Gehalt schöngeredet

Hallo allerseits,

folgender Fall, ich habe mich vor einem halben Jahr für meine jetzige Stelle beworben. Nach mehreren Gehaltsverhandlungen wurde mir im letzten Gespräch angeboten, das nach der Probezeit mein Gehalt um 100 - 200 Euro nach Abzügen angehoben wird. In meinem Arbeitsvertrag stand das mein Grundgehalt nach Ende der Probezeit um mind. 100 Euro angehoben wird. Nun in meinem Gehaltsgespräch nach Ende der Probezeit, hieß es auf einmal das ich nur noch 100 Euro Brutto mehr bekomme. Das kann nicht sein. Da mir bevor ich den Vertrag unterschrieben habe die ganze Zeit von 100 Euro netto die Rede war. Gut in meinen Vertrag steht nichts von Brutto oder Netto. Was kann ich nun tun. Die Firma geht mir keinen Schritt entgegen.
Ich finde es eine Unverschähmtheit, erst wird mir der Job schön geredet und dann kommt ein Hammer nach dem anderen und jetzt auch noch die Sache mit dem Geld, wenn ich das alles vorher schon gewußt hätte, hätte ich niemals den Job angenommen. Den nun stehe ich schlechter als in meinem alten Job da.
Was würdet ihr tun? Wie ist die rechtliche Lage?
Danke für alle Antworten.

Gruß
Helga

Wenn du deine Betriebszugehörigkeit von der Nettosumme (in deinem Fall rechnerisch von ca. 50 Euro) abhängig gemacht hast dann hoffe ich das du es bis zur Rente nicht mehr weit hast.

Ich gehe mal davon aus, dass du deinen Arbeitgeber bereits auf die Diskrepanz zwischen dem Was besprochen war und dem Was schriftlich festgehalten wurde angesprochen hast, wenn sie dir nun auch nicht entgegenkommen wollen weißt du ja was du davon zu halten hast.

Entweder zukünftig alles nur noch schriftlich oder du suchst dir einen neuen Job. Rechtlich zählt das was besprochen wurde und was man beweisen kann, in deinem Fall also der Vertrag. Sorry

Viele Grüsse aus Hamburg
MeToo

Hallo Helga,

ich bin keine Juristin, das vorweg.
Aber was sich mir nie erschließen wird und was ich niemals nachvollziehen kann, ist, dass es immer noch Leute gibt, die bei Gehältern fragen: Brutto oder netto?

Ein Arbeitgeber wird niemals über Netto-Gehalt reden. Das kann er ja gar nicht kalkulieren. Brutto 3000 Euro können netto bei 10 Personen 10 verschiedene Gehälter sein, abhängig von jeweiliger Steuerklasse, Kinderzahl, Krankenkassenbeitragssatz, Freibeträge in der Steuerkarte etc.
Wenn du z.B. Steuerklasse 5 hast, dann würden möglicherweise 100 Euro netto mehr für den Arbeitgeber bis zu 1000 Euro brutto mehr bedeuten (rein theoretisch ist das jedenfalls möglich).

Du wirst dich also nicht auf Netto-Zusagen versteifen können. Ein seriöser Arbeitgeber macht solche nämlich nicht.

Gruß
Uschi

Hallo Helga,

also erstens wäre der AG unseriös, wenn er Dir einen Netto-Zuwachs geben würde, denn wie bereits angesprochen kann er das gar nicht kalkulieren.

Zweitens sind Beträge im Arbeitsvertrag immer Brutto, insofern war es (sorry, ich bin hier leider sehr direkt, dafür aber ehrlich) reichlich naiv von Dir, hier von einem Netto-Betrag auszugehen.

Drittens zählt selbstverständlich der Vertrag, da er beweisbar ist (im Gegensatz zur mündlichen Aussage, die durch den von DIR unterschriebenen Vertrag übrigens schon wieder zunichte gemacht wurde).

Viertens versucht man bei AG-Wechsel immer mehr zu bekommen (ausser man muß wechseln wg. Pleite des AG usw), wenn’s hier an 50€ scheitert, hast Du Dich etwas zu schlecht verkauft oder Dein Marktwert ist nicht besonders hoch.

Grüsse

Sven

Hallo Helga,

Hallo Uschi & Helga,

ich bin keine Juristin, das vorweg.
Aber was sich mir nie erschließen wird und was ich niemals
nachvollziehen kann, ist, dass es immer noch Leute gibt, die
bei Gehältern fragen: Brutto oder netto?

Uschi, der Denkansatz war schon richtig: „immer noch“ weil es
sogar noch zu meinen Zeiten üblich war, das Gehalt mit dem AG
in Netto auszuhandeln, wie man das Wort „Tarifvertrag“
buchstabiert war eher unbekannt :wink:

Ein Arbeitgeber wird niemals über Netto-Gehalt reden. Das kann
er ja gar nicht kalkulieren. Brutto 3000 Euro können netto bei
10 Personen 10 verschiedene Gehälter sein, abhängig von
jeweiliger Steuerklasse, Kinderzahl,
Krankenkassenbeitragssatz, Freibeträge in der Steuerkarte etc.

Und genau dies ist der erste Denkfehler: Mein Ex-AG hat immer
nur über Netto-Gehalt geredet, er wusste, das er mit einer
Gehaltserhöhung von z.B. Brutto DM 200,- durch die Progression
mir eine „echte“ Gehaltssenkung hätte bescheren können. Also hat
er bei allen Gehaltsverhandlungen immer z.B. DM 200,- angeboten,
was explizit DM 200,- mehr Netto heissen sollte.
Kalkulieren musste er garnix, ihm reichte ein Anruf bei seinem
Steuerberater: Der Herr S. verdient ab nächsten Monat DM 200,-
mehr…und so war es dann auch, das ihn dies schonmal sage und
schreibe DM 800,- gekostet hat, stand auf einem anderen Blatt :wink:

Wenn du z.B. Steuerklasse 5 hast, dann würden möglicherweise
100 Euro netto mehr für den Arbeitgeber bis zu 1000 Euro
brutto mehr bedeuten (rein theoretisch ist das jedenfalls
möglich).

Sag ich doch…

Du wirst dich also nicht auf Netto-Zusagen versteifen können.
Ein seriöser Arbeitgeber macht solche nämlich nicht.

Stimmt, darauf wird sie sich nicht versteifen können, aber auch
seriöse Arbeitgeber machen ab und an solche Zusagen, das sind
aber meist diese, für die die Zeit irgendwann in den 60ern
stehengeblieben ist :wink:))

Gruß
Uschi

Auch nen Gruß
Michael

Hallo Michael,

Uschi, der Denkansatz war schon richtig: „immer noch“ weil es
sogar noch zu meinen Zeiten üblich war, das Gehalt mit dem AG
in Netto auszuhandeln, wie man das Wort „Tarifvertrag“
buchstabiert war eher unbekannt :wink:

Das war aber sicherlich noch zu Zeiten, als man einen Verkäufermarkt hatte und das Wort „Kalkulation“ bei vielen kleinere Betriebe noch im Fremdwörterlexikon nachgeschlagen werden musste.

Und genau dies ist der erste Denkfehler: Mein Ex-AG hat immer
nur über Netto-Gehalt geredet, er wusste, das er mit einer
Gehaltserhöhung von z.B. Brutto DM 200,- durch die Progression
mir eine „echte“ Gehaltssenkung hätte bescheren können. Also
hat
er bei allen Gehaltsverhandlungen immer z.B. DM 200,-
angeboten,
was explizit DM 200,- mehr Netto heissen sollte.
Kalkulieren musste er garnix, ihm reichte ein Anruf bei seinem
Steuerberater: Der Herr S. verdient ab nächsten Monat DM 200,-
mehr…und so war es dann auch, das ihn dies schonmal sage und
schreibe DM 800,- gekostet hat, stand auf einem anderen Blatt
:wink:

Damit ist meiner Meinung nach schon der erste Schritt in Richtung Pleite gegangen worden. Meiner Meinung nach ein absolut unverantwortliches Verhalten, auch den AN gegenüber (Stichwort Arbeitsplatzsicherung). Wenn der AG auch gegenüber seinen Geschäftspartnern so gehandelt hat, dann gute Nacht.

Stimmt, darauf wird sie sich nicht versteifen können, aber
auch
seriöse Arbeitgeber machen ab und an solche Zusagen, das sind
aber meist diese, für die die Zeit irgendwann in den 60ern
stehengeblieben ist :wink:))

Und die sich heute (insbesondere im Handwerk) wundern, dass sie (auch wenn die Anzahl der Aufträge nicht unbedingt zurückgegangen ist) Verluste schreiben.

Abgesehen davon sollte man als AN dann doch so helle sein und beim Unterschreiben von irgendwelchen Verträgen nochmal durchlesen, was man da so alles unterschrieben hat.

Grüsse

Sven

Hallo Sven,

also erstens wäre der AG unseriös, wenn er Dir einen
Netto-Zuwachs geben würde, denn wie bereits angesprochen kann
er das gar nicht kalkulieren.

Das halte ich für ein Gerücht. Der Nettozuwachs lässt sich ziemlich einfach berechnen:

Bruttolohn = x
Sozialabgaben = y
Steuern = z
Netto = N

x-y-z=N

Unter der Maßgabe, das evtl. Zusatzleistungen wie VWL und Fahrtgeld unberücksichtigt bleiben. Das Argument Steuer zählt nicht viel, denn der Angestellte hat eine Steuerklasse und die Progression sollte jedes bessere Programm beherrschen.

Zum Rest pflichte ich dir natürlich bei.

Gruß
Marco

Hallo Marco,

Unter der Maßgabe, das evtl. Zusatzleistungen wie VWL und
Fahrtgeld unberücksichtigt bleiben. Das Argument Steuer zählt
nicht viel, denn der Angestellte hat eine Steuerklasse und die
Progression sollte jedes bessere Programm beherrschen.

Solange man keinen Eintrag in der Lohnsteuerkarte hat (Stichwort: Verlust aus V&V) geht das noch. Aber was ist, wenn der MA vorher noch so einen Eintrag hatte, der dann im nächsten Jahr wegfällt ? Dann könnte er bei einer Netto-Zusicherung zum AG gehen und mehr Geld verlangen ? Schließlich hat er ja netto jetzt weniger in der Tasche. Oder Vater Staat verändert seine Steuersätze radikal nach oben und plötzlich hat der MA das Recht, Netto nachzufordern…

Nein, als AG würde ich mich darauf garantiert nicht einlassen. Das ist für mich genauso wie Forderungen nach erhöhtem Lohn wegen „ich brauche das Geld, weil ich mir ein Haus gekauft habe“

Grüsse

Sven

Hi Sven,

dass man sowas als guter und weitblickender Arbeitgeber nicht macht, darüber sind wir uns einig. Es ging ja eben nur um die Möglichkeit. :smile:

Gruß
Marco