zum Erdbeben /Nachbeben bei Istanbul?

Von: , Frage gestellt am Mo, 4. Okt 1999

Kann man sich jetzt nach Istanbul hintrauen und dort ruhig schlafen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit von "stärkeren" Nachbeben jetzt noch? (Frage wegen eines 3 Tage vor dem Beben gebuchten Flugs, der bezahlt werden muss). N.W.

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 17 Stunden hilfreich
    Re: zum Erdbeben /Nachbeben bei Istanbul?

    N.W. <[E-Mail-Adresse entfernt]> schrieb: Kann man sich jetzt nach Istanbul
    hintrauen und dort ruhig schlafen? Wie
    groß ist die Wahrscheinlichkeit von
    "stärkeren" Nachbeben jetzt noch?
    gebuchten Flugs, der bezahlt werden
    muss).
    Sehr geehrte Frau N.W. !

    Das "besagte" Gebiet befindet sich als Strike-Slip-Störung
    an der Nordanatolischen Horizontalverschiebung ("NAH").
    Diese morphologisch ausgeprägte und seismisch aktive Störung
    zieht sich über eine Länge von ca. 1200 km entlang der
    nordanatolischen Schwarzmeerküste von der Ägäis bis
    zum ostanatolischen Karliova.
    Die tektonische Bedeutung dieser Blattverschiebung ist durchaus mit
    der
    kalifornischen San-Andreas-Verwerfung vergleichbar.

    Entlang der NAH verschiebt sich die zum ehemaligen Gondwana-Kontinent
    gehörende Anatolische Platte dextral nach Westen, das zum ehemaligen
    Laurasia-Kontinent gehörende Schwarze Meer relativ nach Osten.

    Die NAH ist periodisch seismisch aktiv, die derzeit aktive Phase
    begann 1939 und ist durch Erdbeben mit Magnituden zwischen 6 und 7
    bei einer Herdtiefe von zwischen 40 bis 60 km gekennzeichnet.

    Aktive Perioden sind durch Ruheperioden von durchschnittlich 150
    Jahren
    gekennzeichnet.

    Erdgeschichtlich kann man die NAH auf das Pliozän (vor ca. 24 Ma)
    Seit dieser Zeit konnte ein dextraler Versatzbetrag von ca. 85 km
    festgestellt werden.

    Der Ursprung der NAH ist in der Konsequenz der Kollision der
    Arabischen
    und der Anatolischen Plattform (während des späten (mittleren ?)
    Miozäns
    zu sehen.

    Seither "gleitet" die anatolische Plattform, von den konvergierenden
    eurasischen und arabischen Plattform "getrieben" wie ein Keil in die
    Ägäis und beeinflußt die Entwicklung des östlichen Mittelmeerraumes.

    Weitere Infos unter:

    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Tuerkei...

    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Tuerkei...

    Soweit die Forschung.
    Ob Sie dort letztendlich hinfahren müssen Sie selbst entscheiden.
    Eine genaue Erdbebenvorhersage ist heutzutage *leider* noch nicht
    möglich, obwohl Ansätze schon zu erkennen sind.

    Die Möglichkeit von Nachbeben (welcher Stärke auch immer) dort
    meiner Meinung nach durchaus noch gegeben.

    Ob das Erdbeben vom 17. August 1999 (Stärke 7,4) um das Hauptbeben
    handelt, ist _noch_ nicht feststellbar, aber sehr wahrscheinlich.
    Auch im Südosten der Türkei gab es übrigens am 27. Juni 1998 an der
    Ostanatolischen Störung ein Erdbeben der Stärke 6.2.

    In einigen Ländern (z.B. auch Japan) müssen *und können* die Menschen
    mit diesen Naturgewalten *tagtäglich* leben.
    Dadurch, daß jedoch die Bauvorschriften in Japan streng sind und auch
    *so* durchgesetzt werden, werden die Opferzahlen bei eventuell
    auftretenden
    Erdbeben *verhältnismäßig* gering gehalten.

    Die Anzahl der Opfer beim Erdbeben in der Türkei am 17. August 1999
    sind
    meiner Meinung nach jedoch durch die eklatant mißachteten
    Bauvorschriften
    in fataler Weise potentiert worden.

    Tatsache ist, daß Flüge nach Istanbul und die Unterkunft dort sehr
    billig
    sind und viele Urlauber (die offensichtlich ähnliche Überlegungen
    hierzu
    bewogen haben) _trotzdem_ *ob nun berechtigterweise oder nicht* auf
    andere
    Reiseziele ausweichen.

    In Japan, wie auch an der San-Andreas-Verwerfung wird übrigens
    demnächst
    ein sehr starkes Erdbeben erwartet.

    Unter:
    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/geoforu...
    u.a. aktive Vulkane und aktuelle Erdbeben


    Freundliche Grüße
    Oliver
    --
    mailto: [E-Mail-Adresse entfernt]
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    (philosophische Erkenntnis der alten Griechen)

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