Studieren, oder doch weitersuchen?

Hallo!

Ich stecke momentan in einem Dilemma. Ich bin gelernter Anwendungsentwickler und habe ein Jahr gearbeitet. Seit Dezember bin ich nun Arbeitslos und nach ca. 40 Bewerbungen in 4 Monaten (in ganz Bayern und Baden-Württemberg) glaube ich fast nicht mehr daran, dieses Jahr noch eine Arbeitsstelle zu finden.

Ich habe in BaWü meine Fachhochschulreife erstanden, habe danach aber nur eine Ausbildung zum Fachinformatiker/AE in Bayern gemacht. (FHR an Berufskolleg, somit nur in BaWü gültig)
Nun habe ich aber eine abgeschlossene IHK-Ausbildung und aufgrund der trostlosen Arbeitsmarktsituation spiele ich mit dem Gedanken doch noch zu studieren.
Lohnt es sich? Ich habe inzwischen sogar Gerüchte von arbeitslosen Diplom-Informatikern gehört. Wenn ich also nach meinem Studium immer noch Arbeitslos bin, war es nur ein netter Zeitvertreib…

Ich weiss jetzt nicht, was ich machen soll. Habe ich mit diesen Voraussetzungen (FHR nur gültig in BaWü + IHK-Ausbildung in Bayern) überhaupt Chancen an einer Bayrischen FH genommen zu werden? Wenn ja, kann ich im Falle einer Informatik-Ausbildung ein oder zwei Semester überspringen?
Was für Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich in diesem Bereich noch?

… oder soll ich einfach weiter versuchen eine „normale“ Arbeitsstelle zu finden?

Bernd

Hallo Bernd,

der Anteil arbeitsloser Ingenieur- und Naturwissenschaftler ist nach wie vor klein. Ein Ingenieur, nach 25 Semestern Studium jahrelang nur in der Betreuung einer Selbsterfahrungsgruppe gejobt, keine Berufserfahrung und keine praktische Ausbildung, zig gesundheitliche Einschränkungen und auf der Suche nach einem Halbtagsjob, nur von 10 bis 14 Uhr, Kleinkind und Rottweiler müssen mit zum Arbeitsplatz, der per Fahrrad in höchstens 10 Minuten erreichbar sein muß, wo es keinen Leistungsdruck gibt und Selbstverwiklichung an erster Stelle steht, wird möglicherweise gewisse Probleme haben, wenn die Gehaltsvorstellung oberhalb der 100 T€ liegt und sofort eine Freistellung zur Konzentration auf die anstehende Betriebsratswahl erfolgen soll.

Na gut, geringfügige Überspitzung räume ich ein und eine Arbeitsplatzgarantie gibts auch nach einem Studium nicht. Ein ordentliches Studium vermittelt Grundlagen und Methoden, sich selbst Wissen zu erarbeiten. Dieser so erworbene geistige Werkzeugkasten ist eine deutlich solidere Basis für die Anpassung an Veränderungen und für die Wettbewerbsfähigkeit am (Arbeits-)Markt, als es eine rein gewerbliche Ausbildung zu leisten vermag. Das ist aber keine Aussage gegen eine Lehre. Immer noch ist die Kombination von handwerklichem Geschick und fundierter theoretischer Ausbildung ein Ideal. Wir leben davon, daß neue Dinge auf die Rampe gestellt werden. Dazu gehört Denken und praktisches Machen.

Mit dieser langen Vorrede wollte ich verdeutlichen, daß Du sehr wahrscheinlich gewaltigen Nutzen aus einem Studium ziehen wirst. Wenn Du die Möglichkeit dazu hast, wähle das Studium und wähle eine Deinen Neigungen entsprechende Richtung.

Gruß
Wolfgang

Hi Bernd,

aalso, zuerst mal muß ich gestehen, daß ich nicht ganz sicher bin, ob ich Dich richtig verstanden hab. Darum fasse ich einfach nochmal zusammen, so wie ich’s verstanden habe, okay?
Du bist also fertig mit Deiner Lehre, bewirbst Dich wie blöde, aber trotz SAP im Titel findet sich kein Job? Und Du hast auch aus den Absagen „gelernt“? Und Deine Bewerbungsunterlagen hat auch jemand „neutrales“ wie Arbeitsamtfuzzi / Freundin / Mama / Kumpel kritisch durchgeschaut?

(in ganz Bayern und Baden-Württemberg)

Ich frag jetzt mal ketzerisch: Warum bist Du auf Bayern und BW fixiert? Selbst wenn Deine Ausbildung nicht „anerkannt“ wird, kannst Du vielleicht im Anschreiben entsprechend erklären, was Du kannst und welcher Berufsbezeichnung das in dem entsprechenden (Bundes)land entspricht.

Ich gehe ja mal davon aus, daß Du all das eh schon berücksichtigt hast und gute Gründe hast, im „wilden Süden“ zu bleiben :wink:

Und ich nehme auch an, daß Du Dich auf dem Arbeitsamt informiert hast, was es als Zwischenlösung zwischen „arbeitslos bleiben“ und „aus Verlegenheit studieren“ gibt. Vielleicht irgendwelche Fortbildungen? Ein Auslandsaufenthalt, um englisch zu lernen? Ich muß allerdings ehrlich sagen, daß ich mich da nicht auskenne und sehr viel wohl von Deinem Arbeitsarmt-Fritzen abhängt :wink:

aufgrund der trostlosen Arbeitsmarktsituation spiele ich mit
dem Gedanken doch noch zu studieren.

Und da muß ich meinem Vorredner (ich glaub, Wolfgang war’s…) teilweise widersprechen. Nur aufgrund der trostlosen Arbeitsmarktsituation zu studieren halte ich nicht automatisch für ne gute Lösung. Du mußt davon überzeugt sein, daß Du studieren willst. Da gibt es natürlich Vorteile (das vielzitierte Studentenleben und eventuell bessere Berufschancen und eventuell mehr Kohle *g*) gegen Nachteile (Kohle, Du bist mal für 4-5 Jahre festgelegt, irgendwie isses doch auch ein Haufen Lernerei) abzuwägen. Und zu studieren nur um zu „parken“ halte ich eigentlich für keine gute Lösung, zumindest sind bei mir im Studium diese Leute nach spätestens 2 Semestern wieder weg gewesen. Und dann hast Du ein abgebrochenes Studium im Lebenslauf stehen… (was ja nicht soo schlimm ist, aber immer wieder Fragen aufwirft *g*).
Schau Dir doch mal an, was die einzelnen FHs so anbieten und sprich dort mal vor, ob sie Deinen Abschluß anerkennen. Das ist nach meinem Wissen sehr von der FH abhängig.
Dann noch ein Punkt zum Studieren: Das Semester an der FH hat jetzt dieser Tage begonnen, Du müßtest also entweder „sehr schnell“ noch versuchen irgendwo reinzurutschen (falls das überhaupt noch geht!) oder hast eh Zeit bis Oktober/November :smile:

Lohnt es sich? Ich habe inzwischen sogar Gerüchte von
arbeitslosen Diplom-Informatikern gehört.

Jep, auch das kann Dir passieren, denn es kann keiner absehen wie die Situation in 4-5 Jahren ist… Schlimmstenfalls kann Dir auch nach nem Studium die Arbeitslosigkeit drohen. Darum hab ich oben gesagt, daß Du ein Studium eigentlich nur machen solltest, wenn Du wirklich davon überzeugt bist, daß Du das durchziehen willst und kannst!

Wenn ja, kann ich im Falle
einer Informatik-Ausbildung ein oder zwei Semester
überspringen?

Auch das ist Entscheidungssache „Deiner“ FH. Erfahrungsgemäß sind sie mit dem Anerkennen von Vorleistungen eher zurückhaltend. Aber leichter wirst Du’s in den ersten Semestern mit ner entsprechenden Ausbildung auf jeden Fall haben und das ist womöglich auch kein Schaden :wink:

… oder soll ich einfach weiter versuchen eine „normale“
Arbeitsstelle zu finden?

Tja, siehe oben. Entscheiden mußt eh Du, wir können Dir nur raten (und Dich durch gegensätzliche Ratschläge noch ein bisserl verwirren). Aber in Anbetracht der Semester-Situation an den FHs würde ich sagen, daß Du eh bis November Zeit hast, Dir zu überlegen, ob Du nun studieren willst und gleichzeitig noch ein paar Bewerbungen zu schreiben.

Viel Erfolg!

Petzi

Hallo Petzi.

aalso, zuerst mal muß ich gestehen, daß ich nicht ganz sicher
bin, ob ich Dich richtig verstanden hab.

Nachdem, was du am Anfang so geschrieben hast, glaub ich das auch nicht :wink:
Ich habe eine Fachinformatiker-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und habe im Anschluss darauf ein Jahr bei einer SAP-Partner-Firma gearbeitet. (daher das SAP in meiner Berufsbezeichnung… habe ich aber gerade gelöscht)

Meine Bewerbungen werden ja nicht alle grundsätzlich abgelehnt. Es kommt auch zu Einstellungsgesprächen, aber es scheinen eben andere Mitbewerber höher Qualifiziert zu sein. Das ist vergleichbar mit einem Studium: Der NC ist sprunghaft angestiegen.

Ich frag jetzt mal ketzerisch: Warum bist Du auf Bayern und BW
fixiert?
[…]
Ich gehe ja mal davon aus, daß Du all das eh schon
berücksichtigt hast und gute Gründe hast, im „wilden Süden“ zu
bleiben :wink:

Ich bin verheiratet und möchte meine Frau öfter als nur einmal im Monat sehen…

Selbst wenn Deine Ausbildung nicht „anerkannt“ wird,
kannst Du vielleicht im Anschreiben entsprechend erklären, was
Du kannst und welcher Berufsbezeichnung das in dem
entsprechenden (Bundes)land entspricht.

Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist Bundeseinheitlich. Es geht hier um die Fachhochschulreife, die ich davor erlangt habe, die mir zu einem Studium in Bayern verhelfen soll.
Oder hab ich dich jetzt nicht richtig verstanden und du meintest mit dem Anschreiben die Bewerbungen? Also die umfassen ein sehr detailliertes Dokument über meine schulisch, beruflich und privat erworbenen Fähigkeiten… und die Liste ist nicht gerade kurz. :wink:

Und ich nehme auch an, daß Du Dich auf dem Arbeitsamt
informiert hast, was es als Zwischenlösung zwischen
„arbeitslos bleiben“ und „aus Verlegenheit studieren“ gibt.

Selbständig machen oder an Fortbildungskursen teilnehmen.

Und da muß ich meinem Vorredner (ich glaub, Wolfgang war’s…)
teilweise widersprechen. Nur aufgrund der trostlosen
Arbeitsmarktsituation zu studieren halte ich nicht automatisch
für ne gute Lösung.

Da kann ich dir zustimmen. Ich bin nicht wirklich wild aufs studieren, eine Arbeitsstelle mit durchschnittlichem Gehalt wäre mir viel lieber. (ich brauch kein Diplom, um zu wissen, dass ich was kann :wink:

Du mußt davon überzeugt sein, daß Du studieren willst.

Ich glaube da liegt mein Problem (aber nur was das Studium betrifft). Wenn ich also ein Diplom in der Tasche haben sollte, werde ich vermutlich eine leitende Position einnehmen. Was das bedeuten kann hab ich nur allzu oft gesehen. Ich bin aber eher ein Familienmensch und möchte (wenn ich dann mal welche habe) meine Kinder nicht nur Sonntags sehen.

Da gibt es natürlich Vorteile (das
vielzitierte Studentenleben und eventuell bessere
Berufschancen und eventuell mehr Kohle *g*) gegen Nachteile
(Kohle, Du bist mal für 4-5 Jahre festgelegt, irgendwie isses
doch auch ein Haufen Lernerei) abzuwägen.

Ich muss ehrlich sagen, nur wegen dem Geld zu studieren ist Blödsinn. Je mehr ich verdiene, desto mehr gebe ich auch wieder aus. Im Prinzip habe ich dann auch nicht mehr…

Jep, auch das kann Dir passieren, denn es kann keiner absehen
wie die Situation in 4-5 Jahren ist…

Das kommt noch dazu. Verschwendet ist die Zeit dann zwar nicht wirklich, aber man wird ja auch nicht jünger…

Viel Erfolg!

Petzi

Danke, werde ich wohl (neben viel Glück) brauchen.
Bernd

Hi Bernd,

Nachdem, was du am Anfang so geschrieben hast, glaub ich das
auch nicht :wink:

Am Anfang oder im Folgenden? *fg* Aber ich glaub, ich hab’s jetzt verstanden :wink:

Ich bin nicht wirklich wild aufs
studieren, eine Arbeitsstelle mit durchschnittlichem Gehalt
wäre mir viel lieber.

Ich bin aber eher ein Familienmensch und möchte (wenn ich dann
mal welche habe) meine Kinder nicht nur Sonntags sehen.

Ich versuch’s nochmal mit ner Zusammenfassung :smile: Du bist also mit Deinem Beruf und den Tätigkeiten, die Du mit Deiner Ausbildung machen kannst, eigentlich ganz glücklich. Nach einem Diplom und mehr Kohle und möglicherweise längeren Arbeitszeiten verlangt Dich eigentlich gar nicht. Das einzige Problem ist, daß Du jetzt seit ner Weile nen Job suchst.
Wie gesagt, entscheiden mußt Du, das kann Dir keiner abnehmen aber aus dem Bauch raus würd ich sagen, daß Du womöglich in nem Studium nicht glücklich wärst. Ganz davon abgesehen, daß Du ja ein Studium realistisch betrachtet wohl erst im November beginnen könntest und somit jetzt eh ne Menge Zeit für Bewerbungen hast.
Das heißt, für jetzt bleibt Dir eigentlich „nur“ einen Job zu finden. (jaja, ich weiß…)

beruflich und privat erworbenen Fähigkeiten… und die Liste
ist nicht gerade kurz. :wink:

Aber Du schreibst ja, daß Du gut bist und viele und gute Qualifikationen hast, also nehme ich mal an, daß es Dir - vielleicht mit einigem Aufwand - gelingen kann, Deine Mitbewerber zu übertrumpfen! Und vielleicht kannst Du ja über Fortbildungsmaßnahmen beim Arbeitsamt Deine Attraktivität für Personalchefs noch steigern? Vielleicht haben sie Dir ja in der Absage gesagt „wir würden Sie ja gerne einstellen, wenn Sie nur xxx-Kenntnisse hätten…“ Und dann kannst Du ja mal an die xxx-Kenntnisse gehen *g*

Ich muss ehrlich sagen, nur wegen dem Geld zu studieren ist
Blödsinn.

Wenn sich das nur mehr Leute so ehrlich sagen würden :smile:

Ich drück Dir auf jeden Fall sämtliche Daumen!

Petzi

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