Plagiarismus

Von: , Frage gestellt am Do, 12. Apr 2012
Hallo,

ich frage mich gerade ab wann Plagiarismus Plagiarismus ist. Die Bachelor-/Master-/Diplomarbeiten bestehen ja i.d.R. immer aus einem Grundlagenteil (für die Einleitung gilt mehr oder weniger Ähnliches) in dem man eigentlich keine Eigenleistung erbracht hat, sondern, wie der Name schon sagt, alle benötigten Grundlagen sammelt. D.h. man bezieht sich eigentlich zum größten Teil auf schon bestehende Arbeiten. Dennoch gibt es wohl kaum solche Arbeiten, deren gesamter Grundlagenteil ausschließlich aus Zitaten besteht.
Ist es nun also Plagiarismus, wenn ich solche bestehenden Arbeiten in meinen Worten wiedergebe und man u.U. Korrespondenzen findet (wie z.B. herangezogene Beispiele) ohne dass der Wortlaut gleich ist?
Ich bin z.B. sehr geneigt einen Verweis auf eine bestimmte Referenzliteratur zu machen, anschließend selbst wiederzugeben, worum es in der Arbeit geht (wörtliche Zitate werden natürlich korrekt als solche gekennzeichnet, aber im Großteil zitiere ich eben nicht wörtlich, wenngleich aber sinngemäß, z.B. auch durch Übersetzung von Englisch nach Deutsch, d.h. man Erkennt mit Sicherheit die Korrespondenz).
In welchem Rahmen ist diese Vorgehensweise erlaubt, wann wird es Plagiarismus oder sollte ich zumindest vorsichtig sein?

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von (abgemeldet) nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Plagiarismus
    Hallo!

    Im Zweifelsfall muss man immer zu allem Quellen angeben. Die einzige Ausnahme wäre etwas, was als Allgemeinbildung unter Wissenschaftlern vorausgesetzt werden. Ein Physiker wird z. B. in aller Regel nicht Newton zitieren, auch wenn irgendwo die Grundgleichung der Mechanik in seiner Arbeit auftaucht.

    Wenn es ein längerer Abschnitt ist, der eine größere Quelle zusammenfasst, ohne dass sich im Detail Zitate aus der Quelle im Text der Arbeit wiederfinden, würde ich im Text oder in der Quellenangabe etwa so schreiben: "Ich folge hier der Argumentation von ... in ... ". In englischsprachigen Texten findet sich oft der Hinweis: "For review see ..." Die Fußnote für die Quellenangabe steht dann u. U. schon hinter der Kapitelüberschrift.

    Aber warum sprichst Du so etwas nicht einfach mit Deinem Betreuer ab?

    Michael
    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Plagiarismus
      Hi.
      Im Zweifelsfall muss man immer zu allem Quellen angeben. Die
      einzige Ausnahme wäre etwas, was als Allgemeinbildung unter
      Wissenschaftlern vorausgesetzt werden.
      Warum verfährt man nicht umgekehrt.

      Irgendwie so: man erklärt am Anfang dass, in der Arbeit auf andere Arbeiten naturgemäß Bezug genommen wird bzw. werden muss (ist ja sowieso selbstverständlich:-) und sagt, dass immer nur seine eigene Ideen bzw. Ergebnisse, Hypothesen usw. extra gekennzeichnet werden.


      Gruß

      Balázs
      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Plagiarismus
        Irgendwie so: man erklärt am Anfang dass, in der Arbeit auf
        andere Arbeiten naturgemäß Bezug genommen wird bzw. werden
        muss (ist ja sowieso selbstverständlich:-) und sagt, dass
        immer nur seine eigene Ideen bzw. Ergebnisse, Hypothesen usw.
        extra gekennzeichnet werden.
        Die Quellenangaben sind ja nicht als Kontrolle des Autors gedacht, sondern als Hilfsmittel für den Leser, damit dieser nachlesen kann, was da so drinstand und wie der Autor auf bestimme Ideen kam.

        Wenn ich schreibe, dass ich Wert X aus dem Artikel Y genommen habe, muss der Leser ja in die Lage versetzt werden in Y nachzulesen, wie die Autoren dort zu ihren Werten gelangt sind.
        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Plagiarismus

          Wenn ich schreibe, dass ich Wert X aus dem Artikel Y genommen
          habe, muss der Leser ja in die Lage versetzt werden in Y
          nachzulesen, wie die Autoren dort zu ihren Werten gelangt
          sind.
          Ist und war mir ja klar.
          Nun dem Leser sollte das das egal sein. Er kann sich dann erkundigen wenn ihm da was nicht klar sein sollte. Schließlich weiss er genau was da neu sein sollte.
          Und wer liest die Arbeit? Der Gipser?:-)

          Gruß

          Balázs
          • Antwort von (abgemeldet) nach 2 Tagen 1 hilfreich
            Re^5: Plagiarismus
            Hallo!

            Quellenangaben haben mehrere Zwecke:

            1) Sie untermauern die eigenen Argumente. ("Ich sauge mir das nicht aus den Fingern, sondern XY hat das auch schon so geschrieben.")

            2) Sie schieben die Verantwortung an die Quelle ab. ("Ich verwende diesen Zahlenwert. Ob er stimmt oder nicht, kann ich nicht überprüfen, aber XY behauptet, dass er stimmt.")

            3) Sie stellen die Urheberschaft klar und verhindern Plagiate. ("Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Das war ursprünglich die Idee von XY.")

            4) Sie helfen dem Leser bei der Recherche. ("Wenn Du mehr darüber erfahren willst, dann lies den Artikel von XY, den Du so und so findest.")

            5) Sie ordnen die wissenschaftliche Arbeit in einen Kontext ein. ("Bei meiner Recherchearbeit standen mir folgende Quellen zur Verfügung und auf sie stützen sich meine Überlegungen.")

            Dafür sind Quellenangaben eigentlich da. Nebenbei (aber das ist wirklich nicht der Hauptzweck) hat der Korrektor den Vorteil, dass er durch die Quellenangaben die Eigenleistung seines Prüflings von der Leistung anderer trennen kann. Wobei natürlich eine saubere Recherche und eine tiefgreifende Analyse der Fachliteratur schon eine Leistung für sich darstellt. Bei vielen geisteswissenschaftlichen Arbeiten geht es sogar ausschließlich darum.

            Michael
            • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Plagiarismus
              Hallo. Dafür sind Quellenangaben eigentlich da. Nebenbei (aber das
              ist wirklich nicht der Hauptzweck) hat der Korrektor den
              Vorteil, dass er durch die Quellenangaben die Eigenleistung
              seines Prüflings von der Leistung anderer trennen kann.
              Wie ich bereits sagte ich weiss das alles auswendig, und im Patentverfahren ist dieses Problem ausgeschaltet durch vorgegebenen Gliederung (aber such nicht zwingend, wenn aus irgendeinem Grund nicht einhaltbar).

              Und da soll der Antragsteller seine eigene Leistung klar benennen.
              Recherche sowieso (Stand der Technik) was aber eine (eventuelle) Prüfung die erst so lange bis nicht beantragt gar nicht stattfindet, dann aber sie überhaupt nicht beeinflusst.

              Es geht hier um der vergifteten Klima.
              Wie man sich da schützen kann bzw. soll.

              Zum Schluss kann er ja eine Liste von Autoren noch anhängen, aber das halte ich für unnötig da jeder der mit der Angelegenheit was zu tun hat muss das selbst in Handumdrehen holen können wie der Prüfer im Patentamt der das ja auch dann selbstverständlich und gründlich macht.
              Wo sollte man die untere Grenze setzen? Bei Archimedes?

              Und wenn er seine Leistung klipp und klar benennt, dann gibt es hinterher keinen Raum für ausreden.
              Und darum geht es hier und jetzt. Leider sind wir so weit:-)

              Gruß

              Balázs
            • Antwort von (abgemeldet) nach 3 Tagen 0 hilfreich
              Re^7: Plagiarismus
              Hallo!

              Wer sprach denn von einem Patentantrag? Es ging um eine Diplom- oder Masterarbeit. Das ist was völlig anderes.

              (Vielleicht hat Dich der Titel drauf gebracht. Mit "Plagiat" meinte man jedoch in diesem Zusammenhang wohl nicht die Produktfälschung oder Patentrechtsverletzung, sondern das, was Herr zu Guttenberg gemacht hat.)

              Michael
            • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
              Re^8: Plagiarismus
              Hi.
              Wer sprach denn von einem Patentantrag?
              Ich als Parallele wohlgemerkt:-) Es ging um eine Diplom- oder Masterarbeit. Das ist was völlig :anderes.
              Soso, was du nicht neues mir sagst, interessant:-)
              (Vielleicht hat Dich der Titel drauf gebracht. Mit "Plagiat"
              meinte man jedoch in diesem Zusammenhang wohl nicht die
              Produktfälschung oder Patentrechtsverletzung, sondern das, was
              Herr zu Guttenberg gemacht hat.)
              Hmm, ich muss da erst wörklisch tiefst nachdenken, klar, auch worüber:-)
              Michael
              Balázs
  2. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Plagiarismus
    Von Plagiat spricht man eigentlich nur dann, wenn man eine Leistung als seine eigene ausgibt.

    In einer wissenschaftliche Arbeit ist es also tatsächlich üblich, dass die Grundlagenkapitel aus Informationen bestehen, die aus anderen Quellen stammen oder, wie Michael Bauer schon ausführte, Grundlagenwissen darstellen.

    Ein wörtliches Zitat ist dabei nur üblich oder angebracht, wenn neben dem eigentlichen Inhalt der Aussage auch seine Form von Bedeutung für die wissenschaftliche Arbeit sind. In naturwissenschaftlichen Arbeiten kommen wörtliche Zitate daher praktisch nicht vor.

    Je nach dem, wieviel Informationen aus einer Quelle stammen sind verschiedene Möglichkeiten vorhanden, die entsprechenden Zitate zu kennzeichnen. Üblicherweise werden am Ende eines Satzes all diejenigen aufgezählt in deren Arbeiten der Inhalt des Satzes zu finden war:

    bla bla blubb (Meier, 1992; Schulze, et. al, 1990)

    Die genaue Formatierung ist abhängig vom Ziel der Arbeit. Jede Zeitschrift, jeder Prüfer, jeder Betreuer hat da andere Vorgaben. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

    Werden wirklich sehr viele Informationen aus einem Werk zitiert kann man die Quelle auch vornean stellen:

    Die folgenden Aussagen sind dem Standardwerk von Meier, et. al (2000) entnommen. Bla Bla Bla...

    Oftmals sind solche Texte aber ein Hinweis auf eine schlechte Arbeit.


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