Glaube erfordert keinerlei Beweise.

Von: , Frage gestellt am Fr, 30. Jul 2004

Hallo DurchblickerInnen,

Glaube erfordert keinerlei Beweise. Nehme ich mal an. Würde der "Glaube" Beweise verlangen wäre es wohl kein Glaube. Eine Gesellschaft funktioniert aber nur durch Beweisbarkeit. Ein Gerichtsurteil, basierend auf Glaube, ist in unserer Gesellschaft kaum akzeptierbar. Wohl auch nicht von gottgläubigen Menschen. Andererseits glauben manche Menschen an Jungfrauengeburt, Gottvertreter, unfehlbarkeit eines Papstes, Heiligkeit von Kühen, Krokodiele werden als "wiedergeborene" Ahnen verehrt und ähnliche Unwahrscheinlichkeiten.

Was bringt also ansonsten rational denkende Menschen an solcherlei Zeuch bzw. überhaupt an so etwas wie Gott oder "übergeordnete" - sie beeinflussende, steuernde - Wesen zu glauben?

Rationales Denken und Gottglaube sind doch wohl unvereinbar. Meine ich.
Nichts habe ich gegen Glaube. Glaube, und der Glaube daran, sollte offen angenommen werden. Nur ich kann damit nichs anfangen. Spannend finde ich es aber.

Grüße und Danke für Antworten

18 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
    Re: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

    Hallo, Glaube erfordert keinerlei Beweise. Nehme ich mal an. Würde
    der "Glaube" Beweise verlangen wäre es wohl kein Glaube.
    Richtig. Eine Gesellschaft funktioniert aber nur durch Beweisbarkeit. Ein
    Gerichtsurteil, basierend auf Glaube, ist in unserer
    Gesellschaft kaum akzeptierbar.
    Richtig, deshalb sind Religion und Staat ja auch bei uns getrennt. Ob du etwas glaubst oder nicht, ist schließlich deine Privat-Sache. Ein Gerichtsurteil dagegen nicht, v.a. weil in unserem Staat keine homogene Konfession existiert, auf die sich so ein Gerichtsurteil zur Zufriedenheit aller stützen könnte. Was bringt also ansonsten rational denkende Menschen an
    solcherlei Zeuch bzw. überhaupt an so etwas wie Gott oder
    "übergeordnete" - sie beeinflussende, steuernde - Wesen zu
    glauben?

    Weil es ihnen Sicherheit gibt? Weil sie so erzogen wurden? Weil es ihnen in schwierigen Zeiten hilft, dass sie sich an sowas festhalten können? Weil es aus ihrer Sicht dem Leben einen Sinn gibt?
    Selbst aus rationaler Überlegung gibt es hunderte von Gründen, wieso Menschen an einen Gott oder sonstwas glauben. Rationales Denken und Gottglaube sind doch wohl unvereinbar.
    Wieso? Man kann doch an einen Gott glauben und trotzdem rational denken.

    Nur mal eine Frage dazu:
    Wieso gibt es dieses Universum? Oder besser: Welche Kraft hat es entstehen lassen?

    Kannst du die Frage beantworten ohne einen wie auch immer gearteten "Gott" zumindest in Erwägung zu ziehen?

    mfg
    deconstruct

  2. Antwort von nach 5 Tagen 1 hilfreich
    Re: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

    Hallo!

    Bei jedem von Menschen gezeigten Verhalten muss man bei der Suche im
    Raum Psychologie anfangen.
    Es scheint (so die These) - dass sich "religiöses" Verhalten als
    evolutionär günstig herausgestellt hat; wir sind die einzigen Wesen
    die wissen dass sie irgendwann sterben müssen.

    Da ein "normaler" Mensch ohne jeden Glauben bei dem Gedanken sofort
    anfängt durchzudrehen hat es scheinbar einen Vorteil an "etwas
    danach" zu glauben.
    Dann kann man nämlich viel Schlimmes über sich ergehen lassen weil
    man ja nach seinem Tod dafür belohnt wird.

    Wir brauchen irgendeine Verbindung zu der Welt um uns herum -
    "Glaube" in all seinen Gestalten gibt uns das scheinbar.

    Tschüss

    Matthias

    • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

      Hallo, Da ein "normaler" Mensch ohne jeden Glauben bei dem Gedanken
      sofort
      anfängt durchzudrehen hat es scheinbar einen Vorteil an "etwas
      danach" zu glauben.
      ich glaube, die 70% Ungläubigen in Deutschland drehen nicht alle durch. Ich glaube jedenfalls, das es 70 % sind. Ich glaube auch, die kann man nicht alle als unnormal einstufen, denn dann wäre ja unnormal sein normal. Ich glaube auch, die Ungläubigen haben keinen deutlichen evolutionären Selektionsnachteil, eher glaube ich an den evolutionären Selektionsnachteil der Gläubigen, denn je gläubiger, desto höher die Wahrscheinlichlkeit des zölibatären Lebens oder des Selbstmordattentats vor Weitergabe der eigenen Gene, glaube ich jedenfalls. Ich glaube, du glaubst nur, das dem mit dem Evolutionsvorteil so sei, ohne es zu Wissen. Ausserdem glaube ich, daß du den Begriff "Psychologie" irgendwie falsch benutzt. Richtig?

      Gruß


      Der Häuserprofi [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
        Re^3: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

        Hallo!

        Ist wahrscheinlich ein bisschen falsch rübergekommen - also nochmal
        als längere Version:

        im Bereich der Evolutionspsychologie fragt man sich warum solche
        Verhaltensweisen wie Religionen auf der ganzen Welt auftauchen und so
        lange Bestand haben.
        Wenn alle Völker dieser Erde unabhängig voneinander Religionen
        erfinden dann vermutet man einen evolutionären Vorteil.

        Man darf sich auch nicht an dem Wort "Religion" aufhängen - sondern
        nur am generellen Prinzip: der Glaube dass es etwas "übergeordnetes"
        gibt. Auch "Ungläubige" (also Leute die keiner Religion angehören)
        glauben an z.B. das alles irgendwie Sinn macht, dass wir das Ziel der
        Evolution sind, etc.



        Selektionsnachteil, eher glaube ich an den evolutionären
        Selektionsnachteil der Gläubigen, denn je gläubiger, desto
        höher die Wahrscheinlichlkeit des zölibatären Lebens oder des
        Selbstmordattentats vor Weitergabe der eigenen Gene, glaube
        ich jedenfalls.
        Da wäre dann das Thema "Glaube" rein auf Religionen bezogen. Mann
        muss aber keiner Religion angehören um etwas zu glauben.

        Ich glaube, du glaubst nur, das dem mit dem Evolutionsvorteil so sei, ohne es zu Wissen.
        Das wird zumindest von einigen Forschern in der Evolutionspsychologie
        so vertreten.

        Ausserdem glaube ich, daß du den Begriff "Psychologie" irgendwie falsch
        benutzt. Richtig?

        Absolut korrekt. ;-))
        Ich nehm den Begriff ziemlich locker.

        Tschüss

        Matthias

        • Antwort von nach 10 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

          Hallo!

          Ist wahrscheinlich ein bisschen falsch rübergekommen - also
          nochmal
          als längere Version:

          im Bereich der Evolutionspsychologie fragt man sich warum
          solche
          Verhaltensweisen wie Religionen auf der ganzen Welt auftauchen
          und so
          lange Bestand haben.
          Wenn alle Völker dieser Erde unabhängig voneinander Religionen
          erfinden dann vermutet man einen evolutionären Vorteil.

          Man darf sich auch nicht an dem Wort "Religion" aufhängen -
          sondern
          nur am generellen Prinzip: der Glaube dass es etwas
          "übergeordnetes"
          gibt. Auch "Ungläubige" (also Leute die keiner Religion
          angehören)
          glauben an z.B. das alles irgendwie Sinn macht, dass wir das
          Ziel der
          Evolution sind, etc.

          Hier irrst du. Das trifft auf mich nicht zu. Das Problem kommt doch daher, dass die Menschen versuchen, allem irgendwie einen Sinn zu zuordnen, immer eine warum und weshalb fragen, immer ein Ursache-Wirkung glauben finden zu müssen usw.. Es ist bereits ein Glaube (von dem man sich auch trennen kann), dass alles einen Sinn haben muss. Im übrigen, was ist Sinn überhaupt, was versteht man darunter ?

          Ich selbst bezeichne mich als Atheist, und ich habe einfach akzeptiert, dass mein beschränkter menschlicher Geist nicht in der Lage ist, alles zu erklären. Und ich halte es für sehr vermessen, anzunehmen, dass die menschliche Intelligenz dazu überhaupt in der Lage sein soll.
          Ich habe leider kein philosophisches Grundlagenwissen aber ich habe mitbekommen, das die Logik wohl das einzig abstrakte ist, das unabhängig von menschlichen oder anderen Denkstrukturen immer gleich (wahr) ist. Darauf baut sich dann Mathematik, dann Physik usw. auf, welche dann aber schon (Denk-)Modell sind, die in unseren Gehirnen entstehen. Es wird zwar gerne behauptet, auch das sei nur eine Glaubenssache, aber dann gibt es wohl letzten Endes gar keine absolutes Wissen, sondern immer nur Glauben.

          Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen:

          Die klassische Religion ist dann in meinen Augen nur ein Versuch, alles derzeit unerklärliches einer anderen Macht (früher einem Gott) oder heute in den modernen Zeiten einer unseren Denkstrukturen ähnlichen Intelligenz zuzuordnen, die im Kern doch irgendwie gut und gerecht ist und unserem Leben halt den anders nicht zu findenden Sinn gibt.
          Dieser Glaube ist dann meiner Meinung nach eher eine Gefühlssache. Bekannterweise schaltet das rationale Denken euch gerne mal aus, wenn die Emotionen zu stark werden. Und wenn man einmal in dem Modell gefangen ist, das einem sagt, es gibt da etwas, das sorgt für eine höhere Gerechtigkeit, dann vertraut man dann eben mehr seinem Gefühl !

          Ciau
          armstein

          • Antwort von nach 10 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

            Hallo!

            Ich kann dir nur zustimmen.
            Hab ja nur versucht zu zeigen warum das Phänomen Religion überall
            auftaucht.

            Man hat Experimente durchgeführt in denen man einen Teil des Gehirns
            elektrisch stimuliert hat; daraufhin haben die Probanden berichtet
            dass sie intensive religiöse Empfindungen hatten.
            Daraufhin wurde die These eines "God modules" aufgestellt.

            Wäre interessant zu wissen wie sich sowas bei Atheisten auswirkt.

            Dann gibt es noch einen Spruch aus dem zweiten Weltkrieg: "There is
            no atheists in a foxhole".
            Wäre interessant zu sehen ob Menschen in (extremen) Stressituationen
            eher dazu neigen "zu glauben".

            Tschüss

            Matthias

        • Antwort von nach 28 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

          im Bereich der Evolutionspsychologie fragt man sich warum
          solche
          Verhaltensweisen wie Religionen auf der ganzen Welt auftauchen
          und so
          lange Bestand haben.
          Hallo Matthias,

          in den 92ern hatte ich das Pech mich in Kroatien aufzuhalten. Anders ausgedrückt, ich war voll in einem Krieg.

          Dieses nach "Gott" oder nach der Mutter schreien habe ich bei einigen sterbenden Menschen gehört. Nur, so vermute ich, mit Glauben an einen Gott hat das nichts zu tun. Gott wurde da mehr verpflucht.

          Ich selbst habe alle "Götter" angefleht als mir die Splitter um den Körper flogen. Ich "betete" nur um einen schnellen und schmerzlosen Tod.
          Ähnliches hörte ich von Menschen die auch Kriege mitmachen mussten.

          Gruß Nick

  3. Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
    Kleiner Unterschied


    Hallo Nick,

    es mag sein, dass Glaube nicht immer Beweise im üblichen Sinn erfordert. Es gehört aber zur Bewertung einer Glaubenshaltung, ob ihr nicht wenigstens Kriterien zugrunde liegen. Schließlich gibt es ohne Zweifel einen Unterschied zwisch "glauben" und "vermuten", wenn "Glaube" nicht gleichgültig sein soll.

    Man kann es auch von der Seite sehen, dass bekanntlich jedes (empirische) Wissen des Menschen eine Art von Glauben ist. Wir wissen also so gut wie nichts, sondern glauben nur an einige Dinge mehr, an andere Dinge weniger, wobei in den einigen Fällen das Glauben begründeter, in anderen Fällen weniger begründet ist.

    Da das Glauben eine (innere) Handlung ist, darf man übrigens auch nicht vergessen, dass für sie dann auch Kriterien ethischer Natur in Frage kommen, im Sinne der Frage, wie ungerecht man wird, wenn man an hohen Werten den Glauben verweigert.


    Freundliche Grüße,


    Mohamed.

  4. Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
    Re: Glaube erfordert keinerlei Beweise.

    Was bringt also ansonsten rational denkende Menschen an
    solcherlei Zeuch bzw. überhaupt an so etwas wie Gott oder
    "übergeordnete" - sie beeinflussende, steuernde - Wesen zu
    glauben?

    Vielleicht die menschliche Natur, die ein Bedürfnis nach Übersinnlichem hat. Es gab zu keiner Zeit und nirgends eine Gesellschaft ohne Religion bzw. Spiritualität.

    Auch heute gibt es keinen Menschen, der keine Religion oder Ersatzreligion hat. Ersatzreligion kann jede Ideologie sein - Tierschutz, Sozialismaus, Kommunismus, Pendeln, Wahrsagerei, Horoskop, Raiki oder Meditation und dergleichen mehr.

    Gruß, Infotalk



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