Definition von Regeln?

Von: , Frage gestellt am Di, 29. Aug 2000

Ich quaele mich gerade mit Searles Unterscheidung zwischen den von ihn so genannten 'regulativen' und 'konstitutiven Regeln'. Diese Unterscheidung glaubte er vornehmen zu muessen, um zu rechtfertigen, warum er glaubt fuer Sprechakte, wie z.B. Versprechen, Auffordern, Mitteilen etc. Regeln aufstellen zu koennen. Ich erwarte jetzt nicht unbedingt, dass mir jemand von Euch diese spezielle Unterscheidung erklaert (Searle selbst bemueht irgedwelche Beispiele, die mir aber nicht klarmachen, warum Sprache sich fuer ihn aus den sog. konstitutiven Regeln zusammensetzt)
Mein Frage ist vielmehr, wie man Regeln an sich definiert. Was fuer Bedingungen muessen vorhanden sein, dass man Regeln aufstellen kann? Irgendeinen Grund muss es doch haben, dass Searle als Sprachphilosoph sich so schwer tut zu begruenden, warum er Sprechaktregeln aufstellt. Vielen Dank schon mal im voraus.
Ps. Ich kann mir auch etwas Spannenderes vorstellen...

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 52 Tagen 2 hilfreich
    Re: Definition von Regeln?

    Hallo Marcela,
    die Unterscheidung ist gar nicht so schwer:

    konstitutiv (=festsetzend, bestimmend, grundlegend, wesentlich)
    sind Regeln dann, wenn sie etwas regeln, was es ohne die Regeln nicht gäbe, d.h. läßt man die Regeln weg, ist es nicht das gleiche
    Beispiel: Schachspiel - wird von Regeln bestimmt, wenn man diese wegläßt ist es nicht mehr Schachspielen (Figuren hin und her bewegen, Bauernhofspielen, Schlachtplan-Ausarbeitung, aber NICHT Schach)

    regulativ (= steuernd, ausgleichend)
    sind Regeln dann, wenn sie etwas regeln, das bei Wegfall der Regel trotzdem bestehen bleibt
    Beispiel: Verkehrsregeln - wenn man sie weglassen würde, würde man trotzdem vom Straßenverkehr sprechen (auch wenn er nach anderen, oder "keinen" Regeln stattfinden würde)

    Auf Sprechakte bezogen bedeutet das, wenn man die Regeln wegläßt, ist es nicht mehr der gleiche Sprechakt (sie sind also konstitutiv)
    Beispiel:
    Versprechen hat die Regel, daß das, was versprochen wird, von den EmpfängerInnen als positiv bewertet wird.
    Der Satz "Ich verspreche Dir, Dich bei der Polizei anzuzeigen."
    ist kein Versprechen, sondern eine Drohung, weil Grundregel verletzt wurde (sie ist bestimmend, grundlegend, wesentlich).

    Ist es jetzt klarer?
    Ist wirklich ein schwieriges Thema.
    Mein Freund hat geholfen (macht gerade seinen Magister in Linguistik)!

    Gruß Stefanie

    P.S.: DIE Definition von Regeln gibt es nicht.
    Wichtig ist hier aus welcher Theorie her argumentiert werden
    soll. Soziologische Ansätze komplett anders als juristische etc.

    • Antwort von nach 63 Tagen hilfreich
      Re^2: Definition von Regeln?

      Liebe Stefanie!
      Du hast gerade meinen Tag gerettet. Ich habe ja nicht mehr an eine Antwort geglaubt, und jetzt schau' ich zufaellig noch mal nach (eher aus Gewohnheit, als aus Gruenden freudiger Erwartung) und dann SOWAS!
      Ich habe mich total gefreut, und bin offensichtlich nicht die Einzige, die Dir ein Sternchen verliehen hat. Deine Erlaeuterung war klar und anschaulich. Gruesse bitte auch Deinen Freund. Sage ihm, dass ich mit ihm fuehle (bin selbst gerade in der Magister-Falle)
      Zufaelligerweise war die Frage, die ich ins Forum gestellt habe immer noch aktuell. Habe naemlich in zwei Wochen muendliche Pruefung und hatte sie damals verschoben.
      Alles Gute
      Marcela


      Hallo Marcela, die Unterscheidung ist gar nicht so schwer:

      konstitutiv (=festsetzend, bestimmend, grundlegend,
      wesentlich)
      sind Regeln dann, wenn sie etwas regeln, was es ohne die
      Regeln nicht gäbe, d.h. läßt man die Regeln weg, ist es nicht
      das gleiche
      Beispiel: Schachspiel - wird von Regeln bestimmt, wenn man
      diese wegläßt ist es nicht mehr Schachspielen (Figuren hin und
      her bewegen, Bauernhofspielen, Schlachtplan-Ausarbeitung, aber
      NICHT Schach)

      regulativ (= steuernd, ausgleichend)
      sind Regeln dann, wenn sie etwas regeln, das bei Wegfall der
      Regel trotzdem bestehen bleibt
      Beispiel: Verkehrsregeln - wenn man sie weglassen würde, würde
      man trotzdem vom Straßenverkehr sprechen (auch wenn er nach
      anderen, oder "keinen" Regeln stattfinden würde)

      Auf Sprechakte bezogen bedeutet das, wenn man die Regeln
      wegläßt, ist es nicht mehr der gleiche Sprechakt (sie sind
      also konstitutiv)
      Beispiel:
      Versprechen hat die Regel, daß das, was versprochen wird, von
      den EmpfängerInnen als positiv bewertet wird.
      Der Satz "Ich verspreche Dir, Dich bei der Polizei
      anzuzeigen."
      ist kein Versprechen, sondern eine Drohung, weil Grundregel
      verletzt wurde (sie ist bestimmend, grundlegend, wesentlich).

      Ist es jetzt klarer?
      Ist wirklich ein schwieriges Thema.
      Mein Freund hat geholfen (macht gerade seinen Magister in
      Linguistik)!

      Gruß Stefanie

      P.S.: DIE Definition von Regeln gibt es nicht.
      Wichtig ist hier aus welcher Theorie her argumentiert werden
      soll. Soziologische Ansätze komplett anders als juristische
      etc.

      • Antwort von nach 71 Tagen hilfreich
        Re^3: Definition von Regeln?

        Hallo Marcela,
        wie nett, daß Du Dich so ausführlich bedankst (kommt ja nicht so häufig vor). Ich drücke Dir für Dein Examen die Daumen!!!
        Wie ist denn Deine mündliche Prüfung gelaufen?
        Herzliche Grüße aus Hamburg
        von Stefanie

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