Gott und Naturgesetze

Von: , Frage gestellt am Mi, 10. Nov 1999

Moin,
prinzipiell rechne ich mich selbst zu den ernsthaften Naturwissenschaftlern. Trotzdem zweifle ich nicht an der Existenz Gottes bzw. an seiner Rolle als Schöpfer aller Dinge. Allerdings ergab sich letztens in einer Diskussion folgender Haken: Wenn Gott der Schöpfer aller Dinge sein soll, wenn man ihn also als höchste Institution anerkennt, dann muß er die uns bekannten Naturgesetze zu brechen vermögen - ein Gedanke, mit dem ich mich einfach nicht anfreunden kann. Sobald ich nämlich etwas anerkenne, was sich außerhalb der Naturgesetze bewegen kann, läßt sich alles beweisen *heiligheiligundschonistesda*. Vielleicht ist es eine para-wissenschaftliche Frage. Trotzdem würde ich gerne unterschiedliche (möglichst ernsthafte) Meinungen insbesondere auch von Naturwissenschaftlern zu diesem Thema erfahren. Ich selbst habe mich aus dieser "argumetatorischen Falle" nicht herauslavieren können....
Gruß,

Christian

*fürdendienaturgesetzeunumstößlichsind*

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Gott und Naturgesetze

    Hallo Christian!

    Ich finde, dass man die geistliche und wissenschaftliche Welt trennen sollte, um nicht in Widerspruechen verstrickt zu werden. Zum Glauben braucht man einfach keinen Gottesbeweis etc.
    Ein interessantes Problem waere zum Beispiel: Gott ist allmaechtig (Eine klare Aussage). Also muesste er (oder sie) in der Lage sein, einen Stein zu schaffen, den er (oder sie) nicht tragen kann. Wenn er (oder sie) einen solchen Stein jedoch nicht tragen kann, dann ist er (oder sie) nicht allmaechtig. Also glaube ich, wenn ich in der Kirche bin und lasse diese Welt im Labor hinter mir.

    Gruesse,
    Thomas [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: Gott und Naturgesetze

      Hallo Christian!

      Ich finde, dass man die geistliche und
      wissenschaftliche Welt trennen sollte, um
      nicht in Widerspruechen verstrickt zu
      werden. Zum Glauben braucht man einfach
      keinen Gottesbeweis etc.
      Ein interessantes Problem waere zum
      Beispiel: Gott ist allmaechtig (Eine
      klare Aussage). Also muesste er (oder
      sie) in der Lage sein, einen Stein zu
      schaffen, den er (oder sie) nicht tragen
      kann. Wenn er (oder sie) einen solchen
      Stein jedoch nicht tragen kann, dann ist
      er (oder sie) nicht allmaechtig. Also
      glaube ich, wenn ich in der Kirche bin
      und lasse diese Welt im Labor hinter mir.

      Das errinnert mich an ein paar Gedankengänge, mit denen ich früher immer sehr gut einschlief: Wenn das Universum unendlich ist, ist die Wahrscheinlichkeit, daß irgendwer, irgendwo eine "Das-ganze-Universum-zerstörende" Bombe bastelt und zündet unendlich groß.
      Genauso groß ist aber die Wahrscheinlichkeit, daß irgendwo, irgendjemand zum rechten Zeitpunkt eine "Das-ganze-Universum-rettende" "Gegenbombe" zündet genauso groß... bescheuert, oder? Das hat mich dann schließlich zu der Überzeugung gebracht, daß das Universum nicht unendlich sein kann. (Oder?... ähh)

      Und dabei bin ich eher pazifist.

      Gruß,
      Trurl der Konstrukteur

  2. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Gott und Naturgesetze

    das ist grundsätzlich eine theologische Frage.
    Kurz fünf von (tausend) Antworten:
    a.) Gott hat seine Karten am Anfang gemischt und nun geht alles wie in einem Räderwerk vor sich hin bis zum Ende der Zeit. (sehr deterministischer Kartenspielergott)
    b.) Naturgesetze sind nur für natürliche Dinge, nicht für übernatürliche. Da Gott ein übernatürliches Wesen ist (denn er war ja als Schöpfer der Natur per se schon vorher da), gelten für ihn die Naturgesetze nicht. Er ist praktisch ein
    Gesetzloser
    c.) wer Gesetze erläßt, kann Sie auch ändern
    d.) Gott hält sich brav an seine (Natur-) Gesetze, nutzt aber welche, die wir noch gar nicht kennen oder deren Ausnahmeparagraphen.
    e.) Gott hat einen Diplomatenpass

  3. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Re: Gott und Naturgesetze

    Hallo Christian,

    Für mich steht Gott nicht ausserhalb oder über den Naturgesetzen, sondern er verkörpert sie.

    Gruss
    Jolanda

  4. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Re: Dada

    keiner weiß was dada ist, außer dem großen dada, und der sagt es uns nicht
    servus
    euer dadamax

  5. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    Re: Gott und Naturgesetze: ein Widerspruch.

    Hallo! Wenn Gott der Schöpfer aller Dinge sein
    soll, ..., dann muß er die uns bekannten
    Naturgesetze zu brechen vermögen
    Genau. Solche Ereignisse werden ja gerade als Beleg für seine Existenz angesehn. Wenn z.B. jemand über Wasser geht obwohl er da nach den uns bekannten Gesetzmäßigkeiten einsinken müßte.

    Der Haken beginnt, wenn die Naturgesetze entdeckt werden, die solche "Wunder" erklären. Belege sind plötzlich nur noch "Belege", und man kann anfangen, an Gottes Existenz zu zweifeln. Meist werden rechtzeitig neue Belege entdeckt. Die laufen allerdings wiederum Gefahr, entkräftet zu werden.

    Was dann? Wie lange will man das Spiel mitmachen?

    Einfach die Naturgesetze als Gott zu bezeichnen, ist nur eine Scheinlösung. Dann kann ich auch meinen Radiergummi als Gott deklariern und ausrufen: Sehet! Es gibt ihn doch! Das steht im Widerspruch zu andern Merkmalen Gottes, etwa der Unergründbarkeit seiner "Wege". Der Papst würde sich dergleichen Annahmen vermutlich verbitten.
    Gott ist ja gerade etwas "Über"natürliches, nicht zu Fassendes. Sobald ich nämlich etwas anerkenne, was
    sich außerhalb der Naturgesetze bewegen
    kann, läßt sich alles beweisen
    Umgekehrt würde ich sagen, läßt sich nichts mehr beweisen, also nichts vorhersagen. All meine Erfahrung ist nutzlos. Bei der Apfelernte sollte ich dann immer auch ein Netz über dem Baum spannen, denn wenn Gott meint, läßt er die Äpfel neuerdings nach oben fallen. Oder?

    Wozu dann überhaupt nach naturwissenschaftlichen Zusammenhängen suchen?

    So war es für mich nie nachvollziehbar, wie jemand, der Psychologie studiert hat, der also Prinzipien sich selbst erfüllender Prophezeiungen kennenlernte, an Horoskope glauben kann. Und mir ist unklar, wie Einstein religiös und naturwissenschaftlich sein konnte.

    Vielleicht muß man das Ganze als eine Art Spiel auffassen, an dem sich Gott ergötzt (nicht hämisch), denn natürlich wäre es Gott ein Leichtes, alles Wissen jemand Erleuchtetem einzugeben, oder auch allen. Vielleicht sind wir vergleichbar mit einem Halma-Spieler, der ausschließlich die Regeln kennt, nichts andres, und der nun auf umständliche Weise hüpfend seine Figuren auf die andere Seite bringen muß, obwohl es doch viel einfacher wäre, die einfach so drüben hinzustellen. Aber das wird ihm nicht verraten und er muß erst selber drauf kommen.
    Na denn los.

    Tschuess, Sven.

    • Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
      Re^2: Gott und Naturgesetze: ein Widerspruch.

      Genau. Solche Ereignisse werden ja gerade
      als Beleg für seine Existenz angesehn.
      Wenn z.B. jemand über Wasser geht obwohl
      er da nach den uns bekannten
      Gesetzmäßigkeiten einsinken müßte.
      Das sehe ich eben anders. Ich persönlich fasse solche Stellen eher bildlich auf. Keiner außer vielleicht der katholischen Kirche wird ernsthaft an die Jungfrauengeburt glauben (tschuldigung; ist meine persönlich Meinung!!!!). Es ist daher nicht die Frage, ob es sich tatsächlich um eine solche gehandelt hat, sondern warum dieser Begriff in diesem Zusammenhang gewählt wurde.
      Der Haken beginnt, wenn die Naturgesetze
      entdeckt werden, die solche "Wunder"
      erklären. Belege sind plötzlich nur noch
      "Belege", und man kann anfangen, an
      Gottes Existenz zu zweifeln. Meist werden
      rechtzeitig neue Belege entdeckt. Die
      laufen allerdings wiederum Gefahr,
      entkräftet zu werden.
      Das finde ich gerade faszinierend. Das Phänomene wie die Sintflut oder der Stern von Bethlehem eben nicht erfunden sein müssen, sondern gerade naturwissenschaftlich erklärbar sind. Aber auch das ist wieder nur meine persönliche Meinung! :o) So war es für mich nie nachvollziehbar,
      wie jemand, der Psychologie studiert hat,
      der also Prinzipien sich selbst
      erfüllender Prophezeiungen kennenlernte,
      an Horoskope glauben kann. Und mir ist
      unklar, wie Einstein religiös und
      naturwissenschaftlich sein konnte.
      Das ist für mich gerade das Problem: gerade das stellt für mich absolut keinen Widerspruch dar. Ich habe eben keine Probleme damit, eben nicht an den Naturgesetzen zu zweifeln und trotzdem an die Existenz Gottes zu glauben. Vielleicht ist das ein Paradoxon, aber es ist nunmal so!
      Vielleicht muß man das Ganze als eine Art
      Spiel auffassen,
      Anlehung an M. Eigen??!! :o) an dem sich Gott ergötzt
      (nicht hämisch), denn natürlich wäre es
      Gott ein Leichtes, alles Wissen jemand
      Erleuchtetem einzugeben, oder auch allen.
      Vielleicht sind wir vergleichbar mit
      einem Halma-Spieler, der ausschließlich
      die Regeln kennt, nichts andres, und der
      nun auf umständliche Weise hüpfend seine
      Figuren auf die andere Seite bringen muß,
      obwohl es doch viel einfacher wäre, die
      einfach so drüben hinzustellen. Aber das
      wird ihm nicht verraten und er muß erst
      selber drauf kommen.
      Eine befriedigende Antwort wird sich auf eine derartige Frage nicht finden lassen. Trotzdem danke ich schon einmal allen, die geantwortet haben.
      Tschüß,

      Ru

      • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
        Re^3: Gott und Naturgesetze: kein Widerspruch.

        Eine befriedigende Antwort wird sich auf
        eine derartige Frage nicht finden lassen.
        Ich würde nicht so schnell resignieren.
        Wenn ich feststellen sollte, dass sich meine Vorstellung von Gott mit meiner Vorstellung von den Naturgesetzen beißt, dann würde ich daraus den Schluss ziehen, dass ich meine Vorstellungen von Gott oder von den Naturgesetzen (oder beide) nicht sorgfältig und sachgemäß genug gebildet habe. Wenn Gott der Schöpfer aller Dinge sein soll, wenn man ihn also als höchste Institution anerkennt, dann muß er die uns bekannten Naturgesetze zu brechen vermögen - ein Gedanke, mit dem ich mich einfach nicht anfreunden kann. Sobald ich nämlich etwas anerkenne, was sich außerhalb der Naturgesetze bewegen kann, läßt sich alles beweisen *heiligheiligundschonistesda*.
        Mir ist nicht ganz klar, was mich dazu zwingen soll, Naturgesetze als unveränderlich anzusehen. Kannst du mir das erklären?
        Religiöse Gedanken fragen ja in der Regel nach dem Sinn. Also muss diese Frage auch den Naturgesetzen gestellt werden. Und die Frage nach dem Sinn ist tatsächlich keine naturwissenschaftliche Frage, sondern eine menschliche.

        Übrigens: Was meinst du zu der Antwort von Jolanda?

        Gruß Gottfried Beyer

  6. Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
    Re: Gott und Naturgesetze

    Hallo

    Die meisten bisherigen Beiträge fassen die Frage von der Seite Gott an.

    Ich würde gerne das Ganze von der anderen Seite aufzäumen und fragen: Was ist ein Naturgesetz?

    Eine mögliche Antwort:
    Ein Naturgesetz ist die logisch-mathematische Beschreibung eines wiederholbaren, objektiv feststellbaren Vorgangs.

    Daraus würde folgen: Wenn man einen Vorgang hat, der
    - Nicht wiederholbar
    - oder Nicht objektiv feststellbar
    - oder der mathematischen Logik nicht zugänglich ist
    dann hätte man einen Vorgang, der sich nicht mit einem Naturgesetz beschreiben läßt.

    Ich gehe davon aus, daß es solche Vorgänge gibt (der Realität angehören). Daraus folgt, daß die Realität mehr ist als die Naturwissenschaften zu beschreiben vermögen, daß aber umgekehr nichtsdestotrotz die Naturwissenschaft Realitäten beschreiben.

    Gott umfasst nun die gesamte Realität, er ist also mehr als das, was die Naturwissenschaften zu erfassen vermögen.

    Damit ergibt sich die Antwort auf Deine Frage: Solange Gott Vorgänge im Fluß hält, die dem Bereich der Naturwissenschaften angehören, solange ist er sozusagen den Gesetzen unterworfen. Aber er hat darüber hinaus noch wesentlich mehr Möglichkeiten, die von den Naturwissenschaften schlicht ignoriert werden müssen.

    Gruß
    Thomas

    *derauchandiegültigkeitdernaturwissenschaftenglaubtabernurinderengültigkeitsbereich*



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