Hallo Franz,
eine genauere Bezeichnung für den Tastkopf ist Tastteiler. Daraus geht hervor, daß der Tastteiler einen Spannungsteiler enthält. Im einfachsten Fall ist das nur ein ohmscher Widerstand Rv von 9 Mohm, der zusammen mit dem Eingangswiderstand Ri des Oszilloskops von 1 Mohm eine Spannungsteilung 10:1 ergibt.
Das Oszilloskop hat aber auch eine Eingangskapazität Ci von einigen pF. Zusammen mit Rv wird so ein Tiefpaß mit einer Grenzfrequenz von wenigen kHz gebildet. Das Oszilloskop wäre damit nur noch für ganz niedrige Frequenzen brauchbar. Deshalb liegt parallel zu Rv eine Kapazität Co, die aus der Anordnung aus Tastkopf und Oszilloskopeingang einen frequenzgangkompensierten Spannungsteiler macht. Es gilt bei korrektem Abgleich Co x Rv = Ci x Ri . Am Meßpunkt ist nur noch die kleine Kapazität Co wirksam. Dabei gilt Co << Ci und für den beschriebenen einfachen Tastteiler mit einem Teilerverhältnis 10:1 ist Co = 1/9 Ci.
Der Tastteiler erfüllt damit 2 Aufgaben: Zu große Signale werden geteilt, um innerhalb der Y-Empfindlichkeit des Oszilloskops ohne dessen Übersteuerung dargestellt werden zu können. Empfindliche Meßpunkte, z. B. an einem Schwingkreis, der durch die Eingangskapazität des Oszilloskops verstimmt würde, werden kapazitiv weniger belastet. Ohne Tastteiler, etwa nur mit einem Koaxkabel als "Meßstrippe", würde man den Meßpunkt zusätzlich mit der Kabelkapazität des Meßkabels belasten. Das können durchaus 100 pF/m sein und damit kann es auch schon an recht robusten Meßstellen Probleme geben.
Tastteiler mit höherem Teilerverhältnis sind nicht mehr so einfach aufgebaut. Die ohmsche und kapazitive Teilung findet in 2 oder mehr Stufen statt. Breitbandige Hochspannungsteiler können derart aufwendig aufgebaut sein, daß sie sich der "zu-Fuß-Rechnung" entziehen und nur noch per Rechner-Modellbildung beherrschbar werden. Im Laufe des nächsten Monats findest Du unter http://www.hochspannungsteiler.de eine Darstellung mit einem Fachlexikon rund um solche Teiler.
Gruß
Wolfgang