Ein paar Gedanken zu Weihnachtsfeiern

Von: , Frage gestellt am Sa, 30. Nov 2002

Hallo,
nun ist es mal wieder soweit. In fast jedem Betrieb finden die alljährlichen Weihnachtsfeiern statt. So auch bei uns. Ich habe diesmal beschlossen, nicht daran teilzunehmen. Da bei uns im Betrieb so einiges im argen ist, kann ich es mit mir nicht vereinbaren an einer Feier teilzunehmen, bei der suggeriert wird, alles ist prima und wir sind ja alle ein tolles Team. Da ich in der Hierarchie gleich hinter der Geschäftsleitung stehe, war das erstaunen natürlich gross. Ich habe im laufe diesen Jahres immer wieder die Kritikpunkte angesprochen und es wurde immer wieder gesagt, alles wird sich ändern. Ein Punkt ist, das immer wieder einige MA vor versammelter Mannschaft lautstark niedergemacht werden. So auch am vergangenen Donnerstag. Einem Mitarbeiter wurde lautstark vorgeworfen, seine Arbeitsleistung sei saumässig. Mir passt es überhaupt nicht, das ich auf diese Weise der Geschäftsleitung demonstrieren muss, das ich derlei Verhaltensweisen absolut nicht in Ordnung finde. Ich habe meine Meinung allen drei Geschäftsführern dargelegt. Es hiess, es würde Wert darauf gelegt, das alle MA auf der Weihnachtsfeier erscheinen. Als ich darauf entgegnete, das wenn alle MA so wichtig wären, man ja wohl so nicht mit ihnen umgehen sollte, war erstmal Funkstille. Wie sieht das bei Euch aus? Ich empfinde so eine Weihnachtsfeier unter den gegebenen Bedingungen als Kasperletheater. Das ganze Jahr arbeitet man zwischen 55 und 60 Stunden die Woche, von den 25 Tagen Urlaub schleppt man fast immer 12-14 Tage wieder ins neue Jahr und hört sich das liebe lange Jahr an, das man aber noch effektiver arbeiten müsse. Aber zu Weihnachten sind wir alle die besten Freunde?? Und am Montag geht alles wie gewohnt weiter?? Ich finde soetwas verlogen. Meiner Ansicht nach sollte man sich die Weihnachtsfeier sparen und lieber das ganze Jahr über den MA etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und nicht nur zur Weihnachtsfeier. Was meint Ihr?
Gruss Sebastian

12 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Warum . . .

    . . . arbeitest Du noch in dieser Firma?

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      das habe ich mich auch erstaunt gefragt (o.w.t.)

      ?

    • Antwort von nach 7 Stunden 4 hilfreich
      Nun

      Hallo Michael,
      in dieser Firma bin ich nun seit 5 Jahren. Anfangs liess sich auch alles ganz gut an. Ein kleines, hochmotiviertes Team von 5 Leuten. Der Erfolg kam recht schnell. Aus dem kleinen Betrieb ist eine Firma mit heute 19 Mitarbeitern, das eigene Gebäude steht Anfang nächsten Jahres. Eine Firma mit aufzubauen und zum Erfolg zu führen macht schon Spass und spornt an. Das Gehalt stieg mit den Anforderungen und dem Erfolg.
      Heute haben wir 3 (!!) Geschäftsführer. Ein klares Unternehmensziel ist nicht mehr erkennbar, die Arbeit ist fast nicht mehr zu bewältigen. Neueinstellungen wurden und werden verschleppt bis nichts mehr geht. Derbe Patzer in der Personalpolitik bereiten uns zunehmend Probleme, die die MA ausbaden dürfen. Aus dem einstigen gut funktionierenden Kleinbetrieb ist eine Firma geworden, die mit der Organisation nicht mehr klarkommt. Wir sind zu schnell gewachsen, weshalb auch vor 2 Jahren ein Geschäftsführer ging. Die Geschäftsführer fahren BMW und Porsche, erscheinen ca. 1/2-1 Stunde nach Arbeitsbeginn und gehen vor mir aus dem Haus. Die entstandenen Probleme sind allesamt hausgemacht. Es wird ohne Ende in den Verkauf investiert, ohne die anderen Abteilungen personell aufzustocken, was zwangsläufig zu Engpässen in der Abarbeitung und Ärger mit Kunden führt. Neues Personal kann logischerweise nicht mehr vernünftig eingearbeitet werden, weshalb schon einige Neuzugänge frustriert wieder gingen. Das ständig wechselnde Personal ist natürlich weder für die Arbeitsleistung noch für das Betriebsklima förderlich. Um Abhilfe zu schaffen, meldete ich mich bei mehreren Seminaren an. Danach wurden meine Vorschläge begrüsst und - schnell wieder verworfen. Der Vorteil für die Geschäftsführer liegt im Durchschnittsalter der MA (Mitte 20) und darin, das die meisten MA direkt nach der Ausbildung zu uns kamen und nicht wissen, wie unterbezahlt sie sind. Natürlich spielt auch die momentane Arbeitsmarktsituation eine Rolle. Jobs gibts nicht mehr an jeder Ecke. Ich für meinen Teil werde mir im nächsten Jahr was neues suchen, da ich nicht auf die Leuchten- und Leuchtmittelbranche fixiert bin. Ich habe mich bisher in jedem Betrieb recht schnell hochgearbeitet, warum sollte mir das woanders nicht gelingen?
      Zumindest auf eine Weihnachtsfeier, die zu 75% aus einem Seminar "Wie kann ich meine Kunden noch besser zufriedenstellen", damit die "Feier" als Schulungsmassnahme anerkannt wird und auf Inventur zwischen den Feiertagen bis 22:00 Uhr kann ich gern verzichten. Diese Arbeitsmethoden sind m.E. nicht mehr zeitgemäss sondern stammen aus der Zeit der Bauernkriege.
      Gruss Sebastian

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Donkey Kong - Syndrom

        Hallo Sebastian,

        einiges aus der Beschreibung Deines beruflichen Umfelds ist sicher exemplarisch und trifft auch auf viele andere junge und rasch wachsende Firmen zu. Auch ich befand mich einmal in einer ähnlichen Situation wie Du. Als Führungskraft in einem kleinen Unternehmen gerätst du schnell in die Zwinge zwischen Ansprüchen, Forderungen und Erwartungen (auch unausgesprochenen) der Geschäftsführung und den Belangen der Kollegen, die Du zu führen und zu motivieren hast.

        Als jemand, der die Firma mit aufgebaut hat, wird natürlich Loyalität von dir erwartet. Deine Belastbarkeit wird ausgelotet und dann wird schnell "Donkey Kong" mit dir gespielt. Man lässt Fässer auf dich zurollen und schaut, wie hoch du springen kannst. Mit der Zeit werden die Fässer dann immer grösser. Entweder springt du immer weiter und brichst irgendwann zusammen, oder du verlässt die Rampe.

        Ein Mitarbeiter, der ein Unternehmen mit aufgebaut und sich engagiert hat, wird von der Geschäftsführung oftmals gleichsam als "Inventar" angesehen. Umso bestürzter dann oft die Reaktion der Geschäftsleitung, wenn dieser Leistungsträger mit einemal kündigt. Oft wird dann hektisch eine Gehaltserhöhung oder sonstige Vergünstigung nachgeschoben. Ohne zu erkennen, worum es dem Mitarbeiter wirklich geht. Die entscheidende Frage ist: Wie lernfähig sind die Chefs. Leider lernen sie oft nur dadurch, dass man sie vor vollendete Tatsachen stellt.

        Zum Glück ist die Zeit der Leibeigenschaft vorbei. Ich wünsche Dir alles Gute,

        Gruss
        Michael



        Natürlich [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re: Donkey Kong - Syndrom

          Hallo Michael, Ein Mitarbeiter, der ein Unternehmen mit aufgebaut und sich
          engagiert hat, wird von der Geschäftsführung oftmals gleichsam
          als "Inventar" angesehen. Umso bestürzter dann oft die
          Reaktion der Geschäftsleitung, wenn dieser Leistungsträger mit
          einemal kündigt. Oft wird dann hektisch eine Gehaltserhöhung
          oder sonstige Vergünstigung nachgeschoben. Ohne zu erkennen,
          worum es dem Mitarbeiter wirklich geht. Die entscheidende
          Frage ist: Wie lernfähig sind die Chefs. Leider lernen sie oft
          nur dadurch, dass man sie vor vollendete Tatsachen stellt.

          Nachdem ich heute die Reaktion auf mein (angekündigtes) Nichterscheinen erlebt habe, fehlen mir langsam die Worte. Ich bin jetzt die böse Hose. Naja, damit kann ich leben. Während der Weihnachtsfeier, die ja auch aus einem Kommunikationstraining mit einem international geschätzten Kommunikationstrainer bestand, erklärte dann einer der Geschäftsführer nach dem Seminar, das in diesem Jahr keine Prämien gezahlt werden könnten.
          Es muss hart gewesen sein. Der Moderator schlug sich die Hände vors Gesicht und verliess den Raum. Das nur als Beispiel, wie lernfähig die Herren sind. So hat die GF selbst nicht das begriffen, was den MA nähergebracht werden sollte. Wie ich es erwartet hatte, es ging heute wie gewohnt weiter. Das neueste Spiel der GF: Akten werden mit den Worten "Das muss aber nochmal überarbeitet werden" den Sachbearbeitern vor die Füsse geworfen. Also härter gehts kaum.
          Schade eigentlich, die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung des Unternehmens sind da. Genug Aufträge, gute Erträge, Wachstum...
          Aber der Führungsstil macht alles zunichte. Selten habe ich so demotivierte MA gesehen. Einige haben innerlich gekündigt, bis zur endgültigen Kündigung ist es nur noch ein kleiner Schritt.
          Schade, das die GF noch immer nicht begriffen hat, das Führung mehr ist als autoritäres delegieren. Anstatt klarer Zielvorgabe gibt es Management by "Mach mal".
          Gruss Sebastian

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^2: Oder doch was anderes ?

            Hallo,

            also wenn ich deine Postings so lese kommt mir da ein ganz anderer Gedanke auf. So, oder so ähnlich musste es sich bei einer anderen Schuhbekleidungsfirma ergangen sein. Der gewerkschaftlich organisierte Teil der Belegschaft wurde im warsten Sinne des Wortes hinausgeekelt. Der Rest mußte mit
            sehr schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen.
            So, nun der Brückenschlag zu deinem Thema.

            Kann es sein, dass ein Teil der GL die Belegschaft "ausdünnen" will, um damit vielleicht eigene Fehler wett zu machen ?
            Klartext: (Is aber nur meine Vermutung...!) Wir müssen die Belegschaft verkleinern, aber wie ?
            Entlassungen ? Hm, schwierig, Abfindungen, vielleicht Verfahren..
            Rausekeln ? Jaa, gute Idee. Keine Abfindungen, keine Verfahren, und WIR sind aus dem Schneider !

            Wie gesagt, is nur so ein Gedankenspiel...
            Gruß Rudi

          • Antwort von nach 11 Tagen 0 hilfreich
            Re^2: Donkey Kong - Syndrom

            hi sebastian,

            ich würde deinen entschluß, dort nicht zu bleiben, für richtig
            halten.
            grad die weihnachtsfeier zeigt die römischen verhältnisse:
            während dekadente cäsaren von "visionen" schwafeln, versucht das
            volk heimlich zu kichern und läßt sich dennoch weiter knechten.

            mein letztes angestelltenverhältnis endete kurz vor so einer
            feier, an der ich allerdings wegen der netten kollegen teilnahm.
            nun, ich hatte gekündigt, die zuckerbrote abgelehnt und die
            peitsche verlacht.
            der gf versuchte noch, seine position zu wahren, indem mitten in
            dieser visionsträchtigen & kuscheligen feier ich aufgefordert
            wurde, die firmenschlüssel abzugeben.
            das tat ich gern und ging dann.
            die andern allerdings auch.
            die agentur gibts noch, allerdings ist die fluktuation dort
            bemerkenswert. jeder schwippschwager wird gf, der rest hat
            schnell mal was zu machen. was, weiß keiner.
            die dienstwagen werden aber kleiner.

            keine träne für sowas,
            aber alles gute dir,
            frank

            • Antwort von nach 12 Tagen 0 hilfreich
              Re^3: Donkey Kong - Syndrom

              Hallo Frank,
              tja, nun wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, das es dieses Jahr zum Jahresende keine Prämien geben wird. Im Gegenzug dazu gab es eine Anweisung der Geschäftsführer, das die Firmenwagen der anderen GF (7er BMW und 911er) nicht mehr vor dem Eingang geparkt werden sollen, nachdem ein Kunde beim Besuch fragte, ob es uns denn so gut gehen würde ;-)
              Naja, primär gehts mir auch nicht um die Kohle, sondern um die Arbeitsbedingungen. Durch personelle Fehlplanungen und auch dadurch, das einige Kollegen gekündigt haben, entstand im Lagerbereich ein Personalloch, was durch Personal vom AA gestopft werden sollte (wir arbeiten mit teilweise komplizierter Lichttechnik). Die erste Frage war immer: Mit wiviel € wird der denn vom AA gefördert?
              War klar, das im Lager nur noch Chaos herrscht. Da arbeiten jetzt
              "Kann nichts" und "Weiss nichts" in Harmonie zusammen. Da ich mit der Betriebsälteste bin und mich nach wie vor auch sehr gut mit der Ware und dem Lager auskenne (gehört auch mit zu meinem Verantwortungsbereich), kam man nun auf den Bolzen, das ich die Lagerleitung übernehmen soll ("natürlich nur befristet"), um das Lager wieder in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Dazu habe ich natürlich nicht die geringste Lust. So langsam schleicht sich bei mir in der Tat der Verdacht ein, das ich mich mit meiner Kritik an der Geschäftsleitung ein wenig unbeliebt gemacht habe und nun "sanft entsorgt" werden soll. Natürlich mit den Worten "Keiner beherrscht soviel Warenkenntnisse wie Du, Du bist unentbehrlich". Natürlich gibt es für mich nicht allzuviel Möglichkeiten aus der Situation rauszukommen. Mir wurde gesagt, das es im Interesse der Firma das beste wäre, ich würde die Lagerleitung übernehmen. Lehne ich das ab, wird das natürlich so interpretiert, das ich nicht das Beste für die Firma will.
              Der GF (wir haben 3), der diesen Vorschlag machte, hätte sowieso lieber, das die eine Sachbearbeiterin (gerade mal 2 Jahre aus der Ausbildung) die Leitung der Sachbearbeitung übernimmt, da diese kritiklos alles macht. Bei mir gibts auch mal Kontra, aber nicht in der Hinsicht das ich arbeiten ablehne, sondern dahingehend, das ich seine Entscheidungen auch mal kritisch hinterfrage. Gerade das gefällt wiederum GF Nr.2, da meine Kritik nicht zum ersten mal den Betrieb vor finanziellen Verlusten bewahrt hat. 3 GF sind echt eine Strafe. Einem tritt man immer auf die Füsse, egal wie man es macht, denn die Herren haben alle unterschiedliche Vorstellungen von Führung und Unternehmenspolitik. Da ist nicht mal Ansatzweise eine gemeinsame Linie zu erkennen. Na egal, ich such mir was anderes.
              Gruss Sebastian

  2. Antwort von nach 19 Stunden 3 hilfreich
    Re: Ein paar Gedanken zu Weihnachtsfeiern

    Hallo Sebastian!

    Vorab: ich kann Dich gut verstehen.
    Eine "unfreundliche" Unternehmenskultur können wenige "Giftspritzer" ziemlich schnell installieren. Dies wieder zu kitten ist ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess. Ich habe bzw. hatte gerade ein ähnliches Problem, was mich dann auch massgeblich zu der Entscheidung veranlasste, mir einen neuen beruflichen Wirkungskreis zu suchen, in welchen ich dann morgen eintreten werde. Auch in menem alten Unternehmen stand bei einigen führenden Mitarbeitern (ich gehörte zu diesem "erlauchten Kreis") das Ego und die Goodies weit mehr im Vordergrund als die Aufgabe an sich. Damit konnte ich mich dann irgendwann nicht mehr identifizieren, zumal aufgrund einer Akquisition "Füße still Halten" angesagt war. Also warum sich immer wieder ärgern und die Fehler der anderen ausmerzen, wenn man auch mal wieder was neues machen könnte?
    Eines der wichtigsten Auswahlkriterien für die neue Position neben den üblichen Dingen wie Aufgabe, Bezahlung u.s.w. war das Klima in der Firma. Ich habe mir so genau wie möglich angesehen, wie man mit den Mitarbeitern umgeht, welcher Ton vorherrscht u.s.w. Es geht eben nicht nur um Geld (wobei ich auch in dieser Hinsicht nicht meckern kann), sondern auch darum, dass man sich in der Firma wohlfühlen kann. Nur dann stimmt auch die Leistung auf lange Sicht. Schließlich sollte man als Mitglied der modernen westlichen Gesellschaft wenigstens einen Schritt über "Obdach undd Ernährung" auf der Marslow`schen Bedürfnispyramide stehen...

    Grüße,

    Mathias



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