'Bio'sprit: Ausweg oder Irrweg?

Von: , Frage gestellt am Do, 19. Apr 2007

Liebe Umweltschützer/innen

Ist 'Bio'sprit ein Ausweg oder ein Irrweg? Ist dieser Treibstoff
umwelt- und sozialverträglich? Oder füllen wir Tortillas in den Tank?

Seit US-Firmen in Mexico allen Mais für die Treibstoffproduktion
aufkaufen, ist der Preis dort derart gestiegen, dass die
Mexikaner/innen ihr Grundnahrungsmittel kaum noch bezahlen können.
Für dieses von US-Firmen geschaffene Problem sei Gentech-Mais sei nun
die Lösung ...

Weiss jemand mehr?


Mit ferundlichen Grüssen

Rolfus

32 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Minuten 1 hilfreich
    Re: 'Bio'sprit: Ausweg oder Irrweg?

    Hallo Rolfus,

    nach allem was man so hört ist Biosprit gut, wenn er aus Biomasse, sprich Bioabfall gewonnen wird. Wenn man anfängt, Monokulturen mit Raps oder Mais oder sonstwas anzupflanzen, um daraus dann Biosprit zu gewinnen, geht das nach hinten los, weil die durch den Anbau angerichtete Umweltverschmutzung größer ist als der Nutzen durch die Verwendung des Biosprits. Wenn man dann auch noch den Biosprit mithilfe von GMOs gewinnen will, dann wird das Ganze IMHO seeehr gefährlich, weil man schließlich die langfristigen Folgen des Aussetzens von GMOs in der freien Natur noch gar nicht kennt.

    my five cents,

    Ralph

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Zustimmung!! (owT)

      my five cents,
      +my five cents
      -----------------
      = ten cents

      Jo

  2. Antwort von nach 15 Minuten 1 hilfreich
    Re: 'Bio'sprit: Ausweg oder Irrweg?

    Liebe Umweltschützer/innen

    Ist 'Bio'sprit ein Ausweg oder ein Irrweg?
    Derzeit eher ein hochsubventionierter Irrweg.
    Wenn man zB Holzabfälle oä einfach und billig zu Sprit umarbeiten könnte, wäre es uU eine Alternative, aber Ölsaaten oder Getreide in Intensivkultur (mit allen Umweltproblemen die das mit sich bringt) anzubauen, maschinell (Diesel!) zu bearbeiten und dann nur winzige Teile der Pflanze zu verwerten ist keine Lösung. Wenn dadurch Grundnahrungsmittel unerschwinglich werden, wird es fast schon verbrecherisch.

    LG
    Stuffi

  3. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: 'Bio'sprit: Ausweg oder Irrweg?

    Hallo Rolfus,

    ganz so drastisch würde ich das nicht sehen. Bei uns z.B. sind im Moment Nahrungsmittel viel zu billig. Das hat einerseits erhebliche Auswirkungen auf die Qualität. Andererseits haben bauern Existenzprobleme. Höhere Nahrungsmittelpreise führen, davon bin ich überzeugt, auch zu einer höheren Qualität. Wenn die Bauern mehr verdienen können, dann lohnt sich auch ein bäuerlicher Kleinbetrieb wieder und es können nicht nur Großbetriebe mit Intensivwirtschaft überleben. Im Moment haben wir bei uns noch Stillegungsprämien, also Platz, der gut für "Energiepflanzen" genutzt werden könnte. Die jetzige Verwendung von Pflanzenöl ist nur ein Einstieg gewesen, der sich mit der neuen Mineralölsteuer im wesentlichen erledigen wird, bzw. z.T schon erledigt hat. Hier werden auch einige Tausend Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen, die sich in dieser Niesche gebildet hatten. Deutschland war auf dem Gebiet Planzenölkraftstoff und Motorenumrüstung Weltspitze. In den nächsten zwei, drei Jahren ist davon nichts mehr übrig.
    Bei Sprit und anderen Energieträgern ist nicht der Einheitsbrei die Lösung, sondern eine gewisse Vielfalt. Dort hat auch Biosprit seinen Anteil. In Freiberg/Sachsen wird gerade von Choren Industries die erste großtechnische Anlage in Deutschland gebaut, die Biosprit aus der gesamten Pflanze (Stroh, Holzschnitzel usw.) erzeugt. Die Firma hat auch schon einen Vertrag über eine in Kanada zu errichtende Anlage geschlossen. Allerdings geht die gesamte Produktion von Choren an Shell.
    Gruß
    Tilo

    • Antwort von nach 6 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: 'Bio'sprit: Ausweg oder Irrweg?

      Hi. Bei uns z.B. sind
      im Moment Nahrungsmittel viel zu billig. Das hat einerseits
      erhebliche Auswirkungen auf die Qualität.
      Ich glaube nicht, daß es in der Geschichte Perioden gab, in denen die allgemeine Qualität der Lebensmittel in unseren Breiten auch nur annähernd so hoch war wie heute.

      Außerdem können Nahrungsmittel gar nicht "zu billig" sein.
      Angesischts der Milliardensubvetionen die aus den Taschen der EU-Bürger in die Taschen der EU-Landwirte fließen, halte ich das sogar für zynisch. Höhere Nahrungsmittelpreise führen,
      davon bin ich überzeugt, auch zu einer höheren Qualität.
      Nein, Qualität ist abhängig von der Nachfrage. Wenn eine enstprechende Anzahl Kunden bereit ist, für "Qualität" (was auch immer sie gerade darunter verstehen) zu bezahlen, wird sie auch produziert werden. Wird diese Art von "Qualität" nicht nachgefragt, wird sie auch nicht produziert.

      Das ist genauso wie in jedem anderen Sektor auch: Qualität ist Erfüllug von Kundenwünschen, kein abstraktes Maß für Komplexität oder Herstellungsaufwand.

      LG
      Stuffi

      • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
        zu Tilos Antwort

        Hallo Stuffi,

        Hast du dir schon einmal die Werbung der letzten Jahre bewusst angesehen ?

        Mittlerweile geht es nicht mehr, wie früher, um technische Daten oder Fakten (Ein Testsieg bei Stiftung Warentest einmal ausgenommen) sondern nur noch um "das Gefühl".
        Entweder "etwas gutes getan zu haben", "die richtige Entscheidung getroffen zu haben", "ein sicheres Gefühl zu haben" oder sich "einfach wohl zu fühlen".

        Es wird dann weiter darauf hingewiesen, dass irgendwelche Studien auch bewiesen haben, dass sich xx% nach der Benutzung des Produkts besser gefühlt haben, nicht dass die Studien bewiesen haben, dass das Produkt auch eine tatsächliche Wirkung gezeigt hat ......

        Schön Paradox ist ja auch die ganze Handy-Download-Werbung. Nur wenn ich etwas, was 10'000de Andere auch runterladen, auf meinem Handy habe, besitze ich ein individuell gestyltes Handy !!

        MfG Peter(TOO)

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re: zu Tilos Antwort

          Hallo Peter! Hast du dir schon einmal die Werbung der letzten Jahre bewusst
          angesehen ?
          Selten - ich vermeide sie wo es geht... Mittlerweile geht es nicht mehr, wie früher, um technische
          Daten oder Fakten (Ein Testsieg bei Stiftung Warentest einmal
          ausgenommen) sondern nur noch um "das Gefühl".
          War das nicht schon immer so? Selbst in den 50ern spielte Waschmittelwerbung lieber mit der Angst, vor dem Nachbarn als "Schmutzfink" dazustehen, statt die realen Vorteile des Produkts anzupreisen. Es wird dann weiter darauf hingewiesen, dass irgendwelche
          Studien auch bewiesen haben, dass sich xx% nach der Benutzung
          des Produkts besser gefühlt haben, nicht dass die
          Studien bewiesen haben, dass das Produkt auch eine
          tatsächliche Wirkung gezeigt hat ......
          "Studien" und "beweisen" halte ich sowieso für einen Widerspruch...
          Beliebt ist auch "klinisch getestet", ohne das Resultat des Tests zu nennen. Schön Paradox ist ja auch die ganze Handy-Download-Werbung.
          Nur wenn ich etwas, was 10'000de Andere auch
          runterladen, auf meinem Handy habe, besitze ich ein
          individuell gestyltes Handy !!
          Brian: Ihr seid alle Individuen!
          (fast) Alle monoton: Wir sind alle Individuen.
          Einer: Ich nicht!

          Sicher - Werbung ist schwachsinnig, nur ist ja wirklich niemand gezwungen, sein ganzes Leben und Streben nach ein paar Fernsehspots auszurichten. Außerdem glaube ich, daß viele heutige Konsumenten mittlerweile wissen, daß Werbung darauf abzielt, sie zu manipulieren.

          LG
          Stuffi

          • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
            Re^2: zu Tilos Antwort

            Hallo Stuffi, Sicher - Werbung ist schwachsinnig, nur ist ja wirklich
            niemand gezwungen, sein ganzes Leben und Streben nach ein paar
            Fernsehspots auszurichten. Außerdem glaube ich, daß viele
            heutige Konsumenten mittlerweile wissen, daß Werbung darauf
            abzielt, sie zu manipulieren.
            Erstens sind es nicht nur Fernsehspots. Schau Dich um. Überall gibt es Plakate, Zeitungen, Radiaowerbung, bunte Schilder. Du wirst z.T. schon im Unterbewustsein manipuliert. Das Ganze wird sehr professionell und mit wissenschaftlichem Hintergrund betrieben.
            Die wenigsten Menschen laufen mit einem IQ (>130?) herum, der es ihnen erlaubt, sich dem gezielt zu entziehen.

            Ich als Exot kaufe fast ausschließlich regionale Produkte. Wenn es diese nicht gibt, nehme ich meist das teuerste Produkt. Damit komme ich sehr gut zurecht. Müll wird konsequent reklamiert. Trotzdem bin auch nicht nicht immer vor der Geiz-ist-geil-Mentalität gefeit. Nach einem Billigkauf habe ich jetzt in einem Jahr den dritten Toaster. Der erste ging kaputt. Der zweite angeblich deutlich bessere hat die Rinde verbrannt, während die Fläche noch hell war. Ich habe das im Laden vorgeführt. Die Verkäuferin (die kann nun nix dafür) hat recht unfreundlich gefragt, ob sie die Schnitte jetzt essen solle. Ich habe geantwortet, dass ich sofort mein Geld zurück haben will und habe es bekommen. Jetzt habe ich einen Toaster für 125,-€ und bin höchst zufrieden. Wenn ich Sprit und Zeitaufwand sehe, hätte ich gleich den 125€-Toaster nehmen sollen.
            Die Hersteller, die die Toaster für 1€ in China oder sonstwo zusammendybeln lassen, sind allerdings nicht wirklich anfällig gegen Reklamationen.

            Beim Auto ist es ähnlich. Ich brauche keinen superversteifte Karosserie, kein ABS und kein ESP, keine Servolenkung, keine Gurtstraffer, keinen Seitenaufprallschutz, keine elektrischen Fensterheber, keine Klimaanlage, kein Raucherpaket, keinen DVD-Player, keine doppeltes Direktschaltgeriebe mit Superautomatik, kein Radar, keine Metalliclackierung, keine elektrische Sitzverstellung, keine Sitzheizung, keine Navigationsgerät, keine 500PS, keine Penisverlängerungs-Breitreifen (er ist definitiv lang genug und erfreulich einsatzbereit) und vor allem keine DuHastDichNichtAngeschnallt-Sirene. Ich will ein leichtes und primitives Auto welches dementsprechend wenig Sprit verbraucht und mich von A nach B bringt. Eigentlich gibt es dafür Bedarf. Nur herstellen tut das absolut niemand. Stattdessen Werbung, die mir die Kisten von der Stange verklickern soll und Neuentwicklungen, mit denen ich bei entsprechend wilder Fahrweise 45L/100km verfeuern kann.

            Mit freundlichen Grüßen
            Tilo

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^3: zu Tilos Antwort

              Hallo, Eigentlich gibt es dafür Bedarf.
              Nur herstellen tut das absolut niemand.
              könnte das was für dich sein?
              http://www.loremo.com/

              (soll aber erst nächstes Jahr rauskommen)

              Gruß, Niels



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