Strohrollen auf Feldern

Von: , Frage gestellt am Fr, 17. Aug 2007

Seit einiger Zeit sieht man nach der Ernte diese typischen Strohrollen auf den Feldern liegen. Warum ist das so? Kann das Stroh eigentlich trocknen? Dringt das Regenwasser nicht durch? Je luftiger, desto besser müsste das Stroh doch trocknen...und wenn es so gepresst ist, müsste es doch eigentlich faulen...oder nicht?

16 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Strohrollen auf Feldern

    Hallo, Strohrollen auf den Feldern liegen. Kann das
    Stroh eigentlich trocknen?
    Stroh ist im Idealfall bei der Ernte trocken. Dringt das Regenwasser nicht durch?
    wenns gut gepresst ist? Je luftiger, desto besser müsste das Stroh doch trocknen...und
    ne, ne, siehe oben ... wenn es so gepresst ist, müsste es doch eigentlich
    faulen...oder nicht?
    Stroh ist im Gegensatz zu Gras bei der Ernte trocken und muss nicht erst zu Heu werden.

    Gruß
    Pat

  2. Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
    Re: Strohrollen auf Feldern

    Servus,

    Stroh ist heute eine Art "Abfallprodukt" beim Getreideanbau. In relativ geringem Umfang wird es noch zur Einstreu verwendet (Tiefställe zur Mast, auch überdachte Liegeflächen bei Weidehaltung), Versuche aus den 1970er-80er Jahren, es durch Ammoniakbegasung für die Rindermast als Futter nutzbar zu machen, sind ziemlich sang- und klanglos eingeschlafen.

    Es geht also beim Pressen der Ballen nicht so sehr um die Gewinnung eines Erntegutes, sondern um die Beseitigung von Ernterückständen. (die immer noch häufigen Rundballen sind die zweitgrößten Formate, Großballen messen etwa 120 * 120 * 240 cm: Die sieht man kaum draußen liegen, wegen des dabei erforderlichen Maschinenaufwandes werden sie in der Regel von Lohnunternehmern gepresst und gleich zur Abfuhr auf einen Sattelauflieger gepackt).

    Stroh muss daher sehr viel weniger sorgfältig geworben werden als Heu. Eine gewisse Restfeuchte darf da ruhig drin bleiben; wichtig ist eben, dass man es nicht grade tau- oder regenfeucht presst. Nach dem Pressen ist das Innere des Ballens weitgehend gegen Regennässe geschützt (vgl. Stroh- und Reetdächer).

    Strohheizungen kommen mit der Restfeuchte klar, das Wasser dampft ab.

    Mit den gleichen Rundballenpressen wird übrigens auch Silage aus angewelktem Grünfutter geworben. Dabei werden die Ballen bei der letzten Umdrehung der Ballenpresse in Folie eingewickelt, die dann annähernd gasdicht verschlossen wird. Die Gärung zur Silage findet in dem eingepackten Ballen statt. Dabei ist eine (im Vergleich zu Heu) relativ hohe Restfeuchte notwendig. Die Ergebnisse kann man auch draußen "rumliegen" sehen - es ist mir bisher noch nicht gelungen, unbedarften Zeitzeugen glaubhaft zu erklären, dass es sich dabei um verpuppte Jungrinder handelt, und dass aus den weißen Kokons im nächsten Frühjahr Rinder schlüpfen.

    Schöne Grüße



    MM

  3. Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
    Re: Strohrollen auf Feldern

    Seit einiger Zeit sieht man nach der Ernte diese typischen
    Strohrollen auf den Feldern liegen. Warum ist das so?
    Für den Bauern eine einfache Transportmöglichkeit.




    Kann das Stroh eigentlich trocknen?
    Erst nachdem es durch die Sonne getrocknet ist, wird es mit einem mechanischen Binder so gebunden.


    Dringt das Regenwasser nicht durch?

    Die Rollen sind mit einem dünnen Kunststoffnetz zusammengepresst. Nur in die ersten cm dringt Regenwasser. 95 % bleiben trocken. Je luftiger, desto besser müsste das Stroh doch trocknen...und
    wenn es so gepresst ist, müsste es doch eigentlich
    faulen...oder nicht?
    Ja, es fault, wenn es mehrere Jahre im Freien liegen bleibt. Was gar nicht mal so selten passiert. Unter Dach fault es nicht, da es trocken ist.

    mfgConrad

    • Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Strohbergung - Mechanisierung

      Servus Conrad,

      hierzu: Erst nachdem es durch die Sonne getrocknet ist, wird es mit
      einem mechanischen Binder so gebunden.
      ein paar Krümelchen:

      (1) Wenn das stehende Getreide trocken genug zum Dreschen ist, braucht das Stroh nicht zu trocknen. Da nach dem Mähdrusch jeder Tag für das Schälen bzw. die erste Überfahrt mit dem Grubber wertvoll ist, wird eine Schlagkraft angestrebt, die es möglich macht, Mähdrusch und Strohbergung möglichst unmittelbar nacheinander zu machen. Wenn Stroh nach dem Drusch herumliegt, liegts an der Schlagkraft des Betriebes, eine optimale Lösung ist das nicht.

      (2) Sei nich böse wegen der Krümelpickerei, aber die meisten Leser hier haben die Zeit der Binder nicht mehr erlebt. Daher ganz wichtig die Unterscheidung Binder vs. Presse.

      Binder werden zur Werbung von ganzen Garben eingesetzt, heute noch in einigen Kulturen (soviel ich weiß, u.a. Reis, Zuckerrohr, einige Faserpflanzen), die in Europa nicht zu Hause sind. Im europäischen Getreidebau gibt es sie nicht mehr.

      Der Binder stammte aus der Epoche vor dem Mähdrusch, in zwei Stufen der Mechanisierung: Ursprünglich, noch im 19. Jahrhundert, der Mäh-Ableger mit manuellem Binden der Garben. Dann, im 20. Jahrhundert lange Zeit dominierend, der Mähbinder. Dann, mit Verbreitung der Mähdrescher in den 1960er-70er Jahren, verschiedene Zwischenstufen von mechanischen Aufladern, Feld-Gebläsehäckslern und Ladewagen.

      Parallel dazu die kleinen Hochdruckballenpressen, die im Vergleich zu den neueren Pressen mit ziemlich niedrigem Druck arbeiten. HD-Ballen haben auch heute noch eine ziemliche Bedeutung, weil sie - z.B. bei Pferdehaltern oder anderen wenig mechanisierten Abnehmern - von Hand bewegt werden können. Dann die Rundballenpressen, meistens als Festkammerpresse ausgeführt. Die sind auch heute noch am weitesten verbreitet, weil die Großballenpressen, eine Entwicklung aus den späten 1970er Jahren, zumindest für deutsche Betriebsgrößen und Transportwege nur bedingt brauchbar sind.

      Hier ein paar Bilder zur Illustration - Du selber wirst sie allesamt kennen, aber vielleicht interessiert das andere, die weniger in ländliche Umgebung kommen oder weniger aufmerksam beobachten:

      Ein Mähbinder bei der Arbeit (im untersten Bild ganz gut zu sehen):

      http://www.oldtimerfreunde-pfaffenwinkel.de/binden.htm

      (interessant daran, dass man alle wesentlichen Elemente sehen kann, die zum Mähtisch eines heutigen Mähdreschers gehören)

      Dann, im Vergleich dazu, einige Pressen:

      Eine Hochdruckballenpresse mit Schleuder bei der Arbeit (ziemlich unten, das breite Bild):

      http://www.lohnunternehmen-rupp.de/lohnarbeiten.php

      Eine Rundballenpresse:

      http://www.claas.com/countries/generator/cl-pw/de/pr...

      Noch eine Rundballenpresse:

      http://distributor.deere.com/ch/de/products_ag/baler...

      Eine Großballenpresse bei der Arbeit (unten links, die Bilder wechseln):

      http://www.johannschroeder.de/3.html


      Schöne Grüße




      MM

      • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Strohbergung - Mechanisierung

        (1) Wenn das stehende Getreide trocken genug zum Dreschen ist,
        braucht das Stroh nicht zu trocknen.
        Das gilt wohl für Australien. In Deutschland wurde sogar noch nass gemäht. Zumindest 2007.

        Da nach dem Mähdrusch jeder Tag für das Schälen bzw. die erste Überfahrt mit dem
        Grubber wertvoll ist, wird eine Schlagkraft angestrebt, die es
        möglich macht, Mähdrusch und Strohbergung möglichst
        unmittelbar nacheinander zu machen. Wenn Stroh nach dem Drusch
        herumliegt, liegts an der Schlagkraft des Betriebes, eine
        optimale Lösung ist das nicht.
        Das lernst Du sicher auf der Landwirtschaftsschule. Die Praxis sieht aber anders aus. Die hängt vom Wetter ab.
        (2) Sei nich böse wegen der Krümelpickerei, aber die meisten
        Leser hier haben die Zeit der Binder nicht mehr erlebt. Daher
        ganz wichtig die Unterscheidung Binder vs. Presse.
        Der Eine sagt Presse, der andere Binder.

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Strohbergung - Mechanisierung

          Hallo Conrad,

          wir entfernen uns ziemlich weit vom Thema "Umweltschutz", dennoch noch ein paar Details dazu - die letztlich doch wieder mit Energieaufwand in der Landwirtschaft zu tun haben.

          Zur Frage, wie es in der Praxis aussieht: Meine Ackerbaupraxis stammt aus einer Gegend, wo alles Getreide ziemlich spät reift (600 m ü.N.N.), so das man mit dem Drusch schon in eine Zeit reinkommt, in der öfter mal nachts Tau fällt. Wo außerdem bei Jahresniederschlägen von knapp 800 mm immer mal mit einem kleineren oder größeren Regen gerechnet werden darf. Dort ist mein Bauer an den Tagen, an denen er den Mähdrescher haben konnte, mit Hummeln im Hintern alle halbe Stunde auf den Acker gewetzt, um zu schauen, wann man endlich dreschen könnte. Freilich ging es dabei um Braugerste, die an eine ziemlich anspruchsvolle Brauerei geliefert wurde. Dennoch ist das Thema überall im Getreidebau wichtig.

          Die Zahlen dazu habe ich nicht auf der Landwirtschaftsschule, sondern im dritten Semester Uni gerechnet: Lustigerweise war die erste Investition, die ich gerechnet habe, als es drum ging, wie man in einer Investitionsplanung Risiken rechnerisch berücksichtigen kann, die für eine Getreidetrocknungsanlage.

          Heute sehen die Preise anders aus, umso stärker ist die Grenze für die Feuchtigkeit gesunken, bei der man überhaupt noch einen positiven Deckungsbeitrag erzielen kann.

          Grobe Anhaltswerte mit heutigen Preisen:

          Über 14,5 % Feuchtigkeit braucht man Weizen niemandem mehr andienen wollen - da darf man gleich wieder nach Hause fahren. Das Trocknen von Weizen von 17% auf 14,5% Feuchtigkeit kostet etwa 1,60 €/dt. Eigentlich feucht gedroschenes Getreide liegt in der Gegend von 20%, da machen die Trocknungskosten auf 14,5% ungefähr 3 €/dt aus. Bei Preisen von (2007) gut 20 €/dt und in den zurückliegenden Jahren schon auch mal 15...16 €/dt darf man sich überlegen, bei welcher Feuchte man nicht besser tut, den Acker umzuackern statt den Mähdrescher kommen zu lassen, wenn kein ausreichend trockenes Wetter mit Mähdreschertermin in Aussicht ist: Es ist möglich, dass man dann weniger drauflegt.

          -- Dass die heutigen Ballenpressen hie und da noch "Binder" genannt werden, kann ich mir vorstellen. Der Vater meines Lehrherrn, Jahrgang 1905, hat auch bis zu seinem Lebensende seinen Trecker immer mit "Rohöl" betankt, obwohl der Lanz Bulldog, den man ohne weiteres mit Rohöl hätte fahren können, schon lang nicht mehr im Einsatz war...

          Wieauchimmer, um den Begriff will ich nicht streiten. Mir wars halt wichtig, die Unterschiede in der Technik aufzuzeigen, und auch den ganz anderen Einsatz von Mähbindern, die nicht zur Strohbergung eingesetzt wurden, sondern zum Einbringen der ganzen Pflanzen in Garben vor dem Drusch mit ortsfester Maschine oder mit Flegeln. Und damit schließt sich der Kreis zur Ausgangsfrage, die unmittelbar damit zu tun hat, ob Stroh Erntegut ist (dann müsste man sich tatsächlich darum kümmern) oder eben als notwendiges Übel beim Dreschen anfällt (und deswegen muss man halt zusehen, dass man es vom Acker kriegt, und wenn es noch irgendwie verwertbar ist, ists umso besser).

          Schöne Grüße




          MM

    • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
      [ot] Gebundene Garben

      Moin, Conrad, Erst nachdem es durch die Sonne getrocknet ist, wird es mit
      einem mechanischen Binder so gebunden.
      mir scheint, Du bist noch älter als ich :-))) Gebunden wird Stroh schon lange nicht mehr, die letzten Binder wurden in den Sechzigern ausrangiert. Heute wird nur noch gepresst oder (seltener) gehäckselt.

      Der erste Binder, den ich 1951 gesehen habe, bündelte noch richtige Garben, die sahen genauso aus wie die von Hand verschnürten. Mir wollte allerdings nicht in den Kopf, dass eine Maschine einen Knoten machen können sollte, den konnte ich ja mal gerade. Zu meiner Beruhigung hat man mir dann erzählt, in der Maschine säße ein Knecht - da war mein Weltbild wieder in Ordnung.

      Gruß Ralf

      • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
        Re: [ot] Gebundene Garben

        Servus Ralf,

        zum Mähbinder gehört dann auch noch ein ganz besonderer Sound, den ich Ende Februar 1965 noch einmal hören konnte und nicht vergesse - die Nahne, die uns ausgeführt hat, plötzlich ganz aufgeregt: Da vorne müssen wir einmal in die Scheuer hineinschauen! Und in der Scheuer ein Bauer mit zwei großen Söhnen, weit geöffnetes Tor, dichter Staub in der Februarsonne, in einem behäbigen Dreiertakt, dem berühmten Klipp-klapp-klapp der Dreschflegel.

        Keine zwei Generationen her - ich habe manchmal Mühe, Leuten aus anderen Ländern zu schildern, wie kurz nur es dieses reiche, lebensleichte Deutschland überhaupt gegeben hat, das sie sich erträumt und dann hier nicht vorgefunden haben.


        Schöne Grüße



        MM

      • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
        Re: [ot] Gebundene Garben

        mir scheint, Du bist noch älter als ich :-))) Gebunden wird
        Stroh schon lange nicht mehr,
        Merkwürdig! Ein guter Bekannter von uns macht das jedes Jahr auf etlichen ha. Er ist gelernter Agrarwirt und nimmt dazu einen Binder.

        Nicht etwa Bauers Oma wickelt das Stroh in Ballen, das macht immer noch ein Binder. Der heute eben runde ballen auswirft.



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