild im Kinderbekommen und als Nebenbuhlerin um den Vater überwinden müssen.
Neben diesen „theoretischen Gründen“ gibt es auch noch einen oft zu hörenden historischen Grund: Als Freud seine Psycho-Analyse entwickelte (Ende des 19. bis Anfang / Mitte des 20. Jahrhunderts) war es mit der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen noch nicht so weit her. Die Männer damaliger Zeiten sahen sich den Frauen überlegen und daher wollten sie auch nicht so sehr gerne welche in ihren Reihen (Küche, Haushalt und Kinderstube waren aber o.k.). Also was ist leichter als den Frauen geringere Charaktereigenschaften auf „wissenschaftlicher“ Basis zu verpassen, um eine Rechtfertigung der Diskriminierung parat zu haben.
Ich hoffe, meine Antworten waren hilfreich.
Oliver