Lieber kurz und knackig studieren?

Hej!

Gibt es eigentlich allgemeingeltige Aussagen fuer den Lebenslauf eines werdenden Forschers in den Naturwissenschaften?

Lieber kurz und knackig das Studium durchziehen? Oder lieber ein Jahr ins Ausland und ehrenamtliches Engagement, dafuer aber 2 Jährchen länger studieren? Oder folgt auch dies wie immer der Regel: Jeder Personaler und jede Firma hat ihre eigenen Vorstellungen

Mit Spannung auf Antworten wartet,
Carsten

Hallo Carsten,

Gibt es eigentlich allgemeingeltige Aussagen fuer den
Lebenslauf eines werdenden Forschers in den
Naturwissenschaften?

Nein:smile:

Lieber kurz und knackig das Studium durchziehen? Oder lieber
ein Jahr ins Ausland und ehrenamtliches Engagement, dafuer
aber 2 Jährchen länger studieren? Oder folgt auch dies wie
immer der Regel: Jeder Personaler und jede Firma hat ihre
eigenen Vorstellungen

Ja:smile:

Also ich würde es mal so sagen:
1.Du bist als Angestellter eines Unternehmens erstmal ein Kostenfaktor. Dein Unternehmen wird Dich einkaufen (nichts anderes ist die Anstellungssuche), wenn das Unternehmen einen Gewinn aus Deiner bezahlten Anwesenheit erwartet. Also wirst Du dem Unternehmen klar machen müssen, dass Du bereit bist, für diesen Gewinn zu sorgen.
D.h. bezogen auf die Frage:
Alles, was Deinen Wert für ein Unternehmen steigert ist gut, alles was ihn senkt ist schlecht.
Was steigert/senkt ist von der Position abhängig, auf die Du Dich bewirbst.

  1. Es gibt den persönlichen Erfahrungshorizont des Einstellenden. So kann es sein, dass Du mit einem geradlinig brillianten Lebenslauf an jemanden gerätst, dem Du eben dadurch fragwürdig wirst, genauso kann es sein, dass Du mit einer 2 jährigen Weltreise an jemanden gerätst, der eben dies schon immer machen wollte und Deinen Mut bewundert…

  2. Es gibt Anforderungen, die bestehen immer:
    Z.B: Qualität der Arbeit, Zielstrebigkeit und Engagement für das Hauptziel. Diese sind IMHO immer bei höherwertigen Stellen nachzuweisen und Grundbedingung. An diesen zweifeln zu lassen ist hoch gefährlich!

Mein Rat: Nutze Dein Studium als vielleicht bis zu Rente letzte Chance zur Freiheit auch unter in Kaufnahme des 1 oder anderen Semesters (aber nicht 4!!), verliere aber den Sinn des ganzen (irgendwann eine gutbezahlte Stelle zu bekommen) nie aus den Augen.

Grüße
Jürgen

Besser die Freizeit im Labor verbringen
HiHo,
willst du in der Wissenschaft bleiben? Dann solltest Du den obigen (etwas überspitzten) Rat befolgen.

Gibt es eigentlich allgemeingeltige Aussagen fuer den
Lebenslauf eines werdenden Forschers in den
Naturwissenschaften?

Vielleicht nicht allgemeingültig aber dennoch nicht von der Hand zu weisen:

Im Diplom-Studium:
Nicht trödeln; achte darauf, dass du mehr als nur die Uni deiner Geburtsstadt von innen siehst. Das (Haupt-)Studium solltest du an einer Uni mit gutem Ruf (in der Forschung!) abschliessen und nicht in der wissenschaftlichen Provinz, auch wenn letzteres bequemer sein mag.

Im Promotionsstudium:
Auch bei der Promotion gilt: Achte darauf, in welchem Laden du landest. Und dann gilt: Publizieren, publizieren, publizieren (auch bereits während der Promotion). Zum Post-Doc unbedingt wieder (ins Ausland) wechseln.

Lieber kurz und knackig das Studium durchziehen?

Jein, auf das Tempo kommt es nicht so an. Wichtiger ist für Dich, was Du nach dem Studium kannst. Das ist das Kapital, auf dem Du als Forscher aufbaust. Das gilt sowohl für die Softskills, als auch die für Dich als Biologe wichtige Routine im Labor.
Anders ausgedrückt: Ohne hervorragende Fachkenntnisse läuft nichts. Mit diesem Fachwissen als Kapital kannst du zudem wichtige Kontakte knüpfen.

Oder lieber
ein Jahr ins Ausland und ehrenamtliches Engagement, dafuer
aber 2 Jährchen länger studieren?

Willst Du Forscher werden? Dann bleibt Dir später kaum Zeit für das Ehrenamt. Wenn es Dir Spass macht, dann nutze die Zeit im Studium dafür. Deine Wochenenden wirst Du später (etwa ab Beginn der Diplomarbeit) im Labor verbringen. Ins Ausland solltest du sowieso spätestens als Post-Doc. Wenn du bereits im Studium ins Auslands willst, es spricht nichts dagegen. Als Post-Doc hast Du nämlich nicht die Zeit Land und Leute kennen zu lernen, die du noch als Student hast.
Nebenbei: Wie wäre es mit einer Promotion in den USA?

Oder folgt auch dies wie
immer der Regel: Jeder Personaler und jede Firma hat ihre
eigenen Vorstellungen

Entschuldige bitte die Provokation: Hier verstehe ich Deine Frage nicht. Willst Du einen drögen Angestelltenjob oder willst Du Forscher werden? Willst Du nur einen tagsüber beheizten Sitzplatz oder willst Du Wissenschaftler werden?
Willst Du Forscher werden, dann muss Deine Frage lauten: „Wie schaffe ich es, zu den Besten meines Fachgebietes zu gehören?“ und nicht „Wie gefalle ich dem Personalchef?“.

Und dann noch etwas: Baue Dir ein Netz zu Fachkollegen auf. Erfolgreiches Forschen hat heute sehr viel mit Networking zu tun. Eigenbrötler im Labor bringen es nicht weit. Nicht in den Unis und erst recht nicht in der Industrieforschung.

Ich hoffe, meine Einwürfe bringen Dich weiter
Ross

Hallo Carsten,

alles, was hier schon gesagt wurde, ist absolut richtig! Als Tipps möchte ich Dir noch nahelegen:

  • Wähle für die Diplom- und erst recht für die Doktorarbeit einen Prof, dessen Arbeitsgruppe einen exzellenten Ruf besitzt.

  • Bis zur Diplomarbeit ist es ganz wichtig, Methoden zu lernen, der eigentliche Forschungsgegenstand ist nebensächlich. Ein Beispiel: Forschungsgruppe XY beschäftigt sich mit Lipoproteinen der Honigbiene, was einen vielleicht nicht grade vom Hocker reißt. Aber Du hast dann dort die Möglichkeit, Proteinreinigung, Antikörperherstellung etc. zu lernen. Die Methode kannst Du dann auch auf was anders anwenden. Wichtig ist es, die wesentlichen Methoden Deines Fachgebietes nach dem Studium aus dem effeff zu beherrschen.

Und noch was: Ich selber (Biologie) habe die Strategie „superkurz und superknackig“ verfolgt und arbeite heute in einem total branchenfremden Beruf. Dass ich schnell studiert habe, ist im Berufsleben immer wieder ein Plus, habe sehr viel positive Resonanz gehabt.

Viel Spaß beim Studieren
Anna

Vielen Dank fuer alle Antworten!!!

Ihr habt mich zumindest in meinem Vorhaben bekräftigt ein Semester auszusetzen und ein Forschungspraktikum in der Industrie zu wagen. Und das nicht nur wegen den Dingen die ich lernen kann. Ich möchte unbedingt auch die Frage beantwortet haben was der Unterschied zwischen Industrie und Uni in der Praxis ist…

Wahrscheinlich werde ich auch ein Jahr ins Ausland gehen zum studieren. Ich bekomem zwar sehr wenig anerkannt und verliere so Zeit während meines Studiums, aber ich denke die Auslandserfahrung ist es wert…

Nochmals Danke!!

carsten