Psychoterror

Hallo,
das Problem ist folgendes: eine Freundin hat sich von Ihrem Freund getrennt und wird seitdem von ihm massiv belästigt. Es ist ein ständiges Wechselbad zwischen Drohungen (sogar Gewaltandrohung) und Friedensvorschlägen. Meine Freundin hat mehrfach mit ihm gesprochen und ihn gebeten sie einfach in Ruhe zu lassen, das Ergebnis sind dann wieder Drohungen.
Es geht soweit, daß sie Ihr Telefon und Handy ausschaltet und sich kaum noch alleine vor die Tür traut. Er hat ihr dort bereits aufgelauert und sie wiederrum bedroht. Auch beobachtet er permanent ihre Wohnung, weiß wann sie in welchem Zimmer ist und wer wann zu Besuch da ist. Er verfolgt sie auf Schritt und Tritt, geht beim Einkaufen sogar neben ihr „ist schon ein komisches Gefühl wenn man so unter Psychodruck gesetzt wird“ ist sein Kommentar.
Ich habe ihr geraten zur Polizei zu gehen, aber sie hat Angst, daß er dann erst richtig durchdreht. Solang er nichts gemacht hat kann die Polizei nicht eingreifen? Ein Polizist riet ihr eine einstweilige Verfügung zu Beantragen, wies jedoch auch darauf hin, das „der Schuß nach hinten losgehen könne“. Das ist doch keine Lösung, muß er erst wirklich ihr gegenüber gewalttätig werden (er ist übrigens wegen Körperverletzung vorbestraft)?
Wie verhält man sich?

Danke für eine schnelle Antwort
Merit

P.S. ich hab dies, der Eile wegen, auch als Mail an einige Experten gepostet. Sorry wenn das jemand doppelt lesen muss.

Hallo Merit.

1 Mach ihr klar, daß das niemand auf Ewigkeiten durchhält, auch dieser Typ nicht. Wichtig ist vor allem ein soziales Netz aufbauen. Sie ist nicht allein, das muß sie wissen. Gut wäre auch, nicht zu reagieren, sondern zu agieren, auch wenn ihr das erstmal Angst macht.

  1. Vielleicht mal einen Rechtsanwalt - besser eine Rechtsanwältin (Solidaritätseffekt) - nach Möglichkeiten fragen, statt die Polizei
    Polizei sollte aber auf alle Fälle informiert werden

  2. das Prob mit PsychologInnen durchsprechen (die vielleicht notfalls auch Krankschreibungen erteilen können; siehe 5.)

  3. Frauengruppen wissen ziemlich oft was zu solchen Themen und können, da sie die regionalen Besonderheiten kennen, besser helfen, als das vom Internet aus der Fall ist.
    Adressliste z.B. unter http://members.xoom.com/Kinder/Kinder2/htm
    (wenn auch für andere Zwecke aufgebaut)

  4. Wenn möglich auch mal für längere Zeit und/oder vor unregelmäßig aus dem unmittelbaren Umfeld verschwinden, ohne daß er mitbekommt, wohin bzw. ohne daß er schnell genug reagieren kann. (seine Macht hat Grenzen!) Laß ihn suchen, das nervt.
    Bahnfahrkarte per Telefon bestellen, Taxi nutzen …

  5. verschiedene Verkehrsmittel nutzen, auf die er nicht jedesmal vorbereitet sein kann: Bus, Fahrrad, Bahn, Taxi, Auto. Einfach mal überaschend in irgendeiner Straße in ein Auto hüpfen und weg sein.

  6. ein Netz von FreundInnen aufbauen, sich u.U. leicht Fluchtpunkte zu schaffen, notfalls von Wohnung zu Wohnung (Läden/Büros etc) hangeln

  7. nie ohne Handy unterwegs sein, anrufen lassen. Übrigens Telefonnummern kann man wechseln und Telefonterror ist strafbar

  8. so selten wie möglich allein sein, auch zu Hause nicht. Auch Nachbarn sollten, wenn möglich informiert sein.
    U.a., weil sich jeder Streß zusammen mit anderen leichter ertragen läßt

  9. sein Umfeld für das Prob sensibilisieren, vielleicht können gemeinsame Bekannte Einfluß nehmen oder lassen sich für 9. nutzen

  10. wenn ein bißchen Knete vorhanden ist: Wachschutzdienste erledigen manchmal relativ (!) preiswert Personenschutzaufgaben. Oft reicht es einfach, wenn klargemacht werden kann, daß es die Leute auffällig unaufällig da sind

  11. ihn mit nicht wirklich unagenehmen aber überraschenden, evl. auch etwas peinlichen Situationen konfrontieren

  12. wichtig: Zeugen sammeln, wenn wirklich etwas passiert, muß eindeutig belegbar sein, was läuft

wenn Dir das nicht reicht, mail einfach mal und schreib Genaueres zur Situation Dorf, Klein-/Großstadt, wo etwa (Bundesland), … vielleicht fällt mir ja noch was ein.

Alles Liebe, TheO

Ganz spontan hätte ich gesagt: kennt Deine Freundin nicht zwei bis drei vierschrötige Kerle (ich habe gerade einen Kollegen gefragt: „vierschrötig“ sagt man heute nicht mehr; also ich meine solche Schwarzenegger-Typen), die mal ein Wörtchen mit dem Ex reden könnten? Aber natürlich sage ich das jetzt nicht wirklich, denn als Kind meiner Generation weiß ich natürlich, daß Gewalt und Bedrohung schlecht ist und nie eine Lösung sein kann oder darf. Also: nicht tun!

Aber wahrscheinlich wäre das wirksamer, als das Ausschöpfen der legalen Möglichkeiten - solange der Typ nicht wirklich irgendwas strafbares macht, kann die Polizei da wohl überhaupt nicht helfen (und was sie tun kann, wenn er etwas strafbares gemacht hat, weiß ich auch nicht).

Vielleicht ist ja wirklich etwas von der langen, langen Liste von Vorschlägen zu gebrauchen, die TheO gemacht hat. Besonders gut gefiel mir, den Knilch in der Öffentlichkeit bloß zu stellen. Wenn der Typ nicht ganz fürchterlich hart gesotten ist, könnte das schon ganz wirkungsvoll sein. Falls Deine Freundin ein Talent für’s dramatische hat, könnte sie ja mal an einem gut frequentierten Taxistand ein paar Fahrer um Hilfe bitten (damit kommen wir dann aber meiner ersten Idee wieder verdammt nahe).

Gruß
Michael

Ganz spontan hätte ich gesagt: kennt
Deine Freundin nicht zwei bis drei
vierschrötige Kerle (ich habe gerade
einen Kollegen gefragt: „vierschrötig“
sagt man heute nicht mehr; also ich meine
solche Schwarzenegger-Typen), die mal ein
Wörtchen mit dem Ex reden könnten? Aber
natürlich sage ich das jetzt nicht
wirklich, denn als Kind meiner Generation
weiß ich natürlich, daß Gewalt und
Bedrohung schlecht ist und nie eine
Lösung sein kann oder darf. Also: nicht
tun!

Nein, davon ist natürlich schon abzuraten, aber ich find es ziemlich traurig, daß sowas in der Praxis fast die einzige Möglichkeit ist die einem bleibt, die Möglichkeit erst einmal verprügelt zu werden bevor man Hilfe bekommt ist schon ein Witz.
Ich werd ihr aber mal Theos liste vorlegen, die ist ziemlich gut.

Danke für Eure Antworten und schöne Feiertage
Merit

Hi Merit.

Ich werd ihr aber mal Theos liste
vorlegen, die ist ziemlich gut.

-)

Mir ist noch was eingefallen:
In manchen Netzen und mit manchen Geräten kann man bestimmte Anrufer sperren, wenn das Telefon oder Netz erkennt, welche Nummer anruft. Müßt Ihr mal gucken…

Danke für Eure Antworten und schöne
Feiertage

Danke und dito
TheO

Hi, Merit,
hatte vor X-Jahren mal ein ähnliches Problem. Wenn der Ex-Partner immer unberechenbarer wird, hilft nur ein psychologisch gut geschulter Polizist. Wenn der Ex also vor ihrer Tür steht und nervt: Polizei anrufen. Die schicken zwei Leute raus, die mit Liebeskummergeschädigten hervorragend umgehen können. Das „Zauberwort“ bei der Polizei ist wahrhaftig „LIEBESKUMMER“. Da macht man gern eine Ausnahme und schickt einen Kollegen raus. Da sind sie wirklich nett.
Tagsüber, auf offener Straße ist das schon schwieriger. Da hilft es, eine zeitlang in Begleitung anderer rauszugehn. Das kann man ja schon mal organisieren. Ein Gespräch mit ihm in Anwesenheit von Freunden kann auch hilfreich sein. Beide Seiten haben ja schließlich was zu bewältigen.
Gruß
Chris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Merit,

ich war mal in einer ähnlichen Situation. Nun ist das natürlich abhängig von dem Menschen, der einen da unter Druck setzt, aber ich glaube, generell ist eines wichtig, und das gilt auch für all solche kranken Charaktere:

Ignorieren! Und zwar total. Der Typ gewinnt seine Genugtuung aus dem Machtgefühl heraus, Einfluß auf sie zu haben. Nicht, unter gar keinen Umständen, auch nur ein einziges Wort mit ihm wechseln. Wenn er beim Einkaufen neben ihr hergeht, einfach so tun, als wäre er gar nicht da. Diese Menschen nehmen jede - JEDE - Äußerung, jedes Beachten, auch negatives, asl weiteren Ansporn. So bin ich damals meinen Exfreund losgeworden (und er hat vier Monate lang 60 Telefonate am Tag geschafft…).

Das nur als psychische Ergänzung zu den guten Ratschöägen meiner Voratnworter.

Viel Erfolg Deiner Freundin. Sag ihr, irgendwann wird es vorbei sein. Ich weiß, wie schrecklich das ist, aber irgendwann ist es vorbei. Ich drücke ihr alle Daumen, daß es schnell geht.

Lieben Gruß, Nike