Re^4: Strohbergung - Mechanisierung
Hallo Conrad,
wir entfernen uns ziemlich weit vom Thema "Umweltschutz", dennoch noch ein paar Details dazu - die letztlich doch wieder mit Energieaufwand in der Landwirtschaft zu tun haben.
Zur Frage, wie es in der Praxis aussieht: Meine Ackerbaupraxis stammt aus einer Gegend, wo alles Getreide ziemlich spät reift (600 m ü.N.N.), so das man mit dem Drusch schon in eine Zeit reinkommt, in der öfter mal nachts Tau fällt. Wo außerdem bei Jahresniederschlägen von knapp 800 mm immer mal mit einem kleineren oder größeren Regen gerechnet werden darf. Dort ist mein Bauer an den Tagen, an denen er den Mähdrescher haben konnte, mit Hummeln im Hintern alle halbe Stunde auf den Acker gewetzt, um zu schauen, wann man endlich dreschen könnte. Freilich ging es dabei um Braugerste, die an eine ziemlich anspruchsvolle Brauerei geliefert wurde. Dennoch ist das Thema überall im Getreidebau wichtig.
Die Zahlen dazu habe ich nicht auf der Landwirtschaftsschule, sondern im dritten Semester Uni gerechnet: Lustigerweise war die erste Investition, die ich gerechnet habe, als es drum ging, wie man in einer Investitionsplanung Risiken rechnerisch berücksichtigen kann, die für eine Getreidetrocknungsanlage.
Heute sehen die Preise anders aus, umso stärker ist die Grenze für die Feuchtigkeit gesunken, bei der man überhaupt noch einen positiven Deckungsbeitrag erzielen kann.
Grobe Anhaltswerte mit heutigen Preisen:
Über 14,5 % Feuchtigkeit braucht man Weizen niemandem mehr andienen wollen - da darf man gleich wieder nach Hause fahren. Das Trocknen von Weizen von 17% auf 14,5% Feuchtigkeit kostet etwa 1,60 €/dt. Eigentlich feucht gedroschenes Getreide liegt in der Gegend von 20%, da machen die Trocknungskosten auf 14,5% ungefähr 3 €/dt aus. Bei Preisen von (2007) gut 20 €/dt und in den zurückliegenden Jahren schon auch mal 15...16 €/dt darf man sich überlegen, bei welcher Feuchte man nicht besser tut, den Acker umzuackern statt den Mähdrescher kommen zu lassen, wenn kein ausreichend trockenes Wetter mit Mähdreschertermin in Aussicht ist: Es ist möglich, dass man dann weniger drauflegt.
-- Dass die heutigen Ballenpressen hie und da noch "Binder" genannt werden, kann ich mir vorstellen. Der Vater meines Lehrherrn, Jahrgang 1905, hat auch bis zu seinem Lebensende seinen Trecker immer mit "Rohöl" betankt, obwohl der Lanz Bulldog, den man ohne weiteres mit Rohöl hätte fahren können, schon lang nicht mehr im Einsatz war...
Wieauchimmer, um den Begriff will ich nicht streiten. Mir wars halt wichtig, die Unterschiede in der Technik aufzuzeigen, und auch den ganz anderen Einsatz von Mähbindern, die nicht zur Strohbergung eingesetzt wurden, sondern zum Einbringen der ganzen Pflanzen in Garben vor dem Drusch mit ortsfester Maschine oder mit Flegeln. Und damit schließt sich der Kreis zur Ausgangsfrage, die unmittelbar damit zu tun hat, ob Stroh Erntegut ist (dann müsste man sich tatsächlich darum kümmern) oder eben als notwendiges Übel beim Dreschen anfällt (und deswegen muss man halt zusehen, dass man es vom Acker kriegt, und wenn es noch irgendwie verwertbar ist, ists umso besser).
Schöne Grüße
MM