Hallo Gerd,
siehste, genau was ich gesagt habe!
Alle wollen eine fertige Fachkraft haben, keiner will sie aber
dazu ausbilden.
Mein kleines, übertriebenes Beispiel passt genau dazu.
Dein Anforderungsprofil werte ich jedenfalls so.
Wobei ich bei allem, was man nachträglich lernen kann (und will) auch Abstriche im Profil mache. Hauptknackpunkt ist aber immer die Verbindung von Kostenbewußtsein und Technik.
Ihr seit ein spezieller Betrieb mit speziellen
Fertigungstechniken
Das würde ich nun mal nicht so ausdrücken. Laut wer-liefert-was und GKV (Gesamtverband der kunststoffverarbeitenden Industrie) gibt es wohl über 3.000 Kunststoffverarbeiter in ganz Deutschland. Genug, um entsprechende „Spezialisten“ auszubilden. Übrigens: ich selbst habe nie in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb gearbeitet, habe solche Waren aber als technischer Einkäufer betreut und mir so mein Wissen aufgebaut. Das Problem ist, dass sämtliche FH / Unis usw. bis Mitte / Ende der 90er noch hauptsächlich in Richtung Stahl ausgebildet hatten und den Kunststoff-Trend vollkommen verschlafen haben. Entsprechend viele Werkzeugmacher für Stanz-Werkzeuge gibt es und entsprechend gesucht sind Werkzeugmacher für Spritz-WZ.
und ganz engem, sehr kostenbewusstem
Kundenkreis,
Das ist in den meisten Fällen das KO-Kriterium, dem Druck durch die Kunden will nämlich kaum einer ausgesetzt sein.
soviel Firmen dieser Art wird es wohl nicht
geben, die sich den Markt teilen, also können auch keine
überflüssigen Fachkräfte auf dem Markt verfügbar sein!
Bosch, Hella, DaimlerChrysler, BMW, Audi, VW, Porsche, Mahle, Valeo, Johnson Controls, Bertrand, Faurecia, usw., Du brauchst eigentlich nur in die gelben Seiten von Stuttgart und Umgebung oder in Branchenverzeichnisse reinschauen. Jeder 7. Arbeitsplatz in Deutschland hängt von der KfZ-Branche ab. Da dürfte es eigentlich genügend potenzielle AG geben…
Sollte aber eine Fachkraft auf dem Markt bei einer anderen
Firma solch einen speziellen Job ausüben warum sollte er
wechseln, wegen Tarifgehalt?
Das ist eines der Hauptprobleme. Das Preisniveau wird durch die KFZ-Hersteller (Porsche, Daimler, BMW usw.) versaut und die Zulieferer tun sich entsprechend schwer, Leute zu rekrutieren.
Wenn ich solch einen Job hätte und ich wäre zufrieden, würde
ich in der heutigen Zeit überhaupt nicht wechseln und macht
auch wohl keiner.
Solange ein sicherer und gut bezahlter Job bei einem bürokratischen Großbetrieb wichtiger ist, als Arbeitsinhalte, wird das auf jeden Fall auch so bleiben.
Grund: Probezeit, Arbeitsklima und was weiss ich was noch für
Gründe im Einzelfall auftreten würden, die mir den wackeligen
Einstieg ermöglichen. Vielleicht mit nicht bestandener
Probezeit enden könnte, da bleibt doch jeder wo er ist, oder?
Mittlerweile sogar dann, wenn die Großkonzerne aufgrund Hierarchieabbau keinerlei Aufstiegschancen mehr bieten.
Warum gebt ihr keinem Dipl.-Ing. oder Techniker eine
Gelegenheit sich in dieses Fachgebiet einzuarbeiten?
Traut ihr das keinem neuen Mitarbeiter zu?
Firmenintern will sich keiner bewerben, da sich keiner diesen Stress mit den Kunden antun will - ist halt einfach ein bisschen unbequem, beim Kunden für (evtl. unnötige) Kosten geradezustehen, für die z.T. andere Kollegen verantwortlich sind.
Nachdem ihr ja ein mittelständiges Unternehmen seit, habt ihr
bestimmt eine Fachkraft die einen neuen Kollegen an das
spezielle Gebiet ranführen kann.
Ja, das könnte ich z.B. machen, für einige andere Dinge gibt es auch Seminare (z.B. VDI Wertanalyse)
Wenn ich Dir meinen beruflichen Werdegang schildern würde,
würdest zu der Erkenntnis kommen, dass so etwas funktionieren
könnte!
Ja, ich habe nach meinem Studium als Maschinenbauer auch im Einkauf angefangen und es hat sehr gut funktioniert.
Sowas würde in der heutigen Zeit nicht mehr klappen, ich
weiss!
In der Industrie vielleicht nicht. Aber: ein Freund von mir, ohne Hauptschulabschluss ist heute auf Bereichsleiterebene bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus…
Man hat mich nur gefragt, traust du dir dieses und jenes zu?
Ich nickte und machte es, so einfach war das mal früher!
Leider ist es heute oftmals so, dass „alte Platzhirsche“, denen damals genauso die Chance gegeben wurde, heute versuchen, die Mitarbeiter klein zu halten, um die eigene Position zu sichern (mein Vorgänger war z.B. so einer - nach 45 Jahren in der gleichen Firma und davon 30 Jahre auf dem gleichen Platz ging er dann endlich in die Rente).
Gut, ich hatte wohl besonderes Glück, aber immerhin, es gab
mal sowas!
Gibt es mittlerweile wieder. Denn nachdem man alle älteren AN in Frührente geschickt hat, haben wir wieder die Situation, dass den jüngeren AN (zwangsweise) mehr Verantwortung übertragen werden muß (so mancher alter Platzhirsch muß allerdings erst lernen, loszulassen).
Meine Aussagen sollen allerdings keine Verallgemeinerung darstellen (ich kenne auch ältere AN, die sehr fit sind) - sie stellen aber meine Erfahrung der letzten Jahre dar.
Grüsse
Sven