Driftgeschwindgkeit Afrikas

Von: , Frage gestellt am Mi, 25. Okt 2000

Afrika driftet ständig auf Europa zu. Wie hoch ist denn diese Driftgeschwindigkeit? Wann hat sich eigentlich Italien von Afrika gelöst?

mfg, Alexander

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 21 Stunden 2 hilfreich
    Re: Driftgeschwindgkeit Afrikas

    Hallo Alexander !

    Alexander <[E-Mail-Adresse entfernt]> schrieb: Afrika driftet ständig auf Europa zu. Wie hoch ist denn diese
    Driftgeschwindigkeit?
    http://www.ggl.baug.ethz.ch/news/03_technik.htm
    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Alpentr... Wann hat sich eigentlich Italien von
    Afrika gelöst?
    Die adriatische Platte (=apulische Platte) ist ein afrikanischer Krustenausläufer,
    der sich vor ca. 60 Mio. a. vom afrikanischen Urkontinent löste.
    Das Aufreißen des Atlantiks führte zu dieser Zeit zur Bildung von Mikrokontinenten
    zwischen Afrika und Europa. Die adriatische Platte bewegte sich hierbei (unabhängig
    von der afrikanischen Platte) gegen den Uhrzeigersinn, während sich die afrikanische
    Platte nach NNW bewegte. Diese schnürte nach Norden driftend das "Ur"-Mittelmeer
    ein, drückte sich anschließend gegen den europäischen Urkontinent und schob sich
    anschließend noch ca. 150 km darüber hinweg.
    Als die apulische Platte vor 25 bis 10 Mio. a. erneut gegen Norden geschoben wurde,
    begannen die jungen Alpen ihren Aufstieg.
    Der überschobene europäische Kontinentalrand sank unter gewaltigem Druck in die Tiefe,
    schmolz im heißen Erdinneren zu Magma auf und drang vor etwa 30 Mio.a. als Intrusivkörper
    durch die Spalten in die überschobenen afrikanischen Gesteinsdecken ein.
    Vor etwa 10 Mio. a. waren die afrikanischen Decken soweit abgetragen, daß der Tonalitkörper
    und der Südrand von Ureuropa, Zentralgneiszone und untere Schieferhülle, zu Tage traten
    -> Das "Tauernfenster" bildete sich aus.

    Vor 5 Mio. a. wurden schließlich die Ketten des Französisch-Schweizerischen Juras
    aufgefaltet. Die Alpen, Karpaten und Pyrenäen sind jedoch nicht die einzigen Gebirge
    Europas, deren Entstehung auf die Schließung eines Ozeans am Südrand Europas, der Tethys,
    zurückzuführen ist. Alle jungen Gebirgsketten des südlichen Europas, wie etwa die Betische
    Kordillere, der Apennin, die Dinariden und Helleniden, werden dem alpidischen Gebirgssystem
    zugeordnet.

    Die Plattenbewegung Afrikas relativ zu Europa dauert bis heute an, sodaß auch die
    Subduktionszonen heute noch im Mittelmeer aktiv sind (kalabrischer Bogen-Süditalien,
    Hellenischer Bogen-Griechenland). Erkennbar ist dies an den Erdbeben, Vulkanen und
    an einer anormalen Schwereverteilung im Mittelmeerraum:

    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Apennin...
    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Sloveni...
    http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/Schweiz...

    In einigen Mio. Jahren wird das Mittelmeer subduziert sein, dann wird die Afrikanische Platte
    erneut mit der Europäischen Platte kollidieren.


    In den Alpen sind allgemein 4 große Faziesbereiche im Streichen verfolgbar:

    *Nord*
    helvetisch - starke Deckentransporte
    penninisch - starke Deckentransporte
    ostalpin
    --------------- peradriatische Naht
    südalpin
    nördl. und südl. Vorland - Molassebecken
    *Süd*

    bzw.:
    *Nord*
    - Helvetikum und Penninikum gehören der eurasischen Platte an.
    - dazwischen der (frühere) Ozean---------südpenninischer Ozean
    - Ost-und Südalpin gehören dem adriatischen Kontinent an.
    *Süd*

    Für den Alpenbau sind 2 kontinenttragende Platten wichtig:

    südadriatische Platte (wird bei Kollision zur Oberplatte)
    nördliche eurasische Platte (wird überfahren)
    zur Veranschaulichung:
    http://members.tripod.de/OliverWalenciak/alpen.jpg

    Ost-und Südalpin sind nach dem Aufreißen des südpenninischen Ozeans
    im Jura zunächst passiver Kontinentalrand der adriatischen Platte.
    Ab untere Kreide -> aktiver Kontinentalrand => Subduktion des südpenninischen
    Ozeans.
    Ab obere Kreide: -> erste Kollisionen = altalpidische Orogenese
    danach: Stillstand bis Eozän
    Ab oberem Eozän: Ost-und Südalpin überfährt vollends den europäischen Kontinent
    = jungalpidische Orogenese
    Die penninische Einheit enthält damit die Infos für die plattentektonische Interpretation
    Südpenninikum: entspricht dem eigentlichen Ozean
    mittleres und nördliches Penninikum: entspricht dem europäischen Kontinent.
    Helvetikum: wurde weiter nödlich auf den europäischen Kontinent aufgeschoben
    (war ehemals ein Schelfmeer vor passivem Kontinentalrand.

    Im gesamten Mitteleuropa ist Bruchschollentektonik als Auswirkung dieser Orogenese
    seit der o. Kreide anzutreffen. Gleichfalls beginnen Grabenstrukturen (z.b. Ober-
    rheingraben) im nördlichen Vorland im m. Tertiär einzusinken (zeitgleich mit dem
    Eintiefen der subalpinen Molassebecken).

    weitere Infos:
    http://www.tages-anzeiger.ch/archiv/99september/9909...
    http://www.tuwien.ac.at/ingeo/research/resproj6.htm
    http://tremiti.planetek.it/6g/de/approfge.htm
    http://www.geographie.uni-trier.de:8080/~w3pg/Lehre/...
    http://www.educat.hu-berlin.de/schulen/sartre/materi...


    Gruß Oliver

    --
    Diplomkartierung: http://mitglied.tripod.de/OliverWalenciak

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